Jon Cross

Jon Cross

Tja, wie hätte es wohl der große Oliver Kalkofe ausgedrückt: „Es gibt Wrestling-Matches, die sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Das nennt man dann Trash. Und es gibt Wrestling-Matches, die sind so schlecht, dass sie einfach nur grottenschlecht sind. Das nennt man dann gequirlte Sch****!“ Das heutige Kalendertürchen… ist daher den Pro-Wrestling-Kämpfen gewidmet, die in die eine oder andere Kategorie eingeordnet werden können - auf alle Fälle aber im gewisse Sinne Fanmassen und Meinungsbild polarisiert haben.

Und es ist geradezu faszinierend (und auch ein wenig erschreckend), wie viele derartige Darbietungen innerhalb der letzten Jahrzehnte uns von den Ligen so dargeboten wurden. Und diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Daher heute eine Art „Top of the Worst“, bei dem wir auch mal Gnade vor Recht ergehen lassen und somit derartige Matches außen vor, wo man noch halbwegs von etwas Wrestling sprechen kann. Dazu zählen beispielsweise die vielen „…Rules Matches“ oder die „… on a pole“-Kämpfe, wo man an der Mastspitze schon Schaumweinflaschen, Truthähne, Lederjacken, Münzsocken und Viagra-Packungen bewundern konnte. Die gute Judy Bagwell hätte die Traglast dereinst aber wohl überschritten, sodass man sie auf einen Gabelstapler verfrachtete. Nicht unerwähnt bleiben sollen in diesem Zusammenhang auch so historische Meilensteinchen wie „Hog Pen“, „Good House Keeping“, „Boxer vs. Wrestler“, „Brawl for all“, „Last Rites“, „Inferno“ oder „Gulf of Mexico“, um nur einige denkwürdige Kandidaten zu nennen.

Aber… es ging noch denkwürdiger:

15.) San Francisco 49er Match

WCW Heavyweight Championship
Jeff Jarrett © vs. Booker T
WCW Monday Nitro: 02.10.2000

Wer jetzt glaubt, dass man hier passend zur Football-Season ein entsprechendes Hardcore Match präsentiert bekam oder entsprechende Athleten ringside als Lumberjacks, der sah sich getäuscht. Mir persönlich entzieht es sich bis heute, was die damalige Heimmannschaft mit einem Gimmick-Fight zu tun hat, bei dem vier an Fäden hängende Geschenke von den Ecken baumeln: In einem befand sich der auf dem Spiel stehende Titelgürtel, in den restlichen drei unterschiedlich nützliche Gegenstände. In diesem Fall eine Gummipuppe, ein Kohlenarbeiter-Handschuh sowie ein gerahmtes Portrait von Scott Hall! Booker Ts Gesichtsausdruck, als er dies in Händen hielt, glich damals meinem - allerdings für das gesamte Machwerk. Schön war bloß, dass Huffman sich letztlich das Gold sichern konnte. Die deutsche ACW hat eine ähnliche Matchart - nur das dort die Pakete am Boden stehen und nicht bei der kleinsten Berührung schon von selbst herunterfallen. Von daher: mehr als mäßig. Und aus wessen Feder diese Idee bei der WCW kommt, muss ich glaube ich nicht erwähnen…

14.) Graveyard Match

Vampiro vs. KISS-Demon
WCW Bash at the Beach 2000

Der morbide Charme von Fehden, wenn sie auf die jeweilige Sterblichkeit abzielen, hat ihren gewissen salonfähigen Grusel. Das klappt ganz gut in der WWE, wenn der Undertaker als „Fachmann“ für das horizontale Lebensende involviert ist. Und bislang hat das auch beispielsweise in „Buried alive“- und Sarg-Matches ganz passabel funktioniert. Die WCW wollte im Millenniumjahr auf den Zug mit aufspringen - hatte sie doch mit Vampiro jemand in ihren Reihen, der ebenfalls ein Faible für die Ablebenden hatte. Was letztlich aber herauskam, da konnten auch seine Skills nichts mehr retten. Nachdem bereits Sting sein Opfer geworden war (dazu an anderer Stelle mehr), war nun der KISS-Demon an der Reihe. Auch eine Gimmick-Totgeburt, die ihren Schöpfer (Eric Bischoff) überlebt hatte und seitens Vince Russo nun verjobbt wurde. Negativer Höhepunkt des Ganzen war dann das besagte Soft-Brawl-Gerangel auf einem Friedhof, welches zudem eine Aufzeichnung war und wo schließlich auch der Glam-Rock-Fan sein Ende fand. Zum Glück, möchte man meinen, dauerte es nicht zu lange, denn schon zuvor war die Fehde (wie viele der WCW seinerzeit) eher ein Rohrkrepierer. Naja - zumindest Roger-Corman- und Ed-Wood-Fans dürften ihre Freude gehabt haben…

13.) Taipeh Deathmatch

Ian Rotten vs. Axl Rotten
ECW Hardcore Heaven 1995

Angesichts dessen, was man damals als geneigter Fan zu sehen bekam, muss die taiwanesische Hauptstadt ein gefährliches Pflaster sein. Wenn ich dann allerdings bedenke, dass laut Stipulation die getapeten Hände mit Glasscherben versetzt werden, erinnert einen das eher an Thailand und den Beginn des dritten „Rambo“-Films. Egal: gepasst hat es auf alle Fälle zur ECW wie die Faust aufs Auge und hätte auch eine richtig harte Schlacht sein können. Und ich glaube auch, dass die Rotten-Storyline-Brüder entsprechend Hass mit hineingelegt haben. Was letztlich aber herauskam, erinnerte eher entfernt an die UFC oder den „Fight Club“ mit zwei adipös-geneigten Akteuren, die sich ohne wirkliche Wrestling-Aktionen zu zeigen scheinbar beweisen wollten, wer mehr Blut im Körper hat… bzw. wem der größere Aderlass gelingt. Eine Schlachtplatte par excellence… und meines Erachtens eines der schlechtesten Matches, das mir je untergekommen ist. New Blood, please!

12.) Human Torch Match

Sting vs. Vampiro
WCW Great American Bash 2000

Und schon sind wir bei der angesprochenen Fehde zwischen Vampiro und dem Stinger. Die zwei hatten zwar auch ihre jeweiligen Lichtblicke (zum Beispiel ein weitaus besseres Friedhofsmatch als gegen den Demon und andere Gimmick-Fights) - das vorläufige Ende war dann aber ein Fall für geteilte Geschmäcker. Nachdem der Name Inferno Match wohl rechtliche Probleme mit Stamford gebracht hätte, wurde das nun „Human Torch“ genannte Spektakel für den Bash festgelegt mit dem Ziel - ja, richtig - den jeweiligen Gegner zum Sieg anzuzünden. Schon der Name ließ erahnen, in welchem Ausmaß die Flammen die Athleten erleuchten sollten. In einem mehr als mäßigen und zudem sehr kurzen Match trug Vampiro den letztlichen Sieg davon, als er Sting (oder besser dessen Stunt-Double) hoch oben auf dem WCW-Tron anzündete und flackernd in die Tiefe schmiss. Wat ein Abgang… die eigentlich interessantere Randnotiz war da Vampiros mysteriöser Fremder - und bei dem es sich um Chris Daniels handelte. Aber ob er diesen Angle oder die WCW gerettet hätte?! Zitat DDP: I don't think so…

11.) APA Invitational Bar Room Brawl

Bradshaw vs. Farooq vs. Brother Love vs. Shannon Moore vs. Doink the Clown vs. Nunzio vs. Matt Hardy vs. Danny Basham vs. Doug Basham vs. Easter Bunny vs. Sean O'Haire vs. John Hennigan vs. Orlando Jordan vs. Funaki vs. Conquistador Uni vs. Cosquistadore Dos vs. The Brooklyn Brawler vs. Johnny Stamboli vs. Chuck Palumbo vs. Matt Cappotelli vs. Spanky vs. Chris Kanyon
WWE Vengeance 2003

Was tun, wenn der Kader zu groß ist und man auf einer PPV-Card noch Platz hat? In den meisten Fällen lautet die WWE-Antwort „Battle Royal“ oder „Multimen Match“. Letztere Option zog man an diesem Abend - und da man gerade keinen Hardcore-Titel greifbar hatte, ließ man einfach die Acolytes Protection Agency alias APA eine offene Einladung zum lustigen Gerangel in einer stilisierten Saloon-Bar aussprechen. Und schon tummelte sich der Brand-Kader verstärkt um Brother Love, Doink und jemand im Hasenkostüm (der später als Damien Sandow seinen Weg gehen sollte) in der Pseudo-Barwirtschaft. Folglich kloppten, brawlten und schmissen sich die knapp über zwanzig Leutchen für gute fünf Minuten durch die Kulissen, ließen Hocker, Tischen und Einrichtung zu Bruch gehen und übten sich nebenher im einarmigen Reißen in der Halbliter-Klasse. Ein herrlich trashiges wie beklopptes Spektakel - aber es war unterhaltsam… und hatte so seinen Sinn erfüllt. Gewonnen hat übrigens Gastgeber Bradshaw, weil er „Last Man Standing“ war.

10.) Jailhouse Match

Big Bossman vs. The Mountie
WWE SummerSlam 1991

Die Idee war eigentlich nicht schlecht, zwei Ordnungshüter aus benachbarten (aber verfeindeten) Ländern gegeneinander zu stellen. Allerdings tat die Qualität des Matches und seiner Beteiligten sowie der Gesamteindruck einer recht dürftigen Sommerparty ihr Übriges dazu. Seinen gewissen Show-Wert hatte der Kampf - wenngleich eher hinterher, als verschiedene Clips den geschlagenen Mountie hinter Gittern und seinen dortigen Torturen mit erkennungsdienstlichen Maßnahmen und Zellengenossen zeigte. Der Fight selbst… naja, mittelmäßig allemal.

9.) King of the Road Match

Blacktop Bully vs. Dustin Rhodes
WCW Uncensored 1995

Der legendäre wie dürftige Fight, der Rhodes' WCW-Karriere einst für eine gewisse Zeit beendete. Und warum? Weil er und der frühere Repo Man beide einen Blade Job machten, was gegen die damaligen Regularien der Promotion aus Atlanta war. Da fragt man sich, ob man in dem Fall nicht mit zweierlei Maß gemessen hat: Schließlich hieß der PPV „Uncensored“ und sollte eben die etwas härteren Fehden in den Mittelpunkt stellen. Da war Blut nun mal hilfreich - aber andererseits hat auch das den K(r)ampf nicht wirklich besser gemacht. Zwei gestandene Fighter auf einem langsam dahintuckernden Sattelzug, die sich auf der Ladefläche in Käfig-Optik wie zwei Bewegungsverweigerer am Klettergerüst abmühen… und dann nicht mal live - das ist schon was für harte Nerven. Zum Glück hat sich später nicht mal ein Vince Russo wieder an diese Idee gewagt.

8.) Punjabi Prison Match

Undertaker vs. Big Show
WWE Great American Bash 2006

Jeder hat so sein Steckenpferd von Match: also der Kampf, der thematisch auf einen zugeschnitten ist. Legt man das zugrunde, dann müsste sowohl vom Namen her als auch hinsichtlich des Materials das aus zwei verschachtelten Bambus-Käfigen bestehende „Punjab-Gefängnis“ die Paradedisziplin des Great Khali sein. Allerdings stand er bei der Premiere Mitte 2006 nicht im Ring, sondern überließ dem Taker und Paul Wight das Feld. Richtige Entscheidung, nimmt man einmal die jeweils bekannten Skills als Basis. In dem Fall… passte das aber nicht. Die gut zwanzig Minuten zogen sich zwischen beiden Hünen wie zäher Kaugummi hin. Zudem glaubten nur die wenigsten daran, dass die auch nicht gerade leichten Kolosse beim Schließen der letzten Tür es kletternd über die mit angespitztem Bambus verzierten Käfigränder versuchen würden. Ein Fall für die Vorspultaste und - das sollte man auch erwähnen - Khali selbst nebst Batista machten es gut ein Jahr später (diesmal um den Titel) in der Neuauflage besser. Und das will etwas heißen!

7.) Junkyard Invitational Match

Fit Finlay vs. Ciclope vs. Jerry Flynn vs. Johnny Grunge vs. Hak vs. Horace Hogan vs. Brian Knobs vs. Hugh Morrus vs. La Parka vs. Lord Steven Regal vs. Rocco Rock vs. Silver King vs. Squire Dave Taylor vs. Mikey Whipwreck
WCW Bash at the Beach 1999

Gleiches Spiel wie bei der Bar-Rauferei zuvor - nur eine ganze Klasse schwächer, dunkler und unübersichtlicher. Zudem auch nachhaltiger, da sich etliche der 14 angetretenen B-Kaderer bei der Schrottplatz-Stuntrevue verletzt hatten - daher kann man das Match getrost als Schuss in den Ofen betrachten. Allerdings… gilt das für die WCW in der zweiten Jahreshälfte 1999 komplett, da sie sich insbesondere im Sommer auf einer Straße ins Nirvana befand und die Backstage-Scharmützel sich auf die Kampfqualitäten auswirkten. Was bleibt ist eine Prügelei mit Hinterhof-Charakter in einem „Mad Max“-Setting, bei dem Fit Finlay letztlich die Hardcore Trophy ergattern konnte. Man kann aber auch sagen: die goldene Ananas, denn der Preis hatte faktisch keinen wrestlerischen Wert.

6.) Chamber of Horrors Match

Sting, El Gigante & Steiner Bros. vs. Abdullah the Butcher, Cactus Jack, Big Van Vader & Diamond Stud
WCW Halloween Havoc 1991

Der Opener der damaligen Show: Tja, eigentlich war das Match nicht wirklich schlecht - aber auch reichlich bizarr. Den „Fall Brawl“ mit War Games gab es ja noch nicht - aber man hätte schon mal üben können hinsichtlich, dass einer nach dem anderen reinkommt. So war der Fight immer etwas unüberschaubar - und ganz am Anfang habe ich mich gefragt, ob einige den Sinn des Käfigs erkannt haben, wenn sie sich denn außerhalb die Rübe einschlugen. Dann ging es aber hinein - und einige befestigte Schlagutensilien wurden in die Zwistigkeiten mit eingebunden. Passend zu Halloween gab es sogar Särge mit lebenden Mumi… sorry, Masken-Wrestlern - für die Liebhaber von „Familie Munster“ vermutlich. Das eigentlich morbide an dem ganzen Spektakel: Zum Sieg musste man einen der Gegner auf einen elektrischen Stuhl schnallen und den Strom einschalten. Soviel zur gepflegten Familienunterhaltung… Am Ende bekam Abdullah die Ladung ab. Mahlzeit!

5.) Hollywood Backlot Brawl

Goldust vs. Roddy Piper
WWE WrestleMania XII

Kurz vor der größten Veranstaltung des Jahres stand die WWE vor einem Dilemma: Mit Razor „Scott Hall“ Ramon und Sean „123-Kid“ Waltman fielen zwei Athleten kurzfristig aus, die in der damaligen Mittelgewichtsszene wichtige Glieder waren. Also reaktivierte man, um Intercontinental Champion Goldust nicht allein dastehen zu lassen, kurzerhand den Hot Rod für einen Abend. An sich keine schlechte Idee - allerdings war die letztliche Umsetzung an Trash kaum zu unterbieten. Ein wirklicher Brawl kam zunächst nicht zustande, da sich beide wie weiland O.J. Simpson eine Helikamera-überwachte Jagd durch Los Angeles lieferten, ehe sie an der Halle ankamen und dann wild aufeinander einschlugen. Das Ganze über mehrere Segmente zerschnipselt und vorher aufgezeichnet. Die Krönung des Ganzen dann bei der Entscheidung im Ring, wo Piper zunächst beherzt Hand an Goldies Vergnügungszentrum anlegte und dann per rasanter Entkleidung offenbarte, welche Art weiblicher Unterwäsche Runnels wohl bevorzugt. Ein durch und durch maues und unterdurchschnittliches Match. Ein Glück, dass der IC-Belt nicht auf dem Spiel stand - der Makel hätte dem Gürtel noch lange angehaftet.

4.) Hardcore Evening Gown Match

Hardcore Championship
Pat Patterson © vs. Gerald Brisco
WWE King of the Ring 2000

Also grundsätzlich klingt so eine Begegnung erstmal nicht schlecht - wenn man dann aber liest, dass sie zwischen zwei alternden Herren abläuft, quellen einem nicht nur die Augen raus, sondern Galle und Mageninhalt gefühlt gleich mit. Aber das Match hat Symbolcharakter für den wohl schlechtesten PPV des damaligen WWE-Jahres… der anders gebookt sicher eine Augenweide gewesen wäre. Und dann diese Farce: Als ob die Hardcore-Division nicht schon eine Karikatur selbst wäre, wird diese Division mit dem Match nochmals durch den Kakao gezogen. Zwei gestandene Haudegen des Business, Pat Patterson und Gerald Brisco, müssen gegeneinander fehden und sich mit Glitzerkleiden, Strumpfhosen und Perücken derart auftakeln, dass „Ein Käfig voller Narren“ zum Kindergeburtstag verkommt. Dazu kommen gefühlte drei Minuten Rummelringen und Klopperei mit Teddybären, ehe Hardcore-Dauerständer Crash Holly ein Einsehen hat, beide ähnlich Goldust (siehe Nr. 5) demütigend entkleidet und sich per 24/7-Regelung seinen Gürtel wiederholt. Über so viel Trash-Trash kann man nur den Kopf schütteln.

3.) Doomsday Cagematch

The Mega Powers (Hulk Hogan & Randy Savage) vs. The Alliance to End Hulkamania (Ric Flair, Arn Anderson, Meng, The Barbarian, Lex Luger, The Taskmaster, Z-Gangster & The Ultimate Solution)
WCW Uncensored 1996

Und schon wieder die WCW - aber diesmal mit einem echten Klassiker schlechten Geschmacks: Die Grundidee hinter dem auch als „Tower of Doom“ bekannten, vierstöckigen Drahtkäfig war schlichtweg die Zerstörung der Mega Powers Hulk Hogan und Randy Savage, die sich zum Sieg durch alle Ebenen fighten und dabei Leute wie Ric Flair, Arn Anderson und Meng besiegen mussten. Allerdings waren auch Kaliber wie Hogan-Kumpel Brutus Beefcake und - nicht zu vergessen - Tony „Ze Gangster“ Lister sowie Final Solution dabei. Also… Endlösung - was man allerdings erst hinterher bemerkte und den Fehler nicht mehr korrigieren konnte. Doch das Match war ebenso katastrophal: Da der Boden der gleiche Draht wie an den Käfigwänden war, konnte sich kein klassischer Kampf entwickeln, sondern eher ein Brawl wie auf rohen Eiern. Und wenn man dann noch die Skills vom Hulkster und vom Macho Man dazurechnet… kann man sich ungefähr ausmalen, was die Zuschauer in der Halle und an den Fernsehschirmen schemenhaft durch den Maschendraht zu sehen bekamen für ihr Geld. Ein Hauptkampf zum Fremdschämen, bei dem die Baby-Babyfaces dann natürlich auch Cena-like triumphierten. Bezeichnend für den Kampf.

2.) Kennel from Hell Match

Hardcore Championship
Al Snow © vs. Big Bossman
WWE Unforgiven 1999

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo… ein Hundezwinger her. Und mit diesem höllischen Tiergehege toppte man anno 99 den Turm des Untergangs - in negativer Hinsicht. Die Story um Al Snows Schoßhündchen Pepper und den später wörtlich genommenen „Hotdog“ seitens des Bossman war an sich schon trashig genug. Die Rache sollte folgen - und da man für den „Hell in the Cell“-Käfig gerade keine Verwendung hatte, stülpte man ihn über einen normalen Steelcage alter Machart, drapierte angebliche zähnefletschenden Wachhunde dazwischen und nannte das Ganze „Kennel from Hell“. Die wahre Hölle erlebte aber der Zuschauer beim Anblick: Snow und der Bossman erwischten einen schwarzen Tag und zeigten außer ein wenig Brawlerei kaum etwas, was den Begriff Wrestling verdient hätte. Und die titelgebenden Hunde… beschränkten ihre Bedrohlichkeit sowohl auf (offensichtlich) angstbedingte Notdurft als auch darauf, ihren sexuellen Grundinstinkten nachzugehen. Zu viel des Guten für die Fans, die den Fight zurecht bis heute als Synonym für „grottig“ stigmatisierten. Kalk-Olli hätte von gequirlter Kacke gesprochen - und solche lag dann auch haufenweise um den Ring herum, sodass die Kameraleute schon den gefährlichsten Job im Match hatten: nicht auszurutschen.

1.) The Final Deletion

Jeff Hardy vs. Matt Hardy
TNA Impact Wrestling: 15.06.2016

Und damit… zum wohl zweischneidigsten Angle dieses Wrestling-Jahres - und für mich zur Topplatzierung in diesem Ranking. Einige werden jetzt vielleicht anderer Meinung sein, aber es geht hier um die bizarrsten Matches - und bizarr kann sowohl positiv als auch negativ sein. Dass das, was die Brüder da ablieferten, bizarr war, wird mit Sicherheit keiner bestreiten. Das zeigt auch das bisherige Meinungsbild diesbezüglich: Die Bandbreite geht von Meisterwerk bis hin zu audiovisueller Diarrhoe bzw. eher darum, ob man es überhaupt als Match bezeichnen möchte. Meine bescheidene Meinung: eher nicht. Einen gewissen hohen Unterhaltungswert hatte die mit dramatischen Kamerafahrten und -bildern unterlegte Horrorhatz beider auf alle Fälle und auf irgendeinem obskuren Independent-Filmfestival hätte es dafür sicher eine dramaturgische Auszeichnung gegeben (oder zumindest einen Themenabend bei arte). Aber vom Wrestling im eigentlichen Sinne war das Ganze so weit entfernt wie Alpha Centauri für einen Ameisenstaat. Zwischen einigen gut eingebauten Aktionen wie einer Swanton Bomb vom Baum war aber auch viel Kintopp mit anderen Bäumen, Feuer, Feuerwerk und einem falschen Gärtner dabei. Hier sage ich einfach: „Das… ist kein Wrestling, das war einfach… Trash!“ Der aber von einer beachtlich hohen Qualität. Und daher rechtfertigt das für mich auch den Platz 1.

Wenn es mal wieder länger dauert… dann hat man heutzutage eher die Assoziation zu einem namhaften Schokoriegel. Der und anderes Junkfood ist aber auch manchmal im Pro Wrestling gefordert: wenn nämlich manche Begegnungen derart lange dauern, dass man, um nix zu verpassen, die dringende Toilettenpause hinauszögert - oder eben der kleine Hunger ruft, um einen anderen Werbeträger zu zitieren.

Heute wollen wir deshalb mal einen Blick auf die bislang zeitintensivsten wöchentlichen Matches werfen, die uns World Wrestling Entertainment bislang geboten hat. Und die Auswahl zeigt deutlich, dass die Top 10 in der Neuzeit liegt - denn unter einem gewissen Chefbooker mit Hang zu Show und Theatralik hätte es das wohl nicht gegeben. Also dann…

10.) Roman Reigns, Dean Ambrose, Ryback, Jimmy & Jey Uso vs. Seth Rollins, Kevin Owens, Big E, Kofi Kingston & Xavier Woods (30:31 min)
Elimination Match
RAW 02.11.2015

Zwischen WWE Hell in a Cell und Survivor Series kam durch die Verletzung von Seth Rollins (sowie einiger anderer Titel-Aspiranten) nicht nur Bewegung ins Geschehen um die WWE World Championship, sondern man hatte auch noch etliche andere Fehden am Laufen. Da machte man gleich aus der Not eine Tugend - und servierte mit einem vorgezogenen Ausscheidungsmatch schon mal einen Aperitif zur Letzten der Big 5. Eine gute Entscheidung, denn so rutschte Owens aus seinem IC-Programm mit Ryback nahtlos in höhere Gefilde auf und die Usos ins Visier von New Day. Letztlich verblieben die ehemaligen Shield-Mitglieder, wobei Rollins das (gesundheitlich) Nötigste tat - und mit dem Stuhlschlag zum DQ-Sieg für die ehemaligen Kollegen die Entscheidung brachte.

9.) Randy Orton vs. Dolph Ziggler vs. John Morrison vs. R-Truth vs. John Cena (30:47 min)
Gauntlet Match
RAW 11.04.2011

Nur unwesentlich länger dauerte ein weiterer RAW-Main-Event, bei dem es allerdings diesmal um deutlich mehr ging: nämlich darum, einen Herausforderer auf den damaligen WWE Champion The Miz zu finden. Dabei war dessen Run sehr oft von Kontroversen geprägt, wie man dem Hauptkampf von WrestleMania 27 entnehmen konnte. Folglich ließ es sich der Titelträger nebst seinem damaligen Schatten Alex Riley nicht nehmen, bei diesem Match zu erscheinen und einzugreifen. Und so hätte es auch noch etwas länger laufen können, wenn denn Miz und Alex nicht die beiden verbliebenen Kontrahenten John Cena und The Truth alias Ron Killings angegriffen hätten. Wieder eine Disqualifikation - die letztlich aber nach hinten losging und Miz für Extreme Rules die Genannten als Herausforderer bescherte. Selbst, wenn Killings verletzungsbedingt später durch John Morrison ersetzt wurde.

8.) Chris Benoit, Chris Jericho & Edge vs. Randy Orton, Ric Flair & Batista (34:35 min)
Elimination Match
RAW 14.06.2004

Ein weiterer langer RAW-Hauptfight… und wieder nach dem „Reise nach Jerusalem“-Pendant aus Stamford. Es war das Jahr von Chris Benoit als Champion, welches leider nicht so ruhmreich war wie es eigentlich hätte sein können. Die Nacht nach „Badd Blood“ und der Titelverteidigung gegen Kane stand wieder ganz im Zeichen der Fehde mit Triple H bzw. Evolution. In diesem Fall einer langen und auch recht guten Auseinandersetzung konnte Benoit, flankiert von seinen kanadischen Landsleuten, dabei einen Punkt setzen und den Kampf letztlich für sich und das Team entscheiden. Ein Vorgeschmack auf das direkte Duell mit Hunter einige Zeit später.

7.) 15-Man Royal Rumble: Kurt Angle vs. Rhyno vs. Charlie Haas vs. Shelton Benjamin vs. Bradshaw vs. Ernest Miller vs. Tajiri vs. Billy Gunn vs. Big Show vs. John Cena vs. A-Train vs. Nunzio vs. Eddie Guerrero vs. Rikishi vs. Hardcore Holly (37:06 min)
SmackDown 29.01.2004

Das erste SmackDown-Match der Rangliste zeigt, dass die WWE große Personalansammlungen auch anders lösen kann. Denn wenn man nicht mehr weiter weiß… bildet man einen Arbeitskreis. In diesem heißt der Zusammenschluss Battle Royal und steht normalerweise beim Royal Rumble im Mittelpunkt. In diesem Fall sollte ein neuer Herausforderer auf Brock Lesnars WWE Championship gefunden werden, nachdem Lesnar Hardcore Holly besiegte. Selbiger ging dann wie zwölf andere Kollegen übers Seil, sodass sich Eddie Guerrero und Kurt Angle als Survivor eine gut zehnminütige Endsequenz lieferten. Wiederum ein Vorgeschmack, denn beide trafen bei WrestleMania erneut aufeinander.

6.) Daniel Bryan vs. Jack Swagger, Antonio Cesaro & Ryback (37:20 min)
3-on-1 Handicap Gauntlet Match
RAW 22.07.2013

2013 begann der Stern von Bryan Danielsons Run als Topdraw in der WWE erstmals aufzublühen, als er im Sommer des Jahres faktisch aus der kalten Hose zum Top-Herausforderer auf John Cenas Schwergewichtsgürtel ernannt wurde - und zwar von diesem persönlich. Der Yes!-Man zelebrierte erstmals seinen Trademark-Move, was ihn in den Mainstream pushte. Der Weg dorthin war daher gut mit (storylinebedingten) Zweiflern und Neidern gepflastert, unter anderem einem General Manager namens Brad Maddox. Der schickte ihn auf der Straße zum SummerSlam nach der Vertragsunterzeichnung in ein Gauntlet Match mit drei Herausforderern, welche D-Bry auch nahezu alle bzw. in einem Fall in der Folgewoche dann auch besiegte. Der Rest… ist ein Stück Geschichte.

5.) Samoa Joe vs. Sami Zayn (43:08 min)
2 out of 3 Falls Match
NXT 09.03.2016

Das Wrestling auf das Wesentliche konzentriert - das ist der Antrieb, warum viele die WWE-Talentschmiede NXT verfolgen. Und manchmal ist selbst NXT auf das Wesentliche konzentriert… so wie in der Ausgabe vom 9. März 2016, die nur aus einem Match bestand. Das aber hatte es in sich. Im Kontrast zu einem beängstigend toten Publikum zelebrierten Sami Zayn und Samoa Joe eine gute Dreiviertelstunde lang einen kleinen modernen Klassiker, bei dem der Ex-TNAler Zayn letztlich zur entscheidenden Aufgabe zwang, um anschließend NXT Champion Finn Balor um den Gürtel zu fordern.

4.) John Cena vs. Shawn Michaels (55:49 min)
RAW 23.04.2007

Das erste reine Wrestling-Match dieser Auflistung… ist auch das Einzige. Dafür bekam das Londoner Publikum ein nahezu doppelt so langes Rematch des WrestleMania-Main-Events präsentiert, das noch eine Spur besser als das Mania-Match war, allerdings nicht um den Titel ging. HBK, der seinen verletzten Buddy Triple H in der Fehde ersetzt hatte, zog den Chaingang Soldier zu einem seiner besten Fights, der fast eine Stunde lang bestens unterhielt. Und… das Michaels letztlich clean für sich entschied.

3.) Chris Benoit © vs. Triple H (1:00:00 min)
World Heavyweight Championship: 60-Minute Iron Man Match
RAW 28.07.2004

Tja, was könnte anderes ganz oben stehen als die runde Stunde Power und Ausdauer: das Iron Match Match! Platz 3 daher an den eher unbekannteren der beiden Weekly-Vertreter… wenngleich keinen, der in irgendeiner Form unterdurchschnittlich wäre. Denn Benoit und Helmsley zeigen innerhalb der 2004er-Titelregentschaft des Cripplers einen harten, spannenden und abwechslungsreichen Fight. Zwar anfangs ein wenig zäh, dann aber mit ordentlich Dynamik hätte er auch gut zu einem PPV passen können. Aber … hätte, hätte - Fahrradkette!

2.) Kurt Angle © vs. Brock Lesnar (1:00:00 min)
WWE Championship - 60-Minute Iron Man Match
SmackDown 18.09.2003

Die Latte für den eben genannten Kandidaten lag damals nämlich recht hoch, hatten doch knapp ein Jahr zuvor Kurt Angle und Brock Lesnar ihrer WrestleMania-Fehde neues Feuer gegeben und hier innerhalb der Arbeitswoche einen echten Klassiker rausgehauen. Beide Ausnahmeathleten ließen die eine Stunde wie im Fluge vergehen und würzten die Kampfminuten mit viel Tempo, wenig Handbremse und einer großen Portion Qualität. Und viel Dramatik, wenn man sich anschaut, wie Lesnar die letzten Sekunden durchgestanden hat.

1.) Roman Reigns & Daniel Bryan vs. The Miz & Damien Mizdow vs. Jimmy Uso & Jey Uso vs. Diego & Fernando vs. Heath Slater & Titus O'Neil vs. Konnor & Viktor vs. Big Show & Kane (1:05:15 min)
Tag Team Turmoil Match
SmackDown 12.02.2015

Und es geht sogar noch länger (gut, wäre auch bei einem Iron Match durch einen Sudden Death möglich)... aber in diesem speziellen Fall nur, weil man zwei der Topcarder die Tag Team Division auseinandernehmen lässt. Geschehen zwischen dem Royal Rumble und Fastlane im Jahr 2015: die Fans wollten mal wieder D-Bry an der Spitze sehen und Roman Reigns in der Versenkung, während die Company wohl das genaue Gegenteil vorhatte. Also machte man aus der Not eine Tugend, gab beiden ein Match beim letzten Event vor WrestleMania… und ließ beide zudem vorher als Tag Team Respekt und Eintracht üben. Und… das machten beide nicht einmal schlecht, denn innerhalb dieser Tag-Team-Gauntlet-Variante konnten die Faces sage und schreibe sechs andere Duos besiegen und so mehr als eine Stunde im Ring verbringen (Pausen, Themes & Entrances jetzt mal mit eingerechnet). Eine beachtliche Leistung - doch die wahre Hoffnung, Reigns damit bei den Fans over zu bringen, gelang nur mäßig.

Matches made in heaven

01 Dezember, 2016

Normalerweise ist es eigentlich nicht üblich, den Reigen der Kalendertürchen mit was Traurigem zu beginnen, aber… der eine oder andere wird es mit Sicherheit gemerkt haben: 2016 war (und ist noch) ein trauriges Jahr, zumindest was die gefühlt vielen Prominenten angeht, von denen wir uns über die vergangenen Monate verabschieden mussten. Und auch das Wrestling-Business blieb davon leider nicht verschont, wie wir beispielsweise anhand von „Chyna“ Joanie Laurer oder Balls Mahoney erlebt haben.

Eine traurige Randerscheinung des Wrestlings ist ja leider, dass den Athleten sehr oft keine besonders hohe Lebenserwartung beschieden ist. Nur sehr wenige erreichen die 80, während beim Rest oft das Schicksal in Form von Krankheiten, Unglücksfällen, beruflichen Spätfolgen oder medikamentösem Fehlgebrauch dazwischenhaut.

Über die vergangenen Jahre haben uns viele langjährige Superstars verlassen - in manchen Fällen derlei, dass man ihre damaligen Matches mit dem Personal inzwischen eine Etage höher wiederholen könnte. Diesen Leuten und Matches ist das heutige Kalendertürchen gewidmet: eine… zugegebenermaßen sekundär eingefärbte Top 10 seitens des Autors, die gern Spielraum zur Diskussion oder Philosophie über etwaige eigene Hitlisten zulässt. Zudem sei auch verziehen, dass als Bewertungszeitraum nur die letzten Jahrzehnte herangezogen wurden - das Wrestling an sich aber deutlich älter ist.

Ferner werden einige Akteure hier und heute mehrfach genannt. Dies sei genauso verziehen - denn andererseits: es bedeutet, dass viele andere unserer Helden der Mattscheibe ja noch unter uns weilen. Und darüber sollten wir froh sein.

 

10.) WWE RAW vom 17.01.2000 - Hardcore Championship: Big Bossman © vs. Test

Für einige dürfte hier bereits die Top Ten in Frage gestellt werden - zum einen angesichts der geschichtlichen Fülle legendärer Schlachten mit bereits verschiedenen Topstars sowie zum anderen aufgrund der Akteure. Denn der von Ray Traylor verkörperte Bossman war zwar dessen bekanntestes Gimmick, welches jedoch kaum mit akrobatischen Kabinettstückchen im Gedächtnis geblieben ist. Allerdings gefiel er mir hier in diesem Fight um die Hardcore Championship ausgesprochen gut als Gegner des leider ebenfalls zu früh verstorbenen Test. Andrew Martin galt in seiner kurzen Karriere auch nicht gerade als Sinnbild des Topdraws, allerdings besaß er eine für seine Größe vergleichsweise beachtliche Agilität, was sich beispielsweise in erinnerungswürdigen Matches gegen Shane McMahon (SummerSlam 1999) oder Edge (Survivor Series 2001) zeigte. Hier waren beide mitten in einer Weekly-Fehde, die auf ihre Weise ganz unterhaltsam war… und für Test in dem Falle erfolgreich.

Jon Cross - Wertung: **

 

9.) WWE RAW vom 24.05.1993 - KOTR-Qualifying Match: Doink vs. Mr. Perfect

Man kann sagen, was man will: Der vor drei Jahren verstorbene Matt Osborne war der bessere Mann im Spaßmacher-Kostüm, denn er verstand es nahezu ideal eine Symbiose aus Bedrohlichkeit und optischer Clownerie zu schaffen, die den groben Vergleich mit Heath Ledger’s Joker oder dem It - Pennywise nicht zu scheuen braucht. Daraus resultiert dann auch, dass man ihm die Rolle abnimmt - und dabei auch tolle Matches wie z.B. gegen Crush bei WrestleMania IX herauskommen sind (und welches im Übrigen auch gut in diese Auflistung gepasst hätte; ***). Hier nun bekam es der gute Doink mit dem legendären Mr. Perfect zu tun - und das gleich dreimal, wobei das dritte und entscheidende Aufeinandertreffen auch mit das Beste zwischen beiden war. Ein eindeutiger Sieger musste gefunden werden, der später ins 93er King-of-the-Ring-Turnier einziehen durfte… und dafür legten sich beide auch mächtig ins Zeug.

Jon Cross - Wertung: ***

 

8.) WWE SummerSlam 1990 - Heavweight Championship - Steelcage Match: Ultimate Warrior © vs. Rick Rude

Weniger ist manchmal mehr?! Nun ja, bei einem traditionsreichen und großen Event wie dem SummerSlam gehe ich in der Regel davon aus, dass man den großen Matches auch entsprechend Zeit gibt. Und solange kein Bill Goldberg im Hauptkampf steht, sind knapp zehn Minuten dann doch eine recht kümmerliche Sache. Zumal sich man sich in einem Stahlkäfig befindet und die Akteure Ultimate Warrior und Rick Rude heißen. Schon in Hinblick auf die Tatsache, dass ihr IC-Match von WrestleMania V genau so kurz und eher durchschnittlich war, hätte man hier das Timelimit mal ausdehnen können. Aber gut: Die damalige Ausrichtung und ein Hulk Hogan in der Card tun ihr Übriges zu diesem Fight dazu, dass in seiner Kompaktheit leider nicht ganz zu überzeugen weiß, trotz allem aber ein guter Kampf ist.

Jon Cross - Wertung: ***1/4

 

7.) WWE Vengeance 2003 - US Championship - Turnierfinale: Chris Benoit vs. Eddie Guerrero

Keine Auflistung darf ohne die beiden „US-Gastarbeiter“ fehlen, welche in den großen amerikanischen Ligen technisch beeindruckend auftrumpften. Obwohl heute (wohl willentlich) kaum noch erwähnt, war der kanadische Crippler mit dem unrühmlichen wie tragischen Abgang damals stets ein Garant für die Eyecatcher der Card - ein Lob, das auf Guerrero ebenso zutraf (nur ohne dramatischen Beigeschmack). Mehrfach hatten es beide über die Jahre zu tun - im Sommer 2003 zur Krönung der wieder eingeführten US Championship. Dass beide dabei faktisch nur ein Match von der Stange ablieferten, störte nicht weiter - denn es war klasse und lässt mit dem Gedanken an beider Luft nach oben jeden Fan mit der Zunge schnalzen. Und sie konnten es besser… aber dazu gleich mehr.

Jon Cross - Wertung: ****

 

6.) WWE SummerSlam 1992 - Heavyweight Championship: Randy Savage © vs. Ultimate Warrior

Das zweite Highlight des legendären Wembley-SummerSlams war ein Beweis dessen, dass man mit Hard Knocks und Storytelling in Zeiten des wrestlerischen Umbruchs noch ein Supermatch aufs Parkett zaubern konnte. Der Macho Man und der Warrior trafen sich auf Augenhöhe und schenkten sich absolut nichts. In Kombination mit einer der sensationellsten Crowds aller Zeiten ergibt diese den Stoff für wahre Klassiker. Die weiteren Rahmenbedingungen… waren dann über die Jahre Basis für vielschichtige Diskussionen im Fanbereich. Daher war es eine Entscheidung des eigenen Gustos, ob man Ric Flair und Curt Hennig als jeweilige Sekundanten in Hinblick möglichen Overbookings als störend empfand oder beide gerade wegen ihrer Präsenz als maßgeblich für den erfolgreichen Matchverlauf ansah. Gleiches gilt auch für den Ausgang des Kampfes durch Count Out: Ob salomonisch oder ob eine Clean Decision nun besser gewesen wäre, bleibt jedem selbst überlassen. Den Fans bleibt auf alle Fälle ein denkwürdiger Fight.

Jon Cross - Wertung: ****

 

5.) AJPW Budokan Hall Show vom 28.07.1994 - Steve Williams vs. Mitsuharu Misawa

Ja, auch die Fans des Puroresu sollen in dieser Auflistung nicht ungenannt bleiben. Und ganz besonders, wenn der Name Mitsuharu Misawa fällt… welcher nicht nur im Land der aufgehenden Sonne, sondern weit über die Grenzen des Inselstaates hinaus einen mehr als legendären Ruf (noch immer) genießt. Zu Lebzeiten als einer der besten Wrestler der Welt gehandelt erlebten insbesondere die Fans in seiner Heimat die eine oder andere Schlacht, über die man heute noch spricht. Umso interessanter, wenn denn auch jemand beteiligt ist, der einem auch als Japan-Laien bekannt sein dürfte: so wie „Dr. Death“ Steve Williams. Im Zuge der Fehde Misawas gegen Williams, Johnny Ace und Terry Gordy sprangen etliche klasse Fights heraus - und dieses Match als Ausdruck toller Ringpsychologie ist nur ein Beweis dessen.

Jon Cross - Wertung: ****1/4

 

4.) WWE Armageddon 2002 - Chris Benoit vs. Eddie Guerrero

Und da sind die beiden zuvor Genannten schon wieder - mit dem angesprochenen Beweis, dass es besser geht. 2002/03 bildeten beide das qualitative Rückgrat der meisten PPVs der WWE und verliehen in dieser Zeit u.a. den Tag-Team-Titeln einen derartigen Glanz, welchen man heutzutage nur noch selten erleben darf. Derart im Fehdenkontext war es eigentlich den meisten Fans egal, dass das Match faktisch ohne konkreten Aufbau im Vorfeld dargeboten wurde, denn die Guerreros rutschten erst vor der Survivor Series 2002 ins Tag-Team-Geschäft hinein. Aber - es war wie gesagt schnurz bei zwei Vollblut-Athleten, die sich inzwischen in- und auswendig kannten und dabei „mal wieder“ einen Fight ablieferten, der einer jeden Veranstaltung zur Zier genügt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen - außer vielleicht: unbedingt anschauen!

Jon Cross - Wertung: ****1/2

 

3.) WWE WrestleMania VII - Retirement Match: Ultimate Warrior vs. Randy Savage

Und auch die zwei Genannten kehren in der Rangliste zurück - mit einem wie ich finde sensationellen Match. Und dabei bildeten beide nur die Randfiguren des großen Titelpics, welches von Hulk Hogan und Sergeant Slaughter geheadlined wurde… und dies mehr schlecht als recht im Nachhinein betrachtet, so dass viele geunkt haben, Savage und der Warrior hätten den „Schaukasten der Unsterblichen“ quasi gerettet. Und dies… haben sie in der Tat. Savage, damals noch als „Macho King“ mit Sensational Sherry an seiner Seite unterwegs, trachtete dem Warrior über dessen ausgeschlagenes Versprechen eines Titelmatches nach - und bescherte diesem prompt den Titelverlust an Slaughter. Die Sache bereinigten beide dann auf die übliche Weise - als Ouvertüre ihres Londoner Matches anderthalb Jahre später. Dafür um die Stipulation des jeweiligen Ruhestands ergänzt - und letztlich noch eine Spur besser dadurch. Denn beide Athleten lieferten sich einen verbissenen Kampf mit viel Drama - und einem Entscheidungs-Pin, der so großk***ig nicht unbedingt hätte ausfallen müssen.

Jon Cross - Wertung: ****3/4

 

2.) AJPW Budokan Hall Show vom 08.06.1990 - Mitsuharu Misawa vs. Jumbo Tsuruta

Puroresu die Zweite! Und diesmal sind nicht nur die Mitstreiter legendär, sondern das Match an sich ebenfalls, wenn man denn den „Wrestling Observer“ als Gradmesser nimmt. Ein Fight, den man gesehen haben muss … und der zudem eine Geschichte dahinter hat, die - würde sie nicht auf wahren Tatsachen beruhen - zum Stoff à la Hollywood gehören könnte. Denn der gute Mitsuharu war bereits in frühesten Jahren begeisterter Fan des Wrestlings und beabsichtigte gar die Schule zugunsten des Trainings abzubrechen. Doch ein Treffen mit Tsuruta, damals selbst ein Hüne von Superstar, überzeugte den jungen Misawa schließlich, erst die Schule abzuschließen. Mit Erfolg wie sich zeigte, denn Misawa wrestlete sich beeindruckend nach oben und stand Jahre später seinem einstigen Idol und Ratgeber Tsuruta im ersten eigenen Show-Mainevent gegenüber. Das Match selber - ein All-Time-Classic, der Misawa mit einem Schlag in die Topriege der japanischen Szene beförderte.

Jon Cross - Wertung: *****

 

1.) WWE RAW vom 03.03.1997 - European-Championship-Turnierfinale: Owen Hart vs. British Bulldog

OK, den Fight hat vielleicht der eine oder andere auch mit auf der Top Ten erwartet - nur nicht so hoch. Und klar: da spielt auch viel persönliche Vorliebe mit rein. Aber für mich ist es einfach ein fantastischer Fight zweier begnadeter Athleten, die ich gern noch etwas länger auf dieser unserer Welt hätte bewundern mögen. Klasse Match, das mal nicht bei einem PPV stattgefunden hat und vor allem: auf europäischem bzw. deutschen Boden! Das „Finale in Berlin“ um die damals neu eingeführte WWE European Championship bot beiden Anverwandten eine (teilweise) Gelegenheit, die starren Storyline-Ketten weitgehend in Übersee zu lassen und sich nach Herzenslust zu suplexen und auszukontern, wie man es dereinst im Dungeon mal gelernt hat. Wenn schon keine Großveranstaltung in Deutschland - so verbeugte man sich auf diese Weise vor einem auch in schwierigen Zeiten stets dankbarem Publikum. Und alleine das… ist für mich die Topplatzierung schon wert.

Jon Cross - Wertung: *****

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende entgegen… und so sind wir an dem Punkt angelangt, wo (zumindest bis 1994) das WWE-Kalenderjahr dereinst beschlossen wurde: bei der Survivor Series. Ein Jahr vor dem Jubiläums-Events steigt einmal mehr die Veranstaltung, bei der für die wichtigsten Entwicklungen Richtung WrestleMania die ersten Weichen gestellt werden. Und gerade bei einem PPV, der mal wieder gut gefüllt ist mit den traditionellen Ausscheidungskämpfen, dürfte dies klappen. Lasst uns also einen Blick auf das werfen, was uns erwartet.

WWE Cruiserweight Championship
The Brian Kendrick (c) vs. Kalisto

Wenn Kalisto gewinnt, kommt die Cruiserweight Division zu SmackDown

Jon Cross: Bei dieser Begegnung kommt man dem eigentlichen Begriff einer entsprechenden Division meines Erachtens schon viel näher - aber vermutlich bin ich nur durch die WCW-Zeiten verwöhnt. Ein interessantes Match dürfte es auf alle Fälle werden, vorausgesetzt beide erwischen einen guten Tag. Die Chancen dafür sind zumindest recht hoch. Könnte mir auch gut vorstellen, dass die Highflyer SmackDown ihren Stempel aufdrücken, denn bei RAW ist die Stardichte doch recht noch. Zudem macht ein (vermutlich kurzzeitiger) Titelwechsel das Ganze noch interessant.
Vorfreude: **3/4

Great_One: Kalisto hat von Anfang an eigentlich in das Roster gehört, welche die Cruiserweight Division bekommt. Jetzt kann Kalisto den Gürtel und die Division zu SmackDown holen. Okay. Das Ganze gehört zu dem Deal, dass der Intercontinental Championship gegen jemanden von RAW verteidigt wird, daher könnte das eine Match das andere spoilern. So zum Beispiel, dass auf jeden Fall beide Titel wechseln werden. Oder nicht? Dass Kalisto den Shot bekommt, ist natürlich fragwürdig, nachdem dieser den "verletzten" Baron Corbin weiter angegriffen hat. Aber okay. Das Match kann richtig gut werden, und das Beste für die Division wäre wohl ein Titelwechsel.
Vorfreude: ***

Maik: Die Klausel macht das Match mit einem Mal interessant. Man muss zugeben: Die Cruiserweight Division ist bei RAW gescheitert. Bei SmackDown wäre eventuell ein Neustart möglich. Aber ob der Titel wirklich wechselt? Schwer vorherzusagen. Entthront man Kendrick schon wieder? Ist das Ergebnis wirklich an das Schicksal des IC-Titles gekoppelt? Ich hoffe jedenfalls, dass die Cruiserweight Division zum blauen Brand wechselt, ehe sie bei RAW noch mehr Schaden nimmt.
Vorfreude: ***

WWE Intercontinental Championship
The Miz (c) (w/ Maryse) vs. Sami Zayn

Jon Cross: Das sieht zumindest optisch nach einer sehr guten Partie aus. Das hier wieder ein Titelwechsel kommt, erscheint mir fraglich angesichts dessen, dass das Gold erst kürzlich wieder den Weg nach Hause gefunden hat. Inzwischen ist er da auch sehr gut aufgehoben - so dass es mir für den guten Sami am Sonntag leidtun wird, aber Mike wird das Ding nach Hause schaukeln.
Vorfreude: ***1/4

Great_One: Jetzt die Frage: Da ich beim Cruiserweight Championship auf Titelwechsel getippt habe, wird dann diese Championship auch wechseln? Plant man bei RAW vielleicht die Vereinigung der United States Championship mit der Universal Championship (Roman Reigns vs. Kevin Owens soll ja schon für eine kommende Show beworben sein) und braucht dann die Intercontinental Championship als Midcard-Gürtel? Oder wechselt der Gürtel halt nicht zu RAW, sondern Sami Zayn zu Smackdown? Vielleicht indem The Miz unfair verteidigt? Oder durch Eingriff von Ziggler, der eben den Gürtel auch bei Smackdown behalten will. Wird es dann vielleicht bei TLC ein Triple Threat Ladder Match geben mit The Miz, Dolph Ziggler und Sami Zayn, der sich extra zu SmackDown traden lässt, damit er sich den Gürtel doch noch holen kann, nachdem er es eben bei der Surivor Series nicht schafft? Ich glaube, die letzte Variante würde mir am besten gefallen. Also: The Miz bleibt irgendwie Champion. Zayn wechselt zu SmackDown und bei TLC gibt es ein Triple Threat Ladder Match.
Vorfreude: ***

Maik: Ich fühle mich etwas um ein starkes Match betrogen. Wie gerne hätte ich Dolph Ziggler vs. Sami Zayn in diesem Match gesehen! Warum kurz vor knapp noch der plötzliche Titelwechsel hin zu Miz? Vielleicht eben weil Miz den Titel an RAW verliert? Das könnte der Beginn eines spannenden Angles sein. Mit Miz als Buhmann bei SmackDown und Ziggler als der, der den Titel zurückholen will. Zum Beispiel. Eigentlich kann der Wechsel des IC Titles zu RAW keine Dauerlösung sein, weil man dort ja schon den US Title hat. Aber Great_One bringt einen guten Punkt auf, wenn er auf Reigns vs. Owens verweist. Es könnte sich demnächst also einiges verschieben. Auch wenn Zayn eigentlich immer der liebenswerte Verlierer ist, tippe ich hier einfach mal auf Titelwechsel. Match wird hoffentlich gut.
Vorfreude: ***1/2

5-on-5 Traditional Elimination Tag Team Match
Team RAW (The New Day, Sheamus & Cesaro, Enzo & Big Cass, Luke Gallows & Karl Anderson, Primo & Epico) vs. Team SmackDown (Heath Slater & Rhyno, Zack Ryder & Mojo Rawley, Chad Gable & Jason Jordan, Jimmy Uso & Jey Uso, Tyler Breeze & Fandango)

Jon Cross: Na, das wird ein Kuddelmuddel werden auf dem Apron… Die gesamte Division gibt sich ein Stelldichein, und somit dürfte es hier zur Neuausrichtung vieler Fehden kommen. Im Grunde nicht die schlechteste Idee, aber ich persönlich halte von derart aufgeblähten Matches wenig, da man bei WWE immer weiß, was rauskommt: Crash TV - ähnliche Kurzeinsätze und ein Edeljobber-Sterben, damit die Topcarder dann den Löwenanteil unter sich ausmachen können. Ich hoffe, die Jungs überzeugen mich vom Gegenteil. Fakt ist eins: New Day müssen die Gürtel endlich mal abgeben - sonst stagniert hier alles.
Vorfreude: **

Great_One: Schon cool, dass die WWE auch mal wieder das traditionelle Tag Team Elimination Match rauskramt, auch wenn es natürlich ziemlich voll am Ring sein wird. Gespannt muss man sein, ob bei den Teams wirklich Einigkeit herrscht. War schon komisch zu sehen, wie American Alpha und die Usos bei SmackDown nebeneinander standen als wäre nie etwas gewesen. Finde ich eigentlich schon störend. Aber vielleicht kracht es dann ja hier innerhalb der einzelnen Teams. Usos und American Alpha geraten aneinander. Gallows und Anderson haben sowieso Probleme mit Enzo und Cass sowie mit dem New Day. Sheamus und Cesaro sind sich als Tag Team auch noch nicht grün. Und auch bei Zack Ryder und Mojo Rawley würde ich mich so langsam nicht mehr über einen Bruch wundern. Ryder hat ja vor ein paar Wochen auch nicht mehr so erfreut die Spielchen von Rawley mitgemacht und den komischen Käsehut, den ihm Rawley aufgesetzt hat, wieder abgenommen und weggelegt als wollte er sagen "Was soll der Mist?". Ein Bruch von Ryder und Rawley würde ich eh begrüßen. Ryder dann wieder in das Geschehen rund um die Intercontinental Championship oder wieder in ein Team mit Curt Hawkins. Interessant dürfte es zu sehen sein, was passiert, wenn ein Team aus SmackDown The New Day eliminieren. Dürfte dann ein Team aus SmackDown Ansprüche auf ein Titelmatch gegen The New Day stellen? Als Sieger am Ende tippe ich einfach mal aus dem Bauch heraus auf Team RAW.
Vorfreude: ***

Maik: Nominell ist RAW – wie bei allen folgenden Elimination Matches – natürlich um eine ganze Klasse besser besetzt. Allerdings ist das hier eine Gelegenheit, New Day mal auf der PPV-Bühne verlieren zu lassen, ohne dass gleich der Titel und die Chance auf die Rekord-Regentschaft weg ist. Ich könnte mir vorstellen, dass Gable und Jordan den Sieg für SmackDown holen und sich dann endgültig für einen Title Shot in Position bringen. Wobei das auch für andere Teams gelten könnte, zum Beispiel für Cesaro und Sheamus. Aber die sehe ich eher wieder wegen Streitigkeiten ausscheiden, bietet sich hier ja an...
Vorfreude: **1/2

5-on-5 Traditional Elimination Match
Team RAW (Charlotte, Bayley, Nia Jax, Alicia Fox & Sasha Banks) vs. Team SmackDown (Nikki Bella, Naomi, Becky Lynch, Carmella & Alexa Bliss) (w/Natalya)

Jon Cross: Verstehe zwar nicht ganz, warum man die werte Damenschaft bei einem Butterfly Belt auf zwei Brands aufteilen muss, aber Logik… nun ja. Schön wird es allemal und in Tradition eines Matches 21 Jahre zuvor hoffe ich, dass sie was Ordentliches abliefern werden. Auch hier erhoffe ich mir ein paar Neuausrichtungen. Gut wird’s aber, denke ich, auf alle Fälle.
Vorfreude: ***

Great_One: Einem Butterfly Belt? Versteh ich nicht. Egal... Ich frage mich eher, warum sich Becky Lynch als Championesse von SmackDown Nikki Bella unterordnet, die ja Team Captain ist? Warum ist Nikki Bella Team Captain? Achja, ihr Freund ist ja John Cena... :D Und auch schade, dass Natalya nur als Coach dabei ist und nicht aktiv im Match. Ich tippe hier dann einfach mal auf Team SmackDown. Einfach damit es unentschieden steht vor dem letzten und größtem RAW vs. SmackDown Match und weil ich bei Team RAW mit Sasha Banks und Charlotte die größere Uneinigkeit sehe, was am Ende dem Team das Match kosten wird.
Vorfreude: ***

Maik: Also, ich finde, diese Elimination Matches sind irgendwie erstaunlich schwer vorherzusagen. Vielleicht weil die Ergebnisse einander bedingen: Es wird wohl kein Brand alle Matches gewinnen... Und hier? Das RAW-Team sieht ziemlich gut aus, SmackDown ist da wieder deutlich dünner besetzt. Es ist so schwer vorstellbar, dass man bei RAW Charlotte, Sasha Banks, Bayley und Nia Jax allesamt verlieren lässt. Wahrscheinlich wird das Team RAW aber implodieren, während bei SmackDown mit Nikki Bella und Becky Lynch zwei Faces an der Spitze stehen, deren Einigkeit sich in der Story als Schlüssel zum Erfolg herausstellen könnte. Naja, mal sehen, was passiert. Um ehrlich zu sein, erwarte ich ein eher mäßiges Match.
Vorfreude: **

5-on-5 Traditional Elimination Match
Team RAW (Roman Reigns, Kevin Owens, Chris Jericho, Braun Strowman & Seth Rollins) vs. Team SmackDown (Randy Orton, Bray Wyatt, Dean Ambrose, AJ Styles & Shane McMahon)

Jon Cross: Das Star-Match des Abends. Kevin allein im Gold-Haus braucht neue Gegner - und hier bekommt er den Nächsten schon mal angeteast. Eigentlich sind alle für ihre solide Arbeit bekannt und werden da einen entsprechenden Eyecatcher abliefern. Die Wundertüten sind für mich Strowman und Crash-Test-Shane. Letzterer glänzt meistens nur durch seine todesverachtenden Stürze - wie er allerdings hier zu glänzen vermag, entzieht sich meiner Kenntnis. Und Braun… tja, der wird entweder mit Bray eine Fehde beginnen oder beide gemeinsam eine neue gegen wen auch immer. Das lustige „Wer scheidet gegen wen aus“ wird auf alle Fälle ausschlaggebend für die kommenden Monate.
Vorfreude: ****

Great_One: Ich hoffe einfach mal, dass dieses Match dann doch der Main Event und das letzte Match des Abends wird und nicht, wie hier bei uns im Talk, Goldberg vs. Lesnar. Team Raw erscheint mir von den Namen her besser aufgestellt zu sein. Dafür scheint bei Team SmackDown die bessere Einigkeit vorhanden zu sein. Das Match bietet dann natürlich großartiges Story-Potential. Gibt es vielleicht eine kleine Shield-Reunion? Alle sind aktuell Face, wenn auch nicht alle im selben Team. Wie ist das Verhältnis von Strowman und Wyatt zueinander? Bleibt Orton auf der Seite von Wyatt? Vertragen sich Kevin Owens und Chris Jericho weiterhin? Wird Shane McMahon im Match wirklich dabei sein? Ich würde mir nämlich wünschen, wenn nicht. Sofern Goldberg vs. Lesnar vor diesem Match kommt, könnte Shane McMahon Lesnar mit einem Stuhl attackieren (als Rache für den Angriff von Lesnar gegen Shane damals beim SummerSlam). Lesnar attackiert dann vor dem Elimination Match nochmal Shane McMahon und Team Smackdown braucht Ersatz in Form vielleicht von einem Debütanten von NXT oder von Dolph Ziggler, der bislang ja noch ohne offizielle Aufgabe beim PPV wäre. Anders könnte Shane McMahon hier im Match stehen und von Lesnar erneut im Auftrag von Team RAW McMahon während des Matches attackieren, wobei hier fraglich wäre, warum Lesnar was für Stephanie McMahon machen sollte... Aber naja, egal... Wer gewinnt hier? Eigentlich ist es bei sowas oft typisch, dass Team SmackDown gewinnt. Habe ich irgendwie so im Gefühl. Aber nach der Ankündigung des Undertaker, dass SmackDown nicht verlieren sollte, könnte eben genau das eintreten, damit der Undertaker sich den zuletzt Gepinnten beziehungsweise Schuldigen nochmal vorknöpfen kann. Oder aber der Auftritt des Undertaker hat am Ende gar keine weitere Auswirkung.
Vorfreude: *****

Maik: Great_One, deine Fantasie in allen Ehren, aber diese Lesnar-Geschichten wirken auf mich doch etwas weit hergeholt... Dieses Match ist natürlich das interessanteste der Elimination Matches, gerade weil es mit Starpower vollgeballert ist. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass oftmals SmackDown über RAW triumphiert, wohl einfach um zu demonstrieren, dass der blaue Brand ja gar nicht so viel schlechter sei als Flaggschiff-Show RAW. Ähnlich wie bei den Frauen stelle ich mir die Frage: Will man wirklich Reigns, Owens, Rollins und Strowman alle verlieren lassen? Wobei, klar, Owens wird wohl verlieren. Solche PPVs sind dafür gemacht, dass Heel-Champions verlieren, ohne den Titel los zu sein… Bin mal gespannt, wie man es löst. Ich glaube, Roman Reigns wird man mal wieder "sehr, sehr stark aussehen" lassen. Vielleicht wird er der Lone Survivor und verdient sich damit den Title-Shot gegen Owens. Es gibt viele Möglichkeiten. Das Match wird hoffentlich gut.
Vorfreude: ****

Singles Match
Brock Lesnar vs. Goldberg

Jon Cross: Hatten wir schon mal - und da war es bereits eine Mogelpackung. Wie man zwei Parttimer in den Mainevent booken kann angesichts jeweiliger Abwesenheiten oder eines zwölf Jahre alten Reinfalls, bleibt wohl das gutgehütete Geheimnis der Company. Diesmal könnte es vermutlich klappen, da mal nicht eine dritte Person den Löwenanteil der Fehde der beiden anderen bekommt. Fraglich bleibt für mich, ob Goldberg seine übliche 15-Minuten-Ausdauer mal ausweiten könnte. Wenn nicht, könnte es klappen - wenngleich mir der Fight zu kurz wäre. Dauert es natürlich, ist Lesnar gefragt, der Billy Boy durchziehen muss - und da habe ich meine Zweifel. Ich erwarte… eine große Wundertüte. Und der Sieger - ist mir herzlich egal.
Vorfreude: **

Great_One: Ich hoffe, dass dieses Match einfach nicht der Main Event wird. Da beides Parttimer sind, wäre es halt einfach nicht fair. Aber naja, die WWE und fair und so... Vorweg: Mir gefiel das Comeback von Goldberg und seine Promo war wohl die beste, die er da jemals gehalten hat. Kam richtig gut rüber. Auch ist Goldberg in einer super Verfassung. Der Mann ist im Training und top in Shape mit seinen fast 50 Jahren. Frage mich nur, wer innerhalb der WWE die Idee hatte, Goldberg als Face und Lesnar als Heel zu positionieren, wo man bei der Road zur Survivor Series in Brocks Hometown Minneapolis war, wo Lesnar einfach direkt als Face bejubelt wird und alles, was Heyman über Goldberg sagte, ausgebuht wurde. Jetzt ist die Survivor Series in Toronto, wo Lesnar doch mittlerweile in Kanada lebt. Kann man also gespannt sein, ob die Face/Heel-Verteilung wirklich so klappen wird, wie es die WWE plant. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Goldberg für ein Match zurückkommt, welches er verlieren soll. Daher könnte ich mir einen Sieg von Goldberg vorstellen, mit der entsprechenden Story natürlich. Also, wie zuvor schon erwähnt, ein Eingriff von Shane McMahon zum Beispiel, weil ihn Lesnar beim SummerSlam attackiert hat. Daher tippe ich auch einfach mal auf Goldberg.
Vorfreude: **

Maik: Klar, so richtig glücklich kann man mit dem Match und den zwei Parttimern im Main Event wohl nicht sein. Ich sehe es aber nicht so kritisch. Das (von manchen Leuten langersehnte) Comeback von Goldberg ist ja doch ein bisschen reizvoll. Ein gutes Match darf man aber sicher nicht erwarten. Lesnar macht meistens nur das Nötigste und Goldberg war schon in seiner Prime kein guter Worker. Allerdings glaube ich schon, dass wir hier durchaus ein Big-Match-Feeling und eine besondere Atmosphäre haben werden. Und dann ist da noch die Frage nach dem Gewinner: Goldberg soll angeblich nur für ein Match zurückkommen - und das soll eine Niederlage werden? Ich glaube: ja. Ich glaube, Goldberg ist es egal, ob er verliert, Hauptsache, er hat nochmal den einen großen Auftritt vor Fans und Familie. Außerdem: Will man wirklich den Killer Lesnar ausgerechnet gegen einen Wrestling-Rentner verlieren lassen? Außerdem kann Goldberg ja irgendwann in der Zukunft nochmal für ein weiteres Match zurückkommen, der Kontakt ist ja jetzt wiederhergestellt. Mit Pech allerdings wird Goldberg hier wie Sting bei WrestleMania 31 als Gesicht von WCW gedemütigt...

Allgemein

Jon Cross: Gefühlt nach etlichen Jahren ist die Series mal wieder am originären Grundkonzept angelangt. Ob das nun gut oder schlecht ist, wird sich zeigen. Zumindest hat man versucht, möglichst viel Personal unterzubringen - wobei ich den einen oder anderen Namen eventuell doch gern noch gesehen hätte. Der hochgehypte Main Event ist für mich das Zünglein an der Waage - aber ich bezweifle ernsthaft, dass er - zumindest technisch betrachtet - ein Ausrufezeichen setzen wird. Eher wird die Card ihn tragen.
Vorfreude: ***

Great_One: Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die mich stören. Da wäre zum einen das Match der Parttimer Goldberg und Lesnar, das als Main Event gehandelt wird. Dies würde ich als einfach falsch ansehen. Dort gehört das Team RAW vs. Team SmackDown als Final Match mit den World Champions hin. Und mich stört, dass aufgrund des SmackDown-vs.-RAW-Konzepts sich Feinde wie American Alpha und die Usos plötzlich so gut zusammenraufen können - bis jetzt zumindest. Schade finde ich, dass es kein All Star Elimination Match gibt. Also ein Match RAW vs. SmackDown, wo jedes Team aus folgenden Personen bestehen muss: Einem Wrestler, der das Cruisergewicht erfüllt, einem Tag Team, einer Frau und einem Main Eventer. Hätte man aus meiner Sicht auch sehr interessant gestalten können. Sofern man dann auch mal die Frau gegen die Männer versuchen lässt anzutreten. Und Charlotte wäre definitiv eine, die glaubhaft gegen so einige Männer mithalten könnte. Bei Lucha Underground gibt es auch regelmäßig Intergender Matches und das klappt auch ganz gut und teilweise auch gut glaubhaft. Hätte aus meiner Sicht definitiv interessant werden können.
Vorfreude: ***

Maik: Wahnsinn, die WWE bringt tatsächlich einen Big-Four-PPV ohne großes Titelmatch. Bin ich aber gar nicht mal böse drum. Lesnar vs. Goldberg ist eh der Main Event, man würde sich sonst nur ärgern, dass das Titelmatch wieder irgendwo in der Mitte versackt. Ich finde es gut, dass mit dem Roster Split die Tradition der Survivor Series Matches wieder eine Bedeutung hat. Wenn auch nur eine kleine: Mein Interesse an den Elimination Matches ist eher so mittelmäßig. Eben weil es völlig egal scheint, wer gewinnt. Ich will hoffen, die Konsequenzen eines Sieges oder einer Niederlage werden schnell herausgearbeitet. Ich finde aber das Konzept sehr gut: ein Tag Team Match, ein Frauen-Match, ein Männer-Match. Auf ein All Star Match mit Intergender-Aufeinandertreffen, wie von Great_One vorgeschlagen, kann ich gut verzichten. Das passt schon so, wie es ist.
Vorfreude: ***

Aktuell sind die Augen der Welt sportlich gerade auf Rio de Janeiro ausgerichtet - und die bange Frage, wer denn nun mit welchen Bestmarken eine der begehrten Medaillen für sich und seine Nation erringen möge. Bezüglich des Wrestlings haben die olympischen Spiele eher mittelbare Wichtigkeit … und finden manchmal erst dann in den Mainstream, wenn beispielsweise wie vor zwanzig Jahren einer mit gebrochenem Nacken für eine faustdicke Überraschung sorgt.

Was aber wohl moralisch am meisten diesbezüglich wiegt ist der olympische Geist mit teilweise schon floskelhaft ausartenden Weisheiten wie „Dabeisein ist alles“ oder „Jeder hat die Chance“. Gerade letztere Philosophie sorgt dafür, dass das Tagesgeschäft der großen Ligen abwechslungsreich und interessant bleibt - denn ohne die überraschenden Siege in objektiv zunächst sich deutlich abzeichnenden Fights wäre die Ligen manchmal recht fade.

Einen solchen nehmen wir im Rückblick heute mal in den Fokus. Zugetragen 1993 - und mit dem damaligen WWF/E Intercontinental Champion Shawn Michaels in einer der Hauptrollen. Der gute Heartbreak Kid hatte in dem Jahr nämlich einen wahrhaft dominanten Run als Midcard Champion - der zwischendurch nur einmal kurz getrübt wurde. Die große Rivalität mit seinem Ex- Tag Team Partner Marty Jannetty sollte nach dem Zerwürfnis beider über den Royal Rumble des Jahres hinausgeführt werden - fand aber ein jähes Ende aufgrund gewisser Gerüchte um Marty. Nach kurzer Auszeit kehrt der aber wieder und nahm den Fehdenfaden wieder auf. Und dabei … sollte er seine Chance, dank eines gewissen Mr. Perfect, auch bekommen.

In diesem Sinne: Es lebe der olympische Geist!

 

Es gibt nur wenige Tag Teams im Wrestling - Business, welche auf eine sowohl erfolgreiche wie eindrucksvolle als auch illustre Karriere zurückblicken können. Dazu gehören ganz klar die Dudley Boyz … wobei der Name „Brother with different mothers“ wohl auch treffend gewesen wäre. Über die Jahre haben die Jungs aus Dudleyville große Fehden und große Titel ausgefochten, waren mal hier, mal da ganz erfolgreich und sind inzwischen wieder bei ihrem wohl erfolgreichsten Arbeitgeber, der WWE, beschäftigt.

Dabei muss man sagen, dass sie dort inzwischen eine andere Rolle ausfüllen … und dies auch gut, denn Bubba Ray und D-Von benötigen längst kein Gold mehr, um eine eindrucksvolle Rolle vor den Kamera auszufüllen. Einige mögen in diesem Run einen Letzten der beiden vor dem großen Retirement sehen … aber so ein Ruhestand ist seit Leuten wie Ric Flair oder Terry Funk längst keine unumstößliche Tatsache.

Bewiesen haben sie dies anno 2010 bei TNA - wo sie trademark-bedingt als Team 3D unterwegs waren. So sollte ihr Tag Team Titelmatch bei Turning Point gleichzeitig ihr letztes Match als Duo sein … was ja auch im gewissen Sinne stimmte, denn nach der gimmickmäßigen Trennung und separat mehr oder weniger erfolgreichen Solopfaden fanden sie erst nach einem Japan-Abstecher in der Stafordschen Heimat wieder zueinander.

Was blieb war ein überdurchschnittlich gutes Match, in welchem sie den Motor City Machine Guns als damaligen Gürtelträgern alles abverlangten - und dies (fast) ohne die berühmten Tables. Aber eben nur fast.

 

In diesem Sinne: What’s uuuup ….

 

Manche Wrestlingjahre haben eine ganze besondere Titulierung. Spontan fällt da natürlich 1995 als „Year of the Diesel“ ein, in welchem Kevin Nash der damaligen WWE (bzw. WWF) seinen Stempel aufdrückte. Aber wie steht es mit dem „Year of the Ear“? Das Jahr ist vielleicht nicht jedem geläufig – am Ehesten noch retrospektiv, als vor knapp einem Jahr der gute Roddy Piper das Zeitliche segnete.

So hatte Hot Rod zeitlebens für Fans und Gegner nicht nur ein weitschallendes wie volkstümliches Mundwerk sondern auch stets ein offenes Ohr. Dies leider Gottes im wahrsten Sinne des Wortes, denn Trommelfell und große Teile der Hörkraft linksseits hatte er im besagten Jahr 1983 eingebüßt. Grund: eine Fehde mit Greg „The Hammer“ Valentine.

Der hatte in ihrer Auseinandersetzung um die (damals noch) NWA United States Championship seinem draufhauenden Beinamen alle Ehre gemacht und Piper im Titelmatch im April eine blutende Wunde über dem besagten linken Ohr beschert, welche dafür sorgte, dass der Ringrichter nicht nur das Match beenden musste, sondern damit gleichzeitig Valentine Sieg und Titelgold bescherte.

Der Beginn einer sich über das weitere Jahr hinziehenden Fehde, welche letztlich in mehreren recht rustikalen Dog Collar Matches mündete. Das Bekannteste davon fand bei der allerersten Ausgabe von „StarrCade“ im Dezember statt: mit einem sowohl schönen als auch negativen Ende für Rowdy, zumindest was den oben angeführten Verlust eines Anteils an Sinneskraft betrifft.

Für die Fans bleibt der Fight qualitativ aber in guter Erinnerung – frei nach dem berühmten Ausspruch Winston Churchill’s. Daher sei heute daran erinnert.

 

In diesem Sinne: Hooray for Bubblegum‘s & Asskickin‘ …

 

Diesen Sonntag steht mal wieder „Battleground“ ins Haus: mit einer der jüngsten PPVs der WWE – zumindest was Häufigkeit, Auftreten und Geschichte betrifft. Aber … selbst da wurden bereits tolle Storys erzählt. Auch bei der ersten Ausgabe 2013 schon …

Aktuell hat sich ja Roman Reigns mit seinem Mittelchen – Fehltritt für gewisse Zeit ins Abseits geschossen, so dass sich parallel nun seine alten Spießgesellen Seth Rollins und Dean Ambrose um den Schwergewichtstitel streiten dürfen. Vor rund drei Jahren präsentierten sie sich aber noch als traute legendäre Einheit namens „The Shield“, welche dem Stamfordschen Kader das Fürchten lehrte. Nur – ließ sich das so mancher nicht gefallen.

Die Rhodes – Brüder Cody und Dustin, unlängst besser bekannt als Star- und Goldust, gehörten dazu … wenngleich nicht ganz freiwillig. Denn für das Familien-Trio stand viel auf dem Spiel: zwar nicht das Tag Team Gold der Shielder, dafür aber der Job von Vater Dusty als NXT – Trainer. Zudem lockte im Falle eines Sieges die Wiedereinstellung des kurz zuvor gefeuerten Cody. So nahmen es die Brüder dann also mit Reigns und Rollins auf, um ihrer persönlichen Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen und den damals (storyline-technisch) Verantwortlichen Triple H & Stephanie eine Nase zu drehen.

Heraus kam … ein mehr als sehenswertes Tag Team Match mit anschließendem Feelgood – Moment. Viel Spaß dabei …

 

In diesem Sinne: Blut ist dicker als Wasser – auch qualitativ.

 

Das Jahr 1998 kann weitestgehend als Initialzündung der WWF (bzw. aktuell WWE) bezeichnet werden, da ihnen ab da sowohl endlich wieder ein greifbares Konzept gelang als auch letztlich der Vormachtstellung der WCW Einhalt zu gebieten. Faszinierend – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Company nach WrestleMania bis zur den Survivor Series ihr höchstes Titlepic mit gerademal vier Leute bestritt.

Einer der wackeren Recken, die gegen den Mainstream-Champion Steve Austin ins Felde ziehen durften, war dabei Mick Foley. Dem gelang es bereits ein Jahr zuvor, sich mit schizophrener Kreativität in mehrere Gimmicks zu verdreifachen – und beispielsweise mit allen dreien beim 98er Royal Rumble aufzutreten. Letztlich wurde dies mit einem Gewinn der Tag Team Titel belohnt. An seiner Seite damals … ein weiterer harter Hund: Terry Funk alias Chainsaw Charlie.

Man erinnert sich in diesem Zusammenhang gern an ihre legendären Schlachten der Vergangenheit, die jeden Hardocrefan begeistert und jedem Notarzt graue Haare beschert haben. Für ein WrestleMania – Titelmatch rauften sich beide nun zusammen, um den New Age Outlaws kurz deren Gold abzunehmen. Danach … war dann aber Schluss mit lustig. Und zur Klärung der Frage, wer bleibt und McMahon – Guy wird, trafen beide im Rahmen des RAW – Mainevents vom 04. Mai wieder aufeinander … und bewiesen einmal mehr, zu was zwei alte Haudegen noch fähig sind.

In diesem Sinne: Wehe, wenn sie losgelassen …

 

Vergangenen Samstag war es wieder einmal soweit … und ein begnadeter Athlet hätte seinen Ehrentag gefeiert - wenn er denn noch am Leben und seitens der WWE nicht aus den Geschichtsbüchern getilgt worden wäre. Aber leider waren die Umstände, mit denen Chris Benoit vor etwa neun Jahren mit Ehefrau und Sohn aus dem Diesseits schied, in ihrer Tragik beispiellos. Was bleibt … ist die Erinnerung in den Köpfen der Fans an einen im Ring begnadeten und brillanten Athleten.

Dabei hatte der Kanadier nahezu zeitlebens damit zu kämpfen in irgendeiner Form am ganz großen Durchbruch zur Spitze gehindert zu werden: sei es durch seine nach außen oft stoische Art, durch seine körperlichen Parameter … und manchmal eben auch aufgrund von Ränkespielchen hinter den Kulissen. Und daran hatte zu WCW - Zeiten ein Mann ganz besonderen Anteil: Kevin Sullivan.

Der selbsternannte „Taskmaster“ trat nicht nur im Ring auf, sondern zog auch backstage die Fäden. In diesem Zusammenhang fehdeten beide 1996 gegeneinander, wobei Sullivans damalige Frau Nancy zum zunächst gespielten Zankapfel beider wurde … und dann auch ungewollt real, als das Drehbuch-Techtelmechtel Wirklichkeit wurde und Nancy an Benoits Seite wechselte. Etwas, das Sullivan dem Rabid Wolverine nie vergaß und das er ihn stets spüren ließ, sobald er seine leitende Macht entfalten konnte.

Unbestreitbares Highlight dieser Vendetta bleibt aber ihr rund zehnminütiges „Falls count anywhere“ - Match vom Great American Bash, bei dem sie das Kampfthema mehr als deutlich in die Tat umsetzten und die Arena sowie gar die Herrentoilette zu ihrem Tummelplatz machten. Wohl bekomm’s …

In diesem Sinne: wo wir schon mal da sind, da bleiben wir auch hier …

 

Kommenden Sonntag hat AJ Styles einmal mehr die Chance auf das ganz große Gold der WWE. Etwaige Chancen des Phänomenalen lassen wir an dieser Stelle mal außer Acht – nicht aber diesen Fakt: ist Styles in ein Match involviert, wird qualitativ stets ein Feuerwerk abgebrannt. Darauf können die Fans in New Jersey sich schon mal freuen – und das war in der Vergangenheit allgemein auch schon oft so.

Beispielsweise … 2009. Bei TNA – der Liga, in welcher er mit am erfolgreichsten war und seine großen Fußstapfen in deren Historie hinterlassen konnte – hatte der Styler über das Jahr schon seine Qualitäten bewiesen und konnte daher mit seinem Titelgewinn zu „No Surrender“ mal wieder bekräftigen, warum man ihn Mr. Total Nonstop Wrestling nannte (oder noch nennt…).

Bei der damit einhergehenden Storyline um einen geheimnisvollen Attentäter kreuzten sich zum Jahresende bei „Final Resolution“ wieder einmal die Wege mit Christopher Daniels … dem Fighter, mit welchem Styles als Partner oder Gegner stets zu höchster Leistung in der Liga auflaufen konnte. Faktisch … braucht über ein weiteres Kapitel zwischen diesen beiden nicht unbedingt ein weiteres Wort verloren werden – das erledigen die bewegten Bilder.

In diesem Sinne: auf eine phänomenale Drittelstunde …

 

Traditionsgemäß eröffnen wir den TBT heute mit einem breitem Gruß an alle männlichen Vertreter der Fan- und Leserschaft, welche definitionsgemäß mindestens einmal im Leben einen Nachkommen in die Welt gesetzt haben sowie auch an die üblichen Herren der Schöpfung: feiert schön an Eurem Ehrentag, eiert mit dem Fahrrad schön weit rechts (denn da ist gestreut) und holt Euch keinen Bruch beim Bollerwagenziehen.

Was man dabei ein wenig vergisst ist der religiöse Ursprung von Christi Himmelfahrt. Denn heute gedenken wir im eigentlichen Sinne der himmlischen Auffahrung Jesu Christi zu seinem Vater. Soweit … als kleine Erinnerungsstütze – und Überleitung.

Im heutigen Rückblick, an den sich sicher viele noch erinnern, hat sich die WWE bzw. damals noch mit dem sechsten Buchstaben hinten im Logo an ihrer eigenen Himmelfahrt eines Superstars versucht. Und wer könnte sich dafür besser eignen als der übernatürliche Fighter schlechthin, der Undertaker. Der war Anfang 1994 mit seiner mystischen Aura Top-Herausforderer auf Champion Yokozuna und forderte diesen anlässlich des „Royal Rumble“ in einem Casket Match um das Gold heraus. Dass er dies einen Event vor „WrestleMania“ verteidigte, war zu Erwarten – und angesichts Kraftvorteil seitens der „Creatures of the Night“ auch unfair durch diverse andere Heels. Was dann aber folgte, war zumindest damals großes Kino (und dürfte es für etliche auch heute noch sein). Ohne Zweifel verabschiedete sich der Grim Reaper aber mehr als beachtenswert in seine mehrmonatige Pause bis zur Rückkehr anlässlich des „SummerSlam“ … und dem Duell mit der falschen Kopie, aber dies ist eine andere Geschichte.

In diesem Sinne: schönen Feiertag!

 

Werte Wrestling-Fans und Leser: WrestleMania XXXII ist gefühlt nur noch einen Katzensprung entfernt - zudem befinden wir uns im 15. Jahr seit der legendären WrestleMania X-Seven. Was liegt also näher, heute einen Blick auf diese zu werfen. Und da … wollen wir diesmal weniger Worte denn Bilder sprechen lassen und präsentieren drei ihrer besten Fights: das hochwertige Matwrestling - Duell von Kurt Angle & Chris Benoit, das Finale der Ladder-Match/TLC - Trilogie um die Tag Team Titel und zum Abschluss die epische Schlacht zwischen "Stone Cold" Steve Austin & The Rock mit dem Hometown Hero - Twist.

In diesem Sinne: genießt ein Stück Nostalgie … plus tollem Opening …

 

Tja, normalerweise erinnern wir uns in den Rücksturz-Videos an herausragende und oft in ihrer Form bedeutende Matches und Segmente der Wrestling-Geschichte - um WrestleMania herum gern auch mal von deren historischen Cards. So soll es auch heute sein… wenngleich die gezeigte „Darbietung“ wohl mit zu dem Bizarrsten gehört, was die Stamford‘schen Schreiber je verzapft haben.

Die WWE Intercontinental Championship war und ist, obwohl sie dort nicht traditionell wechselt, ein fester Bestandteil der Mania-Cards. Und das sollte sie auch anno 1996 sein… wenngleich die Planer durch den ausgedünnten Kader, Verletzte und Suspendierte Schwierigkeiten hatten. Und so kam es, dass „Rowdy“ Roddy Piper einmal mehr die Gelegenheit bekommen sollte, bei der zwölften Ausgabe zu beweisen, dass er es immer noch drauf hat.

Der Plan schien zunächst aufzugehen, denn der oft rüpelhaft-launische Hot Rod war ein idealer Gegenpart zum damaligen IC-Champ Goldust, welcher in seinen Anfangszeiten den Filmfan noch überzogen polysexuell raushängen ließ. Das Titelmatch, was dann am Ende dabei herauskam, möchte ich nicht als solches bezeichnen, denn das Spektakel mit dem Stuntrevue-ähnlichen Beginn über ein paar Matchanteile bis hin zum Finale im Stile von „Ein Käfig voller Narren“ polarisiert auch heute noch die Fanlager.

Warum dann die Wahl? Nun, es gibt eine Matchszene, in denen der leider zu früh verstorbene Piper derart beherzt zugreift, dass einem die Worte „Ei, ei, ei…“ und „Frohe Ostern!“ unweigerliche durch den Kopf gehen. Und daher…

In diesem Sinne: ein frohes Osterfest!

Und eine weitere Person für den geschichtsträchtigen Reigen… wobei sich mancher fragen dürfte: Charles Wright? Charles who? Tja, der gute Noch-Vierundfünfziger aus dem kalifornischen Palo-Alto teilt halt ein Schicksal, dass ihn mit Größen wie z.B. Charles-Édouard Jeanneret-Gris, Tenzin Gyatso oder Hubertus Albers verbindet: den Künstlernamen. Denn ohne ihre wohlklingenden und bekannten Pseudonyme würden Le Corbusier, der Dalai Lama oder Atze Schröder wohl kaum so bekannt im Mainstream sein. Und das gilt auch für den 1,91m-Hünen, welcher einst nach Empfehlung von Mark Calaway alias The Undertaker sich Wrestling und der WWE/F zuwandte: Charles Wright - besser bekannt als The Godfather. Am Vorabend von WrestleMania 32 nimmt ihn die WWE in die WWE Hall of Fame auf.

Wrestlerisch mag Wright über die Jahrzehnte sicher nie zu den Ausnahmeathleten und Supertechnikern gehört haben - aber allein in der Art und Weise, wie er den jeweiligen Gimmicks Leben einhauchte lag sein gewisses Talent. Wobei… auch nicht alle Charaktere absolut Bombe waren. Gleich mit seinem ersten als „Sir Charles“ (in Anlehnung an Basketball-Badass Charles Barkley) erlitt er symbolischen Schiffbruch und das eindimensionale Debüt-Gimmick musste nach nur einem Jahr totalüberholt werden.

Eine gute Entscheidung, wie sich zeigte: denn als mysteriöser Voodoo-Priester Papa Shango war Wright weitaus erfolgreicher und überzeugender - sein erster Auftritt bewies das.

Ungeachtet seiner limitierten Fähigkeiten kam ihm zugute, dass der Baron-Samedi-Verschnitt mehr durch Gesten denn durch treffsichere Interviews bestach. Das machte Eindruck. Trotz guter Ausgangsbasis und Potential verblasste der Stern des Schwarzmagiers aber bald wieder, was augenscheinlich einer ungünstigen Verkettung geschuldet war: zum einen sollte Shango in den Mainevent von WrestleMania VII eingreifen - kam aber zu spät an den Ring, weshalb der Rest improvisieren musste. Und seine gestartete Fehde gegen den Ultimate Warrior, welcher bei dem Kampf ebenfalls wieder auftauchte, versandete recht bald aus unerfindlichen Gründen.

Wright war statt ganz oben wieder in der Undercard angelangt - lediglich ein Mainevent-Spot gegen Bret Hart sprang Anfang 1993 noch heraus.

Wieder war es Zeit für eine Generalüberholung - mit dem Ergebnis, dass Wright die folgenden Jahre als Stable-Wrestler Kama verbrachte. Die Gruppen-Unterbringung erwies sich als Glücksgriff - denn das Gimmick war so nichtssagend wie seinerzeit das des „Sir Charles“. Ted DiBiase und seine „Million Dollar Corporation“ rettete so die UFC-angelehnte „Surpreme Fighting Machine“ und ermöglichte Wright 1995 eine durchwachsene Fehde gegen den Undertaker.

Kama blieb nach erzwungener Pause der WWE aber erhalten - und so war Wright, nun als „Kama Mustafa“ sowie Teil der Nation of Domination, Zeitzeuge des Aufstiegs von The Rock zum Superstar.

Als bitteren Nachgeschmack dabei musste er allerdings einstecken, dass seine Truppenpräsenz massiv eingeschränkt und er fast nur auf unbedeutende Auftritte in den Wochenshows beschränkt war. Aber auch hier erwies sich wieder Glück im Unglück als Katalysator: denn den Frust münzte er (unterstützt auch durch seine Ehefrau) kreativ in die Schaffung eines anderen Gimmicks um. Des Gimmicks, dass ihn bislang am bekanntesten und erfolgreichsten machte - und mit welchem er auch in die Hall of Fame aufgenommen wird: den Godfather.

Um die Jahreswende 1999 pimpte er sich entsprechend in den quietschbunten Zuhälter-Verschnitt um, übernahm das Pimpen zur Catchphrase und sammelte bei seinen Auftritten schöne Damen um sich. Der Lohn des Ganzen: großer Fanzuspruch und letztlich sogar der Gewinn der WWE Intercontinental Championship von Goldust im April 1999.

Tragik des Ganzen: für Wright wird leider immer ein Schatten auf dieser Regentschaft liegen, da er bei „Over the Edge“ Gürtelträger und Gegner des dann tragisch verunglückten Owen Hart war. Dessen geplanter Titelgewinn ging dann an seinen damaligen Team-Partner Jeff Jarrett.

Wright surfte in der Folge noch einige Monate erfolgreich auf der Pimp-Welle durch die oberen Midcard-Ränge, allerdings ohne eine nennenswerte Rolle zu spielen, sondern eher eine Sonder-Variable in storyline-technischer Griffweite. Hierbei fuhr er unter anderem auch einen letzten großen Sieg in seiner Karriere ein - und das gegen Triple H persönlich.

Bis heute und über sein Karriereende 2002 hinaus ist Wright als God- bzw. Goodfather, wie er sich einst umbenannte, eine bekannte Persönlichkeit im bunten Kader der WWE, welcher immer mal wieder dann seine Aufwartung machte, sobald es galt, im moralin-sauren Amerika und bei einer ebensolchen Fehde den legeren Gegenpart zu mimen. Man merkte ihm dabei stets an, welche Freude ihm diese Verkörperung machte - und genau aus diesem Grund wird der Vierfach-Vater nun in die heiligen Halle mit aufgenommen.

In diesem Sinne: lasst uns alle noch einmal eine Reise im legendären Ho-Train unternehmen … `cause pimpin‘ ain’t easy

(Bild: WWE)

Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? Wem das Nachdenken über diese philosophische Endlos-These zu schwierig sein sollte, für den machen wir es anlässlich des nachfolgenden Jubiläums einfacher… und fragen, was davon zuerst da war: der Undertaker oder die Streak? Gut, die Antwort mag einen gefühlten Quantensprung einfacher sein, denn wie jeder Fan weiß debütierte der Federation-Totengräbern zuerst und begann seine berühmte Siegesserie mit seinem allerersten WrestleMania-Match.

Aber halt: So glasklar ist dies dann auch wieder nicht. Denn auf den zweiten Blick, und wenn man es ganz genau nimmt, spricht man im WWE-Universum erst ungefähr ab der Millennium-Wende wirklich von der Streak und deren legendärem Status als Momentum beim „Grandaddy of them all“. Vergessen wird dabei aber die Tatsache, dass der gute Mark Calaway in dem Gimmick seines Lebens zuvor gute Arbeit geleistet hat: denn ohne die (ob nun zufällig oder gewollt) eingefahrene Siegesserie bei Stamfords jährlich größtem Event wären späterer Glamour und Mystik, ob es nun jemand gelänge, die 1 hinter den Doppelpunkt zu bringen, gar nicht möglich gewesen. Und so… beginnt alles dann doch bei der 1.

Und dieser erste Sieg jährt sich heute zum inzwischen 25. Mal. Leider hielt die Streak selbst bekanntlich nicht so lange durch - nichtsdestotrotz wollen wir aber einen Blick zurück wagen, um zu sehen wie alles begann.

Seine WWE (bzw. damals ja noch WWF) - Aufwartung machte der Grim Reaper bei der Survivor Series 1990, als er an der Seite seines ersten Managers Brother Love das Team des Million Dollar Man Ted DiBiasi als Nummer vier komplettierte. Ironischerweise also von dem Mann, welcher ihn vier Jahre später in einer Storyline auch wieder hervorbringen sollte - nur eben etwas anders… Im Series-Match selbst zeigte er, was die kommenden Monate matchtechnisch von ihm zu erwarten war: mit großer und stoischer Dominanz seiner wenigen Ring-Minuten sorgte er für das Ausscheiden von Koko B. Ware und dem legendären Dusty Rhodes.

In ähnlicher Weise machte er anschließend in den kommenden Monaten mit dem Liga-Kader weiter, wobei er Jobber und andere Undercarder in gefühlter Rekordzeit besiegte. Im Anschluss verfrachtete er sie zudem in mitgebrachte Leichensäcke - als zusätzliche Demütigung. Diese sogenannten „Body Bags“ wurde damit zu seinem ersten Markenzeichen in der Kluft des legendären Mannes von der dunklen Seite.

Das spätere erste Match der Streak reiht sich, was diese personell variable Erfolgsstory angeht, nahtlos in die Debüt-Dominanz Calaways ein … nur, das der Gegner eben ein etwas Hochkarätigerer war als sonst. Und von einem echten Aufbau kann man im Grunde auch nicht sprechen. Jimmy „Superfly“ Snuka war zu diesem Zeitpunkt bereits ein gestandenes Babyface der Company - anno 1991 allerdings nur noch in der Midcard und ohne signifikant ins etwaige Titelgeschehen eingegriffen zu haben oder in einer herausragenden Fehde verwickelt zu sein. Beim Royal Rumble 1991 enterten sie in aufeinanderfolgenden Nummern die große Battle Royal und tauschten dort auch erste Moves aus - aber das war es auch bereits an möglichen Berührungspunkten. Halt, nein: einmal trafen sie bereits im Vorfeld aufeinander - und schon damals war das Phenom siegreich.

Der eigentlich wichtige Kampf bei WrestleMania VII am 24. März 1991 aus der Los Angeles Memorial Sports Arena war in der Midcard angesiedelt und wie gesagt ohne nennenswerten Aufbau angesetzt worden. Dies lag schlichtweg an der Tatsache, dass dem Run des Takers damals nur sekundäre Beachtung zugetan war, denn schließlich headlineten andere Kaliber wie Hulk Hogan, Sergeant Slaughter, Randy Savage oder der Ulitmate Warrior die ganz großen Fehden. So ging zudem unter, dass inzwischen ein anderer Manager den Kehlkopfüberschlag-stimmlichen Brother Love abgelöst hatte: Paul Bearer nämlich, welcher ebenso so sehr wie die Streak mit dem Deadman assoziiert wird. Das Match ist schnell erzählt: Snuka durfte einige Aktionen zeigen, musste sich dann aber nach 4:20 Minuten und dem Tombstone Piledriver geschlagen geben.

Einst ein Wimpernschlag im Federation-Alltagsgeschäft konnte man sich damals noch gar nicht ausmalen, welche Eigendynamik die turnusmäßigen Auftritte des Takers einmal haben würden. Calaway selbst hat diesen Moment aber nie vergessen, wie Snuka Jahre später in einem Interview 2012 bestätigte:

"It was a great pleasure to me [Snuka] the first guy to wrestle The Undertaker at WrestleMania and after the match he couldn't stop thanking me and to think the streak now stands at 20-0 and he is still going!"

Wie wir alle wissen, ging sie dann doch nur noch bis 2014 - aber ihr Abdruck im Geschichtsbuch des Wrestlings ist der Streak gewiss. Und so auch ihr Beginn.

Aktuell befinden wir uns einmal mehr auf der alljährlichen Zielgeraden für „WrestleMania“. Und allen Unkenrufen zum Trotz versucht Stamford trotz der schwierigen Situation mit den vielen Verletzten eine ansprechende Card auf die Beine zu stellen. In Teilbereichen ist dies auch mehr oder weniger gelungen - aber hier und da gibt es halt auch etliche kritische Stimmen, die meinen, dass manche Begegnungen und Fehden genauso halbherzig und am Fanwunsch vorbei dargeboten werden wie das Standing mancher Fighter, welche das Momentum der prekären Lage hätten nutzen können.

Man könnte das Wort „Chaos“ in Erwägung ziehen … aber das würde der Situation nicht ganz gerecht werden. Und überhaupt - chaotischere (sogar bewusste) Entwicklungen gab es schon früher, nämlich 1999. Verantwortlich damals wie nicht anders zu erwarten: seine Hoheit Vince Russo, der Viertelvorzwölfte, König des Crash TV. Der hatte es damals vor (und auch nach) Mania Nr. XV geschafft, die Storyline-Karten so durcheinanderzuwirbeln, dass die Glaubwürdigkeit mancher Champions faktisch auf der Strecke blieb. Führten zur Jahreswende noch Ken Shamrock und der Big Bossman in den Intercontinental- und Hardcore - Titlepics an, sah es schon Monate später anders und bunt aus. Dazu kam, dass man die New Age Outlaws, ein Top-Tag Team und Stimmungsgarant, splittete und beide Fighter auf Jagd um die genannten Single Championships schickte.

Zumindest der Road Dogg war im Hardcore - Bereich kurzzeitig erfolgreich, während Billy Gunn beim IC-Belt das Nachsehen hatte. Richtig chaotisch wurde es dann aber zwei Wochen vor WrestleMania: statt in den bisherigen Titlepics auf die „Road to …“ zu gehen - und das auch mit neuen Titelträgern (IC-Champ Val Venis und Hardcore Holly mit dem gleichnamigen Gürtel) - wagte man bei RAW einen Twist mit mehr als überraschendem Doppel-Erfolg. So nahm nicht nur der Ex-Roadie Venis den Gürtel ab sondern später auch Gunn Holly im Mainevent. Und letzteres kredenzen wir Euch heute.

Vielleicht auch deswegen, weil eine gewisse optische Ähnlichkeit zwischen Gunn und Dolph Ziggler nicht von der Hand zu weisen ist - und Letztgenanntem ein ähnlicher Twist die Tage sicher förderlicher gewesen wäre.

 

In diesem Sinne: Öfter mal was Neues …

 

Nichts ist so veränderlich wie die Veränderung - gerade im Wrestling. Es geht halt irgendwann die Spannung verloren, bleibt man einem Charakter über Jahrzehnte treu, ohne sich irgendwie neu zu erfinden. Ein Schelm, wer jetzt an jemand Bestimmten denkt …

Veränderung ist also gut - bei Gimmicks wie auch bei Seilschaften, die im Wrestling-Business kommen und gehen. Die letzte RAW - Ausgabe war mal wieder ein Beispiel dafür, als Edel-Parttimer Chris Jericho der Neuerwerbung AJ Styles und beider Partnerschaft per Codebreaker bye-bye sagte. Beide reihen sich damit in ein lange und illustre Schlange von Fightern ein, welche über die vergangenen Jahrzehnte Täter und / oder Opfer derartiger Neu-Polarisierungen waren. Und der Gewinner: der Zuschauer. Gerade die Reaktionen der Fans haben unter anderem den besonderen Reiz eines Friseurgeschäfts-Vorfalls, einer neuen Weltordnung am Strand oder das Finale einer Texas - WrestleMania ausgemacht. Aber grundsätzlich … sind Turns eine feste Konstante im Profi-Wrestling.

Einen solchen erlebten die WCW-Fans anno 1998 in San Francisco. Bei „Superbrawl VIII“ war die nWo gerade auf dem aufsteigenden Ast - und holte sich Athlet um Athlet ins Boot. So auch Scott Steiner, welcher auf diese Weise aus dem Team-Schatten heraustreten und seinen Aufstieg als Big Poppa Pump besiegeln konnte. Pikanterweise wechselte er mitten im Titelmatch gegen die Outsider Nash & Hall die Seiten, hinterging Bruder Rick und ließ die Gürtel nahezu kampflos ziehen.

Der Turn mitten im Kampf - nun gut, zugunsten eines besseren und längeren Matches wartete Jericho zumindest bis nach dem Schlußgong. Geschichtsträchtiger war hingegen Steiners Geschwisterverrat.

In diesem Sinne: play it again, Scott …

 

Tja, seit gestern befinden wir uns auch inoffiziell im Winter, denn mit dem Aschermittwoch endete die sogenannte fünfte Jahreszeit. Vorbei mal wieder die Zeit von Pappnasen, Jecken und Umzügen. Nun gut: Letzteres holen die großen Hochburgen nach dem jüngsten Wettereinbruch ja noch nach. Sozusagen: eine kleine Schonfrist.

Zeit, auch beim Wrestling nochmal einen Blick mit der karnevalistischen Brille zu wagen. In dem Fall dem freiwilligen bzw. auch manchmal unfreiwilligen Klamottenwechsel für den Ring. Den Gegner mit für ihn demoralisierenden Dresscode - vielfach dem des anderen Geschlechts - zu beglücken ist für einige Fehden der unterhaltungstechnische Pfiff mit Soße. Besonders, wenn dem Betroffenen dabei die Gesichtszüge ordentlich entgleisen.

Und einer, der das wie kein Zweiter konnte, ist William Regal in seinem spleenigen Briten-Gimmick. Im Zuge seiner 2002er Beteiligung beim Heel-Stable „UnAmericans“ war er an einer Fehde mit dem Team aus Booker T und Goldust beteiligt. Und gegen Letzteren sollte Regal nun im Oktober beim „Raw Roulette“ - Special aus der titelgebenden Casinostadt antreten. Bischoff drehte - und das Rad blieb bei „Las Vegas - Showgirl“ stehen. Eine erste Freude Regal wich bald blankem Entsetzen, als er erfuhr, was dies bedeutete. Aber: seht selbst …

In diesem Sinne: manche mögen's heiß ...

 

Für einen Großteil dürfte das Jahr der Olympischen Spiele und der Fußball-EM alles andere als gut begonnen haben - betrachtet man einmal das gefühlt schlechte Omen angesichts der vielen bekannten Persönlichkeiten, welche bereits im Januar das Zeitliche gesegnet haben. Und auch den Wrestling - Fans standen kürzlich wenig erfreuliche Nachrichten ins Haus. Denn der legendäre Bret „The Hitman“ Hart gab bekannt, dass man wie bei seinem Bruder Smith Krebs diagnostiziert habe. An dieser Stelle: gute Besserung.

Aber der Kanadier wäre nicht der selbsternannte Beste aller Zeiten, wenn er auch diese Entwicklung des Schicksals nicht genauso wie andere Krisen in seinem privaten wie beruflichen Leben souverän meistern würde. Das hat er in seiner langen Karriere oft bewiesen - so auch Ende der 90er Jahre. Seine Rolle als Bauernopfer im vielgerühmten „Montreal Screwjob“ ist längst eine moderne Legende, die ihm einen unschönen Abschied zur WCW bescherte.

Dafür zeigte er gleich in seinem ersten Match dort, nicht nur warum man ihn ins Turner Country geholt hatte - sondern auch immer wieder aufzustehen. Gegner und Sparringspartner des Debüts bei „Souled Out 1998“ war der „Nature Boy“ Ric Flair: für Hart mit Sicherheit kein Unbekannter. Zusammen mit einem rund zwanzigminütigen Zeitfenster entstand ein mehr als guter Fight, der in der Tradition der früheren Duell beider sowie den Ringskills der Excellence of Execution steht.

In diesem Sinne: Please come back, Pink and Black Attack!

 

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