WWE Hall of Fame: Kurt Angle – The Olympic Hero

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Kurt Angle also… was soll ich sagen? Ich warne euch: Ich bin ein absoluter Nicht-Fan. Erwartet hier also bloß keine Lobeshymnen. Vielleicht liegt es daran, dass sein WWF-Debüt in die Zeit fiel, als ich in einem kleinen Studentenwohnheim in Hannover wohnte, wo es weder Fernsehen noch Internet gab. Vielleicht daran, dass ich dem sehr technischen Wrestling nix abgewinnen kann. Vielleicht aber auch daran, dass Kurt Angle das Charisma von vertrocknetem Toast hat.

Fangen wir einfach mal mit dem offensichtlichsten aller Erfolge an: Dem Gewinn der Goldmedaille im Freistil-Ringen 1996. Hier muss man ihm einfach den größten Respekt zollen. Nicht nur, dass er sich gegen die weltweite Konkurrenz durchgesetzt hat. Er hat es offenbar wohl mit einer zweifachen Fraktur „im Bereich der Halsgegend“ getan. Wahnsinn. Auf so vielen Ebenen.

Genau dieser Wahnsinn, was die eigene Gesundheit angeht, zieht sich aber wie ein roter Faden durch den weiteren Werdegang des Kurt Angle.

Nach einem sehr kurzen Zwischenspiel bei der (originalen) ECW als Kommentator 1996 fand er drei Jahre später seinen Weg zum Branchenprimus WWE/F.

In Windeseile zum besten Wrestler der Welt

Man hatte vermutlich – auf beiden Seiten – die Dollarzeichen in den Augen. Ein Goldmedaillen – Gewinner mit Potential zum Liebling aller Patrioten. Und so gewann Angle in seinem ersten Jahr bei WWE tatsächlich alle wichtigen Einzeltitel (WWE Championship, Intercontinental Championship, European Championship), später folgten dann so ziemlich alle weiteren.

2000 wurde er durch die Pro Wrestling Illustrated nicht nur zum Rookie des Jahres gewählt, sondern auch zum meist gehassten Wrestler des Jahres. Die Fehde des Jahres (gegen Triple H) gab es dann gleich noch on top. Ein Jahr später stand er auf Platz 1 der Top 500 Einzelwrestler in der PWI 500.

Seine weitere Karriere war ein Wechselspiel zwischen Verletzungen (die man meist im Rahmen von Storyline abgefangen) und Erfolgen. Letztlich endete sein WWE-Vertrag nach einem Draft zur nun dazu gehörenden ECW und der Tatsache, dass sich die gesundheitlichen Probleme einfach nicht mehr kaschieren ließen. Angle selbst soll behauptet haben, es sei ein Zusammenbruch seiner (Ex-) Frau gewesen, die sich Sorgen um seine Gesundheit machte, die ihn und WWE 2006 einvernehmlich getrennte Wege gehen ließen.

Inwieweit das stimmt, werden wir wohl nie erfahren.

Zeit bei TNA nicht minder erfolgreich

Fakt ist, dass Angle noch im selben Jahr bei TNA unter Vertrag genommen wurde und zwei Monate später dort auch im Ring stand. Seine Zeit bei TNA war vielleicht sogar die erfolgreichere – gekrönt durch die Aufnahme in die Hall of Fame der TNA im Jahr 2013 – einem Jahr, in dem er noch aktiv im Ring stand. Erst Anfang 2016 endete seine Zeit bei TNA – mit einer Niederlage gegen Bobby Lashley. Fast genau ein Jahr später, im Januar 2017 gab WWE gekannt, dass Angle nun auch seinen Platz in der WWE Hall of Fame bekommen sollte.

Sollten wir uns an dieser Stelle noch über Steroidmissbrauch und diversen DUI-Verfahren unterhalten? Ich denke, es ist müßig. Wir reden über einen Mann, der VOR seiner Wrestling-Karriere bereits schwerwiegende Nackenverletzungen hatte. Wer da glaubt, dass er fast zwei Jahrzehnte sauber im Ring steht, glaubt vermutlich auch, dass bald der Osterhase die Eier bringt.

Hat Angle es verdient in die Hall of Fame aufgenommen zu werden? Nun, wenn ich mir anschaue, wer da so alles rumgeistert: Ja, warum nicht. Er war lange dabei, hat alles gehalten, was es zu halten gab und sich sicherlich auch ums Wrestling verdient gemacht.

Dennoch wird er für mich nie zu den ganz Großen gehören. Allein schon nicht, weil der erste Gedanke, der mir bei seinem Engagement für den Film „Pro Wrestlers vs Zombies“ durch den Kopf ging, war: Ob er wohl zu den Pro Wrestlers oder den Zombies gehört…? Wenigstens ist die Musik gut.

Letzte Änderung amFreitag, 31 März 2017 10:02
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