„Rowdy“ Roddy Piper – Heißsporn und Gentleman

  • 01 August, 2015
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„Rowdy“ Roddy Piper war ein Mann vieler Worte. Dabei hat meist schon eine Minute gereicht, um dich zu fesseln, und du kamst nicht mehr los. Roddy Piper war ein Heißsporn und ein Gentleman. Er konnte dir den Schädel einschlagen, und im nächsten Moment wickelt er deine Freundin um den Finger. Er war der Butch Cassidy unter den Wrestlern – ein Bösewicht, den man viel lieber lieben wollte, und doch gehasst hat.

Roddy Piper hat es schon zu Lebzeiten geschafft, eine Legende zu werden. Seit 2005 ist er Mitglied der WWE Hall of Fame, seit 2007 der Professional Wrestling Hall of Fame. Dabei war Piper nie der beste Techniker im Ring – aber wer war das schon in der Rock ‘n‘ Wrestling Era der WWF Mitte der 80er? Piper gewann auch nicht gerade viele große Titel. Für viele wird er auf ewig der größte Superstar sein, der nie World Champion wurde. Aber Piper konnte mit dem Mikrofon umgehen wie vor ihm und nach ihm kaum ein anderer. Man konnte ihm nicht nicht zuhören. Roddy Piper war der vielleicht beste Redner aller Zeiten. Ein wahrer Entertainer.

Ein lauter Poet

In einer Zeit, in der die meisten Wrestler nur in die Kameras geschrien haben, ist gewiss auch der Hot Rod zu Hochform aufgelaufen. Er hatte die hohen, harten, intensiven Töne drauf. Aber er konnte die komplette Klaviatur der Emotionen bespielen. Pipers Promos hatten Stil und Inhalt. Piper wählte seine Worte mit Bedacht und hatte einen Sinn dafür, sie richtig zu vermitteln. Roddy Piper war der erste Poet unter den Talkern – wenn auch ein lauter.

Ein Poet, der dir erst sein Gedicht vorträgt, und dir dann eins überbrät. Jimmy Snuka kann ein Lied davon singen. In einer Ausgabe aus dem Jahr 1984 von Pipers damals revolutionärer Talkshow „Piper’s Pit“ kloppte der charismatische Kanadier dem fidschianischen „Superfly“ eine Kokusnuss über den Schädel. Unvergessen, auch mehr als 30 Jahre später.

Kein Engel ohne Teufel

Es gibt kein Gut ohne Böse, keinen Engel ohne Teufel, kein Hogan ohne Piper. Ein Held braucht einen Widersacher. Für Hulk Hogan war dieser Widersacher der Hot Rod. Hulkamania hätte in den 80er-Jahren nie so geblüht, wenn es Roddy Piper nicht gegeben hätte. Als Hogans Erzfeind, wie Supermans Lex Luthor, wie He-Mans Skeletor. Und keine Frage, der „Rowdy“ war ein ausgezeichneter Bösewicht.

Auch wenn Hogan und Piper sich nicht gerade regelmäßig um den großen WWF Title duellierten, trafen sie immerhin im Main Event der ersten WrestleMania aufeinander – im einem Tag Team Match mit Mr. T neben von Hogan und „Mr. Wonderful” Paul Orndorff an der Seite von Piper. Wer gewonnen hat? Natürlich die Guten.

„… and I’m all out of bubblegum“

Im Wrestling gibt es den Ausdruck „to talk people into the seats“. Piper hat es mit Worten allein geschafft, die Leute heiß auf ein Event zu machen. Piper hatte eine Ausstrahlung; Charisma, sagt man im Wrestling-Business. Und so hat es Piper auch als einer der ersten Wrestler als Schauspieler nach Hollywood geschafft. John Carpenters „Sie leben“ von 1988 war ein Actionkracher mit sozialkritischer Botschaft und einem extrem coolen Roddy Piper. Der Film gilt bis heute als der wohl beste Film mit einem Wrestler in der Hauptrolle. Legendär auch darin – wen könnte es noch wundern – ein Zitat: „I have come here to chew bubblegum and kick ass... and I'm all out of bubblegum.”

In den vergangenen Jahren trat Piper, der pensionierte Poet, ab und zu in den WWE-Shows auf. Promos mit dem Meister des Mikrofons waren wie Ritterschläge für junge Stars. Wer mit Piper im Ring stand, konnte nur lernen. Bis zuletzt hatte der „Rowdy“ kein Stück verlernt, seine Segmente waren immer Highlights. Piper war längst ein Publikumsheld, der seine Ecken und Kanten aber nie versteckte. In seinem „Piper’s Pit“ gehörte die Political Correctness bis zuletzt an der Garderobe abgeben.

„Life changes the questions“

Roddy Piper ist in der Nacht des 31. Juli im Alter von 61 Jahren überraschend an Herzversagen gestorben. Piper hatte in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen Krebs gekämpft. Er galt als vollständig geheilt. Sein Tod schockiert die Wrestling-Welt und darüber hinaus. Nur einen Trost kann man dieser Tage finden: Pipers Tod war wie eine von Pipers Promos – doch dieses Mal stand der Hot Rod auf der anderen Seite des Mikrofons: Während er noch dem Gedicht des Lebens lauschte, versetzte ihm das Leben urplötzlich den KO-Punch.

Um Roddy Pipers berühmtestes Zitat zu paraphrasieren: „Just when you think you know the answers, life changes the questions.”

(Titel-Foto: en.Wikipedia.org/Ming)

Letzte Änderung am Mittwoch, 31 Juli 2019 22:37

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