Sonntag, 08 April 2018 14:15

WWE WrestleMania 34: Die Card ist einfach zu voll!

geschrieben von Manfred Reisinger
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„Qualität vor Quanität“ ist eines von vielen Sprichwörtern, die mir einfallen, wenn ich jedes Jahr auf die WrestleMania-Card blicke. Für WrestleMania 34 stehen wir schon bei 13 Matches. John Cena vs. The Undertaker ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Beim Zehnjahresvergleich wird die Tendenz besonders deutlich: Bei WrestleMania 24 waren es zehn Matches, bei WrestleMania 14 lediglich acht.

WrestleMania 34 wird somit erneut eine XXL-Show über mehrere Stunden. Schließlich beinhaltet das Event neben den Matches selbst weitere zeitfressende Segmente. Man denke an die Hall of Famer und Musiker-Auftritte, von manchen minutenlangen Entrances ganz zu schweigen.

Welches Sport-Event dauert bitteschön sieben Stunden?

Selbstverständlich unterscheidet sich WrestleMania gerade durch letztgenannte Faktoren von den gewöhnlichen PPVs, doch muss es am Ende wirklich eine rund fünfstündige Show sein? Der ganze Kram mit Experten-Panel und Kick-off-Show kommt sogar noch dazu! Sieht man sich wirklich alles an, so wäre man letztes Jahr auf über sieben Stunden Fernsehkonsum gekommen. SIEBEN Stunden! Welches sportliche Ereignis dauert denn bitteschön sieben Stunden?

Betrachtet man die einzelnen Matches, kann man diese grob in vier Kategorien unterteilen. Zunächst gibt es die wirklich wichtigen Matches, bei denen sofort das viel beschworene „WrestleMania Feeling“ aufkommt, die unter Umständen echte Leckerbissen sind oder sogar das Zeug zum Klassiker haben, von denen man noch in Jahren spricht. Mit Brock Lesnar vs. Roman Reigns, AJ Styles vs. Shinsuke Nakamura, Asuka vs. Charlotte und John Cena vs. The Undertaker gibt es für mich davon vier Stück in diesem Jahr.

Viel zu viele Lückenfüller auf der WrestleMania-Card

Des Weiteren gibt es dann jedes Jahr irgendein Match oder Segment, welches für die „Außenwelt“ interessant ist und in irgendeiner Art und Weise für Aufmerksamkeit in Non-Wrestling-Medien führt. Diese Rolle kommt dieses Jahr dem Mixed Tag Team Match rund um Ronda Rousey zu. Wobei man für WrestleMania 34 hierbei keinen reinen Promi verpflichten musste, sondern mit der MMA-Fighterin diesen glücklicherweise nun dauerhaft unter Vertrag hat.

Die dritte Kategorie, derer ich ebenfalls noch eine Berechtigung einräume, auf der WrestleMania Card zu stehen, sind all jene Matches, die einen ordentlichen Aufbau hinter sich haben und dementsprechend Vorfreude versprühen. Dazu zähle ich das Intercontinental Championship Match und das RAW Women´s Match zwischen Alexa Bliss und Nia Jax.

Alle übrigen Matches fallen in Kategorie Nummer vier – Lückenfüller. Matches, die man auf die Card klatscht, damit jeder Wrestler von sich behaupten kann, bei WrestleMania dabei gewesen zu sein. Das sind alles Matches, an die man sich zwei Wochen später nicht mehr erinnert.

Braucht es wirklich zwei Battle Royals bei WrestleMania?

Ich bin ein großer Fan von Battle Royals, aber braucht es mittlerweile echt zwei von dieser Sorte an einem Abend? Zumal die Relevanz – selbst für den Sieger – gegen Null tendiert. Früher hatten die Money in the Bank Matches zumindest eine Auswirkung auf das spätere Wrestling-Jahr, doch alle bisherigen Sieger der Battle Royal haben davon kaum profitiert. Auch, weil der Sieg nach einem Monat nicht mehr erwähnt wurde.

Bei einem Finale eines relativ groß angelegten Turniers – wie es bei den Cruiserweights der Fall ist – könnte man meinen, dass es auf die WrestleMania-Card gehört, aber wenn man als treuer RAW- und SmackDown-Zuschauer rein gar nichts von diesem Turnier mitbekommen hat, ist die Frage nach der Daseinsberechtigung sicherlich gerechtfertigt. Und allen wahren Fans von 205 Live würde ich es eigentlich auch eher wünschen, dass diese Finalpaarung dort 20 Minuten Zeit erhält, statt bei WrestleMania wohl eher fünf.

So könnte ich nun alle weiteren Matches ebenfalls noch durchgehen. Im Grunde gilt überall das Gleiche: Bei jedem beliebig anderen PPV oder gar in den wöchentlichen Shows könnte man jedes dieser Matches bringen, ohne dass man ein besonderes „Aha“-Erlebnis hätte.

Daniel Bryans Comeback könnte untergehen

Eine kleine Sonderrolle nimmt noch Daniel Bryan ein. Es steht außer Frage, dass sein Comeback ein würdiger „WrestleMania Moment“ wäre. Ich frage mich nur, ob die Match-Paarung dafür die richtige ist. Denn im Grunde fände ich ein Singles Match zwischen Kevin Owens und Sami Zayn (könnte man übrigens eins zu eins auch auf Bayley und Sasha Banks ummünzen) wesentlich interessanter als 50 Prozent der geplanten WrestleMania-Matches ist. Und das große Comeback des größten Babyfaces der vergangenen fünf Jahre in einem Tag Team Match zusammen mit Shane McMahon, dem Mann, mit dem er sich die letzte Zeit als SmackDown-Verantwortliche eigentlich nur gestritten hat? Wirkt auf mich einfach nicht stimmig. Daher läuft man hier Gefahr, dass Daniel Bryans Comeback untergeht.

Paradoxerweise muss man letzten Endes trotz rund fünf Stunden für die Hauptshow hoffen, dass die Zeit richtig eingeteilt wird und nicht an den falschen Orten gespart wird – ich habe Sorgen um AJ Styles und Nakamura. Lieber verzichte ich dann auf eine Gesangseinlage von irgendeinem US-Künstler, denn ähnlich wie beim DFB-Pokalfinale gilt: Wenn ich ein Musikkonzert sehen will, gehe ich auf solch ein Konzert und gucke nicht WrestleMania 34.

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