Montag, 24 Dezember 2012 04:00

WrestleMania XXV: The Undertaker vs. Shawn Michaels

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adventskalender24dezemberMein Lieblingsmatch? Ist das meiner Meinung nach vielleicht beste Match, das es je gegeben hat. The Undertaker vs. Shawn Michaels von der 25. Ausgabe von WrestleMania vereint Genialität in zahlreichen Aspekten, die gutes Wrestling ausmachen. Wie das konkret aussieht, sollen die folgenden Unterkategorien klären. Sicher, es ist nicht in jeder Hinsicht unschlagbar (ich kann es vorweg nehmen: die Story war ausbaufähig), aber es wurde schon extrem viel richtig gemacht. Und das, obwohl es ein WrestleMania-Match des Deadmans ist, die nach Meinung vieler gerade nicht für Spannung stehen, da der Sieger ja immer klar sei. Los geht’s - viel Spaß mit dem 24. und letzten Türchen unseres Adventskalenders!


Die Vorgeschichte:

Die Story zum Match des Undertaker gegen Shawn Michaels bei WrestleMania XXV im Jahr 2009 war eher simpel gestrickt. Eigentlich zu simpel. Es gab ein paar Anwärter, die gegen den Demon from Death Valley antreten wollten. John Bradshaw Layfield und Shawn Michaels waren die ersten, die diesen Gedanken geäußert hatten. Die beiden waren zuvor in eine Fehde verstrickt gewesen, da Michaels sich aufgrund „finanzieller Probleme“ von JBL als Mitarbeiter einstellen ließ. Bei No Way Out endete dieses Arbeitsverhältnis, als Michaels JBL in einem Match besiegte. Dann, mit Blick auf WrestleMania, trafen die beiden erneut in einem Match aufeinander, um herauszufinden, wer gegen den Undertaker antreten dürfe. Michaels siegte erneut.

SmackDown-General-Managerin Vickie Guerrero hatte allerdings noch eine andere Idee: Der noch ungeschlagene Vladimir Kozlov solle der Herausforderer werden. Kozlov konnte sogar den Undertaker bei SmackDown besiegen. Schließlich wurde ein Match zwischen Kozlov und Michaels angesetzt. Der Sieger erhalte das Mania-Match gegen den Sensenmann. Michaels gewann und fügte Kozlov seine erste Einzelmatch-Niederlage zu.

Ohne dass der Undertaker vorher mal gefragt wurde, stand das Match fest. Das fand ich etwas schwach. Die Beteiligten hatten keinerlei Beef miteinander. In den Folgejahren wurde es dann in der Story deutlich schwieriger, gegen den Undertaker anzutreten. Da schien der Taker alleinige Vollmacht über die Gegnerwahl zu haben. Vielleicht kann man es damit erklären, dass er damals noch (weitgehend) Vollzeit aktiv war. Wie auch immer. Dann ging es mit dem eigentlichen Aufbau los. Und so viel hat man sich da auch nicht ausgedacht. Das wäre definitiv etwas wenig gewesen, wenn die Streak des Undertakers wirklich hätte enden sollen.

Die Story, die man sich ausgedacht hatte, war ein repräsentatives Duell zwischen Hell und Dunkel. Das Licht in Form von Michaels solle das Dunkel in Form des Takers und der Streak vertreiben. Das war definitiv nicht schlecht und konnte gut Stimmung erzeugen. In der Story war es übrigens vielfach Michaels, der Mind Games spielte. Aber das Match an sich hatte auch ohne großen Aufbau eine Menge interessanter Reibungspunkte.

Shawn Michaels sollte zu seiner 16. WrestleMania in den Ring steigen. Der Undertaker stand hingegen mit seiner Bilanz schon bei glatten 16:0. Diese beiden Superstars sind es, die die meisten WrestleMania-Auftritte auf ihrer Kappe haben. Die beiden Veteranen traten außerdem schon mehr als zehn Jahre vorher gegeneinander an – bisher immer mit dem besseren Ende für das Heartbreak Kid (sogar in einem Hell in a Cell und einem Casket Match). Bei WrestleMania war es demnach das erste Match zwischen den beiden Megastars. Wurde aber auch Zeit!


Die Entrances:

Die Entrances griffen die Fehde zwischen Hell und Dunkel auf und versetzten den Zuschauer gleich in eine entsprechende Stimmung. Shawn Michaels zelebrierte seinen Einzug zuerst: Er stand auf einer hohen Kanzel über der Stage. Die Halle war mit Licht geflutet. Michaels trug, angepasst an das bekannte Outfit des Undertakers, einen weißen Mantel und einen weißen Schlapphut. Mit choraler Musik, die an Kirchenliturgie erinnerte, unterlegt, wurde die Kanzel langsam herabgelassen. Michaels hatte die Augen geschlossen und die Arme ausgebreitet. Die Kanzel kam am Boden an und ein grelles Feuerwerk wurde entzündet. Ein großartiger Einzug! Dann kam aber der Stilbruch: Michaels eigentliche Entrance-Musik wurde eingespielt und hüpfend wie immer enterte Michaels das Seilgeviert.

Anschließend wurde die Halle dunkel und der altbekannte Gong ertönte. An den Einzug Michaels’ angelegt, wurde der Undertaker auf einer Kanzel aus dem Boden der Stage hoch gefahren. Wer es kennt: Das erinnerte ein wenig an den Auftritt von Baron Samedi im James-Bond-Abenteuer „Leben und sterben lassen“… Dann ließ der Undertaker Flammen emporschießen und machte sich auf den Weg zum Ring. Sensationelle Entrances, selten – wenn überhaupt –  gab es bessere. Das spätere Match hat nicht weniger als das verdient. Das ist WrestleMania!


Das Match:

Was für ein Wahnsinns-Match! Hier stimmte nahezu alles. Ja, es gab ein paar kleinere Botches und einen extrem gefährlichen Sprung des Undertaker über die Seile, bei dem er sich beinahe ernsthaft verletzt hätte. Aber das zeigt ja nur, dass sich der Taker trotz seines auch damals schon immerzu angeschlagenen Gesundheitszustands für nichts zu schade ist und er alles für ein grandioses WrestleMania Match tut. Ansonsten bewiesen die beiden Veteranen, dass sie über eine praktisch perfekte In-Ring-Psychologie verfügen und eine lückenlose Geschichte erzählen können.

Das Match dauerte über 30 Minuten und hat nicht eine Sekunde weniger verdient. Es brauchte aber auch die Zeit, um sich zu diesem toll aufgebauten Instant Classic zu entwickeln. Es begann damit, dass Michaels den agileren Part übernahm und dem Taker somit einige erste Schwierigkeiten einbrachte. Als der Deadman ihn aber dann zu packen bekam, wurde es ein ausgeglichenes Match. In der ersten Hälfte zeigten der Taker und Michaels schönes technisches, bodenständiges Wrestling mit vielen unterschiedlichen Aktionen, Trademark-Moves und Submission-Griffen.

Der angesprochene Sprung des Undertaker über die Seile läutete die zweite Hälfte des Matches ein. Die Intensität steigerte sich von Minute zu Minute, ein Trademark nach dem anderen folgte, ehe sie von Finishing Moves abgelöst wurden. Dabei gab es einige tolle Konter-Sequenzen. Besonders hervorzuheben sind die beiden Ansätze zum Tombstone Piledriver (siehe den Abschnitt „Das Finsih“). Es hätte jede Minute zu Ende sein können. Man stand vor Nervosität praktisch vor dem Bildschirm. Obwohl es ein WrestleMania-Match des Undertaker war, war es trotzdem immens spannend. Michaels schien alles andere als chancenlos. Am Ende hieß es dennoch 17:0. Ein Weltklasse-Match!


Das Finish:

Zu einem guten Match gehört auch ein gutes Finish. Schlechte Finishes können ein tolles Match ansonsten noch immer deutlich herunterziehen oder ihnen zumindest einen faden Beigeschmack verpassen. Hier stimmte aber einfach alles. Das Finish ist die Kirsche auf der Sahnetorte gewesen. Nach einer atemberaubenden Schlussphase mit Trademark-Moves, Finishern, Kickouts, Ohs und Ahs des Publikums fängt der stehende Undertaker einen Moonsault von Shawn Michaels perfekt ab und zeigt aus diesem Ansatz heraus einen Tombstone Piledriver. So etwas habe ich noch nie gesehen.

Ein derart kreatives Finish macht das geniale Match zu einem kompletten Meisterwerk. Besonders gut ist das Finish auch vor dem Hintergrund, dass dies nicht der erste Tombstone aus einem innovativen Ansatz heraus war. Nach einem angedachten Skin-the-Cat-Manöver von Michaels zieht der Taker seinen Gegner über die Seile wieder in den Ring direkt in Tombstone-Position (muss man auch gesehen haben, die Aktion). Das wäre schon ein schönes Ende gewesen, aber nein, man setzte noch einen drauf und bescherte uns dieses herrliche Finish.


Die Stimmung:

Die Publika sind es, die Matches auf eine höhere Ebene hieven können. Man kann ein hinreißendes Match zeigen, wenn aber kein lautes, euphorisiertes Publikum mitgeht, wirkt es gleich viel kleiner und weniger bedeutend. Größere Hallen sind ein Vorteil, den WWE gegenüber allen anderen Wrestling-Promotions hat. Und wie schon im Abschnitt zum Finish angedeutet: das Publikum war außer Rand und Band.

Von Anfang an waren die Zuschauer gut dabei, aber als die Schlussphase eingeläutet wurde, saßen die Leute auf den Kanten ihrer Stühle, sprangen bei Kontern auf, zählten die Counts mit, und raunten nach den erfolglosen Pin-Versuchen.

Es kann störend sein, dass die WrestleManias nur noch in Riesenstadien ausgetragen werden, weil es viel schwerer ist, eine so große Menschenmenge laut werden zu lassen (besonders, wenn kein Dach auf der Arena sitzt). Die Stimmung wirkt in kleinen Hallen oft besser. Aber es wirkt umso beeindruckender, wenn eine 70.000 Menschen starke Crowd gleichzeitig und umfassend mitgerissen wird. Und das hat dieses Match geschafft.

Aber auch wenn man nicht in der Halle war, konnte dieses Match stimmungsmäßig sehr mitreißen, was auch dem grandiosen Kommentar geschuldet war. Jim Ross lief einmal mehr zu Höchstform auf. Good Ol’ JR ist auch einer dieser Faktoren: Sein Kommentar kann ein Match noch weiter aufwerten.


Die Bedeutung:

Zweifellos: Dieses Match war der Showstealer des Abends der WrestleMania zum 25-jährigen Jubiläum. Dieses Match wurde Ende 2009 bei den Slammy Awards zum Match des Jahres gewählt. Aber man hätte jedes Match auch aus anderen Jahren gegen dieses hier stellen können, es könnte kaum eines mithalten. Dieses Match kann symbolisch dafür herhalten, dass der Undertaker im Laufe seiner langen Karriere auch bei fortschreitendem Alter praktisch immer noch besser wurde. Auch Shawn Michaels hat viele großartige Schlachten geschlagen, aber dieses Match hier muss auch in seinem Lebenslauf einen sehr, sehr hohen Rang einnehmen. Dieses Match setzte den Standard für die weiteren Fights des Undertakers bei WrestleMania. Man konnte nicht mehr zurück. Man musste jedes Jahr einen neuen Kracher folgen lassen. Ich sage: Es gab in der WWE nie ein besseres Match. Um es mit den Worten von Jim Ross zu sagen: „As a wrestling fan, how can you ask for anything more?” Es hat einfach alles gestimmt: Die Entrances, die Stimmung, das Match, das Finish – genial.

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Gelesen 3181 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 20 Juni 2013 16:37

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