Dream Match als Albtraum: Goldberg vs. Brock Lesnar – WrestleMania 20

Brock Lesnar vs. Bill Goldberg heißt der Main Event bei WWE WrestleMania 33. Es wird die Fortsetzung von einem der schlechtesten WrestleMania-Matches aller Zeiten. Ihr Duell bei WrestleMania 20 kam einer Arbeitsverweigerung gleich, die Fans hassten es.

To sell out [coll.] [to betray] – Verrat begehen. To sell out [idiom] – Sich selbst untreu werden [um Geld oder Vorteile zu erlangen]. So steht es in einem Online-Deutsch-Englisch-Wörterbuch, so kann man sich am einfachsten übersetzen, was es heißt, wenn der Vorwurf „You sold out!“ fällt. Wrestling-Fans skandieren das gerne. Meist nach einer hinterhältigen Attacke unter Freunden, um selber voran zu kommen.

„You sold out!“, riefen die Wrestling-Zuschauer auch bei WWE WrestleMania 20 im Jahr 2004. Dort war es allerdings etwas anders. Dort trugen die Fans den Satz mit Inbrunst vor, noch bevor ein Kampf überhaupt angefangen hatte. Denn das Publikum hatte mal so überhaupt keine Lust auf das Duell zwischen Brock Lesnar und Bill Goldberg. Genauso wie die beiden Protagonisten – wie sich kurz darauf herausstellen sollte.

Was war los? Die Fans im als kritisch bekannten New Yorker Madison Square Garden wussten, dass Goldberg und Brock Lesnar beide die WWE verlassen würden, mit einem Fuß schon aus der Tür waren und nur noch WrestleMania hinter sich bringen mussten. Sie wussten, dass Lesnar und Goldberg selbst ohne jede Motivation in das Match gingen und sich lieber heute als morgen neuen Projekten widmen wollten.

Zwei, die das Wrestling nicht lieben

Brock Lesnar war ein Senkrechtstarter der Wrestling-Szene, ein Modellathlet, ein Muskelberg, ein Monster von einem Mann. Die WWE ließ ihn die größten Superstars zerstören, ob Hulk Hogan, The Rock oder den Undertaker, kürte ihn nur Monate nach seinem Debüt im Alter von 23 Jahren zum jüngsten WWE Champion der Geschichte und ließ ihn gleich bei seinem WrestleMania-Debüt im Jahr 2003 den Main Event gewinnen. Die WWE ließ ihr „Next Big Thing“ so steil aufsteigen wie noch niemandem zuvor – und auch niemanden mehr danach. Denn Brock Lesnar sollte der WWE eine Warnung sein.

Mit Brock Lesnar gab es nämlich ein Problem. Er war nie mit vollem Herzen Wrestler. Außerdem hatte er alle Ziele, die er erreichen kann, innerhalb kürzester Zeit erreicht. Keine zwei Jahre nach seinem Debüt verließ der Eigenbrötler die WWE, um eine Football-Karriere in der NFL zu starten. Das sollte zwar voll in die Hose gehen, den Schritt nahm ihm aber die WWE übel, das nahmen ihm auch die Fans übel, nachdem sie Wind davon bekommen hatten. Das war kurz vor WrestleMania 20.

Bei Goldberg war die Situation klarer. Es war bekannt, dass er gehen würde. Ein Mann, der die umgekehrte Karriere machte – vom Footballer zum Wrestler –, bei WCW mit vielen kurzen, aggressiven Matches zum Megastar aufstieg und mit Verspätung in der WWE ankam. Auch ein Mann, der sich auch nie mit Leib und Seele dem Wrestling verschrieben hatte. Bereits im Vorfeld von WrestleMania 20 fuhr Goldberg einen reduzierten Tourplan, konnte das geplante Match gegen Brock Lesnar kaum mit aufbauen und bewerben. Goldberg war noch nicht einmal ein Jahr in der WWE, wollte aber nur noch raus aus dem Wrestling-Business. Anschließend sollte er Filme drehen, Mixed-Martial-Arts kommentieren, dies und das machen.

Buhen hilft gegen das Einschlafen

Da standen sie also noch ein letztes Mal im Wrestling-Ring, Brock Lesnar und Goldberg, am 14. März 2004, mitten im Madison Square Garden, bei der großen Jubiläums-WrestleMania, und die Zuschauer sangen „Na na na na, hey, hey, goodbye“, noch bevor die beiden Kontrahenten überhaupt aus ihren Ringecken gekommen waren. Wie sich herausstellte, sollten die Schritte der Wrestler in die Ringmitte fast das Aktivste sein, auf das sich die beiden lustlosen Wrestler einließen.

Mit unendlichen Collar-and-Elbow-Tie-ups schoben sich Goldberg und Brock Lesnar durch das Seilgeviert, streckten das Match mit ebenso ewigen Headlock-Sequenzen, rannten nur in die Seile, wenn es unbedingt sein musste. Wenn die Zuschauer nicht mit Skandieren und Buhen beschäftigt gewesen wären, wären sie wohl eingeschlafen.

Schluss aus, wir könn' nach Haus

Nach rund zehn Minuten Match-Zeit entschieden sich die beiden Fast-Ex-Wrestler, so langsam zum Ende zu kommen, ehe sie überhaupt richtig angefangen hatten. Wie aus dem Nichts verpasste Goldberg Brock Lesnar seinen berühmten Spear, dann zeigte Lesnar gegen Goldberg seinen F-5, ein bisschen künstliche Spannung musste wohl doch sein. Dann war Goldberg nochmal an der Reihe: Noch ein Spear, Jackhammer, Schluss, aus, wir könn' nach Haus.

Mittendrin gefangen in diesem Albtraum von einem Dream Match war Stone Cold Steve Austin, der den Special Guest Referee spielte. Wenigstens er gab den Fans anschließend noch einen einzigen Grund zum Jubeln: Stellvertretend für die Fans verpasste er Brock Lesnar und Goldberg jeweils einen Stunner und zeigte ihnen so symbolisch die Tür. Es sollte das letzte Mal für Jahre gewesen sein, dass man Brock Lesnar und Goldberg in der WWE zu sehen bekam.

2017 wird es nicht besser – nur kürzer

Sieben Jahre ließ Lesnar danach auf sein Comeback warten, Goldberg zwölfeinhalb. Jetzt treffen die Altgewordenen wieder aufeinander. In einem Programm, das in den Main Event bei WrestleMania 33 mündet. Es ist die zweite Chance für Lesnar und Goldberg auf der größten aller Wrestling-Bühnen. Aber besser wird es wohl nicht mehr: Wieder soll es Goldbergs vorerst letztes Match sein. Und dieses Mal sollen er und Lesnar angeblich noch weniger bieten als damals. Schnell soll es vorbei sein, heißt es, noch schneller als in gewöhnlichen Goldberg-Matches, vielleicht schon in Sekundenschnelle. Darauf können sich die Fans einstellen.

Um einige fiese Gesänge werden die WWE und die Protagonisten auch dieses Mal wohl kaum umher kommen. Denn die Fans werden auf einen echten Main Event verzichten müssen. Und die Pfiffe könnten laut werden. Denn das rund 75.000 Plätze fassende Camping World Stadium in Orlando ist „sold out“ [adj.] – ausverkauft.

Letzte Änderung amSonntag, 02 April 2017 10:12
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