Freitag, 06 April 2018 05:00

Jeff Jarrett oder Von einem, der auszog, ein Megastar zu werden Empfehlung

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Ain’t it great“ - möchte man meinen. Mit Jeffrey Leonard Jarrett hält in diesem Jahr ein Wrestling-Unikum Einzug in die renommierte WWE Hall of Fame

… und doch mag man sich die Frage stellen, ob das einer symbolischen Verbeugung mit angebotenem Handschlag gleichkommt oder doch bloß Company-Kalkül angesichts des damit verbundenen Medienechos. Denn Double J - das bedeutet in den Geschichtsbüchern der großen Wrestling-Companys teilweise Querelen mit und Schlagzeilen über einen Angestellten, der mit seiner Persönlichkeit nicht hinter dem Busch hielt… und so manchmal unbequem daherkam. Quasi ein echte Type, die auch noch ansehnlich wrestlen konnte - nur zum ganz großen Durchbruch wollte es scheinbar nie so recht reichen. Dass es jetzt mit der Pre-WrestleMania-Ehrung zu einer gefühlt gütigen Einigung kommt mag manchen eingefleischten (S)mark daher überraschen.

WWE/F: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Aber Reihe nach: Als Schüler und Sohn des ebenfalls angesehenen Jerry Jarrett verdiente Jeff Jarrett seine ersten Sporen in dessen Ligen, ehe die WWF anno 1992 bei ihm anklopfte. Nach nüchternem Rookie-Jahr startete er zwölf Monate später dann durch: als Nashville-Cowboy mit breitem Südstaaten-Slang und protzigem Lächeln etablierte er sich für die kommenden zwei Jahre als Midcard-Fiesling, was ihm Anfang 1995 dann mit der WWE Intercontinental Championship seinen ersten großen Singles-Titel einbrachte. Doch der erste Höhepunkt war gleichzeitig auch ein erster Anfang vom Ende: Das live gesungene eingängige „With my baby tonight“ beim zweiten „In your House“ verbunden mit dem Match of the Night gegen Shawn Michaels war die eine Seite - der unmittelbar folgende abrupte Abgang das andere. Bis heute wird über die obskuren zugrundeliegenden „persönlichen Gründe“ spekuliert. Da verkam sein Kurz-Comeback Anfang 1996 zum Querschläger.

An den Griff nach dem ganz großen Gold war trotz einiger ansehnlicher Matches gegen den damaligen Titelträger Bret Hart nicht zu denken. Diese Vorzeichen änderten sich erst beim zweiten Stamford-Run: Mit der Loslösung vom Cowboy-Image, einer Shoot-Promo gegen nahezu jeden und einem PPV-Match gegen den Undertaker sah die Zukunft zunächst rosig aus. Das Ergebnis des Ganzen, nämlich eine NWA-Invasion, verkam dann aber zum Rohrkrepierer. Dahin die Gelegenheit, mal eine Company zu headlinen. Daran änderten auch die folgenden Monate als Edeljobber ebenso nichts wie die Zeit als gitarrenschwingender Slap-Nuts-Rebell und russo’scher Crash-TV-Champ mit seinem alten Gürtel. Und auch der Abgang war mal wieder spekulativ: Denn sein Vertrag lief einen Tag vor dem großen Abschied auf PPV-Bühne aus - und Jeff ließ sich dieses One Night Only fürstlich entlohnen.

WCW: Cash Cow mit Hindernissen

Als vergleichsweise erfolgreicher, wenngleich ebenfalls mit teilweise fadem Beigeschmack, kann man dagegen seine Zeit in bei World Championship Wrestling (WCW) ansehen. Dabei fällt der erste Run 1996/97 als Midcarder, US-Champ und Horsemen-Filler nicht wirklich ins Gewicht. Dafür schon eher die Zeit ab der Rückkehr im Herbst 1999 - denn da katapultierte es ihn endlich in die Topcarder-Sphären, die er sich immer erwünscht hatte. Main Events, nWo-Reboot - und im Frühjahr 2000 endlich mit der WCW Championship sein erster großer Titelgewinn.

Drei weitere sollten folgen - allerdings haftete allen der Makel an, dass sie nicht ganz clean abliefen bzw. negativ geschichtlich daherkamen: Beim ersten half ein Turn Kimberley Pages gegen DDP gütig mit, beim zweiten einer von Schauspieler David Arquette (welcher das Gold zuvor zugeschustert bekam), Nummer drei entstand nach Commissioner-Querelen und der vierte stand ganz im Zeichen des legendären Shoot-Rauswurfes von Hulk Hogan beim Bash at the Beach 2000. Die Folgezeit ganz oben, allerdings ohne nennenswerte Titelnähe, blieb dann farblos… und schließlich sorgte Vince McMahon höchstpersönlich dafür, dass Jarrett bei der WCW-Übernahme der Titans unberücksichtigt blieb.

TNA: Eigener Herd ist Goldes wert

Double J blieb angesichts derartiger Dankbarkeit allerdings locker - und erfindungsreich. Denn wenn einem der Weg in einer großen Promotion verbaut ist… dann gründet man einfach seine eigene. Und so geschah es: Wieder vereint mit Vaddern hob Jeff anno 2002Total Nonstop Wrestling“ aus der Taufe und füllte damit anschließend (ein Stück weit) die Lücke des WCW-Zusammenbruchs. Und auch er ging in der Rolle als Gründervater, Innovator und Wrestler voll auf: seine insgesamt sechs Schwergewichts-Titelregentschaften sind nur ein Indiz dieser für ihn wie für das US-amerikanische Wrestling denkwürdigen Zeit, in welcher er bis 2014 nebst einigen Abstechern im weiteren Nachgang Flecken im Geschichtsbuch des Squared Circle hinterließ. Seine Schlachten in den „King of the Mountain“-Spektakeln oder die Fehde gegen Kurt Angle (die ihm neben Prestige auch die Ehefrau des Ex-Olympioniken an die Seite brachte) zählen ebenso mit hinein. Bezeichnend also, dass der Liga-Pionier bereits 2015 in die Ruhmeshalle seiner Promotion aufgenommen wurde - selbst, wenn die inzwischen einen anderen Namen trägt und er mittlerweile auch nicht mehr Teil dieser ist.

Nun also soll ihm dieselbe Ehrung drei Jahre später in seiner Premieren-Liga zuteilwerden. Wie gesagt: Angesichts der beschriebenen Querelen ein wenig verwunderlich - auf der anderen Seite aber auch mehr als verdient. Denn die WWE Hall of Fame bekommt auf diesem Weg Zuwachs durch einen großartigen Entertainer und Fighter, der charakterlich auch mal unorthodox sein kann / konnte und aus seine Ecken und Kanten nie einen Hehl machte. Wie hatte Wolf Biermann einst gesagt: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“ Oder im Fall von Jeff Jarrett: „Ain’t I great?!

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