#WWEManchester: WWE-Tapings in Europa - Erfahrungsbericht und Guide Empfehlung

  • 24 November, 2017
  • geschrieben von  Susi Fuchss
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Seit ich 2013 „versehentlich“ in der Woche der WWE-Tapings in London war, habe ich mich jedes Jahr wieder auf die Reise dorthin gemacht, um mir RAW und SmackDown live anzusehen. Dieses Jahr jedoch war ich zu spät dran – und als ich mich dazu entschlossen hatte, wieder hinzufliegen, gab es für RAW nur noch miserable Tickets im vierten Rang. Und das ist es dann doch nicht wert...

Aber Moment – kommt die WWE nicht zweimal im Jahr für Fernsehaufzeichnungen nach Europa? Und siehe da: Die Herbsttour passte zeitlich sogar deutlich besser in meine Pläne, und in Manchester war ich noch nie!

Gesagt, getan, und so saß ich am Tag des Vor-Vorverkaufs (Tipp: die meisten ausländischen Arenen bieten ihren Newsletter-Abonnenten vorab schon Tickets an) vor dem Rechner. Nur dummerweise konnte man sich keine Sitzplätze aussuchen, sondern bekam „die besten verfügbaren“ Tickets zugewiesen. Nun ja, meiner Meinung nach sind die besten Plätze die auf der Kamera-Seite, da man dort alles von vorne sieht (und nee, ich muss nicht im Bild zu sehen sein). Die wurden aber auch bei mehrfachen Versuchen nie angezeigt... also entschloss ich mich, auf den offiziellen Vorverkauf zu warten, denn dort würde es ja sicher eine Saalplanbuchung geben, ne? Pustekuchen.

Dort war es genau das gleiche Spiel, und es gab nur Tickets auf der On-Camera-Seite, im Innenraum und ganz oben. Für SmackDown entschied ich mich dann recht schnell für einen perfekten Platz am Rang auf der On-Camera-Seite. Für RAW klickte ich – und vermutlich hunderte andere – so oft auf „neue Tickets suchen“, dass irgendwann die gefürchtete „Ausverkauft!“-Meldung kam und ich in leichter Panik das nächste Ticket orderte, das in meinem Einkaufwagen landete. Innenraum – Reihe P. Absolut nicht mein Wunschplatz, da man im Innenraum nichts sehen kann, was außerhalb des Ringes stattfindet, aber hey – es sind TV-Tapings, da gibt es ja eine Leinwand, also halb so wild!

Ein paar Tage nach dem Ticketkauf spielte dann Ariana Grande in der Manchester Arena. :,( Für mich kein Grund, den Trip abzusagen (We're not afraid!), allerdings wartete ich noch etwas damit, meine Flüge zu buchen, für den Fall dass WWE die Shows verlegt. Daher konnte ich auch noch Fozzys Tourankündigung in meine Planung reinnehmen.

Meine England-Tour begann also bei wunderschönem Wetter in Newcastle, wo Fozzy am Abend spielen sollten – und wo sie tagsüber schon bei offenen Türen ihren Soundcheck abhielten. Das Konzert war grandios, und auch wenn ich Chris Jerichos Rockstar-Allüren doch sehr überzogen finde – am Ende habe auch ich „Fozzy! Fozzy! Fozzy!“ und „We sold out!“ (es war ausverkauft) skandiert. Und im Gegensatz zum letzten Konzert hat Chris diesmal auch alle Töne getroffen, das Konzert war also auch musikalisch klasse! (Dass ich später auf meinem Handy ein Video gefunden habe, wo man keinen Unterschied im Gesang hört, als er das Mikro bei einer Zeile nicht am Mund hat, vernachlässigen wir mal... ;-))

Kauft niemals Innenraum-Tickets für WWE-TV-Tapings!

So, nach so viel Vorgeplänkel jetzt aber endlich zur WWE. Entgegen aller Erwartungen lief der Einlass in die Arena zügig und unproblematisch ab. Beim Anstehen am Getränkestand unten in den Katakomben der Arena dann plötzlich Gejohle – da liefen doch tatsächlich Nia Jax, Jason Jordan und noch zwei andere (ich hab zu spät geschaltet und nur noch die Hinterköpfe gesehen) vorbei! Kurz darauf wurde jemand von Foto-Jägern umringt, und ich begann doch kurz an mir zu zweifeln... OK, ich habe in den letzten Monaten die WWE nicht mehr im Detail verfolgt (ich habe einfach keine fünf Stunden Zeit für RAW und SmackDown jede Woche), aber der Typ kam mir so gar nicht bekannt vor. Dafür hab ich ihn dann später auf einem von der WWE geposteten Foto als Fußballspieler wiedererkannt. ;-)

Zu RAW selbst habe ich dann gar nicht allzu viel zu berichten, außer: KAUFT NIEMALS INNENRAUM-TICKETS! Ich hatte Glück, dass auf einer Seite von mir ein Kind saß – damit konnte ich ein wenig ausweichen, und der Typ neben mir musste nicht komplett auf mir draufsitzen. Auf die Klappstühle passte nämlich kein normaler Mensch drauf. Und egal ob im Sitzen oder im Stehen, sehen konnte man nur das, was über dem untersten Ringseil stattfand. Und die Leinwand? Wurde (im Gegensatz zu früheren TV-Tapings) bis auf Einspieler ausschließlich dazu genutzt, das Logo anzuzeigen. Es war also absolut unmöglich zu verstehen, was gerade passiert. Warum kam Titus O'Neil nie in den Ring? Wie endete Finn Balor vs. Samoa Joe?

Fistbump von einem Uso

Von Anfang an hatte ich die Kamera-Seite im Auge. Interessanterweise saß dort nämlich nur vereinzelt mal hier und dort ein Grüppchen... und von Match zu Match wurde es voller. Offensichtlich waren diese Tickets also überhaupt nicht verkauft worden! Und nachdem ich das Gefühl hatte, das Finn-Balor-Match komplett verpasst zu haben, weil ich nichts sehen konnte, beschloss ich, dass die Sicht dort ganz sicher nicht schlechter sein konnte und zog um... Und den Rest des Abends verbrachte ich damit, mich darüber aufzuregen, wie die WWE die schlechtesten Tickets zum (fast) höchsten Preis verkaufen und die besten Plätze nicht vergeben kann.

Viel mehr gibt es zu RAW aus meiner Sicht leider nicht zu berichten – aufgrund der miserablen Sicht war es für mich doch recht enttäuschend. Die Stimmung war grundsätzlich nicht schlecht, aber rund um mich herum doch eher frustriert (da ja niemand etwas sehen konnte). Und besonders kreative Chants sind mir auch nicht im Gedächtnis geblieben... Aber der Tag-Team-Titelwechsel am Ende war natürlich ziemlich cool und unerwartet!

Der nächste Tag begann für mich dann mit einer Stadtführung, um Manchester ein wenig kennenzulernen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die Stadt touristisch jetzt nicht sooooo viel zu bieten hat, außer ein paar alten Gebäuden wie den Büchereien, dem Rathaus und dem Midland-Hotel. Als die Stadtführerin uns also ins Hotel führte und anfing, über die (nicht wirklich spannende) Geschichte des Restaurants zu berichten, war ich dann doch recht enttäuscht. Dann ging's tiefer ins Hotel rein, vorbei an den wartenden... ähm, warum stehen da Leute mit Fotoapparaten hinter einer Absperrschnur?! Die Stadtführerin fragte den Zwei-Meter-Mann daneben: „Oh, there's some athletes staying at the hotel.“ OK, sicher Fußballer. Drei Korridore weiter („Wusstet ihr, dass sie vergessen haben, im Hotel eine Küche einzubauen?“) fragte sie dann eine Angestellte, ob sie sich heute um die Sportler kümmern würde. „Athletes? I wouldn't call them athletes. They're American pro wrestlers...“

WWE-Stars wenig begeistert von Fans am Hotel

Das war dann der Moment, wo ich mich entscheiden musste, ob ich fangirlig die Führung abbreche oder weiterhin die geschichtsinteressierte brave Mitt-Dreißigerin mime. Eine Viertelstunde später waren wir mit dem Hotel durch und liefen durch den Hinterausgang nach draußen – und standen direkt vor den Bussen und schon wieder auf der anderen Seite der Absperrung zu den Fans. :-O

Ich brauche vermutlich nicht zu sagen, dass ich vom Rest der Führung nicht mehr allzu viel mitbekommen habe. Gelohnt hat die sich aber trotzdem, denn so habe ich die wenigen Sehenswürdigkeiten von Manchester immerhin gesehen (ohne Führung hätte ich sie nie gefunden). Und ich wusste, wo ich danach hinwollte... und siehe da: Die Fans standen immer noch da, und die WWE-ler waren gerade am Einsteigen!

Leider konnte man merken, dass die meisten nicht begeistert von Fans am Hotel waren. Natürlich voll und ganz verständlich, aber trotzdem schade. Einige wenige grinsten in die Menge oder ließen sich um Fotos oder Autogramm bitten (und ich habe einen Fistbump von einem der Usos gekriegt!!!1 *g*), aber die meisten wollten nur auf schnellstem Wege in den Bus. Daher habe ich auch nur ein paar schlechte Paparazzi-Fotos. ;-)

Interessant war die ganze Aktion dennoch: Es gab tatsächlich einen Heel- und einen Face-Bus, plus einem, in dem die UK-Wrestler bis zur Abfahrt „zwischengelagert“ wurden. Besonders die Faces verschwanden sofort in ihrem Bus, während die Heels gerne mal lästerten, dass man sie doch sonst nur ausbuhen würde... Zack Ryder im knallroten Anzug fiel dann doch mehr auf als AJ Styles mit der Kapuze überm Kopf. Carmella musste erst noch zu Starbucks, bevor sie in den Bus steigen konnte. Und ich frage mich, ob irgendjemandem bewusst war, dass sie in der Zeit, die es gebraucht hat, bis alle aufgetaucht und eingestiegen waren, problemlos fünfmal zur Arena und zurück hätten spazieren können. ;-)

Aber definitiv ein spannende Erlebnis! Und gleichzeitig die Erkenntnis, dass sich „Auflauern“ nicht wirklich lohnt, denn Interaktion gibt es praktisch keine.

Ein paar Stunden später war es dann Zeit für SmackDown. Und wow – was für ein Unterschied zu RAW! Einerseits perfekte Sicht auf den Ring und alles drumherum, andererseits ein lauteres und kreativeres Publikum. Und dann auch noch DER Moment, als AJ Styles (der von Anfang an die lauteste Reaktion bekommen hatte) den WWE-Titel gewann. Das Match selbst war extremst spannend, und natürlich rechnete keiner mit einem Titelwechsel im Ausland. Und deshalb flippten alle komplett aus, als das Ergebnis feststand! Ein absoluter Gänsehaut-Moment, und allein dafür hat sich die Reise nach England gelohnt.

Lob ans Manchester-Publikum: Boo the bad guys

205 Live danach interessierte ganz offensichtlich niemanden, und ich vermute, ich war nicht die Einzige, die diese halbe Stunde auf Twitter und Wrestling-Seiten verbrachte... Das Dark Match zum Abschluss muss aber definitiv noch erwähnt werden: Dolph Ziggler und Baron Corbin gegen Shinsuke Nakamura und Bobby Roode. Und nun ja... sie kamen fast nicht dazu, das Match zu starten, da das Publikum mit Chants und Rufen komplett die Regie übernahm. Und da es ein Dark Match war, konnten die vier natürlich auch voll darauf eingehen, und es wurde äußerst unterhaltsam.

Und hier auch ein riesiges Lob ans Manchester-Publikum: Sie haben bis zum Ende der TV-Aufzeichnung gewartet, bevor sie die Show übernommen haben! Und das, obwohl es zurzeit wirklich nicht einfach ist, „richtig“ auf viele der Superstars zu reagieren... denn ein Großteil der (gerade in England) gefeierten Stars sind momentan Heels (Enzo Amore, Kevin Owens). Und es war sehr auffällig, dass beim Rauskommen immer erstmal gefeiert und mitgesungen wurde, bis es dann immer mehr in Buuhs überging. Oder auch bei MizTV zum Beginn von RAW: Vor dem Intro laute „Miz is awesome“-Rufe. Nach dem Intro lautstarkes Buuuuh. Yep, genau so muss das sein – boo the bad guys!

Aber wie erwähnt – DER Moment des Abends war der Sieg von AJ Styles, und ich glaube, das war der beste Ort für ihn, den Titel zu gewinnen. Die Reaktion war absolut unglaublich. Danke Manchester für diese Atmosphäre, und für zwei wunderschöne und ereignisreiche Tage! :-)

Letzte Änderung am Freitag, 24 November 2017 21:12

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