Merch-Mad oder: Ist das Kunst oder kann das weg?

  • 02 Dezember, 2017
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Es ist aus unserer modernen Welt faktisch nicht mehr wegzudenken: kaum taucht irgendwo eine bestimmte Person, Sache oder ein entsprechendes Ereignis auf, welches die Massen begeistert und einen nicht abzuflauenden Hype mit sich zieht, folgt diesem meist unmittelbar eine Pestwolke diverser Gegenstände und Devotionalien, welche einen Ikonen-ähnlich an das oder den erinnern soll. Zu gut Deutsch: Merchandising.

Die Bandbreite an derartigem Nippes und Fanartikeln ist dabei so breitgefächert, wie es industriell überhaupt möglich erscheint und ergötzt sich auch auf nahezu alle Bereiche täglichen Gebrauchs. Das Wrestling-Business bildet da keine Ausnahme: jeder von uns hat das eine oder andere Utensil zu Hause, das ihn an unser aller Zuseher-Hobby direkt wie indirekt erinnert. Einige Artikel haben es da zu einer Art kleinem Kult gebracht - seien es Shirts, Gürtel-Repliken oder DVDs resp. Blu-Rays.

Doch wo Licht ist, existiert bekanntlich auch Schatten … und so haben die Hersteller und Vertreiber im Laufe der Jahre auch den einen oder anderen Bock in der Hinsicht geschossen. Zum Glück kam das nicht so oft vor, aber wer jetzt in der Vorweihnachtszeit noch eine Geschenkidee braucht und jemanden kennt, den man nicht mag … der sollte einmal über einen der folgenden zehn Gegenstände philosophieren: eine Art Worst-Auslese von Merch-Ladenhütern … die teilweise derart bizarr daherkommen, dass wir aus Fürsorge unserer Leserschaft gegenüber lieber auf Abbildungen an dieser Stelle verzichten.

* Das „Monday Nitro“ - Parfüm

Wenn man den fröhlich trällernden Doofen aus den 90ern Glauben schenken darf, sagt „Mief!“ ja über den Charakter gar nichts aus. Duftwässerchen stehen augen- bzw. nasenscheinlich nicht wirklich jedem, weshalb die Palette weit reicht. Wie genau sich das Odeur des Aftershaves der WCW - Flaggshow dabei zusammensetzt konnte bislang nicht in Erfahrung gebracht werden … und gehört vermutlich unter Verschlusssache: die vereinzelten Benotungen dieser Serie waren zumindest nicht besonders - und stuften es noch eine Spur schlimmer ein als der Stamford-Versuch, mit einem „Attitude“-Duft dereinst gleichfalls bei Douglas ins Regal zu kommen. Da bleibt man doch besser bei der renommierten Qualität. Zumindest einen Slogan hätte man für das Nitro-Toilettenwasser damals gehabt: „Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke, denn sonst sag ich winke-winke….

* Der „Ultimate Warrior“ - Comic

Normalerweise dürften die berühmten Sprachblasen - Bildchen in ihrem Stammland, wo sie zum Kulturgut gehören, stets ein Selbstläufer sein. Dass dies mit dem Pseudo-Biopic des Ultimate Warrior nicht wirklich klappte, sollte bezeichnend für die Qualität sein. Allein das, was man optisch davon im Netz findet, erstickt die Lesefreude bereits im Vorfeld … denn der gute James Hellwig ließ sich in der heroischen Darstellung von seiner Ringpräsenz inspirieren und dies dann auch noch potenzieren. Was letztlich herauskam erinnert an einen fanta-farbenen Hulk mit Anabolikamissbrauch, dem vermutlich der Großteil an Therapiesitzungen fehlen dürfte. Dazu: 0815 - Stories und Fachtermini aus dem Phrasenland der Fantasy. Quasi eine „One Warrior Nation“ - nur dass es die gab und sie vermutlich vergleichsweise noch unterhaltsamer war (was etwas heißen will …).

* Stylische Haar-Attrappen

Man macht als Fan in manchen Fällen einiges, um seinem geliebten Original optisch nahezukommen. Da sind Muscle-Shirts, Caps oder Tattoos Marke Edding noch das Rudimentärste. Damit aber beispielsweise die Anhänger von Daniel Bryan und Eric Young nicht immer ihre Katze rasieren und sich die Schur mit Uhu-Alleskleber ans Kinn klatschen müssen, um den Bart-Men täuschend ähnlich zu sehen, hat die WWE auch hier reagiert … und plastinine Bart-Attrappen auf den Markt geworfen.
Als Gag ganz neckisch, im täglichen Leben allerdings recht unpraktisch, da man bei der Größe Original-Standard nur vermuten kann, das der eigene Mund dann auch wirklich in der Aussparung hängt. Getoppt wird das Ganze dann nur noch durch knallrote schnittlauch-ähnliche Sheamus-Toupets … mit denen man dann allerdings nur als Assistent in der Muppet Show anfangen könnte. Da stehen einem sprichwörtlich die Haare zu Berge.

* „Demonic Superstars“ - Actionfiguren

Gleiches Spiel wie bei den Comics: auch Actionfiguren gehören in den USA zum Sammelstandard - eventuell inzwischen von Handys und sonstigem digitalen Gedöns abgelöst. Gerade die WWE/F hat sich daran über die Jahre stets eine goldene Nase verdient. Was die Company aber Ende der 1990er geritten hat, einen einmaligen Abstecher in die Horror- und Fantasyschiene zu wagen, bleibt bis heute ein Rätsel. Nicht dass es keine entsprechenden zu verwurstenden Charakter gegeben hätte, nein: der Undertaker, Kane oder Gangrel zum Beispiel waren eine dankbare Steilvorlage. Der Schöpfer der „Demonic Actionfiguren“ hat es dann aber scheinbar übertrieben und den Fanartikeln-Ständen der Welt einen feuchten Traum der Marke Mary Shelley beschert: einen Steve Austin in der Optik eines Star Trek - Borg mag ja noch recht originell sein, aber Christian, Kane & Edge würden mit derart verformten Händen und Köpfen jedem Zombiefilmer die Tränen in die Augen treiben. Die Lachtränen wohlgemerkt …

* Halloween Sting - Masken

Masken gehören zum Wrestling wie das Salz in die Suppe - zumindest in Mexiko und Japan wird einem da niemand widersprechen. In den Vereinigten Staaten hingegen wird ihnen im Höchstfall eine hohe Randerscheinung zuteil. Berühmte Maskenträger wie Kane, Rey Mysterio oder der Patriot haben bei ihrer Berühmtheit dabei den Nimbus ausgenutzt, dass die Gesichtsverdeckungen mal was anderes sind. Klar wie Kloßbrühe dass sich so etwas auch sicher gut vermarkten lässt. Dem wollen wir hier nicht entgegenreden, nur … wenn die Maske originär eher ein Make Up ist, zusätzlich stilisierte Hals- und Kopfhaut noch dranpappen und das Ganze das schröckliche Design einer Serienmörder - Vermummung hat, dann raten wir eher zu einem Luchador - Präsent. Ohne dem guten Sting zu nahe treten zu wollen - aber das hat er nicht verdient, so vergleichsweise Sch**** dargestellt zu werden.

* Wrestlingshirts und andere Katastrophen

Der vergleichsweise einfachste Weg den Schulterschluss mit seinem Ringidol zu zeigen dürfte immer noch der Kauf eines T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck sein. Da kann man eigentlich nichts falsch machen … es sei denn natürlich, man nimmt entweder die falsche Größe, die falsche Zielgruppe oder schlicht das falsche Motiv. Und davon gibt es leider genügend Beispiele zum Beleg. Sei es der schlecht gezeichnete Brahma Bull beim Verzehr einer Poontang Pie, die optisch eher an etwas aus anderen Körperöffnungen erinnert, über ein APA - Shirt mit einer ungewollt homophil-doppeldeutigen Aufforderung bis hin zu John Morrisons Affenshirt und der bizarren Catchphrase, dass man das Essen anderer Leute verspeisen werde. Das alles dürfte aber nix gegen das inzwischen legendäre Sin Cara - Shirt mit dem Phallus-Suchbild sein, dass man glücklicherweise sehr rasch aus dem Verkehr zog. Aber andererseits: im Zusammenspiel mit dem Test - Shirt damals sicher eine Ergänzung … denn schließlich fehlt ja etwas, wenn da steht „I am a testicle“ …

* Der John Cena - Nussknacker

Nein, es sollte wirklich keine Actionfigur des Chain Gang Soldier sein, obwohl dies manche Fans spitzbübisch behaupteten. Die ganz Zynischen könnten darauf verweisen, dass das nicht stimme: die Sprachgestik zwar schon, dafür wären die restlichen  Körpergebaren zu hektisch. Aber mal Scherz beiseit - dieses vorweihnachtliche Stück Schnittkunst ist ein zweischneidiges Schwert. In Deutschland  könnte es als Erzgebirgs-Evergreen neben den Adventskranz gehören. Die Frage bleibt: was hat das mit den USA und vor allem mit Cena zu tun? Derartige Kameraden stellt man sich soweit bekannt in Übersee eher selten über die Kamine. Und äußerlich betrachtet … weist außer einem Aufdruck sowie weitgehend des Holzhütchens nichts darauf hin, dass der Knacker an den guten Felix Anthony erinnern soll. Eher noch an Jeff Jarrett und seine „Slap Nuts“ seinerzeit. Aber „Crack Nuts“?! Könnte eher zum Wahlspruch der Divas werden.

* Stone Cold junior

Steve Austin ist mit seinem „Stone Cold“ - Gimmick ein wahrer Meilenstein gelungen: nicht nur prägte er eine Ära, auch wurde dementsprechend ähnlich einer Midas-Berührung (nahezu) alles zu Gold. Ein Erfolgsgarant sondergleichen … allerdings fragt sich der Autor bis heute, was die tiefere Bedeutung hinter einer Babypuppe im Look der Rattlesnake wohl sein mag. Das weibliche Groupies schon mal üben können, sollten sie mal Mrs. Austin werden und in den Genuss ehelicher Pflichten nebst plärrender Resultate kommen? Oder doch eher ein Feldversuch, die Teenie-Girl - Vertreter der Barbie- und Baby Born - Generation für sich zu gewinnen? Und die Moral von der Geschicht - man weiß es nicht … vermutlich hatte da jemand beim Anblick des recht lustigen WWE-Spots von damals, der in der Neugeborenen-Station spielte, eine Eingebung. In dem Fall aber eine recht Bizarre …

* Hallo, ich bin die Seife

Ich bin ehrlich - und musste erstmal intensiver nachschauen, dass Titan Sports so was wirklich mal in den Handel gebracht hat. Was eher nach Scherzartikelladen oder den verkappten Auswüchsen japanischer Skurril-Kultur ausschaut, gab es tatsächlich: edel verpackt in einer Championgürtel-Hülle aus Plastik dröhnten bei sofortigem Wasserkontakt wahlweise die Laute von Steve Austin oder The Rock aus dem Stück Reinigungsmittel und verkündeten einem, dass man rieche und dem entsprechend Abhilfe schaffen solle. Richtig trashig wird es aber erst, wenn die Seife „Wash your ass“ befielt … denn wenn man ein bisschen um die Ecke denkt und den Hygieneartikel mit einer hypothetischen Eselsbrücke zu Gefängnisduschen versieht, bekommt so ein Satz eine ganz andere Bedeutung.  Und selbst wenn nicht: für den selbigen ist zumindest die Idee.

* Gebt mir ein V, gebt mir ein I …

Und als würde man meinen, es gehe nicht niveau- und geschmackloser … wird noch einer draufgesetzt. Kaum zu glauben, aber die Titan Company hat doch tatsächlich vor gut fünfzehn Jahren ein Katie Vick - Cheerleader - Outfit auf den Markt geworfen. An und für sich nichts Schlechtes und optisch neben einer gewissen konservativen Langeweile auch kleidsam. Das gilt aber nur für die, welche den Hintergrund nicht kennen. Alle anderen werden sich beim Anblick des Rock-Pullover-Arrangements an den denkwürdig schlechten Angle seinerzeit erinnern: genau dies waren die Sachen, welche eine gewisse Katie Vick trug … und die soll laut Triple H in einem von Kane verschuldeten Unfall umgekommen sein. Da ging es dann noch mit dem MacGuffin, doch die Story wurde immer absurder und ekliger … und um es kurz zu machen: Schuldfragen wechselten sich mit Aktionen ab, die zu Katies (zumindest im Deutschen doppeldeutigen) Nachnamen passten. Aber zu (nekro-) viel will ich da jetzt dazu nicht ausführen. Fakt ist: ein Lowlight an kreativen Schreiberergüssen sondergleichen. Das dann auch noch mittels Merchandise auszuschlachten ist im Grunde unfassbar. Zum Glück kann man eines sagen: das Weiße darauf … sind Unterschriften und zum Glück nicht das, was Ariel oder der Weiße Riese mutmaßlich nicht mal rausbekommen würden.

Man kann allerdings sagen, dass diese Ausrutscher eher selten vorkommen. Zulegen würde ich sie mir beileibe nicht. Eher andere Dinge …


… weshalb ich die Rubrik mit ein wenig anderem Spekulatius beende. Hatten wir bislang reale Merchandise-Artikel, die keiner wollte kredenze ich zum runden Abschluss nun fiktive Merch-Favs, die ich mir (und vermutlich auch andere sich) zulegen würde(n).

Platz 3: Die - DVD - Box „Thank you, Vince“

Und dies in der „High Definition“ - „Grapefruits“ - Edition. Ein gut vierstündiger Abend mit packenden Matches, Interviews, Videos und Anekdoten. Alles entstanden im August 2005 anlässlich Vince McMahons 60. Geburtstag und seines gleichzeitigen Abschieds von der Company-Bühne.

Platz 2: Der Original „WWE - Gluck auf“ - Fanschal

Und dies mit allen Unterschriften der Aktiven, die anno 2012 beim „SummerSlam“ auf Schalke dabei waren. 20 Jahre nach Wembley machte es die Company erneut möglich und veranstaltete live über den Teich.

Platz 1: Das Jubiläums Tour - Autogramm von Owen Hart

Planmäßig zum 25-jährigen Bestehen seiner Ringkarriere machte der King of Harts seine Ankündigungen wahr, ging nach Auslaufen seines WWE-Vertrags nochmals auf große Welt-Abschied-Tournee mit Gastspielen bei verschiedenen Ligen … und machte dabei auch noch einmal in Deutschland halt.


Tja, was meint ihr? Wer würde was am Ehesten kaufen?

Letzte Änderung am Sonntag, 03 Dezember 2017 00:44

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