Crossed Fiction: MirrorMania oder Was wäre wenn ….

  • 16 Dezember, 2017
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Wir alle kennen, bejubeln oder hassen sie: die Superstars der großen Wrestlingligen, welche uns seit Jahren nicht nur mit mehr oder weniger glanzvollen Ringleistungen zu begeistern wissen, sondern oft auch mit der Art und Weise, wie sie in- und außerhalb der Seile agieren. Sprich: wie sie halt ihr jeweiliges Gimmick ausleben. Und das kann oft auf vielerlei Wegen geschehen …

Das ganze Drumherum wie ein Athlet dabei seine ihm gegebene Rolle spielt und ausfüllt ist in einigen Fällen ein steiniger Weg gewesen: viele der Superstars mussten im Laufe der Jahre erst diverse verschiedene Parts übernehmen, ehe sie das Alter Ego fanden, mit welchem sie dann berühmt wurden. Im Grunde fischten die Promotions dabei oft im Trüben - und testeten gewissermaßen die einzelnen „Typen“, bis sich die passende fleischgewordene Umsetzung fand … oder spekulierten darüber. Da kommt es nicht von ungefähr, wenn Interviews, Wrestling-Magazine und das Internet vereinzelt Stilblüten bringen, wer denn dereinst für ein Gimmick eingeplant gewesen war. Da fragt man sich gerne, wie es wohl gewesen wäre, hätte man diese Planspielchen in die Tat umgesetzt.

Um dies zumindest teilweise zu beantworten, soll nun der folgende nicht ganz ernstgemeinte Veranstaltungsbericht folgen, welcher die gängigsten Personalmythen, Gimmick-Spekulatius und ein wenig Eigen-Phantasie des Autors miteinander verarbeitet … verbunden damit, dass man für einen entsprechenden Kader derart um Entschuldigung bittet, da hier die Grenzen linearer Zeit etwas aufgelöst werden mussten.

Also dann: Vorhang auf und Bühne frei …



....



… und zum wiederholten Male heißt es „Herzlich willkommen!“ aus Minneapolis, dem Kernland der WCWF, das uns auch heute zu einer neuerlichen Ausgabe von „MirrorMania“ begrüßt, der größten und spektakulärsten Show des turnusmäßigen Wrestlingjahres. Das wird auch deutlich, als nach einer Pyroshow und der obligatorischen Nationalhymne Commissioner Robert Heenan die Fans nochmals verbal auf die Show einstimmt, ehe er das verbale Zepter den bewährten Fähigkeiten des Kommentatorenduos Arn Anderson und Scott Hudson überlässt. Diese rühren natürlich auch nochmal die Werbetrommel für Matches des heutigen Abends - und insbesondere die große Vendetta zwischen „The Game“ und EC um die Heavyweight Championship.

Los geht es allerdings zunächst mit einem Tag Team Match. Dies steht ganz im Zeichen des maskierten Publikumslieblings Mr. Olympia, dem in dessen Fehde gegen den Max Moon alias dem „Luna Luchador“ Charles Ashenoff neuerdings der Völkerball-verrückte Dodge Buzzman noch mit gegenüberstand und beide Heels eine Allianz bildeten. Gegen diese forderte er nun ein Tag Team Match - mit einem bislang unbekannten Partner. Der entpuppte sich nach den ersten Takten von „Heart of America“ als der frenetisch umjubelte „USA Guy“ Derrick Bateman, welcher nach mehrmonatiger Verletzungspause somit sein Comeback feierte. Der Kampf selber ging recht flott daher, war allerdings auch kurz gehalten: Moon traf letztlich mit seinem Moonsault versehentlich Dodge, der Mr. Olympia (alias Alan Neal Jones) festhielt. Dieser warf sich mit Mattias Clement dann über das Seil, während Bateman mit dem Deviant den Sieg für ihr Team gegen Moon holte.


Das Stecher-Duell - it's perfect ...

Persönlich wurde es dann auch im zweiten Match, welches um die Intercontinental Championship ging. Nicht nur hatte Porno-Superstar Sexton Hardcastle ein Auge auf seinen Titel gehabt - wohl aber auch eines zu viel auf die schöne Emmalina. Zu viel im Übrigen auch für den „Heartbreak Kid“ Shane Douglas, der den Kanadier daraufhin um dessen Gürtel herausforderte. Und da beide es zuvor scheinbar nicht erwarten konnten aufeinander loszugehen, setzte Commissioner Heenan kurzerhand „Mr. Perfect“ Terry Taylor als Special Referee ein.
Letzterer erwies sich als mehr hinderlich für einen flüssigen Matchverlauf beider Athleten. Hardcastle hatte so die Chance, mit dem technisch etwas forscheren Douglas mithalten zu können. Die Entscheidung fiel, als Emmalina sich mit Taylor anlegte, während Hardcastle im Sweet Chin Music - Ansatz einen Lowblow zeigte, um hiernach per Cumshot Driver alias Impaler DDT die Titelverteidigung perfekt zu machen. Apropos Perfect: dieser schien hiernach, als habe er kaum etwas mitbekommen, während Hardcastle weiter nach Emmalina gierte, die von Taylor zur Rede gestellt (und somit festgehalten) wurde. Bevor es brenzlig wurde, clotheslinte Douglas aber beide nach draußen und feierte anschließend mit seiner Flamme. Hardcastle blieb somit sein „Hello Ladies …“ im Halse stecken.

Zur Abwechslung war es dann Zeit für das „Captain’s Diner“, die Interview-Rubrik von Captain Mike Rotunda, in welcher er diesmal den Spaßmacher Doink begrüßen durfte. Der clownesque Athlet kam dann auch feixend und kichernd zum Ring, warf Konfetti und „WCWF“ - Flyer ins Publikum und besprenkelte Rotunda etwas per Spritzblume. Beim Captain war Jimmy Garvin, der hinter dem Clown steckt, dann aber nicht so froh zumute: auf die Attacken der letzten Wochen seitens Fang McFrost angesprochen verwies Doink, dass McFrost schon recht bald die dunkle Seite eines Clowns kennenlernen werde - und dann würden ihm vor Schreck seine verbliebenen spärlichen Haare bald ganz ausfallen… doch in dem Moment attackierte der besagte Blondschopf Doink, bevor diverse Ordnungskräfte beide trennen konnten. Heenan setzte daraufhin ein Match beider für später an.

Die Zeit hatte die Liga im Übrigen dafür genutzt, ein futuristisches Objekt am Ring aufzustellen: die so genannte „Ice Cell“. Diese stand im Anschluss im Mittelpunkt - denn in diese musste der jeweilige Gegner zum Sieg befördert werden. Das perfekte Interieur, um zu beweisen, wer mehr vom kalten Element verstünde: entweder der mysteriöse Glacier oder letztlich doch Eishockey-Freak „The Goon“ Chris Irvine. Der hatte letztlich für beider Ausscheiden bei der großen „Battle Royal“ gesorgt - und damit den Zorn des Mannes mit den Husky-Augen auf sich gezogen.
Trotz der Sonderregel kam ein mehr als gutes Match heraus, bei dem Robert Szatkowski in seiner Rolle als „Freezed Enigma“ seit langem Mal wieder zur Höchstform auflief. Trotzdem ging sein Telemark Frogsplash genauso daneben wie Goon’s Blizzard-sault. Dann aber konnte der allerdings Glacier zum Penalty Kill eindrehen - doch der befreite sich mit einem Kick, warf den Goon übers Seil und schickte diesen per Cryonic Kick vom Apron nicht nur in die Eiszelle, sondern dabei gleich durch die Tür. Das brachte ihm letztlich den Sieg ein.


Mal ohne Wand-Botch debütiert ...

Deutlich bedächtiger (sowie bizarrer) wurde es im Anschluss zwischen den Hünen Oz sowie der recht trashigen Christmas Creature. Glen Jacobs, diesmal allein, schien von seinen Gesten und wookie-ähnlichen Äußerungen wie Kevin Nash auf das Duell zu brennen … was ebenfalls seinen Ursprung in der Battle Royal genommen hatte. Zum Glück ebenfalls kurzgehalten stand der wrestlende Zauberer mit der Merlin Bomb unmittelbar vor dem Sieg … als es plötzlich dunkel in der Halle wurde und auf der großen Leinwand ein Mann im glitzernden Helm erschien: der Shockmaster machte damit seine Aufwartung in der WCWF und prophezeite den Superstars das Ende ihrer Macht. Oz war zwar nicht geschockt, allerdings abgelenkt genug, dass der Creature der Sieg per Small Package gelang.

In der Interviewecke hatte Matt Borne derweil den amtierenden WCWF - Champion zu Gast, den schillernden „Electric Cowboy“ Sam Houston. Lässig grinsend und mit aufgesetztem breiten Südstaatenslang fasste er das Geheimnis seines Erfolgs mit einer einzigen Catchphrase zusammen: „Ain’t I great?!“ Und genauso wie zuvor und auch in der Zukunft werde EC der Liga seinen Stempel aufdrücken, egal wer sich ihm in den Weg stelle. Sie alle werden seinen Namen nie vergessen: es ist S-A-M-H… doch bevor er weiterbuchstabieren konnte trat sein heutiger Maineventgegner hinzu: „The Game“ Owen Hart. Wieder einmal zeigte sich der Ontario Assassin fassungslos, was aus seinem Bruder Bret geworden sei: ein Abziehbild zum Fremdschämen. Aber heute werde er dem Electric Cowboy die Lichter ausknipsen - in der Hoffnung, dass er dann wieder normal werden würde ….

Als Nächstes standen die Tag Team - Titel auf dem Spiel. Nach etlichen Wochen bekamen die amtierenden Champions diesmal wieder eine echte Herausforderung: denn Big Van Vader hatte sich mit dem mysteriösen Seven (alias Dustin Runnels) zusammengetan. Allerdings wirkten der „Soultaker“ Charles Wright und Mean Mark, der „Master of Pain“, alles andere als eingeschüchtert.
Das änderte sich erst, als James Hellwig (der Vader wie berichtet inzwischen als echten Namen angenommen hat) für die Herausforderer begann und gleich die Kontrolle übernahm. So entstand eines der besseren Powerhouse - Matches mit ordentlich Härte - und auch Dramatik. Denn wie zu erwarten verweigerte Seven letztlich den entscheidenden Hot Tag und verließ einfach die Halle. Vader anschließend auf sich allein gestellt, gab aber nicht auf und brachte gar die Mastodon Press ins Ziel. Doch am Ende half alles nichts und Big Van musste sich den Champs und ihrem Electric Chair / Ropewalk Clothesline - Finisher genannt Soulsmasher geschlagen geben.


And that's the frosted line ...

Ordentlich Härte gab es dann aber auch anschließend zwischen Doink und Fang McFrost. Der Clown ließ dabei seine fröhliche Fassade fallen und lieferte sich genauso wie der frühere „Malibu Blonde“ Steve Anderson einen Slobberknocker vom Feinsten, der sich mehr außer- als innerhalb des Rings abspielte. Doink konnte sich zwar auf einige seiner Kinkerlitzchen verlassen, doch am Ende musste auch er sich McFrost und seinem Cold Froster geschlagen geben.

Wieder Interviewzeit bei Matt Borne - diesmal mit „American Made“ Bob Backlund, welcher wie immer wort- und gestenreich daherredete und dann seinen neues Protegé ankündigte: den „Hawaian Crusher“ Adam Brianic, der immer mehr auftrumpfe und unlängst eine bedeutende Rolle bei der Battle Royal gespielt habe. Es erfülle „Brotha Bob“ mit Stolz einen solchen Athleten unter seinen Fittichen zu haben - und er ernannte Bryanic daher ab sofort zum „All American Crusher“ …
… doch in dem Moment unterbrach beide ein selbstgefälliges Lachen - und der Million Dollar Man Ric Flair erschien mit seiner rechten Hand, dem Ringmaster. Dieser werde heute noch auf den Crusher treffen - doch bevor es ernst- wie schmerzhaft für diesen werden solle, gebe ihm Flair noch die Chance auf seine Seite zu wechseln. Der Crusher verneinte dies allerdings, worauf Flair meinte, dass „everybody’s gotta price…“

Kampf Nr. 7 bedeutet die „Streak“ … denn der Undertaker machte seine Aufwartung in der Halle. Diesmal schickte er sich gegen Deacon Batista an, der mit seinen skurrilen Religionsideen den Fokus des Deadmans auf sich gezogen hatte. Wie immer in John Nords Matches herrschte die Behäbigkeit des Akteurs vor - nur, das Batista vieles der Arbeit übernahm, wodurch ein halbwegs akzeptabler Matchfluss zustande kam. Am Ende sollte es den Tombstone Piledriver geben - doch Batista hob den Taker vorher aus und siegte per anschließender Sitout Powerbomb. Somit blieb die Streak bestehen: zwölfte Niederlage im zwölftem Match!


Patriots vs. Dollars

Money, Money, Money, Money ….“ Vom ewig lachenden Million Dollar Man begleitet kam der „Ringmaster“ Bryan Clarke zum Seilgeviert - und beide wurden dort Zeugen eines ohrenbetäubenden Jubels beim Einzug vom All American Crusher und Backlund. Da verkam das Match, welches recht flott ablief, fast zur Nebensache. Die Scharmützel und Andeutungen Flairs waren Brotha Bob irgendwann zu viel und so setzte es ringside eine handfeste Prügelei, die im Patriot Crossface des Real American mündete. So ging fast unter, dass das Totale Package sich aus dem Million Dollar Dream befreite, da der USA Guy die Flagge schwenkend im Publikum erschien. Der Bald Eagle Smash folgte - doch beim Ausheber war Bateman plötzlich im Ring und drosch dem Crusher den Flaggenstiel in den Rücken und auf den Kopf. Clarke ließ sich zum Cover auf ihn fallen und gewann so. Anschließend warf er den Crusher hinaus zu Backlund, welche beide den Handshake Batemans mit Flair staunend wie zähneknirschend mitverfolgten … wie auch die Buh-Rufe.

Ein anderer Hintergangener äußerte sich derweil bei Matt Borne: der „Heartbreak Kid“ Shane Douglas prophezeite Mr. Perfect, dass er zwar noch keine Beweise hätte, die besagten, er habe mit Hardcastle gemauschelt - was er allerdings garantieren könne ist eine satte Abreibung dafür, dass er Emmalina in die Zange genommen habe. Und diese … spuckte nur ihren Lolli in die Luft, schlug ihn per Handrücken aus dem Bild und meinte, der nächste Hieb treffe Taylor.

Nun wurde die Käfig-Konstruktion, welche den ganzen Abend über an der Decke gehangen hatte abgesenkt - denn mit dem Cagematch unter „War Games“ - Regeln sollten die Zwistigkeiten zwischen der Brood sowie der Evolution ein für alle Mal beseitigt werden. Das Spektakel sollte seinem Namen auch gerecht werden: zunächst begannen Maven Huffman für die Evolution sowie Gangrel für die Brood noch verhältnismäßig zahm. Doch als dann die restlichen Mitglieder in 90 Sekunden - Anständen dazustießen wurde es härter - und auch blutiger: Mark Jindrak, R.K. Orton und Terra Ryzing (der sich seit diesem Abend „Terror Ryzing“ nennt) als auch Kevin Thorn, Christian und Chris Daniels legten den Level immer eine Spur höher. Ein Loch entstand im Käfig und auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung sollte es Ortons Piledriver auf das Käfigdach gegen Christian geben … als Gangrel die Kafigumrandungen in Flammen setzte. R.K. stürzte erschrocken zurück - worauf Christian zu einem Bulldog umgriff … durch den beide durch das Käfigdach nach unten stürzten. Thorn donnerte Jindrak per Crucifix gegen die Käfigwand und schließlich besiegelte Daniels mit dem HME (Hellish’t Moonsault ever) gegen Terror Ryzing vom Käfigrand (!) den Sieg der Brood.

Vor dem Hauptfight gab es noch eine kurze Videocollage der „Hall of Fame“ - Zeremonie, in die u.a. „Chief“ Leon White, „The Spider“ Randy Savage sowie Triple H, „Hacksaw“ Hulk Hogan, aufgenommen wurden.


Brothers, Beef and Bullying

Dann aber war die Zeit für Mainevent gekommen - der epochal wie unterschiedlich eingeläutet wurde: wasserprustend machte Owen Hart den Anfang. Wie schon einige Jahre zuvor wurde sein Theme „The Game“ wieder live eingespielt - von seinem guten Freund Garth Brooks. Countryklänge ganz anderer Art dagegen von Sam Houston: im klassischen Stil aber in einer gleißend illuminierten Kutsche von der Decke heranschwebend hielt der Champion wie ein echter „Electric Cowboy“ Einzug.
Im Ring entbrannte dann aber der gegenseitige Hass der Brüder seit dem Split vor gut einem Jahr. Sam alias Bret spielte seine ganze Erfahrung aus und ging wie schon in den Wochen zuvor auf Owens Knie los. Aber auch der ließ nicht locker und so kam es bereits nach wenigen Augenblicken nicht nur zum Duell der Hart-Brüder, sondern auch, wer von beiden den besseren Scorpion Hold besitzt: Owen mit dem Game Over oder doch Bret mit dem Bluegrass Lock. Beide hatten mehrfach die Chance den jeweils anderen in diesen zu nehmen, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. The Game saß mehrfach fest, konnte sich aber immer wieder befreien - doch am Ende war es Houston, der als erster abklopfte. Leider war der Referee genau in dem Moment KO, da Owen Sam per Reverse Enzuigiri getroffen und diesen gegen den Unparteiischen geschleudert hatte. Hart weckte ihn wieder auf, als … Houston ein Tiefschlag gelang und er seinem Bruder die Beine verschränkte. Bluegrass Lock in der Ringmitte - doch in dem Moment gelang Owen der Small Package. 1 … 2 … 3!

Mit dem neuen Champion „The Game“, einem Konfetti- und Luftballon-Regen sowie den feiernden Fans ging „MirrorMania“ somit zu Ende …

.....


… und damit eine Veranstaltung, die es so nie gegeben hat und auch nie geben wird. Ob das nun gut oder schlecht wäre, muss jeder für sich festlegen.

Letzte Änderung am Sonntag, 17 Dezember 2017 06:21

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