Hankes Standpunkt: Die Krux mit dem WWE Royal Rumble Match Empfehlung

  • 26 Januar, 2018
  • geschrieben von 
  • Gelesen 446 mal
  • Artikel bewerten
    (0 Stimmen)

Es soll Leute geben, die mögen das Royal Rumble Match nicht. Eine Stunde Geziehe und Gezerre am Rande des Rings? Nein danke. Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich bin ein großer Fan des Royal Rumble Matches. Auch wegen des Geschehens am Rand. Nein, nicht unbedingt wegen des Geziehes und Gezerres, eher schon wegen der einen oder anderen spektakulären Eliminierung, oder im Falle von Kofi Kingston der einen oder anderen spektakulären Nicht-Eliminierung.

Was ich aber eher meinte: Ich mag diese Randgeschichten des Rumbles. Ich mag es, wenn zwei aktuelle Rivalen scheinbar zufällig aufeinandertreffen. Ich mag es, wenn sich zwei alte Fehden-Partner begegnen und ihrer Story ein weiteres Kapitel hinzufügen. Ich mag es, wenn neue Geschichten angedeutet werden. Ich mag sogar die Kuriositäten, wenn zum Beispiel Mick Foleys Mr. Socko auf Santinos Cobra trifft. Ich mag die unangekündigten Comebacks. Das alles geht so nur im Royal Rumble Match.

Und dann kommt der Tag des Royal Rumbles, und beinahe jedes Jahr zweifle ich dann, ob das große Match meine Zuneigung überhaupt verdient hat. Denn so gut wie jedes Mal gewinnt jemand, den ich nicht gewinnen sehen will. Manchmal gewinnt sogar genau derjenige von 30 Wrestlern, den ich von allen am wenigsten gewinnen sehen will, und dann hasse ich es, mich vorab so darauf gefreut zu haben. Es ist eine verdammte Krux mit diesem Royal Rumble Match.

Das Royal Rumble Match gewinnt nur die Elite

Das letzte Mal, als ich mich wirklich über den Rumble-Sieger gefreut habe, war 2010. Damals kehrte Edge aus seiner langen Verletzungspause zurück und gewann erstmals in seiner Karriere das prestigeträchtige Match. Und was folgte die Jahre danach? Entweder gewannen die Superstars, die eh schon seit gefühlten Jahrzehnten an der Spitze stehen, die, die eigentlich keinen weiteren Sieg brauchen, ihn aber wahrscheinlich bekommen, um in der Rückblende aus ferner Zukunft besonders gut dazustehen. In einer Reihe mit Hulk Hogan, Shawn Michaels, Stone Cold Steve Austin. Das waren 2013 John Cena, 2014 Batista, 2016 Triple H und 2017 Randy Orton. Für alle war es der zweite Triumph.

Ich verstehe das durchaus. Es ist tatsächlich sogar ein Grund, warum ich das Rumble Match eigentlich mag: Es ist eines der letzten wirklich historisch bedeutsamen Matches in der heutigen Zeit, ein zentraler Anlaufpunkt in einer Zeit von Überflutung. An die Gewinner des Royal Rumble Matches, an die erinnert man sich, und an die wird man sich noch lange erinnern, vielleicht für immer. Die kann und soll daher auch nicht jeder gewinnen. Da gewinnt nur die Elite. Sonst würde die Liste der Sieger nur verwässern und ihre Erinnerungswürdigkeit verlieren.

Ich mag diesen Gedanken an das Rumble-Match durchaus, nur ist es im Moment selbst halt immer ziemlich ärgerlich, wenn gerade wieder einer von denen gewinnt, die einem sowieso schon seit Jahren zum Halse raushängen. Und wenn keiner von denen gewann, dann eben einer der aufstrebenden Wrestler, die drohten, genau in diese Nerv-Kerbe zu schlagen. Alberto Del Rio 2011, Sheamus 2012, Roman Reigns 2015. Mit allen dreien konnte ich nichts anfangen, über alle drei habe ich mich als Sieger geärgert.

Hohe Enttäuschungsanfälligkeit beim Royal Rumble

Und wenn ich mir vor Augen halte, dass man Reigns 2018 wieder als Sieger auf dem Zettel haben muss – schließlich ist längst bekannt, dass er im Main Event von WrestleMania 34 auf Brock Lesnar treffen soll –, verfliegt meine Vorfreude im Nu. Aber noch ist es nicht so weit, und sicher schon gar nicht. Denn das ist eine große Stärke des Royal Rumbles: Es ist immer mehrere Kandidaten, es gibt immer Hoffnung auf den persönlichen Favoriten. Die Enttäuschungsanfälligkeit ist natürlich hausgemacht, aber die Vorfreude kommt halt doch immer wieder.

Es gibt neben Universal Champion Brock Lesnar noch einen zweiten World Champion in der WWE. Der heißt AJ Styles, und der freut sich auf einen möglichst hochkarätigen WrestleMania-Gegner, sollte er bis dahin noch Champion sein. Wer kommt in Frage? Jinder Mahal ist nach verlorener Fehde und Degradierung in die Midcard wohl erst mal aus dem Rennen. Kevin Owens und Sami Zayn, so sie denn beim Royal Rumble verlieren, wohl auch. Denn die Historie zeigt: In den seltensten Fällen ist der Rumble-Gegner eines Champions auch sein WrestleMania-Gegner.

Wer bleibt dann noch bei SmackDown Live übrig? Klar, wieder einmal Randy Orton. Gegen AJ Styles hatte er noch keine Fehde, WrestleMania wäre nicht dumm als Bühne für zwei der größten Stars bei SmackDown. Aber sein dritter Rumble-Sieg und sein zweiter in zwei Jahren? So eine herausragende Stellung hat er in der WWE dann doch nicht mehr. Es war in den vergangenen Monaten nach WrestleMania schon überraschend, wie selten Orton noch als zentraler Act der Show gefeatured wird.

Buchmacher sehen Shinsuke Nakamura als Favoriten 2018

Die Wettanbieter sehen zurzeit Shinsuke Nakamura als Favoriten für den Rumble-Sieg. Ob das realistisch ist? Naja, zuletzt war er nichts mehr als der ziemlich zufällige Tag-Team-Partner von Randy Orton gegen Kevin Owens und Sami Zayn. Von seinen bisherigen sieben PPV-Matches in der WWE hat er gerade mal zwei gewonnen, eine echte Fehde ist schon ein Weilchen her. Aber zugegeben, wer bitte hatte vergangenes Jahr Randy Orton ernsthaft auf dem Zettel, bevor ihn die Buchmacher zum Favoriten erkoren? Bei NJPW Wrestle Kingdom, Japans WrestleMania, hat Nakamura außerdem bereits einmal gezeigt, zu was er mit AJ Styles in der Lage ist.

Der King of Strong Style ist zweifelsohne kein schlechter Tipp. Aber bei den Kollegen von Cagesideseats.com bin ich kürzlich auf meine neue Lieblings-Theorie für den Rumble gestoßen. Mit einem scheinbar ganz abwegigen, aber umso interessanteren Rumble-Sieger: Dolph Ziggler. Ja, der Dolph Ziggler, das verstoßene Stiefkind der WWE, der Unterbewertete, der, der in den Vorjahren froh sein konnte, wenn er es überhaupt auf die WrestleMania-Card schafft. Der, der Lichtjahre vom Eliten-Status eines Cena, Reigns und Co. entfernt ist. Der soll jetzt das Rumble-Match gewinnen?

Ja! Also vielleicht! Die Idee dahinter ist zumindest recht clever. Bei Clash of Champions hatte Ziggler noch die WWE United States Championship von Baron Corbin gewonnen. Bei SmackDown Live trat er dann nur zwei Tage danach den Titel kampflos ab, verzog sich heimlich, still und leise, und ist seit Mitte Dezember nicht mehr vor WWE-Kameras aufgetreten.

Dolph Ziggler als Royal-Rumble-Sieger? Clevere Idee!

Es gab immer wieder Gerüchte über die Unzufriedenheit von Ziggler und seinen möglichen Abgang aus der WWE. Aber das hier, das ist ganz offensichtlich der Beginn einer Story. Sonst hätte man ihn den Titel ja nicht gewinnen und dann publikumswirksam direkt danach wieder abtreten lassen. Aber für was? Um irgendwann zurückzukehren und wieder mit dem nun neu gekrönten Bobby Roode und Co. um den US Title zu fehden? Nee, dann hätte er das Gold ja gleich behalten können.

Und da muss man anknüpfen: Warum hat er den Titel überhaupt abgegeben? Ganz einfach: Weil er unter seinem Niveau ist! Nach zehn Jahren Mittelmäßigkeit will Ziggler endlich mehr! Ob Heel oder Face – Ziggler könnte mit der großen Underdog-Vergangenheit zu WrestleMania fahren und dort vielleicht sogar nach dem Magic Moment streben, den die WWE dort so sehnlichst sucht und braucht. Wie Eddie Guerrero. Wie Daniel Bryan. Und verdammt, Ziggler gegen AJ Styles? Match des Jahres incoming!

In nur drei Tagen wissen wir mehr. Und dann werden wir auf diesen Artikel zurückblicken und lachen. Oder weinen. Weil doch Roman Reigns gewonnen hat. Oder ein ganz anderer (Shane McMahon?!), und dieser Ziggler-Kram doch nur eine dieser kruden Theorien vor dem Royal Rumble war, an die man sich jedes Jahr klammert und die im Nachhinein total bescheuert wirken. Wobei: Genau das ist doch auch ein Grund, warum man das Royal Rumble Match einfach lieben muss.

Letzte Änderung am Freitag, 26 Januar 2018 20:24

Meistgelesene Artikel (alltime)

Kalender

« Juni 2018 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30