Maik Hanke

Maik Hanke

Er ist der Würger aus Wesel, der Maestro des Ringkampfes – und ein Heel, wie er im Buche steht. Jetzt ist Karsten Beck ganz oben angekommen: Er ist wXw Unified World Wrestling Champion. Im exklusiven Interview spricht er über seinen Titelgewinn, über die Philosophie eines Heel-Charakters, inwieweit er in den kreativen Prozess eingebunden ist und wann er es bereut, Wrestler zu sein. Teil 3.

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2.

Du hattest mal ein WWE-Tryout. Wann war das und wie lief das ab?
Das war vorletztes Jahr, 2013 in München. Das lief konform damit, dass in München das WWE-Office eröffnet wurde. Da wurden dann halt einige von uns eingeladen und wir durften unser Können da mal zeigen.

Hat sich daraus irgendwas für irgendwen entwickelt?
Hmm, ja. Adrian Severe ist damals in das Performance Center eingeladen worden. Von mir waren sie eigentlich relativ begeistert. Ich leider Gottes davor längere Zeit grippal erkrankt und hatte die Einladung per Mail dazu eine Woche vorher bekommen und war dann körperlich absolut nicht in der Verfassung, in der man eigentlich da hingehen sollte.

Was haben sie denn bei dir gut gefunden – oder auch nicht so gut?
Sie waren von meinem Charakter und der Art, wie ich mich im Ring gegeben habe, völlig begeistert. Es war halt einfach nur der körperliche Status, der so war, wie er war.

Wie läuft so ein Tryout ab, was musst du machen?
Es gibt völlig verschiedene Tryout-Formen. Es gibt eintägige Tryouts, es gibt mehrtägige Tryouts, die mit Fitnesstests und allem drum und dran zusammenhängen. Das ist ganz unterschiedlich. Ich weiß von einigen Leuten, die waren zwei Tage da, da wurde Cardio-Training bis zum Umfallen gemacht. Es gibt auch Tryouts, wo man einfach nur ein Match bestreitet.

Fitness, Match und Promo – das WWE-Tryout

Wie war’s bei dir?
Ich hatte die Möglichkeit, ein Match zu bestreiten, und musste vorher noch einen kleinen Fitnesstest machen, um meine allgemeine Fitness unter Beweis zu stellen. Und danach noch eine Promo halten.

Und dann tritt man da quasi vor fünf Leuten an oder wie muss man sich das vorstellen?
Vor dreien.

Wie will man denn da interagieren und seinen Charakter rüberbringen?
Man muss sich halt in dem Moment einfach darauf einlassen. Man hat ja immer noch die drei Leute, mit denen man was machen kann, und man hat immer noch den Ringrichter, mit dem man arbeiten kann. Und die anderen Leute, die auch ein Tryout hatten, standen auch noch drum rum. Das geht schon. Man arbeitet natürlich anders als vor einer normalen Zuschaueranzahl.

Was macht man genau anders? Wie geht das?
Das kann ich nicht mal beschreiben. Das ist ein gewisser Automatismus bei mir. Also, man merkt, wenn Leute auf etwas reagieren, und verhält sich dann dementsprechend.

Dadurch, dass du ja sagtest, dass die eigentlich ganz angetan von dir waren, glaubst du, du bist noch unter Beobachtung von WWE-Leuten?
Das kann ich nicht sagen. Ich weiß, dass die wXw da drüben ein Begriff ist, und dass auch teilweise bekannt ist, was da passiert. Ich denke, gerade, wenn jetzt der World-Title-Gewinn passiert ist, wirft das ja auch nochmal ein anderes Licht auf mich. Aber, wie ich vorhin gesagt habe, ich bin kein Mensch, der darauf hinarbeitet, sondern einer, der auf den Moment hinarbeitet. Wenn ich nochmal die Chance zu einem Tryout habe, dann werde ich mir dafür auch den Arsch aufreißen – und die Zeit vorher hoffentlich nicht krank gewesen sein. Dann mal schauen, was passiert.

Auch als Jobber zur WWE

Aber WWE müsste ja für dich als Experte für Charakterschliff und fürs Reaktionen-Ziehen nochmal ein Ziel sein, oder?
Wenn die WWE sagen würde „Komm rüber“, wäre ich der Letzte, der Nein sagen würde, absolut. Also, das ist schon irgendwo natürlich ein Traum. Ich möchte nicht sagen, dass das mein Ziel ist, aber es ist definitiv ein Traum.

Würdest du dich auch darauf einlassen, wenn die dir einen Vertrag geben würden, aber du da der letzte Jobber wärst?
(pustet durch) Klar, warum nicht. Das ist eine wahnsinnige Lernerfahrung, die man da hat. Im Normalfall läuft es ja auch nicht so ab, dass jemand sagt „Komm her hier, du bist jetzt der letzte Jobber“.

Das Blöde ist, das weiß man vorher nicht.
Richtig. Man wird ja nicht eingestellt und dann heißt es, wir haben jetzt den und den Plan für dich. Man wird eingestellt und dann lange Zeit darauf vorbereitet im Performance Center. Dann versuchen die Leute, mit dir Geld zu verdienen.

Wir hatten mal Joe E Legend im Interview. Der war als Just Joe in der WWE. Ihm wurde dort zuerst der rote Teppich ausgerollt. Am Ende musste er aber sogar den Brooklyn Brawler verlieren. Sind das Schreckensszenarien, die einem durch den Kopf schwirren?
Nein. Trotz allem war ich dann ja in der WWE angestellt, konnte mich präsentieren und habe in der Zeit eine wahnsinnige Menge gelernt. Also, wXw ist ja jetzt keine kleine Liga mehr, aber was da drüben abgeht mit den ganzen Angestellten, das ist ja alleine eine wahnsinnig große Erfahrung.

Jetzt noch einmal zurück zu deinem wXw-Engagement. Du bist jetzt wXw Champion. Wie geht es jetzt für dich weiter?
Jetzt geht es für mich darum, meinen wXw-Champion-Titel zu behalten, ihn zu verteidigen – oder am besten auch nicht zu verteidigen.

Ist das jetzt das Ende der Story von der besseren wXw?
Nein, noch lange nicht.

Aber jetzt mit dir als Champion ist doch sicherlich ein großer Schritt in diese Richtung gemacht.
Natürlich ist es, mich als wXw Champion zu etablieren, ein großer Schritt auf dem Weg zur besseren wXw gewesen.

 

 

 

Kurz für die, die nicht wissen, was es mit dieser „Besseren wXw“-Story auf sich hat: Kannst du die Geschichte einmal kurz umreißen?
Karsten Beck hat irgendwann angefangen, eine Kampagne für eine bessere wXw zu starten, und gegen verschiedene Dinge, die falsch liefen, Leute, die in meinen Augen nicht das gemacht haben, was sie machen sollten, vorzugehen. Und einfach eine bessere wXw zu machen, eine wXw, die mir gefällt.

Manche Ideen entscheiden sich erst eine Stunde vor der Show

Kannst du ein wenig was dazu verraten, wo der Weg noch hingehen könnte?
Da kann ich nicht viel zu sagen. Das ist wirklich eine Sache, die sich die Leute anschauen sollen. Es wird ja jede Woche in wXw-Shotgun ein bisschen was veröffentlicht. Es sind ja quasi wöchentlich Shows. Das 16 Carat kommt auch bald wieder. Vince Russo ist in Frankfurt wieder dabei. Das Schönste ist da einfach, die Augen aufzuhalten und zu gucken, was passiert.

Aber du weißt zumindest schon ungefähr, was passieren wird?
Ich weiß natürlich, wie es erst mal weitergeht. Es ist ja nicht so, dass mir alles aufgetischt wird und gesagt wird „Du machst jetzt das und das“. Das ist einfach ein gemeinsamer Prozess.

Wie weit im Voraus ist man da meistens so?
Puh. Das ist völlig unterschiedlich. Das kann man so nicht sagen. Manche Sachen werden eine Stunde, bevor sie passieren, erst überlegt. Manche Sachen stehen ein paar Monate vorher fest. Man hat da einige Ideen, man muss nur sehen, wie man sie am besten umsetzt und wie sie am besten funktionieren. Ich denke, gerade die Sache mit Vince Russo im Januar hat perfekt funktioniert, da hat man den perfekten Zeitpunkt erwischt.

Inwiefern bist du da selber in den kreativen Prozess eingebunden?
Ich werde natürlich auch nach Ideen gefragt und wie ich bestimmte Dinge halte. Niemand, der sich Sachen dafür ausdenkt, ist ein Allwissender, sondern da stecken sehr, sehr viele Schritte hinter. Da wird gerne geschaut, ob nicht irgendwer noch irgendwas hat, was die Sache aufdrehen kann.

Vince Russo hattest du angesprochen. Er ist ja in der Story verantwortlich gewesen für deinen Titelgewinn. Was bringt Russo mit für die Company, für die Story, für dich?
Naja, Vince Russo ist vor allen Dingen ein sehr großer und kontroverser Name und Vince Russo hat natürlich einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz.

Was kannst du von ihm lernen?
Jede Menge. Der Mann hat doch quasi die komplette Attitude Era mitgeprägt. Ich kann natürlich auch Wrestlerisch und vom Verhalten was von ihm lernen, weil er einen Erfahrungsschatz in jeglichem Teil, was Wrestling angeht, hat. Da gibt’s quasi nichts, was man nicht irgendwie lernen kann.

 

 

 

Du siehst also auch klar seine positiven Seiten und nicht das, was ihm alles Negatives vorgeworfen wird, etwa zu Ende der WCW.
Es ist ja völlig offensichtlich, dass das nicht sein alleiniger Gang war. Es ist relativ einfach zu sagen „Hey, das ist Vince Russo, der hat WCW und TNA kaputt gemacht und alles, was in der WWF damals schlecht gewesen ist, war auch Vince Russo“. Niemand weiß, was genau von wem kam. Vince Russo ist ja auch nicht der Chef gewesen. Da stehen ja auch irgendwo auch noch genug Instanzen zwischen. Es ist immer relativ einfach, jemandem die Schuld an irgendwas zu geben, ohne davon überhaupt irgendwas zu wissen.

Was bedeutet für dich, dass Vince Russo, eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der jüngeren Wrestling-Geschichte, bei deinem Titelgewinn entscheidend dabei war?
Das ist fantastisch gewesen. Das war der Wahnsinn und auch die Dinge, die mir Vince danach gesagt hat. Es war ein toller Moment, jemand mit dem Erfahrungsspektrum dabei zu haben, und am Ende darüber nochmal reden zu können und da einen Erfahrungsaustausch machen zu können. Ich hätte es mir kaum besser vorstellen können, als es war.

Was hat er dir denn gesagt?
Das ist nichts, was ich unbedingt im Interview sagen muss. Es war auf jeden Fall für mich durchweg positiv.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon.

Bild-Hinweis: Copyright 2015 by wXw Europe GmbH

Er ist der Würger aus Wesel, der Maestro des Ringkampfes – und ein Heel, wie er im Buche steht. Jetzt ist Karsten Beck ganz oben angekommen: Er ist wXw Unified World Wrestling Champion. Im exklusiven Interview spricht er über seinen Titelgewinn, über die Philosophie eines Heel-Charakters, inwieweit er in den kreativen Prozess eingebunden ist und wann er es bereut, Wrestler zu sein. Teil 2.

Bitte hier entlang für Teil 1.

Ich wundere mich manchmal, manche Fans machen auf den ersten Blick manchmal den Eindruck, halbwegs smart zu sein, aber wenn die Show erst mal läuft und ein Heel an ihnen vorbeikommt, dann buhen sie sich doch die Seele aus dem Leib. Wie kommt das?
Ich denke, dass diese Leute sich einfach trotzdem noch die Freiheit lassen, die Show auf sich wirken zu lassen. Es gibt einfach die Smart Marks, die gehen zu einer Show und sagen „Ich will jetzt genau das und das sehen, weil das ist für mich das Richtige, und wenn das nicht passiert, ist die ganze Show schon richtig beschissen. Weil mein Wrestling muss so sein, wie ich mir das im Kopf vorgestellt habe“. Und dann gibt es eben die, die die ganze Show einfach auf sich wirken lassen. Das ist das, wie die Show eigentlich am meisten Spaß macht. Ich kann hingehen und sagen „Das läuft nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe, das ist aber scheiße“, oder ich gehe offen da hin und lasse die Show auf mich wirken und bin dann, wenn ich mich selber als Smart Mark bezeichne, bin ich in dem Moment einfach ein Mark und genieße, was passiert. Ich gehe ja auch nicht in einen Kinofilm und sage „Ich wollte eigentlich, dass das und das anders passiert. Das finde ich aber scheiße“.

Viele Fans sind heute ja aufgeklärt, wie Wrestling funktioniert, über Faces und Heels. Wie kommt es, dass Fans tatsächlich noch so oft auf die Gesinnung Face oder Heel reagieren, obwohl man ja weiß, dass das gespielte Rollen sind?
Man lässt sich doch auf Fiktion, wenn man sie sich anguckt, im Normalfall auch ein. Ich gehe ja auch nicht irgendwo hin und sage „So, jetzt gucke ich mir astreinen Ringkampf an“ und ich gehe ja auch nicht ins Kino, um mir die neueste Filmtechnik anzusehen und den Rest dann komplett an mir vorbeigehen zu lassen. Ich gehe ja schon dahin, damit die Sache mich so unterhält, wie die Sache gedacht ist. Oder hast du noch nie ein Buch gelesen und warst interessiert daran, was passiert? Oder hast einen Film geguckt und gedacht „Oh, damit habe ich jetzt nicht gerechnet“. Selbst wenn ich weiß, es ist, in Anführungszeichen, nicht echt – denn es werden ja Schmerzen ausgelöst und ich falle ja auch nicht vom dritten Ringseil, ohne dass es mir wehtut.

Charakter komplett selber erarbeitet

Ganz provokativ nachgefragt: Wenn man das mal auf einer anderen Ebene vergleicht und man bei einer Theatervorstellung ja auch gute und böse Charaktere hat, dann wird doch am Ende der Böse trotzdem auch bejubelt. Wie ist denn das zu verstehen?
Naja, beim Theater wird es am Ende ja aufgelöst. Alle gehen gemeinsam raus, holen sich ihren Jubel ab und die Geschichte ist im Normalfall damit zu Ende erzählt. Beim Wrestling arbeitet man ja eher von einer Veranstaltung zur nächsten, ohne dass die Geschichte dann zu Ende erzählt ist. Mit dem bösen Charakter passiert dann ja noch immer mal was, es geht ja immer noch weiter. Wenn ein böser Charakter danach zurücktritt, dann wird dem ja logischerweise auch zurückgejubelt, wenn es sein letztes Match ist. Dann wird sich auch meistens verabschiedet und „Danke, dass du da warst“ etc. pp. Aber im Wrestling läuft es ja im Normalfall immer weiter. Die Vorstellung ist ja einfach nicht vorbei.

Du verkörperst einen Old-School-Heel-Charakter, der oft durch Betrügereien gewinnt und zum Teil auch Comedy macht. Ich habe mir von einem langjährigen wXw-Fan mal sagen lassen, dass man dich möglicherweise so dargestellt hat, ganz einfach, weil du anfangs rein wrestlerisch noch nicht so gut gewesen bist. Ist da was dran?
Das ist absolut so, aber trotz allem basiert der Karsten-Beck-Charakter ja auf dem, was ich selber gemacht habe. Es war nie so, dass jemand hergekommen ist und gesagt hat „Du machst jetzt mal das und dann wird der Rest schon funktionieren“. Das habe ich mir eben auf lange Zeit selber erarbeitet. Aber es stimmt schon, dass ich gerade in meiner Anfangszeit furchtbar im Ring war, und sich das erst in den letzten paar Jahren wohl scheinbar gelegt hat. Ich persönlich bin mit jedem Match, das ich von mir sehe, voll und ganz unzufrieden und finde 1001 Anhaltspunkt, was ich beim nächsten Mal ändern möchte. Das ist wahrscheinlich auch der Punkt, der mich dazu bringt, mich über die acht Jahre, die ich zurückgelegt habe, so stetig weiterentwickelt zu haben. Weil ich immer was sehe, was ich anders machen kann. Es ist nicht so gewesen wie „Ja, du bist schlecht und deswegen müssen wir was anderes probieren“, sondern der Karsten-Beck-Charakter ist damals dadurch entstanden – also, ich bin als Face aufgetreten, als Karsten Beck, und habe dann einen Werbedreh gemacht für ProSieben und habe danach auf diesem Werbedreh basierend das „National Television Superstar“-Gimmick gemacht, wonach sich diese ganze Sache dann entwickelt hat. Der Karsten-Beck-Charakter ist einfach eine lange stetige Entwicklung gewesen.

 

 



Aber jetzt bist du doch schon länger in dieser Schiene, als Betrüger- und Comedy-Heel.
Die Sache stimmt ja auch einfach so bei mir, und das funktioniert ja auch. Ich gehe in der Rolle einfach immer weiter auf und ich finde immer neue Wege, die ich immer weiter gehen kann, ohne dass das für den Zuschauer anscheinend langweilig geworden ist.

„Am Anfang war ich einfach wahnsinnig scheiße“

Du hattest es angesprochen, du warst anfangs nicht sonderlich gut und wurdest dann immer besser. Ich hab mir mal bei den Kollegen von Cagematch.de die Wertungen angeguckt, die User dir im Laufe der Zeit gegeben haben. Dort können die Zuschauer abstimmen von 0 – ganz schlecht bis 10 – super gut. 2007 hattest du noch einen Durchschnittswert von 2,8. 2011 warst du dann auf 6,2 und 2014 bist du schon auf über 8. Was ist das für eine wahnsinnige Entwicklung?
Wie ich gesagt habe, ich war nun mal einfach wahnsinnig scheiße und habe stetig an mir gearbeitet und arbeite auch immer noch stetig an mir. Und das wird ja auch von den Fans irgendwo bemerkt und honoriert. Ich bin ja nicht ohne Grund an der Stelle, wo ich jetzt angekommen bin. Ich muss von mir persönlich sagen, ich sehe mich nicht an der Stelle, wo ich gerade bin, sondern immer noch weiter drunter. Aber scheinbar wird das von Menschen von außen so honoriert, dass ich da offensichtlich für sie da hin gehöre, während ich für mich selber immer noch sehe, du musst noch viel, viel weiter arbeiten.

Aber wie kommt denn das, dass es auch innerhalb relativ kurzer Zeit stetig besser wurde. Wie hast du das gemacht?
Naja, was heißt relativ kurze Zeit. Jahr für Jahrs wurd’s besser, aber ein Jahr hat auch 365 Tage, also ein Jahr ist nicht kurz. Ich sehe das als relativ langen Zeitraum dafür an, wenn ich mir andere Kollegen ansehe wie zum Beispiel Ilja Dragunov, der in den Ring kam und das erste Mal, dass ich ihn gesehen habe, ein fantastisches Match abgerissen hat, das ich nach fünf Jahren im Ring noch nicht hätte abliefern können und mir heute noch den Arsch aufreißen muss, so ein Match hinzustellen. Also manchen Leuten liegt das und manche Leute müssen sich dafür den Arsch abarbeiten, und Gott sei Dank habe ich die Möglichkeit mit der Menge an Shows, die mir wXw bietet, das zu machen. Wir haben dieses Jahr 60 Tour-Stopps geplant, und letztes Jahr waren es auch schon eine Riesenmenge, und je mehr Routine man entwickelt, desto mehr Möglichkeiten hat man ja auch, sich weiterzuentwickeln.

Was glaubst du denn, woran müsstest du als nächstes weiterarbeiten? Was ist dein nächster Schritt?
Ich arbeite eigentlich stetig an allem gleich. Ich arbeite an dem, was ich im Ring mache, ich arbeite fünf- bis achtmal in der Woche im Fitnessstudio an meinem Körper, weil ich da wahnsinnig anfällig bin. Das hört nie auf und überall ist eine Baustelle, an der ich arbeiten muss.

Einklang mit „echtem Leben“ unmöglich

Wie ist das denn mit dem „echten Leben“ in Einklang zu bringen, wenn man im Fitnessstudio so viel arbeiten muss und wochenends immer weg ist?
Da gibt es keinen wirklichen Einklang, muss ich sagen. Ich bin dieses Jahr 60 Shows unterwegs. Ich habe, wenn es hochkommt, in einem Monat ein freies Wochenende. Unter der Woche gehe ich zur Universität und danach ins Fitnessstudio und kann dann vielleicht ein, zwei, drei Stunden die Woche an ein oder zwei Tagen vielleicht mit Freunden verbringen, wenn ich nicht lernen muss oder nicht im Fitnessstudio bin. Dafür habe ich dann aber am Wochenende den Ausgleich mit dem Wrestling. Ich mache das ja nicht, weil ich das als einen Job ansehe, sondern weil es mir einen wahnsinnigen Spaß bereitet, und viele Leute, die da backstage rumlaufen, sind ja auch zu Freunden geworden. Man muss die ganze Sache Wrestling wirklich lieben und offen dafür sein. Das ist einfach nichts für jemanden, der der Ottonormaltyp sein möchte und vor seinen Freunden sagt „Hey, ich stehe nächstes Wochenende mal wieder im Ring“ und danach drei Monate nichts tut.

Bereut man es manchmal?
Natürlich bereue ich das manchmal. Ich habe Freunde, mit denen ich zur Schule gegangen bin, zu denen ich immer noch mehr oder minder guten Kontakt habe, teilweise monatelang nicht gesehen. Natürlich, wenn man liest „Hey, wir waren am Wochenende da und da, das war total klasse“, natürlich bereut man das dann irgendwo mal. Aber ich weiß dann auch gleichzeitig, dass ich am Wochenende da und da war und dafür arbeite und da natürlich auch eine wahnsinnige Zeit hatte. Die haben das, ich habe das. Man muss sich darauf einlassen. Natürlich gibt es Pros und Contras.

Gibt es Schlüsselerlebnisse?
Mein bester Kumpel – der wohnt 20, 25 Minuten von hier –, der hat aber einen wahnsinnig zeitaufwändigen Job. Wenn er dann am Wochenende mal wieder sagt „Hey, lass uns doch mal abends weggehen“ und ich kann dann nicht, und ich sehe meinen besten Kumpel dann eben nur einmal im Monat, dann bereut man das natürlich. Ich habe auch keine Zeit, eine vernünftige Beziehung aufzubauen, weil ich zum Beispiel nie mit meiner Freundin gemeinsam das Wochenende verbringen kann. Aber andererseits, wenn ich da im Ring stehe und die Massen um mich herum explodieren, wenn ich ein tolles Match habe, das mir selber auch Spaß macht, dann weiß ich ja gleichzeitig auch wieder, warum ich das mache. Also, Wrestling – das ist eine Art Sucht.

Wäre es denn nicht denkbar, die Freundin mitzunehmen, oder versucht man, das eher von ihr fernzuhalten?
Ich hab’s immer so gehalten, dass ich meine Freundin mit zum Wrestling nehme.

Wie kommt denn das eigentlich an, wenn man einem Mädchen das erste Mal sagt: „Übrigens, ich bin Wrestler“?
Naja, meine letzte Freundin, mit der ich lange zusammen war, habe ich da vor Ort kennengelernt. Da war das von vornherein klar. Und ansonsten stellt man das eben klar und mittlerweile ist es ja nicht mehr so, dass man zum Wrestling sagt „Öärh, so ne Scheiße“. Mittlerweile ist das ja wieder im Aufwind, wird allgemein als akzeptiert angesehen. Ich studiere seit diesem Jahr und den ersten Leuten, denen ich gesagt habe, dass ich das mache, die sagen „Wie cool ist das denn?!“ und fragen auch „Wie is’n das und das?“. Die Gemeinschaft ist da sehr viel offener für geworden in den letzten Jahren.

Woran liegt das?
Ich denke, einfach daran, dass die ganze Sache ein bisschen publiker geworden ist. Wrestling war ja nun mal Ende der 90er quasi tot in Deutschland, und wir haben WWE lange im Pay-TV gehabt. Jetzt ist es wieder komplett im Free-TV und die Touren gibt’s wieder, es gibt Werbung, die Videospiele sind großartig, und in Deutschland gibt’s jedes Wochenende eine Indy-Show. Das ist halt alles wieder mehr vertreten.

Nein, ich grunze fürs Fernsehen nicht in die Kamera

Wird Wrestling deiner Meinung nach angemessen wahrgenommen, auch in den Medien?
Jein. Medien berichten meiner Meinung nach mittlerweile wieder sehr offen darüber. Aber Wrestling ist halt kein Sport, über den man mal eben so berichten kann, wenn man keine weitere Ahnung von dem Thema hat. Wenn man manche Artikel durchliest vom „Muskelmann, der schreiend durch die Gegend läuft“ – das klingt dann natürlich wieder ein bisschen seltsam. Gott sei Dank ist es mittlerweile so, dass viele Leute realisiert haben, wie viel Körperbeherrschung dazugehört und wie viel Herzblut da drin steckt. Mittlerweile wird es einfach um einiges positiver angesehen.

 

 



Du hast vom „Muskelmann, der schreiend durch die Gegend läuft“ gesprochen. Wie schafft man es denn, in der Öffentlichkeit weniger lächerlich rüberzukommen?
Das hat sich einfach über die Zeit entwickelt. Aber wenn mir zum Beispiel ein Kamerateam vor der Nase rumspringt, ein Interview mit mir führt, und sagt „Ja, jetzt sag mal was und dann grunz in die Kamera“, dann sag ich „Nein, mach ich nicht. Warum sollte ich? Das mache ich doch sonst im Ring auch nicht. Warum sollte ich mich jetzt hier zum Affen machen und rumgrunzen?“ Natürlich versuchen wir, mit Stereotypen zu arbeiten, aber da sind die Leute ja mittlerweile auch auf den Trichter gekommen, dass das so zu nichts führt.

Findest du, es wäre eine Möglichkeit, Kayfabe und Charakter ein wenig in der Öffentlichkeit runterzufahren, um eben ernster genommen zu werden?
Ja. Es gibt heutzutage immer noch einige Leute, die bestehen voll und ganz auf Kayfabe, und das ist auch ok, wenn man jemanden da hat, der da drin lebt und immer noch der absolute Mark ist. Das finde ich absolut klasse, und dann werde ich auch den Teufel tun, und demjenigen das nehmen. Aber wenn jemand auf mich zu geht und sagt „Hör ma, das is doch alles Show“, dann werde ich da nicht hingehen und sagen „Nein, nein! Das ist alles ist echt!“. Da hat man mittlerweile doch mehr den Ansatz gefunden, zu sagen: „Du guckst doch auch Filme und weißt, dass das nicht echt ist, und trotzdem lässt du dich darauf ein.“ Man erklärt dem Menschen dann halt, wie viel körperliches Training dazugehört und wie schmerzhaft diese Sachen noch immer sind. Gerade wenn die Leute mal dazu offen sind, ein Training zu machen, dann sehen die die Sache auch mit völlig anderen Augen. Die ganzen Stürze, jedes Mal, wenn ich auf den Boden falle, dann tut es weh. Wenn mich jemand wirft, tut es weh. Ich weiß, wenn ich jemanden schlage, dass ich ihn nicht verletze, aber trotzdem tut jeder Schlag weh. Und dabei muss man auch noch das Theatralische in der Rückhand haben. Mittlerweile habe ich auch schon viele Artikel auf unabhängigen Seiten gelesen, wie krass für viele Leute Wrestling rüberkommt, wenn man, wenn sich einer verletzt, trotzdem im Normalfall noch einen Kampf zu Ende bringt.

„Ich kaufe mir ja auch keinen Schokoriegel und erwarte was Gesundes zu essen“

Für wie zeitgemäß hältst du Kayfabe noch? Müsste man Wrestling transparenter gestalten – oder eben nicht, um denen, die dran glauben, nicht den Spaß zu nehmen? Schließlich willst du ja noch ausgebuht werden…
Ja, aber das hat mit Kayfabe mittlerweile nicht mehr viel zu tun. Natürlich, wenn jemand noch ein absoluter Mark ist, dann lässt er sich voll und ganz drauf ein. Aber 90 Prozent der Zuschauer wissen ja mittlerweile, was Sache ist, wenn sie zu einer Wrestling-Show gehen. Die kommen dann da hin und lassen sich auf die ganze Sache ein, und so sollte es ja auch sein, wenn ich Geld dafür bezahle. Ich gehe ja auch nicht in einen Laden und kaufe mir einen Schokoriegel und erwarte, dass ich was Gesundes zu essen bekomme. Da lasse ich mich ja auch drauf ein. (lacht)

Gibt’s bei dir eine klare Grenze, in der Halle on-gimmick und außerhalb bin ich off-gimmick, oder kommt das auf den Gegenüber an?
Naja, ich bin einer der Leute, die möglichst viel versuchen, um in der Wrestling-Halle im Gimmick zu bleiben. Ich gehe normalerweise nach Shows nicht mehr raus, um Autogramme zu geben, um Fotos zu machen. Fotos mit mir sind sehr, sehr selten. Ich warte meistens, bis die Fans verschwunden sind, setze mich dann ins Auto und fahre dann von da weg. Also, ich bleibe da schon sehr weit im Gimmick. Klar, wenn ich einen Fan auf der Straße treffe in einer Stadt, wo kein Wrestling ist, dann muss ich da nicht im Gimmick bleiben und die Leute anschreien. Die Zeiten sind irgendwo vorbei. Aber zumindest in der Halle und an der Halle versuche ich, irgendwo in der Sache zu bleiben.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon.

Bild-Hinweis: Copyright 2015 by wXw Europe GmbH

Er ist der Würger aus Wesel, der Maestro des Ringkampfes – und ein Heel, wie er im Buche steht. Jetzt ist Karsten Beck ganz oben angekommen: Er ist wXw Unified World Wrestling Champion. Im exklusiven Interview spricht er über seinen Titelgewinn, über die Philosophie eines Heel-Charakters, inwieweit er in den kreativen Prozess eingebunden ist und wann er es bereut, Wrestler zu sein. Teil 1.

Clothesline.eu: Bei Back 2 the Roots bist du jetzt erstmals wXw Unified Champion geworden, hast also den höchsten Titel bei der größten deutschen Wrestling-Promotion geholt. Was bedeutet es für dich, jetzt quasi als der beste deutsche Wrestler zu gelten?
Karsten Beck: Eine Menge! Da ich als wXw-Fan zum Euro-Wrestling gekommen bin. Ich hab circa 2003 oder 2004 meine erste wXw-Show besucht und bin komplett hängen geblieben. Egal, welche Leute damals im Ring standen – und das ist wirklich im Vergleich zu denen, die heute im wXw-Ring stehen, ein Unterschied sondergleichen –, ich wollte damals einer davon sein, und hab mir seitdem den Arsch dafür aufgerissen. Also, ich könnte kaum zufriedener sein mit dem, was ich erreicht habe.

Erinner dich einmal kurz zurück an das besagte Wochenende: Wie waren die Live-Reaktionen, als du den Titel gewonnen hast?
Erschreckt. Damit hat, glaub ich, in dem Sinne so keiner gerechnet, dass das passieren würde. Manche Leute haben ja tatsächlich Vince Russo erwartet, weil es ein paar Anspielungen darauf gab, aber ich habe mir mittlerweile die Szenen im Stream angesehen und die Leute sind tatsächlich schockiert und stehen teilweise mit offenem Mund da.

Ziel erreicht?
Ja, absolut.

Wenn man als Heel einen Titel gewinnt und feiert, wie sehr muss man sich da eigentlich kontrollieren, nicht aus der Rolle zu fallen?
Was heißt aus der Rolle zu fallen? Wenn man einen Titel gewinnt, freut man sich im Normalfall ja.

Aber muss man nicht Sorge tragen, dass sich nicht allzu viele Fans mit einem freuen?
Ja, gut, das ist im Normalfall, wenn man seine Arbeit vorher gut gemacht hat, nicht so. Ich hatte an dem Tag auch das Gefühl, dass es viel Jubel gab, aber nachdem ich jetzt den Livestream angesehen habe, muss ich sagen, dass es auch wahnsinnig viele Mittelfinger gab. Also, das ist schon in Ordnung gewesen. Man kann da auch durchaus seine Freude zeigen, das geht schon.

Wann freut man sich eigentlich mehr: Wenn einem gesagt wird, dass man Champion wird, oder wenn man tatsächlich im Ring steht, der Count gezählt wird und man den Titel in die Höhe reckt?
Das ist ganz schwer zu beantworten, weil das durchgängig unterschiedliche Sachen sind. Wenn einem gesagt wird, man wird Champion, dann weiß man, dass man beim Veranstalter wahnsinnig hoch im Kurs steht, und wie sehr man quasi „appreciated“ wird. Das ist relativ schwer auszudrücken. Das ist eine sehr, sehr hohe Anerkennung und die bedeutet einem wahnsinnig viel. Da kann in dem Prozess aber auch noch wahnsinnig viel passieren – es kann auch noch passieren, dass es nicht mehr passiert. Aber der Grundgedanke ist da und die Leute halten dich dafür bereit. Und der Moment, wenn man das Gold dann wirklich gewinnt, ist natürlich einfach großartig, wenn man dann weiß, jetzt hat jeder gesehen, er ist am Ziel und du hast das umgesetzt, was du vorhattest. Das sind beides völlig unterschiedliche Sachen, die aber im Moment, wenn sie passieren, einfach fantastisch sind.

„Am Anfang war ich unfassbar scheiße“

Hast du in der Entwicklung in den vergangenen Monaten damit gerechnet, dass es jetzt bald mal zum Titelgewinn kommen könnte?
Nein. Ich bin kein Mensch, der mit sowas rechnet. Ich bin immer ein Mensch, der auf den Moment hin arbeitet und versucht, in dem Moment, wenn er da ist, das Beste zu tun, und dann zu schauen, was damit passiert. Als ich angefangen habe mit Wrestling, war ich so unfassbar scheiße, dass es nicht abzusehen war, dass ich überhaupt mal irgendwann in einem Ring stehen würde.

Auf deine Entwicklung kommen wir gleich zu sprechen, jetzt nochmal zum Titelgewinn. Kannst du dir einen Reim darauf machen, dass ausgerechnet du ausgerechnet jetzt ausgewählt wurdest als Champion?
Naja, ich habe die World Triangle League gewonnen, das war dann schon ein sehr wichtiger Schritt, und ich denke einfach, dass der Karsten-Beck-Charakter einfach auf einem gewissen Höhepunkt ist.

Was meinst du damit?
Langsam fängt es dann, dass die Reaktionen sich mischen und manche Leute auch darauf aufspringen, dass mein Charakter so cool ist, dass sie anfangen, mir zuzujubeln etc. pp. Ich habe ja sehr lange und stark auf diesen Charakter hingearbeitet, um den so rüberzubringen.

Tassilo Jung hat dich bei uns im Interview als „ganz starken Old-School-Heel-Charakter“ bezeichnet, der gar nicht erst versucht, cool zu sein oder gemocht zu werden, auch nicht von den Smart Fans. Was ist da dran?
Das ist tatsächlich so. Jeder möchte gerne der coole Heel sein, und auf irgendeine Art und Weise der Böse zu sein, aber supercool rüberzukommen. Aber ich bin wirklich so, wie ich das für richtig halte. Ich gehe da raus und ich möchte nicht von irgendwem gemocht werden. Ich bin da draußen, um ausgebuht zu werden.

Die Gabe der Beleidigung in den Genen

Warum hast du diese Einstellung und unterscheidest du dich da von anderen?
Ich bin einfach ein sehr wortgewandter Kerl, was Beleidigungen angeht. Deswegen fiel mir das immer sehr leicht, das so umzusetzen, während ich aber gleichzeitig auch niemand bin, der besonders sympathisch auf Menschen wirken würde, wenn er der Gute wäre. Deswegen war es für mich immer der bessere und der einfachere Schritt, so zu arbeiten. Und es ist tatsächlich so, dass ich Menschen – so blöd sich das jetzt anhört – innerhalb von zwei Sätzen wirklich beleidigen kann. Selbst wenn ich das nicht mal wirklich möchte. Manche Sachen sind einem halt einfach irgendwo in die Wiege gelegt. (lacht)

Wo hast du das denn her und wo hast du das schon vor deiner Wrestling-Zeit einsetzen können?
Mein Vater ist genauso… oder mittlerweile bin ich wortgewandter als er, weil es ja nun mal zu meiner Profession geworden ist, Leute zu beleidigen. Aber ich bin tatsächlich damit aufgewachsen, dass Leute in meiner Umgebung sehr nette Sticheleien nebenher fallen lassen können.

Was macht die Rolle eines, wie Tassilo sagte, Old-School-Heel-Charakters so faszinierend?
Ein Old-School-Heel-Charakter zeichnet sich ja nicht durch besonders „Fancyges“ aus, das besonders spektakulär wäre, sondern man kann mit seinen Emotionen da viel mehr erreichen, und dann hin und wieder mal einen Wurf oder einen Griff machen und dazwischen viel mehr mit dem Publikum spielen. Das liegt mir einfach viel mehr, als irgendwelche völlig verrückten Griffe und Würfe auszuführen.

Bist du also noch jemand, der gemacht ist für das Wrestling vor Zuschauern in Hallen und weniger für Fernsehkameras?
Ich denke, das funktioniert durchaus beides. Man kann das gleich arbeiten. Ich sehe jetzt nicht, warum jemand, der auf die Halle wirkt, nicht auch durch die Kamera wirken sollte.

Weil man bei Fernsehübertragungen eher bei den TV-Zuschauern ankommen sollte und vielleicht gar nicht so die Chance hat, auf die Zuschauer vor Ort einzugehen?
Das habe ich auch schon anders gesehen. Da wird durchaus beides gemacht. Du siehst ja in der WWE-Fernsehübertragung auch nur das, was du als Zuschauer am Fernseher sehen sollst. In der Halle sieht das ja doch noch anders aus. Die richten ihre Kameras ja auch genau so aus, wie sie das haben wollen.

Privat ein ganz ruhiger Typ

Geht’s für dich als Heel auch so ein bisschen darum, aus dem Alltag auszubrechen und eben eine Rolle zu verkörpern, die man sonst im realen Leben nicht einnehmen kann?
Nein, absolut nicht eigentlich. Ich gehe da raus und entlade mich, ja. Also, ich bin privat ein absolut ruhiger Mensch, weil ich meine überflüssige Energie am Wochenende im Ring komplett damit raus lassen kann, in dem Sinne einfach freizudrehen. Aber ich mache das nicht, weil ich dann jemand anders sein kann. Der reale Karsten Beck liegt schon sehr nah an dem Wrestling-Charakter, den ich rüberbringe. Nur als Wrestling-Charakter kann ich alles sagen, was mir gerade einfällt, während ich als realer Mensch natürlich irgendwo auch sozial verträglich kommuniziere. Und dadurch, dass ich es am Wochenende komplett raus lassen kann, reagiere ich auch viel weniger aggressiv auf Dinge.

 

 

 

Es gibt ja viele Leute, die sagen, dass die Wrestling-Charaktere die besten sind, die eben an die realen Personen angelehnt sind.
Ja, die besten Wrestling-Charaktere sind natürlich die, die am ehesten dem Charakter auch liegen. Weil man sich dann ja auch nur auf seine eigene Art einstellen muss und die quasi überzeichnet darstellen soll. Das heißt jetzt nicht, dass ich gerne im Privatleben ausrasten und jeden anschreien möchte, im Privatleben bin ich eigentlich ein recht ruhiger Typ, aber wenn es sein muss, könnte ich. Und so kann ich die Sache einfach überspielen, überzeichnen und darum eben auch so mit den Zuschauern connecten, wie ich es tue.

Heutzutage gibt es auch immer mehr sogenannte Smart Fans, die auch Leistung einschätzen wollen und auch die Heels anfeuern. Freust du dich nicht manchmal doch darüber, wenn aus manchem Fan-Lager in der Halle Jubel kommt?
Ne. Weil Smart Marks zum Großteil ja Smart Mark sein wollen, aber im Endeffekt nichts davon verstehen, was sie gerne möchten. Ich hab in letzter Zeit Dinge gelesen, als Vince Russo da war, wo online stand „Ich würde meine Booking-Ideen gerne mal mit Vince Russo diskutieren“. Das sind halt einfach Menschen, die haben gar keine Ahnung, was alles hinter dem steckt, was da im Ring passiert, wie viel Arbeit in so eine Geschichte reingesteckt wird, und wie viel Überlegung dahinter steht. Smart Marks machen sich die Sache im Endeffekt selber kaputt, weil sie sich gegen die Art, wie sie eigentlich unterhalten werden sollten, entscheiden, und sich selber dadurch irgendwo die Stimmung versauen.

Aber es gibt doch auch wirklich clevere Smart Fans, die seit vielen Jahren dabei sind, auch einen gewissen Blick für das Ganze entwickelt haben. Ist es dann nicht das größte Lob, was man bekommen kann, von so jemandem bejubelt zu werden?
Das größte Lob ist eigentlich, wenn man es tatsächlich schafft, diese Leute auch gegen sich aufzubringen. Und wie ich gemerkt habe, ist das vielerseits mit der Vince-Russo-Storyline auch absolut übereingeklungen, und das hat teilweise noch funktioniert. Das sehe ich vielmehr als Anerkennung an. Natürlich merke ich, dass viele Leute meine Entwicklung, die ich genommen habe, honorieren, gerade die, die lange dabei sind. Aber… ich würde jetzt nicht sagen, dass das ne große Ehrung ist, wenn irgendein Smart Fan, der nicht irgendwo tiefer in der Materie sich befindet, sich da positiv äußert.

Du hast ja einen Charakter, der häufig durch Betrügereien gewinnt, auch ab und an Comedy macht. Muss man dich auf diese Weise darstellen, damit du nicht versehentlich noch mehr bejubelt wirst, weil dich Leute inzwischen eigentlich gut finden und deine Leistung schätzen?
Ich sag mal, die Leute mochten irgendwann auch einen Ric Flair, der belogen und betrogen hat, und die Leute haben Eddie Guerrero geliebt, der betrogen hat ohne Ende. Das sind halt einfach Sachen, die passieren. Fans machen sich irgendwann ihre Charaktere ja selbst. Selbst, wenn es anders gedacht ist. Mein Charakter – also, es sitzt da keiner, der sagt „Du machst jetzt das und das, jene und welche Betrügereien im Ring“. Klar heißt es mal „Versuch, das und das einzubringen“, aber den Charakter, so wie er ist, habe ich mir ja selber irgendwo geschaffen. Das ist meine Interpretation von der Sache, die ich darstelle. Deswegen liegt das mehr an mir, wie das rübergebracht und aufgenommen wird.

Jubel macht Heels die Arbeit kaputt

Dann verrat mir mal: Was ist das Geheimnis, Reaktionen zu ziehen? Hast du da Techniken oder Methoden, auf die du immer wieder zurückgreifen kannst, oder wie erfindet man sich auch als Old-School-Heel-Charakter immer wieder neu?
Man muss sich immer wieder neu erfinden, aber das ist auch eine Sache, die findest du mit der Zeit. Wenn du das erste, das zweite, das was-weiß-ich-wievielte Mal da rausgehst, dann fehlt dir die Erfahrung. Ich kann mittlerweile rausgehen und alleine mit meiner Körpersprache das so darstellen, so überheblich wirken, dass die Leute irgendwo sofort merken „Den mag ich nicht“. Und das gleiche hat ja zum Beispiel Absolute Andy auch auf der „guten Seite“. Der geht da raus und die Leute jubeln ihm einfach zu. Bad Bones hat das in beide Richtungen, je nachdem, wie er das gerade darstellt. Manchen Leuten liegt es halt einfach, da rauszugehen, und den Leuten alleine durch ihre Mimik und Gestik zu zeigen, was Sache ist.

Wie kann man denn steuern, wenn es im ersten Moment noch nicht so läuft mit den Reaktionen der Zuschauer?
Es gibt immer die Möglichkeit, jemanden anzuschreien und jemandem klar zu machen, dass man nicht der Gute ist. Man kommt teilweise raus und die Reaktionen sind sofort da, und manchmal kommt man raus und muss mit den Reaktionen arbeiten. Ich habe das dann als Böser um einiges einfacher, einfach den Erstbesten in der Halle anzuschreien, möglicherweise auch noch mit meinem Handtuch nachzulangen, und dann hat sich die Sache meist auch irgendwo ergeben. Danach kann man immer noch aufs Mikrofon zurückgreifen.

Ich weiß nicht, wie oft du noch manchmal anderswo in Hallen bist und dir anderes Wrestling anguckst. Wenn du einen guten Heel siehst, bejubelst du ihn dann, weil du ja einschätzen kannst, dass der das richtig gut macht, oder bist du so unterstützend und buhst ihn lieber aus?
Wenn dann, buhe ich ihn aus. Er macht doch seine Arbeit gut. Warum sollte ich dann der Smart Mark sein, der dem Heel zujubelt und ihm seine Arbeit kaputt macht?

Das heißt, das Buh ist auch von einem Kenner der größte Jubel?
Ja! Und wenn du ein erfolgreicher Heel bist, dann ist das Ausbuhen dein Applaus.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon.

Bild-Hinweis: Copyright 2015 by wXw Europe GmbH

Der 23-jährige Wrestler Daniel „Dragan“ Okic liegt nach einer misslungenen Wrestling-Aktion im künstlichen Koma. Am Sonnabend trat er in der Sporthalle Kindberg (Österreich) bei der „Catch Wrestling Weltmeisterschaft“ gegen einen US-Amerikaner an. Bei einer Spinning Powerbomb wurde Okic schwer verletzt. Das Match konnte der in Österreich lebende Bosnier zwar noch wie geplant zu Ende bringen, im Backstage-Bereich brach er schließlich zusammen.

Dort leistete Wrestling-Kollege Maximilian Bajlitz erste Hilfe, brachte Okic in die stabile Seitenlage und alarmierte den Notarzt. Okic wurde ins LKH Bruck gebracht und später ins LKH Graz überstellt. Okic wurde ins künstliche Koma versetzt. Nach bisherigen Informationen gehen die Ärzte bei Okic' Verletzung von einem Schädel-Hirn-Trauma sowie einem Hirnödem und Verletzungen der Lunge aus. Sein Zustand ist kritisch.

(Quellen: APA via div. Medien, Moonsault.de)

Erfahrene Wrestling-Fans wissen: Genauso, wie es falsch ist, zu behaupten, dass Wrestling echt ist, ist es falsch, zu behaupten, dass Wrestling nur Show ist. Wer schon einmal bei deutschen Indy-Events war, weiß, wie heftig es kracht, wenn einer mit einer Powerbomb auf die Matte gehämmert wird. Natürlich tut das weh. Die Matte bietet bei Stürzen kaum eine Dämpfung. Richtig hart wird es, wenn auch die dünne Polsterung fehlt – so geschehen im Main Event des wXw-Events in Weyhe am Sonnabend, 28. Februar, einem Street Fight zwischen Karsten Beck und Absolute Andy.

Der Hauptkampf des Abends war ein Match epischen Ausmaßes. Eine knappe Dreiviertelstunde (!) lang zogen Beck und Andy in den Krieg. Andy schleuderte Beck mit einer Top Rope Hurricanrana durch ein Holzbrett, Beck malträtierte Andy mit einem Klappstuhl, Andy superkickte Beck gleich an zwei Stellen im Match. Nach einem Back Body Drop aus dem Ring durch einen Tisch dominierte wXw Champion Beck. Andy sollte sogar mit einer Trage von Sanitätern abtransportiert werden – aber das ließ der Würger aus Wesel nicht zu und attackierte Andy weiter.

Karsten Beck – einfach gut

Bei Wrestling-Shows in Deutschland, gerade in Regionen, wo es heute kaum noch Wrestling gibt, sind auch immer viele Zuschauer dabei, die nicht so viel Ahnung von Wrestling haben. Spätestens als Andy abtransportiert werden sollte, konnten viele Zuschauer – darunter sicherlich viele „Ist doch eh alles nur Show“-Sager – nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Und auf Becks Attacke hieß es dann von den Zuschauern: „Willst du ihn etwa umbringen?!“ Mission accomplished. Erfahrenen Fans war zwar klar, dass Andy nochmal zurück ins Match finden wird, und dass die Siegchance in einem Match, in dem der Titel ausnahmsweise nicht auf dem Spiel steht, immer noch hoch ist – aber das Match war gut aufgezogen, hatte eine spannende Schlussphase und gerade der grandiose Beck hatte dazu das Publikum fest in seiner Hand.

Ein starkes Stilmittel war es auch, als Beck anfing, den Ring abzubauen. Er schraubte das obere Ringseil ab und würgte Andy damit. Später riss er die dünnen Polsterungen der Ringmatte herunter und entblößte den nackten Holzgrund des Rings. Aber der Champion selber war am Ende der Leidtragende: Andy verpasste Beck einen wuchtigen F-5 und besiegte den Champion clean. Es war ein wirkungsstarkes Bild, als am Ende Beck flach lag, Andy sich an den Seilen langsam hochzog und, ganz wichtig für dieses Bild, sogar ein fertiger Referee Tassilo Jung im zerstörten Ring ebenfalls auf die Matte sackte und mit einem leicht nach unten gerichteten, in sich gekehrten Kopfschütteln an den Ringseilen saß.

 

Ereignisse nach dem Main Event in Weyhe

Posted by Westside Xtreme Wrestling (wXw) on Sonntag, 1. März 2015

 

Show mit Licht und Schatten

Zusammenfassend: Gewiss hatte das Match auch seine Längen, einigen der langen Heat-Phasen hätte auch etwas mehr Abwechslung gut gestanden, aber auf der emotionalen Schiene hat das Match und seine Story die Zuschauer im Dassbeck Sportcenter voll gepackt. Starker Main Event! Der mich zufrieden nach Hause gehen ließ und darüber hinwegtäuschte, dass mir weite Teile der Show nicht so gut gefallen haben – auch wenn ich vielleicht der einzige in der Halle mit der Ansicht gewesen sein mochte.

Bad Bones vs. Bobby Gunnz war das erste – vorher nicht angekündigte – Match des Abends. Warum kündigt man einen wie Bad Bones nicht vorher an? Das hätte vielleicht noch mehr Zuschauer gezogen. Wobei: Mehr hätten gar nicht in die Halle gepasst. wXw-Geschäftsführer Tassilo Jung hatte vor dem Event mitgeteilt, dass sich die große Halle wohl kaum ausverkaufen lässt. Da hat er sich geirrt: Es mussten sogar Leute stehen. Das Match zwischen Bones und Gunnz an sich war ok, kurz und kurzweilig. Nicht mehr, nicht weniger.

In einem Vier-Nationen-Turnier sollte unter den Repräsentanten Axel Dieter Jr. (Deutschland), Sasa Keel (Kroatien), Timothy Thatcher (USA) und Damian O’Connor (Nordirland) ein Turniersieger gefunden werden. Die deutsche Catch-Legende Eddy Steinblock war Schirmherr dieser Veranstaltung. Das Turnier fand ich von vorne bis hinten höchst mittelmäßig – wenn überhaupt. Die Matches waren allesamt ohne große Highlights. Axel Dieter Jr. gegen Damian O’Connor war ein 08/15-Underdog-gegen-Big-Man-Match, das durch Countout-Sieg Axels endete. Sasa Keel gegen Timothy Thatcher hatte als Ringer-Match auf der Matte gute Ansätze, entwickelte sich aber null und hatte ein so plötzliches Submission-Ende (Keel klopfte ab), dass es sogar ein wenig nach einem verbotchten Ende aussah. Leider, leider schienen außerdem die Fans während des Matches zu schlafen. Schade.

Showstealer: Axel Tischer und Da Mack wecken das Publikum

Im Finale des Turniers hätte man dann ein schickes Match zwischen Axel Dieter Jr. und Timothy Thatcher haben können, denn beide haben durchaus was auf dem Kasten, aber stattdessen schlachtete man die Underdog-Story um Axel weiter aus: O’Connor hatte Axel nach dem Halbfinale weiter attackiert und brachte ihm eine „Schulterverletzung“ bei. Thatcher startete zunächst als Face in das sehr langsame Match, turnte im Verlauf aber Heel und attackierte die Schulter. Der Turn an sich war gut, denn ich dachte, jetzt löst Thatcher endlich die Handbremse, die er bisher in seinen beiden Matches bis zum Anschlag gezogen hatte. Aber auch das Momentum verpuffte leider ratzfatz. Axel siegte schließlich – oh Wunder… – nach einem Backslide. Den ganzen Verletzungs-Angle hätte man sich für meinen Geschmack getrost schenken können, den fand ich nur nervig. Da hätte ich lieber ein technisch hochwertigeres Match gesehen. Außerdem sollte es eh noch später am Abend bei Beck und Andy einen solchen Angle geben.

Ebenfalls ein wenig enttäuschend fand ich das Tag Team Title Match zwischen den AUTsiders (Big Daddy Walter & Robert Dreissker) und den Champions French Flavor (Lucas di Leo & Peter Fischer). In der Halle kam das Match zwar gut an, war aber ein totales Standard-Ding, mit Heels, die lange ein Face isolieren, hinter dem Rücken des Ringrichters viele unfaire Methoden nutzen, am Ende dann doch am Rande einer Niederlage stehen – und nur durch ein DQ-Ende ihre Titel behalten. Klar, DQ-Finishes haben ihre Berechtigung, aber sind meiner Meinung nach auch immer die leichteste und faulste Lösung. Man kann das Rad nicht immer neu erfinden, aber nach einem Countout, jetzt auch noch ein DQ-Finish – muss ich nicht haben.

Ein dickes Lob muss ich zum Schluss aber noch unbedingt loswerden. Nach einer Pause gab es in der Midcard das neben dem Main Event mit weitem, weitem Abstand beste Match des Abends: Axel Tischer vs. Da Mack. Ein Höhepunkt war für mich schon gleich der Einzug des vorab nicht angekündigten Axemans. Tischer hatte kürzlich mitgeteilt, in die USA auszuwandern, und ich hatte nicht erwartet, ihn in Weyhe noch einmal zu sehen. Hat mich sehr gefreut. Mit Da Mack lieferte er einen absoluten Showstealer mit hohem Tempo, krachenden Moves und schickem Highflying. Bei Tischer und Mack stimmte die Chemie einfach. Genau so etwas will ich sehen – dafür bezahle ich gerne Geld. Und die Zuschauer in der Halle sahen es genauso. Zum ersten Mal während der Show wachte das Publikum – das mit eher wenigen echten Fans und Stimmungsmachern nicht immer leicht zu knacken war – richtig auf. Tischer, der nach einer Powerbomb gewann, ist ein absoluter Könner, einer der besten in Deutschland überhaupt: Der wird es in den USA ganz sicher zu was bringen!

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Tommy Dreamers Promotion House of Hardcore versammelt einmal mehr zahlreiche Indy-Größen. Auch von TNA sind zu House of Hardcore VIII am 7. März in Philadelphia dieses Mal einige Top-Stars dabei. Die Card liest sich bisher wie folgt:

 

The Young Bucks vs. Austin Aries & Bobby Roode

Team 3D vs. Christopher Daniels & Frankie Kazarian
South Philly Street Fight
Tommy Dreamer vs. Eric Young

Matt Hardy vs. Carlito vs. Lance Hoyt

 

Dazu sind unter anderem Rhino, Mikey Whipwreck, Velvet Sky, Brian Myers und Eddie Kingston angekündigt.

Bei einem Pre-Show-Meet-and-Greet sind die früheren WWE-Diven Kelly Kelly und Melina, sowie Größen wie IRS Mike Rotundo, Lanny Poffo und Earl Hebner dabei.

Noch mehr angekündigte Wrestler finden sich auf der Homepage von House of Hardcore.

(Quelle: HouseofHardcore.net)

Beim 16 Carat Gold Tournament 2015 von Westside Xtreme Wrestling (wXw), dem laut Angaben der Veranstalter größten Wrestling-Turnier Europas, kommt es am Wochenende vom 6. bis zum 8. März in Oberhausen zu folgenden Matches in der ersten Runde.

Absolute Andy vs. Sha Samuels
Andrew Everett vs. Ricochet
Axel Dieter Jr. vs. Timothy Thatcher
Axel Tischer vs. Zack Sabre Jr.
Cedric Alexander vs. Marty Scurll
Daisuke Harada vs. Kim Ray
Sasa Keel vs. Uhaa Nation
Tommy End vs. Chris Sabin

Als Special Attraction hat sich außerdem das World’s Cutest Tag Team, Joey Ryan und Candice LeRae, angekündigt.

(Quelle: wxw-wrestling.com)

Clothesline.eu hat exklusiv von Jim Cornette die Erlaubnis, den folgenden Text auf Deutsch zu veröffentlichen. Der Kommentar mit dem Original-Titel „The ‚Write‘ Stuff“ stammt ursprünglich aus dem Jahr 2009. Auf Nachfrage teilte der Old-School-Dampfplauderer aus Louisville mit, dass der Text heute aber vielleicht noch mehr Berechtigung habe als damals.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft mich in den vergangenen zehn Jahren Leute, die außer als als Fan in keiner Weise mit Professional Wrestling in Verbindung stehen, gefragt haben: „Wie bekommen ich einen Job als Writer?“ Manche haben mir auch gleich ein Paket an „Manuskripten“ als Bewerbung in die Hand gedrückt. Das stößt mir sauer auf. Es ist nicht deren Schuld, dass sie in so eine Position wollen. Es ist vielmehr die Schuld von den Idioten, die solche Idioten auch noch ANSTELLEN, dass Leute überhaupt auf die Idee kommen, dass sie so einen Job ohne jegliche Erfahrung bekommen könnten. Dieser Cornette-Kommentar handelt davon, was ein „Booker“ ist, was ein „Writer“ ist – und was der Unterschied zwischen beidem.

Inspiration für diese Kolumne war ein Absatz im Wrestling Observer Newsletter vor ein paar Monaten. Ich zitiere jetzt wörtlich, um beispielhaft den Intellekt der Leute zu zeigen, die heutzutage mancherorts Wrestling „schreiben“:

Marella und Phoenix standen am Anfang im Ring. Marella redete über die drei Perversen, gegen die er beim Cyber Sunday antreten könnte, zwei Transvestiten, Rodney the Piper und Goldendust, und ein dritter Perverser namens Honky Tonk Man. Er rief Johnny Knoxville heraus. Der bewarb ungefähr 50-mal seine Website; es war also offensichtlich, weswegen er da war. Dann machte er eine Bemerkung über Phoenix‘ Schniedel und deutete an, dass sie ein Kerl in Frauenkleidern sei (mal ehrlich, sie sieht ja nun wirklich nicht aus wie Nicole Bass oder Chyna, dass dieser Witz hätte gelingen können), also bodyslammte sie ihn. Es war der so ziemlich schlechteste Bodyslam aller Zeiten – alles seine Schuld. Sie verpasste ihm aus Frust noch einen Extra-Tritt, und ich bin sicher, sie war froh, dass ihre Zeit in diesem Segment rum war. Hornswoggle rannte in den Ring für einen Tadpole Splash. Dann kam Chris Pontius in den Ring. Christopher DeJosephs (ein WWE ‚Writer‘) tauchte noch als Big Dick Johnson auf, pellte sich aus seiner Kleidung und fing an zu tanzen. Dann zog sich auch Pontius aus, dass man zwei tanzende Kerle in Lendenschurz hatte. Ich will gar nicht daran denken, wem das gefallen sollte. Aber wir sind noch nicht durch. Dann kam der Boogeyman raus. DeJosephs lief weg, aber der Boogeyman verpasste Pontius eine lausige Clothesline und spuckte ihm Würmer ins Gesicht. Kaum einer landete in Pontius‘ Mund, vielleicht einer oder zwei, aber er sellte es, als es ob eine ganze Tonne wäre. Aber wie waren IMMER NOCH nicht am Ende. Knoxville stand auf, sagte, dass er vorher schon mal verprügelt worden wäre, und schließlich – dafür wurde alles aufgebaut – kam der Khali heraus. Alle lachten, und Khali verpasste Knoxville den Head Squeeze, hob ihn hoch und ließ ihn mit einem Slam fallen. Es hatte schon weniger schmerzvolle Gnadentode als diesen hier gegeben. Houston Mitchell von der Los Angeles Times war live dabei und sagte ‚Ich habe noch nie ein Segment live so untergehen sehen wie das Jackass-Segment. Es schien ewig zu gehen.‘ Es gab intern Leute, die leise gesagt haben, dass das Segment grauenvoll war. Brian Gewirtz (WWE ‚Writer‘) verteidigte es aber und meinte, dass diese Leute einfach keine gute Comedy verstünden.“

Ganz offensichtlich versteht dieser dumme Mistkerl Gewirtz gutes WRESTLING nicht.

Früher hatten die Wrestler viel mehr Freiraum

Lasst uns zu Beginn kurz ein paar Begriffe klären. Pro Wrestling hat keine „Writer“, es hat BOOKER. „Sports Entertainment“ hat „Writer“. Als Toots Mondt den Grundstein für die Position der Booker in den 20er- und 30er-Jahren legte, diente der Booker im Wrestling als Matchmaker, als derjenige, der entscheidet, wer gegen wen antritt, wer gewinnt, wie das Finish aussieht, wie man gegebenenfalls Rematches und ein „Programm“ aufbaut, also eine Serie von Matches zwischen zwei Gegnern. Er stellte sein Roster zusammen, indem er Leute aus seinem Territorium einstellte oder feuerte. Als die TV-Ära begann, arbeitete er die TV-Formate aus, dachte sich Angles aus und gab den Wrestlern Ideen, was sie in ihren Promos sagen sollen.

Der Promoter oder Besitzer des Territoriums war der Einzige, dem der Booker Rechenschaft schuldig war. Der Booker hatte vielleicht Assistenten, die seine Anweisungen befolgten, aber er hatte die alleinige Kontrolle über jede Personalentscheidung. Wenn das Geschäft gut lief, blieb er in seiner Position. Wenn das Geschäft schlecht lief, ersetzte der Promoter ihn. Die Wrestler, insbesondere die Main Eventer, hatten viel Spielraum bei ihren Auftritten, solange sie nur die Grundanweisungen des Bookers befolgten. Der Booker legte das Finish und die wichtigen Spots fest, den Rest des Matches machten die Wrestler. Der Booker gab dem Wrestler das Thema und die Zeit für die TV-Promos – den Inhalt und wie man ihn herüberbringt entschied der Wrestler. Als Beispiel, Dusty Rhodes‘ Anweisung könnte heißen: „Du hast drei Minuten. Du trittst gegen den Rock & Roll Express in Charlotte an. Bei der letzten Show dort hattest du mit dem Tennisschläger eingegriffen, also haben die Gegner dieses Mal ein Cage Match gefordert, und es geht um die Tag Title. Los, verkauf mir ein paar Tickets.

Wenn der Wrestler die Angles, Finishes und Promos der Booker vernünftig ablieferte und dabei noch eine individuelle Persönlichkeit und einen eigenen Stil herüberbrachte, zog er Geld (draw money). Wenn sie das nicht hinbekamen, wurden sie mit jemandem ersetzt, der das konnte. Summa summarum: Ein Booker versammelte ein Team von Wrestlern, von denen er glaubte, dass sie einzigartig, charismatisch und talentiert waren, und gab ihnen eine Richtung und eine Plattform, auf der sie over kommen konnten, er baute ihre Sieg-Niederlagen-Bilanz auf und verstrickte sie in persönliche Fehden oder Titelmatches mit anderen Stars, von denen er glaubte, sie seien fesselnd genug, dass Fans dafür bezahlen würden, sie zu sehen. Der Wrestler sorgte für den Rest, und das ist der Grund, warum Main-Event-Stars den Ruf hatten, Geld ziehen zu können. Man hört heute oft, dass „so und so nie Geld gezogen hat“. In der HEUTIGEN Welt ziehen nur wenige Wrestler Geld, denn nur wenige sind in der Position, ihr eigenes Ding zu machen und zu beweisen, dass SIE der Grund sind, dass Leute sie sehen wollen, und nicht das „Writing“.

Der Booker hatte den schwersten Job überhaupt

Große Wrestler können manchmal mittelprächtiges Booking funktionieren lassen, aber es ist schwer, mit gutem Booking aber mäßigen Wrestlern Geld zu ziehen. Ein großer Booker zu sein, war eine Kunstform, womöglich der schwerste Job überhaupt im Wrestling, denn es forderte nicht nur riesiges Wissen über und riesige Erfahrung im Wrestling, sondern auch die Fähigkeit, großartige Wrestler zu erkennen und richtig einzusetzen. Viele der größten Booker waren auch Top-Stars im Ring. Der Grund dafür war, dass nur Wrestler, die nachweislich Geld ziehen und eine Erfolgsgeschichte vorweisen konnten, das Vertrauen der Promoter bekamen, den wichtigsten Job in der Firma auszufüllen. In vielen Fällen hatten auch nur die hochdekorierten Top-Stars bei den Schlägertypen im Locker Room den Respekt, ihnen sagen zu dürfen, wo es langgeht.

Natürlich gab es oft Ego-Probleme, wenn der Booker auch Wrestler war, dass er sich oder seine Freunde overpusht usw., aber im Umkehrschluss wusste der Booker auch, dass sein Top-Star nicht einfach abhauen oder ihn wegen Geld hinhalten würde, und sowas. Also, wie wurde man Booker in der „alten Zeit“? Jede Geschichte ist anders, aber der Kern immer der gleiche. Wenn du keine außergewöhnlichen Erfolge im Lebenslauf hattest, etwa als herausragender Ringer-Champion, früherer Profi-Athlet, örtlicher Sportheld oder ein Riese, dass die Promoter auf dich zukamen, dann sah dein Weg etwa so aus:

Du warst ein Wrestling-Fan, der immer bei den Matches abhing, den Ring aufbaute, Botengänge machte, und so weiter, bis du irgendwann in der „geschlossenen Gesellschaft“ Wrestling akzeptiert wurdest. Ein etablierter Wrestler nahm dich unter seine Fittiche und zeigte dir die Grundlagen. Nachdem man dir im Training die Scheiße aus dem Leib geprügelt hatte, hast du dich als TV-Jobber wie ein Schlagzeug verdreschen lassen und gegen jeden verloren, wo auch immer du gebucht werden konntest. Du hast dich durch lange Reisen und niedrige Löhne gequält, und FALLS du überhaupt Talent hattest, konntest du die Card nach oben klettern, und VIELLEICHT konntest du einen Verantwortlichen beeindrucken, dass er dir einen Angle spendiert. Wenn das alles gut ausging, dann KÖNNTE es sein, dass du woanders einen vernünftigen Spot bekommen hast. Über Jahre hinweg hast du in vielen verschiedenen Territorien gearbeitet, und WENN du richtig gut warst, KÖNNTEST du dich als Top-Talent etabliert haben.

WENN du Interesse oder Begabung für das Booking gezeigt hast, könntest du Einfluss auf deine eigenen Angles üben, und WENN das funktioniert hat, dann könnte es sein, dass du eine Assistenzstelle bei einem etablierten Booker bekommen hast, der ein Interesse an dir zeigt und sich deiner annimmt, und wenn das geklappt hat, dann KÖNNTE ein Promoter irgendwo genug Vertrauen in dich gewonnen haben, dir einen Versuch als Booker zu geben. Also, wie du siehst, war ganz einfach.

Wrestling-Fans haben heutzutage mehr Ahnung als die Verantwortlichen

Ich für meinen Fall war fünf Jahre lang Fan, sechs Jahre lang Fotograf/Ringsprecher/Trottel und sieben Jahre lang Manager, bevor ich im Alter von 28 Jahren die Möglichkeit bekommen habe, Assistent von WCW-Booker Ric Flair zu werden. Das hat für ganz schön Stirnrunzeln gesorgt, dass ich noch so „wenig“ Erfahrung hatte. Ich musste auch die Tatsache überwinden, dass ich kein Wrestler war, sondern „nur“ Manager. Immerhin war ich ein Performer und das war der Schlüssel. Es war nicht nur einmalig, dass jemand ohne viele Jahre Erfahrung einen Booking-Posten bekommen hat, aber es war noch seltener, wenn jemand nicht zumindest ein Performer gewesen war.

Man brauchte einfach die Erfahrung, tatsächlich Angles, Finishes, Promos und so weiter performt zu haben. Nur durch praktisches Herumprobieren konnte man wissen, wie man die Dinge angehen muss, wie das Publikum reagieren würde, und wie leichte Variationen den Erfolg oder Misserfolg maßgeblich beeinflussten.

Stellen wir das alte System, in dem Idioten wie der zuvor genannte Gewirtz nicht mal einen Job als Popcorn-Verkäufer bekommen hätten, dem heutigen gegenüber. „Sports Entertainment“ hat Mitte der 80er-Jahre angefangen als Begriff, den Vince McMahon geprägt hatte, um Werbetreibende zu beschwatzen, dass sie es mit etwas anderem als der Unterschichten-Unterhaltung Wrestling zu tun hatten. Natürlich war es immer noch Wrestling, Fans haben ja auch nie gesagt „Heute Abend gibt’s Sports Entertainment im Coliseum“ oder „Hast du schon deine Sports-Entertainment-Tickets?“. Aber besonders in den vergangenen zehn Jahren gab es in der WWE weitreichenende Veränderungen, die dazu geführt haben, dass Wrestling wahrscheinlich das einzige Produkt überhaupt ist, bei dem die Fans, oder eben Konsumenten, mehr über das Produkt wissen als die meisten Menschen, die es produzieren.

WWE-Writer schämen sich für Wrestling

Die WWE-Verantwortlichen und hohen Tieren machen sich vor, dass die tatsächlich NICHT im Wrestling-Business arbeiten, dass sie etwas besseres als „Rasslin‘“, wie sie es herabwürdigen, geschaffen hätten. Auch wenn sie ihre Häuser, ihre Ersparnisse, und wahrscheinlich alles, was sie haben, Pro Wrestling zu verdanken haben, schämen sie sich so dafür, dass sie Wrestling nicht einmal so nennen. Seit fast einer ganzen Generation werden Leute angestellt, die keine Ahnung von der Geschichte haben und glauben, sie hätten tatsächlich eine gänzlich neue Unterhaltungsform geschaffen, die schäbig und unbedeutend war, bevor Vince sich ihrer angenommen hatte. Nirgends wird das so deutlich wie beim „Creative Team“, wie WWE optimistisch ihre „Writer“ nennt.

Seit Jahren ist Stephanie McMahon, die Tochter des Chefs, Kopf des Creative Teams. Sie ist zwar eine kluge Akademikerin, aber der einzige Grund, warum sie Head „Writer“ einer Wrestling-Promotion ist, lässt sich auf drei Wörter herunterbrechen: „Tochter des Chefs“. Sie hat keine Ahnung von der Wrestling-Geschichte, nicht einmal davon, wie ihr Vater die Territorien aus dem Geschäft gedrängt hat. Das belegt ihre Aussage vor dem Congress. Ihre Erfahrungen als Performer beschränken sich auf das, was sie für sich selber geschrieben hat. Es ist nicht allein ihre Schuld, denn bevor sie nach dem College zur WWE kam, hatte sie Wrestling-Veranstaltungen nur sporadisch besucht, und sicherlich niemand wollte der Tochter des Chefs irgendetwas beibringen, das politisch unvorsichtig war. Ihr Ehemann, Triple H, wird sicherlich auch nicht an den Grundfesten seiner Ehe, oder für ihn noch wichtiger, an seiner Position als Thronfolger rütteln wollen, wenn er ihr erklärt, welchen negativen Effekt ihr Vater aufs Wrestling-Business an sich hatte, als er sich sein eigenes Königreich errichtete.

Und Stephanie, als Head of Creative, stellt Leute ein, wie sie selbst einer ist. Junge Leute mit Uni-Abschlüssen als Schreiber, viele mit Schreiberfahrungen fürs Fernsehen, besonders für Comedy-Shows, mit wenig bis gar keinem Respekt fürs Wrestling-Business und wenig bis gar keinen Erfahrungen als Performer. Tatsächlich ist es nicht einmal Grundvoraussetzung für einen Job, dass man Wrestling-Fan ist, und Gott behüte, wenn jemand zugibt, Wrestling-Fan zu sein und schon mal anderes Wrestling als WWE gesehen zu haben. Dann wirst du im besten Fall als „Mark“ abgetan und deine Tage sind bereits gezählt.

Bei WWE hat der Kunde niemals Recht

Diese Sitcom-Writer, Comic- und Videospiele-Fans bewerben sich nicht bei WWE aus lebenslanger Liebe zum Wrestling. Sie machen das für ihre Lebensläufe, dass sie eines Tages Jobs im „echten“ Fernsehen bekommen, um ihrem Traum, eines Tages einen Emmy zu gewinnen, nachjagen zu können. Sie schreiben Dinge, um sich selbst und/oder Vince zu unterhalten, denn scheinbar müssen mindestens 80 Prozent von Sports-Entertainment lustig sein und Stripper-Kissenschlachten, Furzwitze, Transvestiten, fette eingeölte Kerle, Insider-Witze, die kaum jemand versteht, und Zwerge beinhalten. Wenn Fans, die gerne Wrestling gucken, diese Kacke nicht gut finden, dann werden sie gleich als „Smart Marks“ abgetan, und man macht sich über sie lustig, weil sie nicht zur Programmlinie passen – denn bei WWE hat der Kunde niemals Recht.

Bei WWE arbeiten einige der besten Wrestler der Vergangenheit, wie Arn Anderson und Ricky Steamboat, aber die haben nicht nur keine kreative Mitsprache, sondern sie hüten sich auch, ihre wahre Meinung sagen. Sie wissen, dass Vince und seine Gefolgsleute liebend gern ihre loyalen Mitarbeiter im Fernsehen demütigen, wenn es jemand wagt, eine andere Meinung zu haben. Während sie quasi mundtot gemacht sind, entwürdigt sich einer der Writer, indem er seinen widerwärtigen 300-Pfund-Körper mit Öl einschmiert, im G-String umherstolziert und Zeit wegnimmt, die man dafür hätte nutzen können, einen hart arbeitenden jungen Wrestler over zu bringen. Es ist kein Wunder, dass Michael Hayes – der Letzte im Personalkarussel des Writing-Teams, der wirklich mal Wrestler war – Probleme mit Alkohol hat. Wenn ich immer diese Möchtegern-Shakespeares durch die Vordertür in meinen Beruf platzen sehe, wie sie sich die Füße auf dem Vorleger abtreten, und das Business in eine Clown-Show verwandeln, die den Harlem Globetrotters auf LSD gleicht, dann hätte ich auch glatt Lust, heroinsüchtig zu werden.

In diesem Prozess wird dem Wrestler jegliche Individualität abgenommen. Wie RAW-Skripte, die erst kürzlich im Internet durchgesickert sind, zeigen, wird jedes Wort, jedes Bisschen, jede Geste gescriptet und nur die Riege der Top-Stars hat die Freiheit zu kleinen Improvisationen. Wrestling wurde homogenisiert, pasteurisiert und „zu Ihrer Sicherheit hygienisch gesäubert“ wie eine Zellophan-Schützhülle auf dem Toilettensitz in einem billigen Motel. Die „Writer“ sind so vereinnahmt von ihrer Selbstüberhöhung, dass oben auf jeder Seite des Scripts „Sie sehen die am längsten laufende wöchentliche TV-Show der Geschichte“ steht, als ob sie auf dem Level von Rauchende Colts, Bonanza oder I Love Lucy stünde. […]

Matches werden immer unbedeutender – weil Writer sie nicht kontrollieren können

Wenn das Programm Erfolg hat, klopft sich das Creative Team selber auf die Schulter. Wenn es schief läuft, beschuldigen sie die Wrestler, die eh schon mit bescheuerten Gimmicks und lahmen Scripten, die sie nicht zurückweisen dürfen, beladen sind, kein Geld ziehen zu können. Wenn Stars der Vergangenheit wie Dick Murdoch, the Sheik, Abdullah the Butcher oder sogar Dusty Rhodes heute anfangen würden, würden sie nicht mal einen Entwicklungsvertrag bekommen, weil sie nicht in die Schablone passen, wie Stars heute auszusehen haben. Sie würden auch klingen wie jeder andere, denn sie hätten gar nicht die Befugnis, selber aktiv zu werden und sich mit einer einzigartigen Persönlichkeit over zu bringen.

Die Matches an sich, die Basis davon, wie Wrestling Tickets verkauft, werden in ihrer Bedeutung minimiert, denn die Matches sind es, die am schwersten für die „Writer“ zu kontrollieren sind. Die völlig überproduzierten Segmente bekommen Vorrang. Leidenschaft und Emotionen werden aus Promos herausgewrungen. Anstatt dass Wrestler mit bunten Persönlichkeiten direkt aus ihrem Herzen sprechen, müssen sie auswendig gelernte Skripte rezitieren, dass auch ja jeder gleich klingt. Glaubwürdigkeit wird komplett geopfert: Anstatt dass zwei Männer wegen einer persönlichen Fehde oder um einen Titel kämpfen, müssen sie in verschwurbelten Seifenopern auftreten, die ganz offensichtlich erfunden sind. Die Verletzungsraten steigen, weil Leute, die noch nie in ihrem Leben in einem Match gestanden haben, sich irrsinnig komplizierte Stipulationen ausdenken – weil sie genau wissen, dass SIE niemals Hals und Kragen riskieren müssen, um diesen Scheiß tatsächlich auszuführen.

Ich habe in den vergangenen Jahren viel Geld im Wrestling gemacht, aber ich hätte noch viel mehr verdient, wenn ich jedes Mal zehn Cent dafür bekommen hätte, wenn mir jemand auf der Straße erzählt hat, dass er FRÜHER mal Wrestling geguckt hat, es aber heute nicht mehr tut, weil Wrestling (wähl eins aus) A) zu viel Show-Biz, B) zu sehr Fake, C) zu „cartoonig“, D) zu anstößig oder E) Variationen von A bis D geworden ist.

Die Writer haben keinen Respekt fürs Wrestling

Und wer leidet darunter? Abgesehen von den Fans – die sich durch so viel kitschigen Scheiß quälen müssen, um gute Matches und Promos zu sehen, die Top-Stars heute immer noch liefern könnten, wenn sie die Chance dazu bekämen, – sind es die Wrestler. Die aufstrebenden Neulinge haben keine Gelegenheit, in den Territorien Erfahrungen zu sammeln. WWE hat sich seines eigenen Entwicklungssystems beraubt. Wrestler, die es ins Hauptroster schaffen, müssen ihre Ehre und ihre Achtung vor sich selbst an der Tür abgeben und irgendwelche dusseligen Dinge machen, die es ihnen viel schwerer machen, over zu kommen, nur um die Writer zu bespaßen. Der immer körperlichere Stil, kombiniert mit dem weitverbreiteten Wissen, dass Wrestling ein Work ist, bedeutet, dass sich Wrestler heute doppelt so hart schlagen müssen, um auch nur die halben Reaktionen zu ziehen. Karrieren halten nur noch fünf oder zehn Jahre statt 20 oder 30. Ich will gar nicht erst anfangen mit den Drogenproblemen, die daraus resultieren, dass Wrestler optisch ins WWE-Schema passen müssen. Oder weil Wrestler in Depressionen verfallen, weil man sie kurz vom Ruhm angefixt hat, ehe man ihnen den wieder wegnahm, weil ihr Gimmick oder ihr Spot nur von kurzlebigem Erfolg gekrönt war. Und dann bekommt auch noch der Wrestler die Schuld, wenn er sich Eier wachsen lässt und eines Tages sagt: „Nein, der Boogeyman spuckt mir heute Abend keine lebendigen Würmer in den Mund.“

Wrestling ist ein Business, das von seinen Talenten lebt. Die Stars sind es, für die Fans bezahlen oder den Fernseher einschalten. Aber niemals zuvor in der Geschichte übten Leute die Kontrolle aus, die weder Erfahrung im noch Respekt fürs Wrestling haben. Und das ist traurig – für die Wrestler UND die Fans.

Ich bin Jim Cornette, und das ist meine Meinung.

WWE NXT Women’s Champion Charlotte will eines Tages im Main Event eines WWE-Pay-per-Views stehen. „Ich will das Frauen-Wrestling revolutionieren“, wird die Tochter von Nature Boy Ric Flair zitiert. „Ich weiß, dass ich eines Tages im Main Event eines Pay-per-Views stehen werden. Vielleicht nicht WrestleMania, aber es wird ein Pay-per-View sein.“

Solange Vince McMahon noch am längsten Hebel sitzt, wird sich Charlottes Karriereziel wohl kaum erfüllen. Aber Triple H wird eines Tages WWE endgültig übernehmen – und bei seinem Baby NXT sieht man ja bereits, dass auch Frauen in einer Wrestling-Show eine ernstzunehmende Rolle einnehmen können. Und dort steht aktuell Charlotte als Championesse an der Spitze.

(Quellen: WrestlingInc.com, Cagesideseats.com)

Erst kürzlich haben wir euch im Throwback Thursday das tolle Ladder Match von Chris Jericho und Chris Benoit aus dem Jahr 2001 präsentiert. Aber die beiden können auch ganz anders, wie wir wissen, schließlich zählen bzw. zählten Jericho und Benoit zu den fähigsten und wandelbarsten Edel-Technikern der WWE. Vor fast genau zehn Jahren, am 7. Februar 2005, überzeugten die beiden in einem kurzweiligen Submission Match. Bei der laut Kommentator Jim Ross ersten RAW-Ausgabe in Japan.

Es war ein Match ohne die ausgelutschte 08/15-TV-Match-Dramaturgie. Die Babyface/Heel-Rollenverteilung verschwomm, das Match war die meiste Zeit ausgeglichen, lang(weilig)e Heat-Phasen fehlten. Es ging Jericho und Benoit darum, dem japanischen Publikum in Saitama (nördlich von Tokio) einen flotten Opener der Show zu bieten, mit dem speziell die dortigen Fans etwas anfangen konnten. Jericho und Benoit legten dabei eine herrliche Verbissenheit an den Tag und glänzten phasenweise mit Chain-Wrestling. Das Publikum dankte den Einsatz mit guten Reaktionen. Es ist fraglich, ob dieses Match auch in Amerika so gezündet hätte – Jericho und Benoit hätten dort gewiss anders gearbeitet.

Die beiden Kanadier waren für diesen Opener von RAW in Japan geradezu prädestiniert, schließlich hatten sie in den 90er-Jahren schon zusammen in Japan gearbeitet, und wussten, wie die Arbeit dort auszusehen hat. Klar, das Match ist jetzt nicht zwingend ein Klassiker, dafür war es auch nicht lang genug, aber es war immerhin ein sehr launiges Match, das auch zehn Jahre später durchaus noch mal einen Blick verdient hat.

Interessante Randnotiz: Jim Ross berichtete in seinem Kommentar, dass Jericho und Benoit wiederum zehn Jahre vor diesem Match in Japan ihr erstes gemeinsames Match bestritten hatten – beim Super J Cup 1995. Wer wissen will, wie das Match damals ausging, braucht sich nur das Match von RAW angucken: Der Sieger war der gleiche.

Wie das Thema Tim Wiese dem Wrestling in Deutschland hilft und wie offen man heutzutage mit dem Kayfabe umgehen sollte, diskutiert wXw-Geschäftsführer Tassilo Jung im hochspannenden letzten Teil unseres Exklusiv-Interviews.

Du willst das komplette Interview lesen? Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.



Die Wrestling-Szene ist derzeit im Fokus wie selten zuvor in den vergangenen Jahren, auch dank dem Thema Tim Wiese. Inwiefern hat dieses Thema wXw beschäftigt?
Es hat nicht wXw als Firma beschäftigt, aber es hat alle Personen in wXw beschäftigt. Wenn du als Wrestling-Fan oder jemand, der im Wrestling aktiv bist, an dem Tag auf der Arbeit warst, dann haben dich ein Stapel Kollegen darauf angesprochen: „Sag mal, hast du das mit Wiese gesehen?“ Ein Teil meiner Arbeitskollegen wusste, was ich im Wrestling ungefähr mache, und mich haben an dem Tag mindestens 30 Leute angesprochen auf die Tim-Wiese-Nummer, und ich hatte auch ein paar Anfragen per E-Mail. Karsten Beck hat dazu ein Interview gegeben, Christian Jakobi hat dazu ein Interview gegeben. Das war einfach ein Thema, das Wrestling wieder in den Mund der Leute gebracht hat. Und das ist für jemanden, der Wrestling-Veranstaltungen macht, eine ideale Sache.

Ist es denn überhaupt positive Werbung gewesen oder ging es vielen Medien nur darum, wie sich wohl der vermeintliche Affe Tim Wiese mit den anderen Affen vom Wrestling in den Affenzirkus stellt?
Du bist etwas sehr auf Affen fixiert, oder? Natürlich ist es erst mal ein „Boah, guckt hin, der Wiese macht sich zum Affen“, um bei dem Begriff zu bleiben. Ist ja nicht so, dass man nicht auch mal in der Kurve gestanden und „Wiese, Wiese in den Zoo“ gerufen hat. Das ist halt so gewesen. Klar ist das ein Teil dieser Aufmerksamkeit. Aber wenn ich am Ende des Tages sehe, dass WWE in Frankfurt 5000 Zuschauer hat – die, die sagen, ich find Wrestling lächerlich und nehme das sowieso nicht ernst, die wirst du nie dazu kriegen, Wrestling-Fans zu sein. Wenn du aber die Leute, die potentiell Interesse haben und die potentiell hingehen würden, aktivieren kannst, dann kann es im Endeffekt egal sein, ob der Zuschauer, der vorher sagt „Wrestling ist scheiße“, auch nachher sagt „Wrestling ist scheiße“ und währenddessen sagt „Wrestling ist scheiße“ – der wird sowieso nie ein Wrestling-Fan. Die Leute, die Wrestling-Fans werden können, damit zu akquirieren, ist sehr viel wertvoller, als jemanden zu bestätigen, der Wrestling sowieso nicht mag.

Wie kann man denn jemanden, der jetzt vielleicht ein bisschen angefixt wurde, weiter dazu bewegen, mal den Fernseher für Wrestling einzuschalten oder sich mal eine Show anzugucken?
WWE hat das ja geschickt gemacht, die haben Wiese in der Show auftreten lassen. Die hatten ne Menge Zuschauer in der Halle und wenn die ne gute Show geboten haben, dann werden auch Zuschauer wieder kommen. Wenn dein Produkt gut ist und deine Charaktere spannend genug und dein Wrestling interessant genug, dann hast du jemanden, der potentiell wiederkommen wird. Und wenn du jemanden hast, der kein religiös angefixter Fan ist, sondern der mal reingeschaut hat, der Gelegenheitszuschauer quasi, den musst du zur nächsten Aktion wiederholen. Wenn ich Lokalveranstalter bin, muss also wieder ein Wrestling-Plakat hängen, und dann sieht der das und denkt „Ach, das war ja letztes Mal ganz cool, da könnte ich ja nochmal hingehen.“

"Zu sagen, Wrestler sind keine Sportler, ist nicht hinzunehmen"

Wie muss man mit den Medien umgehen? Kann man da heute noch reingehen und voll im Sinne des Kayfabes werben?
Das machen Leute und wenn ich eine reine Catch-Region habe, wo Wrestling auf Turnieren bekannt ist, dann funktioniert das vielleicht hier und da noch. Persönlich finde ich, das ist nicht zeitgemäß. Man muss nicht jedes Geheimnis erklären, aber man muss Leute auch nicht für dumm verkaufen. Wenn ich auf einen normalen Reporter zugehe, der zur Show kommt, und ich sage „Natürlich ist alles echt, was gerade passiert“ und dann springt hinter mir einer hoch und macht einen Frankensteiner, dann weißt du genau, was der Reporter von mir hält und wie der Artikel aussehen wird. Ich habe auch Kollegen, die sagen „Ja, in Amerika ist alles Show, aber in Deutschland und Europa ist alles echt“. Das kannst du auch keinem erzählen, der Wrestling guckt. Du kannst sicherlich einen Kampf so gestalten, dass der mal echt wirkt und wahnsinnig langweilig ist, aber Leuten zu erzählen, dass Wrestling echt ist – das ist unangemessen. Wrestling – ich bin da immer auf dieses sportive Improvisationstheater aus. Das drückt auch ganz gut aus, was Wrestling wirklich ist, sprich eine Mischung aus Sport und Unterhaltung, quasi auf den McMahon-Begriff zurück: Sports-Entertainment. Dann ist das weitaus vermarktbarer und sinnvoller als „Das ist alles echt“ – was zum einen gelogen ist, zum anderen nicht glaubwürdig ist und zum dritten Gewaltverherrlichung wäre.

Leicht provokatives Thema zum Abschluss: Geht Wrestling ohne Kayfabe?
Nein! Weil Kayfabe doch alles ist. Wenn Wrestling ohne Kayfabe wäre, dann würde jetzt Klaus Müller mit Hubert Meyer in den Ring gehen, einfach in ihren normalen Klamotten. Die würden die Zuschauer nicht mal berücksichtigen, würden keine Rolle spielen und würden einen Stapel Griffe abfeuern und, wenn du Kayfabe ganz rausnimmst, wirklich nur auf die Griffe reagieren, die gerade weh tun und in dem Maße, wie sie gerade weh tun. Und wenn man einen realen Kampf hat, dann möchte man der Gegenseite nicht zeigen, dass einem was weh tut, dann würden die mit steinerner Miene ein paar Griffe und Würfe austauschen. Das wäre unfassbar langweilig.

Und wie wäre es, wenn man alles macht wie bisher, bloß dass man offener umgeht mit dem Thema Kayfabe?
Ich habe darüber mal mit einzelnen Wrestlern geredet, wie die sich verhalten sollen, weil das ein schwieriges Thema ist. Wenn du schwarzseherisch da reingehst, dann kannst du nur verlieren. Entweder heißt es dann „Das ist ja alles nur Show – boah, der gibt das ja zu“ oder „Das ist ja alles nur Show – der lügt uns an“. Du musst da meiner Meinung nach sehr realistisch reingehen und sagen „Wrestling ist in dem Sinne kein sportlicher Wettkampf“. Das ist der erste Punkt, den man meiner Meinung nach auch noch so offen darstellen soll. Denn der ist eine Stärke von Wrestling! Beispielsweise: Ich kaufe mir eine Karte für einen Klitschko-Kampf, dann kann mir das passieren, dass das Ding in 30 Sekunden vorbei ist. Das wird mir im Wrestling in der Regel nicht passieren. Ich werde beim Wrestling zwei Leute haben – oder vier oder sechs oder was auch immer –, die versuchen, dir einen Main Event zu geben, für den ich bezahlt habe. Das heißt, ich kriege was für mein Geld. Das ist ein großer Vorteil von Wrestling in der Regel. Zum anderen finde ich es wichtig, dass ein Wrestler sehr ernsthaft als Sportler wahrgenommen wird. Denn Wrestler sind keine reinen Stuntmen, die auf riesige Matten fallen. Wenn ich zu einer Stuntshow gehe, schlagen die sich einen halben Meter am Kopf vorbei, dann wird ein Geräusch eingespielt aus dem Mikrofon, dann fallen die fünf Meter auf eine Weichbodenmatte und machen das Ganze danach noch zweimal. Wenn du dir einen Wrestler mit 40 anschaust, der ein paar Jahre lang ein paar Hundert Kämpfe gemacht hat, dann siehst du dem das an, dann merkst du dem das an.

Wrestling ist Kontaktsport, weil der Zuschauer den Anspruch haben muss, das glauben zu dürfen, was passiert. Und das ist gerne ein Geheimnis, das ich verraten kann: Wenn du versuchst, jemandem 20-mal so nahe du kannst ins Gesicht zu schlagen und das nicht vorbei gehen soll, weil die Zuschauer sonst gleich „Öhh, die schlagen ja daneben“ machen, dann wirst du ihn zumindest in verschiedenen Härtegraden treffen. Und wenn du zehn Suplexes nimmst, was nicht so selten ist, dann fällst du zehnmal auf einen Ring, der Holz, aus Eisen und aus einer kleinen Polsterung besteht. Und im Endeffekt hat das die körperliche Wirkung wie ein Autounfall mit Tempo 30. Das heißt, Wrestling ist ein Hochleistungssport im Sinne von dem, was die Jungs im Ring bieten. Das sind die beiden Sachen, die wahrgenommen werden müssen. Sportlicher Wettkampf sicherlich nein, aber zu sagen, Wrestler sind keine Sportler, das ist etwas, das nicht hinzunehmen ist. Zum anderen finde ich, dass jemand in die Halle geht, den Anspruch haben muss, in diesem Kosmos Wrestling aufgehen zu dürfen. Dann darf der Wrestler nicht nach dem Match hingehen zu den Fans und sagen „Tut eh nix weh“. Ist zum einen gelogen und zum anderen ist es falsch: Der Wrestler hat zumindest in der Halle seine Rolle als Pro-Wrestler darzustellen.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon.

Westside Xtreme Wrestling hatte den früheren WWE Champion Alberto Del Rio bereits gebucht. Dann kam die Absage. Den Grund verrät wXw-Geschäftsführer Tassilo Jung im Interview. Außerdem: Warum es nicht sonderlich ungewöhnlich ist, dass einer wie Del Rio zur wXw geht, und in welche Richtung die Promotion derzeit steuert.

Du kennst du anderen Parts noch nicht? Teil 1, Teil 2, Teil 3.

wXw hat zuletzt mit Vince Russo und der GFW-Kooperation einiges an Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Dann gab es noch eine andere spannende Sache: das Buchen von Alberto Del Rio, dem vielleicht heißesten Free Agent auf dem Markt zurzeit. Der Auftritt ist allerdings wieder abgesagt. Was war da los?
Alberto Del Rio wird sowohl über sich selber gebucht als auch über einen Agenten als auch über verschiedene Leute, die mit diesem Agent Kontakt haben. Wir haben unsere Verhandlungen gerade zu dem Zeitpunkt geführt, als er auf England-Tour war und mit seinem Agenten keinen Kontakt hatte. Unser Booking ging über einen guten Freund und Wrestler, der auch einer unserer Bekannten ist, gleichzeitig hat aber sein Agent ihn für dasselbe Datum für eine Serie an Veranstaltungen an einen anderen Veranstalter vermittelt. Während uns nicht gesagt wurde, dass eine Anzahlung möglich ist, wurde es denen sofort gesagt. Da ist dann eine Anzahlung erfolgt, plus: es war eine Serienveranstaltung, und dann musste er leider aus unserer Veranstaltung rausgehen. Fand sein Bekannter auch eher unglücklich, hat uns auch sehr unglücklich dastehen lassen. Aber das haben wir aus der Welt geschafft, und das ist sicherlich auch jemand, mit dem wir auch in der Zukunft nochmal zusammenarbeiten werden, weil es einfach ein ganz interessanter Wrestler ist. Das eine Mal ist eben sehr blöd gelaufen, dadurch, dass verschiedene Leute sich um das Booking von derselben Person kümmern.

Gibt es denn jetzt eine Zusage, dass er dafür wann anders kommt?
Es gibt sicherlich eine Zusage, dass wir in Zukunft noch einmal zusammenarbeiten, ja.

Gibt’s da schon Pläne?
Es gibt ein konkretes Datum, das an dieser Stelle aber auch noch nicht verraten wird. Das wird dann über Twitter, Facebook und wxw-wrestling.com kommuniziert, wenn es soweit ist.

Soll das dieses Jahr noch sein?
Offen. Also, gibt ein Datum, aber das gibt es dann exklusiv über unsere Kanäle.

"Ich möchte Leute haben, die gerne herkommen"

Muss man einem wie Alberto Del Rio eigentlich noch erklären, was wXw eigentlich ist?
Es gibt verschiedene Wrestler. Manche Wrestler sagen: Es ist mir egal, wo ich antrete. Manche bereiten sich aber auch wahnsinnig gut vor und informieren sich. Das ist ganz verschieden. Ein Tom Prichard wusste wahnsinnig viel über wXw und hat sich die meisten Wrestler schon mal angesehen. Ein Kenta Kobashi damals, 2005, eine absolute Legende, kam hier her und kannte von seinem Gegner absolut alles und jeden Teil seines Movesets. Ich finde, es ist eine wahnsinnige Respektsbekundung, wenn es jemand macht, und wenn nicht, dann muss ich auch sagen, dass zu Zeiten, in denen ich viel refereet habe, ich mich auch nicht über jeden einzelnen Arbeitgeber informiert konnte, weil dafür gar keine Zeit ist.

Welcher Typ ist Del Rio? Hatte er eine Vorstellung vom wXw-Programm?
Del Rio war noch nicht hier. Kann ich nicht sagen. Ich habe die Verhandlungen nicht selber geführt.

Wie überzeugt man eigentlich jemanden, der schon WWE Champion war, zu einem Engagement bei wXw?
Ich hoffe nicht, dass wir in der Position sind, einen Wrestler überzeugen zu müssen. Wenn jemand nicht arbeiten möchte, weil er genug Geld hat oder weil er woanders Arbeit hat, dann gibt es keinen Grund zu sagen „Ich möchte aber, dass du gerne rüberkommst“. Ich möchte Leute haben, die gerne herkommen. Wenn sich jemand mit Wrestling beschäftigt, dann wird er zwangsläufig irgendwann mal auf wXw gestoßen sein. Alleine schon, wenn ich ins aktuelle WWE-Produkt reinschaue, dann hast du da einen Daniel Bryan, dann hast du da einen Dean Ambrose, dann hast du da Cesaro, die allesamt ehemalige wXw-Champions waren. Oder wenn du Sami Zayn hast oder Adrian Neville. Oder einen Seth Rollins, der mal beim 16 Carat war. Und du hast in einem der Haupttrainer da, Robbie Brookside, einen ehemaligen wXw-Champion. Es ist relativ bekannt, dass wir hier zumindest eine gute Arbeit machen, hier gute Wrestler antreten, die danach auch hier rausgehen und nicht schlecht über wXw reden. Ich denke, die meisten Wrestler werden, wenn sie nichts wissen, auch mal Kollegen fragen, ob die nicht schon mal davon gehört haben, und spätestens dann trifft man auf jemandem, der wXw mit einem vernünftigen Ruf gehört hat.

Aber grundsätzlich ist es doch ein erstaunlicher Weg so herum. Normalerweise geht man erst zu wXw und danach geht man meinetwegen zur WWE. Bei Del Rio war es ja anders herum, der war zuerst in der WWE und jetzt kehrt er in die Indys zurück.
Richtig, aber das ist bei den meisten Wrestlern so. Es gibt vergleichsweise wenige Wrestler, die bei der WWE ihre Karriere beenden und dann nirgends mehr auftreten. Die gehen zumindest noch zu Conventions. Wenn du nicht direkt bei WWE als Footballspieler einsteigst, ist es der normale Weg, in den Indys zu arbeiten, dann zu WWE zu gehen und danach wieder in die Indys zu gehen.

Russo, GFW, Del Rio? "Ich finde andere Nachrichten viel interessanter"

Jetzt hatten wir die Themen Alberto Del Rio, GFW und Vince Russo. Das sind innerhalb kurzer Zeit drei ziemlich spannende Themen gewesen bei wXw. In welcher Phase und auf welchem Weg befindet sich wXw zurzeit? Kommen jetzt reihenweise Kracher-Nachrichten?
Ich glaube, dass das vorher nicht großartig anders war, wenn ich sehe, wer schon alles an Gaststars da gewesen ist. Ich persönlich finde andere Nachrichten, die wir herausgehauen haben, viel interessanter. Die Ankündigung der Städte, die wir haben, die so auszuweiten, finde ich viel relevanter, weil es für viele Fans heißt, dass sie nicht so und so weit immer zum nächsten wXw-Standort fahren müssen – „in meiner Gegend wird veranstaltet“. Was ich auch interessant fand für die meisten Fans, war die Ankündigung vor anderthalb oder zwei Jahren, es gibt wXw on demand. Das heißt, ich kann die Shows sehr kurz, nachdem sie geschehen sind, zu Hause für kleines Geld schauen. Dann die Exklusiv-Deals mit den Wrestlern, dass die wXw-Wrestler in Deutschland exklusiv für wXw antreten und nicht für andere Veranstalter. Das heißt im Umkehrschluss, wenn eine wXw-Show kommt, dass die auch wirklich top besetzt ist, alle Topnamen dabei sind. Das finde ich für diejenigen, die in die Hallen kommen und die wXw verfolgen, interessanter als die Mainstream-Eyecatcher GFW, Vince Russo und Alberto Del Rio.

Das heißt, als deutsche Liga kommt man immer noch vorrangig über das Präsenz-Zeigen in unterschiedlichsten Orten?
Ja.

Trotzdem die Frage: Auf welchem Weg befindet sich wXw zurzeit und wo steuert ihr hin?
wXw hat den Anspruch, Deutschlands aktivste Liga nicht nur zu sein, was wir sind, sondern zu bleiben, das auszubauen. Wir möchten an einen Punkt hin, wo wir in allen Ballungsräumen Deutschlands, in allen Großstädten vertreten sind, und da ein- bis zweimal im Jahr ein vernünftiges wXw-Produkt bieten können. Wir haben uns ganz klar auf die Fahnen geschrieben, mit unseren Spielorten zu expandieren. Was wir auch angekündigt haben, im Herbst und im kommenden Jahr auf unseren Touren nochmal eine ordentliche Schippe draufzupacken. Und wenn ich sehe, wie oft wXw in den ersten Jahren vor 80 Zuschauern veranstaltet hat, das passiert heutzutage nicht mehr. Heute steht vor der Markthalle in Hamburg ne Stunde vor der Show eher eine Schlange und Leute betteln andere an, weil sie keine Karten mehr kriegen für den Tag. Das ist ein beeindruckendes Erlebnis, wenn wir gucken, wo wir hergekommen sind.

Und wie sieht es mit der Stellung auf dem internationalen Markt aus? Gibt es da den Anspruch, zu expandieren?
Was Leute unter dem internationalen Markt verstehen, also Amerika und Japan, das haben wir beides gemacht, war ne schöne Publicity-Aktion, war auch ne richtig coole Erfahrung, in der Arena in Philly zu veranstalten oder in der Korakuen Hall in Tokio. War supercool, aber man muss eben aussuchen, in welche Baustellen man investiert. Und die deutsche Baustelle ist für uns und den deutschen Wrestling-Markt deutlich wichtiger, als wenn wir sagen, wir gehen aus Spaß an der Freud nochmal nach Amerika. Wie wir aber an Tschechien oder an England gesehen haben, würde ich aber nicht ausschließen, dass wir auch die eine oder andere Veranstaltung mal in den Nachbarländern machen, wenn es sich gut ergibt. Letztes Jahr waren wir mal in Belgien. Dieses Jahr sind wir in Tschechien und in England noch und es werden sicherlich noch ein ein, zwei Länder dazukommen.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon. Der letzte Teil folgt in Kürze.

Jeff Jarretts Organisation Global Force Wrestling ist derzeit eines der spannendsten Projekte in der Wrestling-Welt. Westside Xtreme Wrestling ist ihr einziger deutscher Partner. Was GFW macht und was hinter der Kooperation steckt – darüber sprach Clothesline.eu mit wXw-Geschäftsführer Tassilo Jung. Teil drei unseres Exklusiv-Interviews.
Zu den anderen Teilen bitte hier entlang: Teil 1, Teil 2.

Um den Bogen zu schlagen: Das Engagement von Vince Russo mit der wXw, hat das irgendwas zu tun mit der neuen Kooperation zu Jeff Jarretts neuer Promotion Global Force Wrestling? Jarrett und Russo haben ja schon mehr als einmal zusammengearbeitet.
Absolut kein Zusammenhang.
 
Dann: Was hat es mit Kooperation mit GFW auf sich?
GFW ist meiner Meinung nach bisher ein Netzwerk an Wrestling-Promotions weltweit mit dem Ziel, diese Promotions zu vernetzen und einander Geschäfte zu ermöglichen. Das einzig Große, was GFW bisher nach außen gemacht hat, war New Japan in den amerikanischen Pay-per-View-Markt zu bringen. Das wird an den meisten Wrestling-Fans nicht spurlos vorübergegangen sein, und was für New Japan sicherlich ein Coup war. Was genau GFW als nächstes bringen wird, ist sowohl für uns als auch für andere Partner sehr spannend. Bisher ist eine starke Website da, und wir kriegen ab und zu kleine Updates, was geplant ist, aber darüber können wir nicht nach außen reden. Generell haben wir keine großen Nachteile gesehen, uns dem Netzwerk anzuschließen, ganz im Gegenteil, hat das beispielsweise dazu geführt, dass New Japan und wXw in derselben Kooperationsform drin sind, und beispielsweise hat man ja im Oktober bei uns sowohl mit [Hiroshi] Tanahashi, das absolute Ass von New Japan, als auch mit [Jushin „Thunder“] Liger eine Legende gesehen. Das ist nix, was direkt über GFW läuft, aber das hebt das gegenseitige Vertrauen, und man sieht, wir sind Teil desselben Verbandes.

Wer ist da eigentlich auf wen zugekommen?
Die GFW ist auf uns zugekommen und hat uns angeboten, exklusiver Partner in Deutschland zu sein. Wir haben da kurz drüber nachgedacht, haben nichts Negatives gesehen. Ich bin der Überzeugung, wenn es keinen Grund gibt, der dagegen spricht, dann ist Kooperation immer eine sinnvolle Sache, weil man ja nicht weiß, wie man sich nicht vielleicht bei dem einen oder anderen Projekt helfen kann.

Ja, es gibt Pläne mit der GFW

Wie wird sich das Ganze auswirken? Gibt’s da schon Pläne? Talente-Austausch oder wXw-Events in Amerika zum Beispiel?
Das ist, was viel gefragt wird, und was auch die anderen Kooperationspartner viel gefragt werden, aber bisher hat jeder noch das Schweigen gehalten, was GFW plant, und daher werde ich das heute nicht ändern.

Aber es gibt schon Pläne, in die ihr auch eingeweiht seid?
Es gibt sicherlich auch Pläne, die die GFW hat, ja.

Die GFW ist von Jeff Jarrett sicherlich darauf ausgelegt, auch mal etwas größer zu werden – TNA ist ja auch die zweitgrößte Promtion Amerikas geworden. Inwiefern kann die GFW mit seinem ganzen Netzwerk und den Promotions überall auf der Welt mal eine große Nummer werden?
Das kann sicherlich eine große Nummer werden, muss allerdings nicht. GFW ist ein anderes Konzept. Du hast gerade TNA genannt als zweitgrößte Promotion Amerikas, das kann man ja so bestätigen, das ist eine Liga, die rausgeht und selber als Wrestling-Promotion aktiv ist. Ich hab nicht gesehen, dass Global Force Wrestling bisher als Wrestling-Liga aktiv ist, sondern eher als Netzwerk von Verbänden, die bei der Promotion unterstützt. Das ist ja was völlig anderes. Alleine mit den Ligen, die dahinter stehen, hat das sicherlich eine ganze Menge Potential. Die Frage ist eben, wie die nächsten Schritte sind und wie die durchgeführt werden.

Die GFW ist keine neue NWA

Kann man denn die GFW vielleicht als moderne weltweite Form der altehrwürdigen National Wrestling Alliance sehen?
Würde ich nicht, denn die NWA hat einen stärkeren Dachverband, der über die anderen Organisationen bestimmt hat. Ich sehe nicht, dass die GFW bisher auch nur den Versuch unternommen hat, über irgendwen zu bestimmen. Denn in dem Moment, wo mir jemand sagt, „Wir wollen was machen und wir wollen hier bei euch mitreden und wir wollen diktieren, ihr müsst den und den Weltmeister einsetzen und das und das zahlen“, dann würde ich sehr real auch einen negativen Teil der Kooperation sehen. Ich glaube nicht, dass es bisher ein Projekt wie GFW gegeben hat und ob das ein Projekt ist, was in fünf Jahren noch da ist, und ob es irgendwann in der Wrestling-Geschichte eine Relevanz haben wird. Das ist durchaus möglich, aber das kann ich wahrscheinlich ähnlich schlecht einschätzen wie du, auch wenn ich da sicherlich einen gewissen Vorsprung habe.

Wie sieht es aus, die wXw hat ja auch noch einige andere Kooperationen, mit der CZW zum Beispiel und mit Big Japan Wrestling – läuft da noch etwas aktuell oder gibt es neue Pläne?
Wir haben sehr konkret im Oktober mit beiden Ligen die World Triangle League veranstaltet wieder mal. Das ist ein Konzept, dass es 2015 auch wieder geben kann. Es wird sicherlich auch einen gewissen Talente-Austausch mit CZW weiterhin geben. Drew Gulak ist auch ein CZW-Wrestler, der zum Beispiel bei Back 2 the Roots in Oberhausen mit dabei war. Wird sicherlich auch den einen oder anderen wXw-Wrestler geben, der mal wieder nach Amerika gehen wird. Im Bezug auf Japan ist es aktuell sehr schwer abzusehen, weil Big Japan unser gemeinsames Sorgenkind ist. Der Organisation geht es wirtschaftlich nicht sehr toll, und zugleich die hatten in den letzten Jahren eine wahnsinnige Verletzungsmisere, bei einem sowieso schon sehr engen Kader. Von daher ist Big Japan ein Patient, der selber erst mal wieder gesunden muss, bevor er finanziell in der Lage ist, große Investments zu machen und gemeinsame Veranstaltungen in Übersee durchzuziehen. Das ist wie in einer Ehe: In guten wie in schlechten Zeiten. Und man lässt die Kooperationsform nicht fallen, mit einem Partner, der jahrelang fair und gut war und auch in Zeiten kooperiert hat, in denen er wirtschaftlich stärker war als wir. Wenn jemand Zeit brauchst, dann kriegt er Zeit.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon. Teil vier folgt in Kürze.

Vince Russo wird zu Unrecht von vielen Wrestling-Fans niedergemacht, findet Tassilo Jung, Geschäftsführer von Westside Xtreme Wrestling. Wie der ehemalige WWF- und WCW-Writer der wXw helfen kann, warum der neue wXw Unified Champion Karsten Beck ein großartiger Wrestler ist und was ein Promoter von Jubel für seinen Top-Heel hält, diskutiert Tassilo Jung in Teil zwei unseren großen Exklusiv-Interviews.

Du kennst Teil eins noch nicht? Hier entlang bitte.


Kommen wir noch einmal zu Vince Russo. Russo ist ja heute mehr als eine kontrovers diskutierte Person im Wrestling-Business, wird ja vielfach kritisch gehen oder gar herabgewürdigt. In unserem Forum hatte jemand geschrieben: „Wer im Jahr 2015 noch einen müden Cent für die Personalie Vince Russo auf den Tisch legt, hat den Schuss nicht gehört“. Was sagst du dazu?
Ich würde antworten mit der Aufmerksamkeit, die wir zurzeit haben. Ich würde auch fragen, auf welchem Wissen gründet sich denn die Meinung der Mehrheit? Ich habe auch meine Meinung zu Politikern oder Fußballern, trotzdem würde ich mir jetzt nicht anmaßen, mich hinzusetzen und beispielsweise mit Matthias Sammer zu diskutieren, ob Uli Hoeneß jetzt eine Pfeife ist oder nicht. Wenn ich mir die Mühe mache und beispielsweise Russos Seite mal anhöre – der hat sich ja viel geäußert, auf DVDs oder Podcasts – und wenn ich mir mal anhöre, was er zu sagen hat, dann kriege ich schon ein paar Punkte mit.

Zum Beispiel?
Landläufige Meinung: Der Angle Mae Young gebärt eine Hand, ist ein Russo-Angle. Ist aber zu einer Zeit passiert, als Russo gar nicht mehr bei der WWE war. Ich denke, dass Russo jemand ist, der nicht immer alles richtig gemacht hat – niemand macht immer alles richtig –, aber auch jemand, der eine Menge negativen Credit kriegt, den er nicht verdient hat. Im Endeffekt war er auch ganz offensichtlich jemand, der in der Zeit, als die WWF richtig zugelegt hat, der Attitude Era, ganz vorne mit dabei war. Sicher auch mit anderen Leuten zusammen, niemand macht irgendwas alleine. Aber wer sagt, dass man als regionaler Veranstalter oder als jemand, der im Wrestling keine Millionen verdient hat, nicht mit jemandem zusammenarbeiten sollte, der schon für Millionen gesorgt hat, fasst für mich das falsch auf. Wer in dem Geschäft erfolgreich war, kann mir persönlich was beibringen. Ganz sicher.

Welchen Marktwert hat denn ein Vince Russo noch – oder lebt er nur noch von seinem Namen heutzutage?
Wenn ich den Hype sehe, wird er einen gewissen Marktwert haben. Aber Vince Russo wird sicherlich im Rahmen der Geschichte ja auch wieder nach Deutschland kommen, dann kann man natürlich auch sehr genau spezifizieren, was bringt der Artikelverkauf, was ist der Meet-and-Greet-Wert, was hat Russo wXw im Endeffekt gebracht – etwas, das man in ein paar Jahren sehr gut analysieren kann.

Ich gehe mal davon aus, dass Russo lediglich vor der Kamera auftreten wird und bei wXw tatsächlich keine kreative Macht besitzt, oder?
Das ist deine Auffassung, und genau die Mischung aus Realität und Fiktion, wo ich nicht genau sagen werde, wo die Grenze liegt.

"Ganz klar: Wir wissen, wie es mit Vince Russo weitergeht"

Wie oft soll Russo tatsächlich nach Deutschland kommen, wann wird man ihn wiedersehen? Ist da schon was geplant?
Wenn wir noch nichts angekündigt haben, verrate ich natürlich noch nichts dazu. (Inzwischen angekündigt: Vince Russo kommt am 14. März zu Dead End nach Frankfurt, Anm. d. Red.)

Aber es ist schon geplant, dass er in näherer Zukunft nochmal auftreten wird?
Ich halte mich für einen professionellen Veranstalter, ich werde keinen wichtigen Charakter aus einer Veranstaltung rausgehen lassen, wo noch ein offenes Ende ist, und ich nicht weiß, wann derjenige wiederkommt. Das ist ganz klar, dass wir mit Vince Russo wissen, wie es weitergehen wird.

Ich gehe aber mal davon aus, dass er jetzt nicht reihenweise Events in Deutschland absolvieren wird.
Nein, das halte ich weder für sinnvoll noch für machbar. Ich gehe aber davon aus, dass Vince Russo eine prominente Figur im wXw-Produkt sein wird. Auf die eine oder auf die andere Art. Es gibt ja auch Möglichkeiten, bei Veranstaltungen auch in Geschichten in Erscheinung zu treten, ohne permanent hier zu sein.

Du hattest gesagt, du kannst von einer Person wie Russo noch eine Menge lernen. Mal abgesehen von der Storyebene – was erhofft man sich vom Engagement Vince Russo?
Vom Engagement Vince Russo erhoffe ich mir zum einen eine gewisse Aufmerksamkeit, die da ist. Ich erhoffe mir eine sehr, sehr interessante Geschichte, die die Zuschauer fesseln wird, und ich erhoffe mir natürlich auch aus so einer Zusammenarbeit die Möglichkeit, mit jemandem sehr, sehr konkret zusammenzuarbeiten, zu sehen, wie derjenige denkt, wie derjenige Situationen einschätzt. Denn jeder Mensch hat eine andere Sichtweise und zieht andere Schlüsse aus dem Ganzen. Ich gebe da mal ein Beispiel: Vor einem Jahr hatten wir mal zehn Tage Tom Prichard nach Deutschland geholt, der früher bei WWE Head of Talents war, und der zehn Tage mit uns bei Events zusammengesessen hat, unsere Veranstaltungen analysiert hat, uns Tipps gegeben hat, wie man das Ganze managt und besser strukturiert. Und dann hat er drei bis vier Tage mit einzelnen Wrestlern ganz konkret im Training zusammengearbeitet, um denen bei ihrer eigenen Arbeit weiterzuhelfen. Da ist jeder mit einem wahnsinnigen Wissenssprung rausgegangen. Wer die Arroganz hat, das Wissen von den erfahrenen Leuten, von den Veteranen, nicht nutzen zu wollen, der – um zurückzukommen zu dem Forumsbeitrag – hat den Schuss nicht gehört.

"Karsten Beck ist ein ganz, ganz starker Old-School-Heel-Charakter"

Karsten Beck ist durch das Engagement bei Russo neuer wXw Unified Champion geworden. Warum hat man sich Karsten Beck ausgewählt?
Das musst du Vince Russo fragen. (lacht) Ich kann dir alternativ sagen, warum Karsten Beck ein guter Wrestler ist.

Ich würde sonst erst mal zwei Interpretationen in den Raum werfen: Erstens, als Belohnung für eine gute Entwicklung, die er in den vergangenen Monaten und Jahren genommen hat, und zweitens, weil er sowieso diese Story „für eine bessere wXw“ hat, und das gut gepasst hat.
Das ist eine schwierige Sache, im Wrestling zu beurteilen. Es läuft gerade eine Geschichte und „es passt gerade gut“. Jetzt wär die Gegenfrage, die man immer stellen muss: Läuft diese Geschichte nicht vielleicht andersherum, weil es gerade gut passt und diese Geschichte führt auf diesen Moment hinaus. Was kommt zuerst? Was ist der ursprüngliche Plan? Das ist das, was hinter diesem Vorhang passiert, und diesen Vorhang wegzuziehen, ist nicht meine Aufgabe.

Dann freue ich mich auf die Antwort, warum Karsten Beck ein guter Wrestler ist und die wXw gut als Champion repräsentieren kann.
Karsten Beck ist ein wahnsinnig charismatischer Wrestler mit einem meiner Meinung nach einzigartigen Look, den er in Deutschland hat. Und wenn ich auf Tour bin und Karsten Beck in die Halle kommt, dann hat er, sobald er durch den Vorhang rausgeht, eine Reaktion. Und wenn er das Mikro in der Hand hat, steigert sich diese Reaktion nochmal um ein Vielfaches. Karsten Beck ist einfach ein ganz, ganz starker Old-School-Heel-Charakter. Und das ist was sehr Wertvolles in der heutigen Zeit, wo ganz viele Wrestler versuchen, geliebt zu werden und möglichst cool zu sein. Ich sehe nicht, dass der Wrestler oder die Person Karsten Beck irgendwo cool ist oder versucht, gemocht zu werden. Das ist eine seltene Sache und stellt ihn sehr weit alleine, gerade im Independent oder deutschsprachigen Wrestling. Wenn du mit einem anderen Veranstalter sprichst, der Karsten Beck früher gebucht hat und es jetzt vielleicht wegen der Exklusivität unserer Leute nicht mehr tut, dann werden die dir der Reihe nach sagen „Den hätten wir wirklich gerne wieder“.

"Wenn ein Heel bejubelt wird, sehe ich das erst mal kritisch"

Aber ist es nicht gleichzeitig das größte Lob, das man kriegen kann, wenn man von den sogenannten Smart Fans auch als Heel bejubelt wird?
Puh, da gibt es zwei verschiedene Positionen und beide haben ihre Berechtigung. Die eine Position ist, die smarten Fans erkennen, dass du eine Rolle darstellst und finden das gut und bejubeln dich. Die andere Position ist, die Fans erkennen, dass du eine Rolle darstellt, bejubeln dich dafür und damit ist deine Rolle zu transparent. Es gibt da verschiedene Meinungen und deswegen auch verschiedene Heels. Es gibt im Leben und gerade in Kunstformen – und dazu zähle ich Wrestling – nicht immer ein Richtung und ein Falsch, sondern verschiedene Positionen, zu denen man sich bekennen kann. Ich persönlich finde, es ist sicherlich ein Kompliment, wenn man als Wrestler gesagt bekommt „Ich sehe dich gerne“, aber wenn ein Heel in der Halle bejubelt wird, das sehe ich erst mal kritisch, auch wenn es sicherlich immer den einen oder anderen Fan gibt, der in der heutigen Zeit von Anti-Helden sagt „Ich jubele für den Bösen, weil mir der Böse mehr zusagt als der Gute“. Ist ja auch ein gesellschaftliches Phänomen und nicht nur eine Wrestling-Sache.

Karsten Beck ist ja auch einer, der viel durch Betrügereien gewinnt, auch viel Comedy-Heat zieht. Gibt es bei ihm nun als großem wXw Champion nicht vielleicht ein Glaubwürdigkeitsproblem?
Wrestling ist ja kein gerader Sport, sondern etwas, das sehr mit den Vorurteilen Gut gegen Böse und Beliebt gegen Unbeliebt spielt. Und da gibt es ganz stereotypische Formen des Bösen. Das Böse kann zwei Meter groß sein, behaart, viel, viel stärker als die anderen. Das Böse kann aber auch ein trickreicher Betrüger sein, der den, mit dem sich die Leute identifizieren, immer wieder um den Lohn seiner Arbeit bringt – ist dann eher derjenige, der Karsten Beck ist. Aber generell, ein Lügner, ein Betrüger als World Champion, ist jetzt auch nichts, was wXw erfunden hat. Und andersherum, Thema Glaubwürdigkeit: Ich hatte auch schon das Vergnügen, Karsten Beck in einer realen Schlägerei zu sehen – fand ich auch sehr, sehr glaubwürdig. (lacht)

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon. Der dritte Teil des Interviews folgt in Kürze.

Das WWE Network hat die Marke von einer Million Abonnenten geknackt. Elf Monate nach dem Start sei das Network der am schnellsten wachsende digitale Abo-Dienst, teilt WWE mit.

Der kostenfreie Probemonat November, der Start des Networks im Vereinigten Königreich sowie Zusatzangebote zum Royal Rumble seien Gründe dafür, dass dieser Meilenstein nun erreicht wurde. Im kommenden Jahr wolle WWE das Programm weiter ausbauen.

Laut einer Verbraucheranalyse nutzen 90 Prozent der Abonnenten das WWE Network mindestens einmal pro Woche, 99 Prozent zumindest einmal im Monat. 86 Prozent der Abonnenten seien mit dem Angebot zufrieden.

(Quelle: WWE.com)

Sein plötzlicher Auftritt bei wXw Back 2 the Roots erregte bereits viel Aufmerksamkeit, jetzt ist bekannt, wann Vince Russo wieder nach Deutschland kommt: Westside Xtreme Wrestling holt seinen neuen Storyline-Investor zur Show Dead End am Sonnabend, 14. März, ins Kulturzentrum Batschkapp nach Frankfurt/Main.

Der ehemalige WCW- und WWF-Writer wird nicht nur beim Event Dead End dabei sein. Bei einem Meet and Greet (15 Euro) trifft er bis zu 40 Fans, unterschreibt Autogramme und lässt Fotos knipsen. „Trefft den Antichristen des Pro-Wrestlings, das Mastermind der Attitude Era, den Totengräber von WCW und die neue Macht bei wXw“, wirbt die größte deutsche Wrestling-Promotion.



(Quelle: wxw-wrestling.com)

WWE hat den ehemaligen WWE Tag Team Champion Justin Gabriel entlassen, teilte das Unternehmen auf der hauseigenen Internetseite mit.

Vor wenigen Tagen hatte Gabriel bereits mitgeteilt, WWE zu verlassen. Laut F4WOnline habe der Südafrikaner um seine Entlassung gebeten. Zunächst war geplant, dass Gabriel beim Royal Rumble auftreten soll, doch diese Pläne hatten sich offenbar kürzlich geändert.

Justin Gabriel war Teil der ersten NXT-Staffel und des Stables Nexus. Er war zusammen mit Heath Slater dreimaliger WWE Tag Team Champion. Schon lange wurde er von WWE kaum mehr in den Hauptshows eingesetzt. Seinen letzten Sieg im Fernsehen erlang der 33-Jährige im September 2014 bei „Superstars“ gegen Sin Cara.

(Quelle: WrestlingInc.com)

Ex-WWF- und WCW-Writer Vince Russo hat die deutsche Wrestling-Szene geschockt. Überraschend tauchte er bei Back 2 the Roots von Deutschlands wichtigster Promotion Westside Xtreme Wrestling auf und präsentierte sich als Teil einer großen Story. Über das Russo-Engagement sprach Clothesline.eu mit wXw-Geschäftsführer Tassilo Jung. Außerdem Thema: Die Kooperation mit Jeff Jarretts neuer Organisation Global Force Wrestling (GFW), das Buchen und die Absage von Alberto Del Rio, Tim Wiese, wie Kayfabe heute noch funktionieren kann und ob ein neuer Wrestling-Boom in Deutschland ansteht. Teil eins einer neuen Interview-Serie.


Clothesline.eu: Zuerst einmal Glückwunsch zum meiner Meinung nach gelungenen Überraschungsmoment mit dem Auftritt von Vince Russo bei Back 2 the Roots, wo er sich storygemäß als neuer Investor von wXw vorstellte und Karsten Beck gewissermaßen zum Champion krönte. Tassilo, du warst als Referee ganz nah dran – wie waren die Reaktionen in der Halle?
Tassilo Jung: Das war eine sehr überraschte Reaktion des Publikums. Wir haben ein sehr langes Programm gehabt mit der Keel Holding auf der einen Seite und auf der anderen Seite den AUTsiders sowie PROST. Das hatte schon im Februar angefangen und ging im Dezember nochmal los. Das hier war ein klares Ende, ein Punkt. Und da standen die vier Guten heldenhaft im Ring, haben das Ende der Veranstaltung genossen. Und dann kommt die Musik und Russo kommt vor das Publikum raus. Und wenn jemand das „Shotgun“ gesehen hat, das wir jetzt veröffentlicht haben, dann war es den Leuten anzusehen, dass da Verwirrung am Start war. Denn Russo bei einer Independent-Liga? Das ist ne Hausnummer.

Wussten die Leute denn überhaupt, dass das Vince Russo ist? So oft sieht man ihn ja eigentlich nicht vor den Kameras.
Ich glaube nicht, dass jeder Zuschauer in der Halle überhaupt weiß, wer Vince Russo ist. Ich glaube allerdings, dass wir gerade in Oberhausen ein sehr smartes Publikum haben, und wir hatten ja auch gleichzeitig über dem Ring ein Video laufen auf drei Leinwänden, was dann gleich einer seiner WCW-Turnertrons war, sodass man nicht nur den Namen Vince Russo gesehen hat, sondern auch die ganzen Szenen, wie er über Ric Flair stand oder wie er Dusty Rhodes mit dem Baseballschläger bedroht hat. Ich denke, Wrestling-Fans sehen dann relativ schnell, wer da gerade kommt.

Wie waren denn im Nachhinein die Reaktionen im Internet?
Ich sag das mal ganz professionell: Ich bin bei uns für Social Media zuständig und wir optimieren unseren Facebook-Kanal schon lange, lange Zeit. Wir haben eine ungefähre Posting-Visability, das heißt, wie viele Leute unseren Facebook-Post angezeigt kriegen. Da haben wir manchmal einen Ausschlag nach oben. Den größten Ausschlag, den wir je hatten, war eine Story über Tim Wiese. Da ist das mal ausgeschlagen auf etwas mehr als das Viereinhalbfache von dem, was sonst normal ist. Als wir das Bild gepostet haben von Russo, Karsten Beck und dem Titelgürtel, war der Ausschlag danach das Sechseinhalbfache von dem, was normal ist. Das ist ganz, ganz massiv. Das ist viral gegangen. Deutlich mehr Leute haben das gesehen, als wir überhaupt Facebook-Follower haben. Vince Russo, das ist eben auch ein Name, den man gut präsentieren kann als derjenige, der früher mal bei WCW und WWF für den kreativen Bereich verantwortlich war. Das ist schon einer, der wXw gut zu Gesicht steht im Jahr 2015.

Ich nehme an, durch das Engagement von Vince Russo wird sicherlich auch mal der eine oder andere Fan bei wXw reingucken, der das Programm bisher nicht auf dem Schirm hatten. Inwiefern ist das Engagement von Russo auch darauf ausgelegt, neue Leute zu gewinnen?
Meiner Meinung nach ist jedes Engagement von einer bekannten Persönlichkeit, der nicht zu unserem Stammkader gehört, genau darauf ausgelegt. wXw ist früher gewachsen als Internet-Darling, der immer wieder Gaststars aus Übersee geholt hat, ob das ein Daniel Bryan war oder ein El Generico. Ob das ein Low Ki war oder ein Kenta Kobashi. Ob das Jake Roberts war. Auch Russo passt genau in diese Linie von Leuten rein, denn im Endeffekt fragt mich ja auch gerade eine Wrestling-Community mit Clothesline.eu an, die vorher noch keine wXw-Interviews geführt hat. Die Aufmerksamkeit ist da. Viele der ehemaligen WCW- und WWE-Wrestler machen Independent-Auftritte, aber ich glaube nicht, dass Russo schon einmal Teil eines anderen Produktes außerhalb von WCW, WWF, TNA war, sowie vorige Woche bei unserem Partner IPW:UK in England.

"Wo die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist, sage ich nicht"

Ist das jetzt ein kurzfristiger Effekt oder hat das Russo-Engagement auch mittel- oder langfristig eine Bedeutung für wXw?
Jede Maßnahme, die dazu führt, dass neue Fans zu wXw kommen, hat eine langfristige Wirkung. Wenn neue Leute ein Produkt sehen, dann bleibt ein Teil davon automatisch hängen, wenn es ein gutes Produkt ist. Und davon bin ich offensichtlich überzeugt.

Ein kurzer Schritt zurück: Russo wurde vorgestellt als neuer Investor von wXw. Was genau hat es mit dieser Story auf sich?
Wir sind eine GmbH und wer wXw verfolgt, sieht, dass wir gerade wahnsinnig im Wachstum sind. Früher haben früher regelmäßig in Oberhausen gespielt, 2013 sind wir auf die erste Deutschland-Tour gegangen mit sechs Städten. Jetzt haben wir unseren Pegel schon ganz gewaltig hochgefahren. Jetzt haben wir 20 Veranstaltungen in verschiedenen Städten. Da kann man sich denken, dass das anfangs nicht ganz einfach ist. Hallenkosten sind vorab zu bezahlen, Werbekosten sind vorab zu bezahlen, gewisse Genehmigungen sind zu holen. Das heißt, wXw hat effektiv die Situation, dass wir Kapital brauchen. Und von daher ist es sicher nicht so schlecht, einen Partner zu haben, der da investieren möchte. Das in Verbindung mit einer packenden Sache, die sich auch on-air in einem Projekt niederschlägt, ist natürlich eine sehr, sehr interessante Vermischung. Früher hat jeder geglaubt oder es wurde gedacht, dass die Leute glaubten, dass Wrestling real ist, da kämpfen Leute echt und die Storyline, die präsentiert wird, ist halt so. „Auf dem Parkplatz wurde gerade Dusty Rhodes von den Four Horsemen angegriffen – um Gottes Willen, im realen Leben, das war außerhalb des Ringes.“ Genauso ist es meiner Meinung nach Aufgabe eines heutigen Veranstalters, den Fans die Möglichkeit zu geben, abzutauchen in eine Schein-Welt Pro-Wrestling. Und das kann auf ganz viele Arten geschehen. Wenn man sich CHIKARA in Amerika anguckt, kann das wahnsinnig fantasievoll geschehen. CHIKARA hat über Jahre hinweg einen ganz eigenen Kosmos aufgebaut, in dem jede Person in der Halle eine Rolle spielt. Kann natürlich auch passieren, dass das landläufig gesagt auf einen smarteren Fan zugeschnitten ist, eine Erfahrung, bei der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Wo genau diese Grenze ist, kann ich dir nicht sagen, ohne diesen positiven Effekt kaputt zu machen, und das werde ich dir auch nicht sagen. Aber gerade Dinge, wo reale Sachen mit reinspielen, macht es fürs Wrestling sehr interessant. Was auch die Möglichkeit gibt zu sagen: „Hm, was davon ist denn jetzt echt und was nicht?“ Genau wie ein Kind, das zum ersten Mal in der Halle sitzt und sieht, wie zwei Kolosse auf einander losgehen. Das finde ich sehr spannend, und das kann man auch gerne so bestehen lassen.

Den Angle mit Russo hat man sicherlich schon länger geplant gehabt. Seit wann hatte man ihn an der Angel und wann wusste man, dass das so ablaufen würde?
Wenn du mich letztens Samstag gefragt hättest, dann hätte ich mir gewünscht, dass ich keine Prellung hinter dem Ohr habe, weil er mit der Faust dahin geschlagen hat. Ich hab Wrestling mal gegenüber dem Finanzamt dargestellt als sportive Form des Improvisationstheaters. Das ist es auch. Eine ganze Menge Sport im Ring, aber eine Schau, die einem gewissen Skript folgt und bei der ganz, ganz viel improvisiert ist. Wie genau was läuft? Ich glaube nicht, dass es viele Angles oder Matches auf der Welt gab, wo man vorher gesagt hat, das läuft jetzt ganz genau so. Vieles passiert eben im Moment.

Aber die Idee ist doch schon länger geplant.
Der Planungshorizont lag etwa bei einem Vierteljahr, würd ich sagen.

"Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Wrestling in Deutschland"

Wie kam der Kontakt zustande und wie hat man ihn überzeugt mitzumachen bei einem deutschen Indy-Event?
Man kann jemanden auf zwei Möglichkeiten überzeugen. Man kann jemanden mit Geld überzeugen, wenn derjenige Geld nötig hat. Glaube ich bei Russo jetzt nicht unbedingt. Sonst wär es nicht so gelaufen, wie es gelaufen ist. Und man kann jemanden überzeugen, wenn man was sehr, sehr Spannendes hat. Die Möglichkeit, in einen neuen Markt reinzugehen, der gerade sehr gute Fortschritte macht, der gerade dabei ist, zu wachsen. Wer den deutschen Wrestling-Markt wirtschaftlich beobachtet und beobachtet, was wXw nach innen und außen tut, kann gut zu dem Schluss kommen, dass wXw so ein Markt werden kann oder werden wird. Da ist auch Russo smart genug, das zu sehen, glaube ich.

In den vergangenen Jahren hieß es ja schon oft, Wrestling sei in Deutschland mal wieder in einer neuen Boom-Periode, aber dann war es doch noch nicht soweit. Ist es denn jetzt tatsächlich soweit oder wie muss man das verstehen?
Ich hab Volkswirtschaft studiert und als Volkswirt kann man immer gut erklären, warum etwas nicht so gelaufen ist, wie es sollte, und kann ganz vage prognostizieren, was passieren wird. Da gibt’s immer ganz verschiedene Meinungen zu und im Nachhinein wird dir jeder ganz genau sagen können, das und das waren die Gründe. Ich persönlich bin überzeugt, dass Wrestling gerade einen Schritt nach vorne macht. WWE hat vor anderthalb Jahren ein Büro in München eingerichtet und hat dort jemanden hingestellt, der in der deutschen Medienwelt sehr gut vernetzt ist. Sicherlich war ProSieben/Sat1 als Partner ein guter Schritt, sicherlich auch die Kooperation Axel-Springer-Verlag. Die Werbekampagne, die man gefahren hat, mit Helene Fischer und Cesaro hat die Türen geöffnet für die große Tim-Wiese-Kampagne. Wer gesehen hat, was WWE in Braunschweig und Frankfurt gezogen hat, und das mit vorherigen Zuschauerzahlen verglichen hat, der hat gesehen, dass da schon was im Aufwind ist. Es gibt eine gute Chance, dass Wrestling wieder in eine Boom-Phase reingeht. Ob das nochmal so wird, wie es Mitte der 90er war – schauen wir mal, das kann keiner sagen. Dass jetzt aber ein guter Zeitpunkt ist für Wrestling in Deutschland, das ganz sicher.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon.

Das erlebt man auch nicht oft! WWE-Ober-Heel Triple H hat vergangene RAW-Ausgabe mit Charakter und Kayfabe gebrochen. Mitten im Main Event. Um einen kleinen Fan glücklich zu machen.

Während des Main Events zwischen John Cena auf der einen sowie Seth Rollins, Big Show und Kane auf der anderen Seite saß Triple H am Ring. Dann merkte er, dass hinter ihm in der ersten Reihe ein Junge weint. Ob das an der Dominanz der Heels im Match oder vielleicht sogar an Triple Hs Auftreten lag, ist nicht endgültig überliefert. Jedenfalls drehte sich Triple H um, streichelte dem Jungen tröstend übers Haar und umarmte ihn.

Twitter-Fotos dokumentieren den Vorgang.

 


Auch Stephanie McMahon soll aus der Rolle gefallen sein, ohne dass Genaueres bekannt wurde. Nach der Show schenkten Triple H und Stephanie dem Jungen Merchandise und nahmen ihn mit in den Backstage-Bereich. Triple H, auch hinter der Kamera ja als Executive Vice President für die WWE-Shows mit verantwortlich, war es offenbar wichtiger, einen jungen Fan zufriedenzustellen, als zwingend Rolle und Scheinwelt aufrecht zu erhalten.

In den sozialen Medien hat Triple H für seine Aktion viel Zustimmung erfahren. Selbst vielen Mainstream-Medien war diese Geschichte einen Bericht wert, in Deutschland berichtete Spiegel-Online.

Ein Twitter-User benennt die familienfreundliche Show nun um: Monday Night Aww… WWE ist eben total PG.

(Quellen: Twitter.com, WrestlingInc.com, Spiegel.de, News.com.au, Foxnews.com)

WWE WrestleMania 32 findet in Arlington, Texas, statt, teilte das Unternehmen gestern mit. Das Mega-Event wird am 3. April 2016 im AT&T Stadium abgehalten. Die Arena wird mehr als 100.000 Menschen fassen können. Damit könnte WWE einen neuen hauseigenen Zuschauerrekord aufstellen. „Es ist unser Ziel, unseren eigenen Rekord zu brechen“, sagte WWE-Boss Vince McMahon gestern bei einer Pressekonferenz.

„Wir wollen bei WrestleMania Geschichte schreiben”, so McMahon in einer Mitteilung, „wenn wir das AT&T Stadium auf die Liste der ikonischen Orte setzen, die unser jährliches Popkultur-Spektakel ausgerichtet haben.“ Es ist die erste WrestleMania in Arlington und überhaupt in der Metropolregion von Dallas. Die bisher letzte WrestleMania in Texas war das Jubiläums-Spektakel 2009 zur 25. Showcase of the Immortals in Houston.

Dallas werde mit Arlington zusammenarbeiten, sagte der Bürgermeister von Dallas, Mike Rawlings, bei der Pressekonferenz. WrestleMania bedeute einen ganzwöchigen Wirtschaftsschub für die ganze Region. WWE-Angaben zufolge hat WrestleMania 30 in New Orleans der Region einen warmen Geldregen in Höhe von 142 Millionen Dollar beschert.

Arlington liegt im Nordosten von Texas, gute 30 Kilometer westlich von Dallas. Zusammen mit Dallas und Fort Worth bildet Arlington ein Ballungsgebiet. Im AT&T Stadium trägt das Football-Team der Dallas Cowboys seine Heimspiele aus. Die Arena ist seit 2009 geöffnet.

WrestleMania 31 in diesem Jahr geht am 29. März im Levi’s Stadium in Santa Clara, Kalifornien, über die Bühne.

 

(Quelle: WrestlingInc.com)

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