Freitag, 30 März 2018 08:57

Der perfekte Abschied: WWE WrestleMania 24 im Review Empfehlung

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Die beste WrestleMania aller Zeiten? Natürlich WrestleMania X-Seven. Da brauchen wir wohl kaum drüber zu streiten. Aber dahinter? Da gibt es einige Anwärter. Irgendwo auf den vorderen Plätzen darf auf jeden Fall WrestleMania XXIV stehen. Die Show aus dem Jahr 2008 ist definitiv eine meiner persönlichen Lieblings-Manias in meinen etwa 14 Jahren als Wrestling-Fan.

Zehn Jahre nach der Mega-Show aus dem Citrus Bowl in Orlando und nur Tage vor WWE WrestleMania 34 nehme ich die Show noch einmal unter die Lupe! Also, DVD rein (nix WWE Network), großer Bildschirm und ab geht’s! Ich kann schon verraten: Die Show ist immer noch gut – aber das lag gewiss nicht nur an den Matches!

Belfast Brawl
John Bradshaw Layfield vs. Finlay

Tonnen, Sticks, Stühle und ein Tisch – WrestleMania begann mit einem kleinen Heißmacher! Ein Match, das den Zuschauern früh gab, was sie sich wünschten: Action. Klar, JBL und Finlay im Karriereherbst – das war jetzt kein Feuerwerk. Aber das konnte man sich angucken, das hat Stimmung in die Bude gebracht. Stimmung, die sich noch im Hellen und ohne Dach vermutlich schwerer eingestellt hätte. Der Build-up mit der „Illegitimate Son“-Story um Hornswoggle war natürlich seltendämlich. Umso überraschender war der Ausgang: JBL gewinnt clean per Clothesline from Hell – die Boshaftigkeit des Heels in den Vorwochen blieb also unerwartet ungesühnt. Bester Move übrigens: Ein Suicide Dive von Finlay, als ihm JBL mit einem Tonnendeckel im Flug eins überbrät.
Wertung: 3/5

Money in the Bank Ladder Match
John Morrison vs. Carlito vs. Shelton Benjamin vs. CM Punk vs. Mr. Kennedy vs. MVP vs. Chris Jericho

Es ist im Nachhinein schon erstaunlich, wie viele hochgehandelte Talente in diesem Match standen, die es am Ende doch nicht ganz nach oben geschafft haben. Ein wenig tragisch. Auch Chris Jericho ist ein halbes Jahr nach seinem Comeback für mich in diesem Match ein wenig verschenkt gewesen, aber sei's drum: Für mich ist das hier eines der besten Money in the Bank Ladder Matches der WWE-Geschichte. Alleine schon wegen eines Moves ziemlich weit am Anfang: John Morrison nimmt sich eine kleine Leiter, erklimmt eine Ringecke – und springt einen Moonsault mit Leiter nach draußen auf alle Gegner! Ein Wahnsinns-Move – einer von mehreren starken Momenten. Aber dieses Ladder Match lebte nicht nur von den Moves, sondern hatte von vielem, was ein gutes Match ausmacht, etwas: eine Prise Comedy durch Carlito, einen dicken Schocker mit dem Comeback von Matt Hardy (der MVP mit einem Twist of Fate von der Leiter holt), eine relativ spannende Schlussphase mit Jericho und CM Punk auf der Leiter – und einem unerwartet guten Sieger: Punk. Klarer Punkt an die WWE, in dem damaligen ECW Superstar mehr gesehen zu haben als viele Fans zu dem Zeitpunkt.
Wertung: 4/5

Batista vs. Umaga

Machen wir es lieber kurz: Das beste an dem Match waren die Entrances mit der Ansage von RAW General Manager William Regal und dem Feuerwerk für Batista. Wrestling ist eben manchmal mehr als nur ein Match an sich. Tja, und das Match an sich war dann halt ziemlich mau. Es war im Prinzip sowieso nur eine WrestleMania-Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme für Batista (und Umaga). Am Ende zeigt Batista zwei Aktionen, verhaut ausgerechnet auch noch seine Batista Bomb, und Schluss ist.
1,5/5 (für die Entrances)

ECW Championship
Chavo Guerrero (c) vs. Kane

Das erste Titelmatch des Abends... ist eine kurze Angelegenheit. Chavo Guerrero bekommt zwar auf der Main Card von WrestleMania einen Entrance als ECW Champion, kassiert allerdings die kürzeste Niederlage auf der Grandest Stage, die es bis dahin je gab. Kane erscheint ohne Entrance hinter Chavo im Ring, ehe das Match mit einem Chokeslam from Hell beginnt und endet. Die Elf-Sekunden-Niederlage ist das einzige ECW Match des Abends – eine Frechheit. Es ist auch der Auftakt für eine Reihe von ätzenden Mania-Mini-Matches in den folgenden Jahren. Die einzigen guten Dinge an dieser Farce: Ich gönne Kane einen Titelgewinn bei „WM“, wir sehen sein Ringpfosten-Feuerwerk und hören sein extrem cooles Entrance Theme („Slow Chemical“) ein bisschen länger. Punkte gibt’s trotzdem nicht.
0/5

Career Threatening Match
Shawn Michaels vs. Ric Flair

Das Negative zuerst: Dieses Match steht auf der Card vielleicht etwas zu früh. Denn es war alles andere als Midcard wert. Der letzte Auftritt von Ric Flair als aktivem WWE Superstar war rundum gelungen. Es fängt mit diesem genialen Entrance an: die pompöse blaue Robe, das Feuerwerk im Nachthimmel von Orlando, die Familie am Ring, die vielen Fans mit ihren Schildern – ganz groß. Und auch wenn man es Flair nicht mehr zugetraut hat, legt er mit Shawn Michaels ein richtig starkes Match auf die Matte. Eines, das beweist, dass Wrestling so viel mehr ist als Technik und Moves. Es war eine ganz große Story – mit dem wohl besten Finish aller Zeiten. Diese Schlussekunden erzählen einfach so viel: Shawn Michaels, der zerrissen ist, aber am Ende doch weiß, was zu tun ist. Ric Flair, der kämpferische Oldie, der sich wie ein Boxer mit zu viel Stolz sehenden Auges dem Unvermeidlichen stellt. Der sofort legendäre Ausspruch „I'm sorry, I love you“ vor der finalen Sweet Chin Music. Und dann die Emotionen nach dem Match! Stark, wie Michaels Flair prompt die Bühne überlässt, und der unter Tränen das letzte Mal in den Sonnenuntergang reitet. Zusammengefasst: Top Entrance, top Abgang, top Story, top Atmo, top Emotionen – perfekt.
Wertung: 5/5

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Playboy BunnyMania Lumberjill Match
Beth Phoenix & Melina vs. Maria & Ashley

Lasst uns froh sein, dass diese Zeiten vorbei sind. Das Match war unterirdisch, die Eingriffe von Santino Marella und Jerry The King Lawler waren nur peinlich. Zwischenzeitlich ging sogar das Licht in der Arena aus. Irgendwie symptomatisch, dass so ein technischer Fauxpas bei diesem Match passiert. Aber hey, wir haben eine Clothesline von Snoop Dogg gesehen...
Wertung: 0,5/5

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WWE Championship
John Cena vs. Triple H vs. Randy Orton (c)

Wow, wir sind beim drittletzten Match der Card und erst beim zweiten Titelmatch. Und bei Entrances, die heute kaum zu glauben sind: Randy Orton hat noch seine alte Entrance-Musik („Burn In My Light“), John Cena trägt noch ein Football-Shirt statt eines seiner hässlichen wie austauschbaren einfarbigen Shirts. Und Triple H? Der hat einen ganz normalen Entrance. Zwar mit Feuerwerk, aber ohne Live-Musik, ohne Terminator, ohne Motorrad. Hat man heute ja ganz vergessen, dass das auch geht. Aber ich gebe zu: Ich schreibe nur so viel über die Entrances, weil es zum Match wenig zu sagen gibt. Es war nicht so wirklich gut. Sehr viel Stückwerk, kein roter Faden, wenig Spannung. Und als es gerade besser wurde, war es auch schon vorbei. Triple H zeigt den Pedigree gegen Cena, Orton verpasst Triple H den Punt Kick und pinnt Cena – ein eher schwaches Finish mit einem überraschenden Sieger. Insgesamt ein Match, das weit unter seinen Möglichkeiten blieb.
Wertung: 2,5/5

Floyd „Money“ Mayweather vs. The Big Show

Cooles Video-Package vor dem Match in einem dokumentarischen Stil – das hat man damals noch nicht oft gesehen. Eindeutig ein Vorläufer der Reality Era! Auch die Rollenverteilung war etwas ungewöhnlich: Promi-Gast Floyd Mayweather wird für jede Aktion ausgebuht, der eigentliche Heel Big Show frenetisch gefeiert. Mayweather ist halt Mayweather. Das Match war jetzt nicht besonders gut, aber es hatte durch die Boxer-gegen-Wrestler- und Klein-gegen-Groß-Konstellation irgendwie eine natürliche Spannung – eben The Greatest Fighter in the World vs. The Largest Athlete in the World. Das war gut. Big Show darf erstaunlich viel zeigen, am Ende gewinnt Mayweather aber nach einem Chairshot, einem Low Blow und Knockout-Punch mit einem Schlagring. Das Match war jetzt kein Must-see, aber von Nicht-Wrestlern hat man selten bessere Auftritte gesehen.
Wertung: 2,5/5

World Heavyweight Championship
The Undertaker vs. Edge (c)

Eine in der allgemeinen Wahrnehmung leider etwas unterbewertete Perle – denn hier stimmte alles! Ein extrem starkes Promo-Video zu Beginn, ein unnormal geiler Entrance von Edge, der mit seinem Pyro selbst dem Undertaker die Show stiehlt, und ein rundum bärenstarkes Match. Sehr spannend, aber nicht überladen. WrestleMania 24 war gerade so an der Grenze, bevor mit Undertaker vs. Shawn Michaels ein Jahr später das Finisher-Ausgekicke in neue Dimensionen vorstieß. Viel mehr Worte muss man gar nicht verlieren – schaut es euch einfach selbst nochmal an!
Wertung: 5/5

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Fazit

Unterm Strich steht eine Durchschnittswertung von 2,66/5 Punkten pro Match. Klingt etwas mittelmäßig, gefühlt ist die Show aber besser. Mit Shawn Michaels vs. Ric Flair und Undertaker vs. Edge bietet WrestleMania 24 zwei historisch starke Matches, außerdem eines der stärksten Money in the Bank Ladder Matches. Die weiteren Matches stechen nicht weiter hervor, bleiben aber teilweise trotzdem sehenswert. Denn diese Mania hat es vielleicht wie keine Show vorher oder hinterher geschafft, eine so ideale Produktion zu mischen. Die Promo-Videos, das Feuerwerk, die Stage – es wirkt alles ganz groß, ohne so überladen zu sein wie heute mittlerweile, wenn sogar die Rampe eine Videowall ist. Es stimmt einfach vorne und hinten! Was das angeht, gehört WrestleMania 24 zu den besten WrestleManias aller Zeiten.

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Gelesen 710 mal Letzte Änderung am Freitag, 30 März 2018 09:50

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