Nachruf eines Fans aus den 80ern: R.I.P. Ultimate Warrior

  • 13 April, 2014
  • geschrieben von  Frank
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Woran merkt man, dass man alt wird? Genau: die Heroen der Jugend sterben einer nach dem anderen weg.  In den letzten Jahren sind mit Ronnie James DIO und Gary Moore zwei Heroen aus der Musikszene gestorben. Zwei Menschen, die nicht einfach nur gute Musik gemacht haben. Sondern Musik, die an besonderen Momenten meines Lebens einen besonderen Eindruck auf mich gemacht haben. Nach meinem allerersten großen Konzert, bei dem ich mit Gary Moore wohl einen der allerbesten besten Gitarristen der Welt bestaunt habe, musste ich in voller Verachtung der Tatsache, dass ich aus einer total unmusikalischen Familie stammte und genau gar kein musikalische Talent zeigte, unbedingt auf eine E-Gitarre sparen. Sehr zur Freude meiner Mitmenschen. Aber scheiß drauf, es waren die 80er. Das Jahrzehnt der unbegrenzten Möglichkeiten.

Nun hat sich also auch der Ultimate Warrior angeschlossen und ich fühle mich wieder ein Stück älter. Wozu hat er micht inspiriert? Vordergründig ist er natürlich Schuld, dass ich mich nach dem Abi in einem Fitnessstudio angemeldet hatte, nachdem meine Kniegelenke dem Fußball ein schmerzhaftes Ende bereitet haben. Genauer betrachtet, ist an der Figur des Ultimate Warriors viel mehr dran, als ein muskelbepacktes Monster, das wirres Zeug in ein Mikro grunzte.

Um diese Figur zu verstehen, muss ich einen Exkurs in die 80er machen. Denn IMHO funktioniert der Warrior nur im Kontext seiner Zeit. Die 80er waren laut und bunt schrill und vergnügungssüchtig. Aber die 80er waren auch Schizo. Neben der Erfindung des Elektropop gab es die Erfindung des Heavy Metals. Neben leuchtend neonbunten Augenkrebsklamotten gab es blaue 501 mit weißem T-Shirt. Und neben den Yuppies gab es die Rebellion. Rebellion, die seit jeher das Vorrecht und die heilige Pflicht der Jugend ist. Rebellion, die heute scheinbar keine Rolle mehr zu spielen scheint, weil alles nur noch rundgelutscht und stromlinienförmig sein muss. So auch unsere Jugend. Dazu passt, wenn ich lese, dass die Abiturienten dieses Jahr auf dem Abiball zu Helene Fischer friedlich mit ihren Eltern gefeiert haben. Da wird mir ganz übel. Wir hatten neben Schulsturm und Abiball eine dritte Säule: die Abifete. Ein Open Air Event bei dem die Abiband (natürlich aus dem Jahrgang) ein Konzert gab und bei der wir mal eben eine Tanklaster bier leergesoffen haben. Heute gibt es keine Abifete mehr, aber Helene Fischer. Und im Wrestling gibt es keine authentischen  Figuren mehr, sondern gespielte Gimmicks.

Der Warrior war eine Ausgeburt des rebellischen Zeitgeists der 80er. Er hielt sich nicht unbedingt an Skripts. Nein, er slammte André the Giant obwohl dies nicht vorgesehen war. Er slammte ihn, weil er es konnte. Aus eigener Kraft, ohne dass der Gegner helfend in den Slam einsprang. Ganz aus eigener Kraft. Das ist es, was den Warrior über ein simples Gimmick erhob. Es war kein Gimmick, das einfach dargestellt wurde, so wie ein Erstklässler zu Weihnachten ein Gedicht aufsagt. Der Warrior ist einer der seltenen Fälle, dass ein Gimmick wie ein Maßanzug passt. So wie John Wayne am besten war, wenn er John Wayne spielte, so war Jim Hellwig der Warrior. Letztlich ist es da nur konsequent, dass sich Jim Hellwig dann in Warrior umbenannte. Nach meinem Dafürhalten ist genau diese Authentizität das, was dem Wrestling heute allzu oft fehlt. Die Menschen wollen echte Charaktere mit Charisma und keine netten Schuljungs, die ein schlechtes Schmierentheater mit schlechten Rollen aufführen.

Der Warrior war kein netter Schuljunge. Er war ein Typ, der sich nie beugte. Nichtmal dem im Wrestling nahezu allmächtigen Vince McMahon. Selbst wenn es ihn wohl eine noch erfolgreichere Wrestlingkarriere gekostet hat. Für mich war gerade dieser unbeugsame und unangepasste Charakter das, was den (von seiner beeindruckenden Physis abgesehen) Warrior so besonders machte. 

Die Wrestlingwelt hat eine besondere Persönlichkeit verloren. Der Warrior hat zusammen mit Hulk Hogan und dem Macho Man das Wrestling mit speckigen Männern in Badehose aus der Schmuddelecke in den glamourösen Main Event von heute überführt. Und ich einen der Heroen meiner Jugend verloren. 

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Letzte Änderung am Sonntag, 13 April 2014 22:13

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