Schwartz, ungesüßt... #15 - Money in the Bank Ladder Matches (Teil 1)

  • 04 Juli, 2013
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Wirkliche Neuerungen sind heutzutage im Wrestling eine Seltenheit geworden. Die Verantwortlichen nehmen meist den leichten Weg und verlassen sich auf etablierte, eingespielte Dinge. Viele Ideen, die nicht sofort zünden und zudem kontroverse Reaktionen hervorrufen, werden schnell fallengelassen. Manchmal ist dann aber doch ein Geistesblitz dabei, der einschlägt wie eine Bombe, und daraufhin selbst zu einer festen Institution wird. Die 15. Ausgabe von „Schwartz, ungesüßt…“ erzählt euch die Geschichte vom ersten Money in the Bank Ladder Match überhaupt.

Wir schreiben das Jahr 2005, das der Ursprung allen heutigen Grauens ist. John Cena machte damals auf der Road to WrestleMania den endgültigen Sprung zum Top Dog der Liga. Gemeinsam mit Batista gewann er den Royal Rumble und durfte daher um den WWE Championship von JBL antreten. Wie wir alle leidvoll wissen, sollte es nicht das einzige Mal bleiben, dass der Doctor of Thuganomics eine Behandlung erfolgreich abschloss und sich Gold um die Hüften schnallte. Auch der andere Battle-Royal-Sieger aus dem Januar durfte am 3. April 2005 bei WrestleMania XXI seinen großen Traum verwirklichen. Batista stand in Los Angeles, CA im Main Event gegen Triple H und nahm seinem ehemaligen Mentor bei Evolution den zu dieser Zeit höchsten Titel bei World Wrestling Entertainment ab. Drittes Highlight dieser 21. Ausgabe von WM war ein Interpromotional Match zwischen Shawn Michaels (RAW) und Kurt Angle (SmackDown), dem eine verbissene Fehde vorausging. Und Randy Orton versuchte während seines Heel Turns zum Legend Killer, die Streak des Undertaker zu brechen. Richtig große Aufmerksamkeit bekam im Vorfeld aber auch jenes Match, bei dem sechs Superstars sich um einen Koffer kabbelten, der von der Decke hing.


Die Geschichte

Die offizielle Version ist, dass Chris Jericho die Idee zu Money in the Bank hatte. Der hielt 34 Tage vor WrestleMania XXI eine Promo, in der er seinen Einfall der Welt präsentierte. Er sprach von den bisher feststehenden Matches und wie alle bei diesem einen PPV im Jahr Geschichte schreiben wollen. Deshalb wollte Y2J sich und fünf anderen Elite-Superstars, „the Chance of a Lifetime“ geben.

General Manager Eric Bischoff gefiel der Vorschlag und er stellte in der Woche drauf fünf Teilnehmer vor. Alle kamen von RAW, die Leute von SmackDown waren nicht zugelassen, weil die Shows damals Konkurrenten waren. Zu den Auserwählten zählten Edge, der von einem Ladder Match nicht sonderlich begeistert war, dann aber doch zustimmte, Christian, Shelton Benjamin, Chris Benoit und natürlich der Initiator Chris Jericho. Den sechsten Kämpfer ließ der GM noch im Dunklen, enthüllte aber, dass ein Aktenkoffer mit Vertrag über dem Ring hängen würde, der einen Shot auf den World Heavyweight Championship in den nächsten zwölf Monaten garantiert. Zu jedem Zeitpunkt.

Für einen Vorgeschmack setzte Bischoff nun drei Einzelmatches fest. Christian war als Erster dran und sollte auf den Überraschungsgegner treffen. Dieser entpuppte sich als Kane, der zwar per Chokeslam gewann, danach aber von Captain Charismas Problemlöser Tyson Tomko mit einer Leiter umgehauen wurde. Edge besiegte danach per Low Blow und Edgecution Chris Jericho, bevor Chris Benoit seinen Kontrahenten Shelton Benjamin im Crossface zur Aufgabe zwang.

Weiter ging es sieben Tage später, als Chris Jericho sein Highlight Reel von der obersten Sprosse einer Leiter moderierte und versprach, bei WrestleMania neue Höhen zu erreichen. Kane bekam seine Rache in einem 2 on 1 Handicap Match gegen Christian und Tomko, das er wieder mit dem Chokeslam zu seinen Gunsten entschied. Zudem benutzte er eine Leiter, um den Bodyguard von Captain Charisma aus den Latschen zu hauen. Edge bekam eine Chance auf den Intercontinental Title von Shelton Benjamin, konnte sie aber nicht nutzen, weil der Referee K.o. ging und der Champion eine vom Rated R Superstar ins Spiel gebrachte Leiter einsetzte.


Zur Abwechslung gab es am 21. März 2005 mal ein Tag Team Match. Für Nostalgiker großartig, denn Edge und Christian feierten ihre Reunion und durften auch gleich Chris Jericho und Shelton Benjamin besiegen. Zwar unfair durch einen Schlag mit dem IC-Gürtel, aber das kennt man ja nicht anders von E&C. Als sie danach gemeinsam mit Tomko weiterhin auf die Faces einprügelten, kam Chris Benoit zur Rettung geeilt. Das führte zu einem Match des Canadian Crippler gegen den Problem Solver, das Ersterer mit dem Crossface gewann.

Sechs Tage vor WrestleMania XXI bekamen wir das übliche Rededuell vorgesetzt, wer denn nun warum das Money in the Bank Ladder Match gewinnt. Jericho begründete es damit, dass er schon einmal Geschichte geschrieben hatte, als er erster Undisputed Champion wurde. Chris Benoit und Shelton Benjamin behaupteten von sich, dass sie der hungrigste Wrestler in diesem Match seien. Klar, mit vollem Magen würde ich auch nicht in den Ring steigen. Christian brachte Tomko mit und wies darauf hin, dass er schon zwei Ladder Matches bei WrestleMania gewonnen habe, während Edge die gleichen Argumente vorbringen konnte. In einem Debattierclub würden die Jungs sicherlich wenige Chancen haben. Das ahnten sie wohl selbst, als der obligatorische Massen-Brawl ausbrach.

Wie gut, dass man seine Animositäten in einem Six Men Tag Team Match klären kann. Und das, obwohl Teddy Long gar kein General Manager von RAW war. Jedenfalls wollte man vermutlich keinen der Teilnehmer im Vorfeld zu sehr schwächen, weshalb es Tomko war, der in den Walls of Jericho tappen durfte. Moment, da fehlt doch noch einer. Kane war gleich nach dem Ertönen des Ringgongs an der Reihe und knockte alle anderen mit einer Leiter aus, die er abschließend bestieg, um zu demonstrieren, was seiner Ansicht nach beim größten PPV des Jahres passieren wird.

Ich glaube, dieses Match hätte man einen Tag vor dem PPV ohne große Storyline ankündigen können und die Erwartungen wären dennoch in kürzester Zeit durch die Decke geschossen. Wer braucht eine Geschichte, wenn fünf von sechs Athleten einem in Kombination mit dem Wort „Leiter“ das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen?! Edge, Christian, Jericho, Benoit, Shelton Benjamin – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Hier lag definitiv ein Showstealer in der Luft.


Das Match

Als erster Kandidat machte sich der offizielle Erfinder von Money in the Bank auf zum Ring. Chris Jericho trug damals einen Vollbart und schulterlange Haare. Ihm folgte Christian gemeinsam mit seinem Problemlöser Tyson Tomko. Chris Benoit war noch im Vorjahr beim selben PPV erstmalig in seiner WWE-Karriere World Heavyweight Champion geworden und wollte nun den ersten Schritt auf dem Weg zurück Richtung Thron gehen. Shelton Benjamin, damals gerade auf dem Höhepunkt seines Schaffens und Intercontinental Champion, bekam ein Feuerwerk spendiert. Eine Andeutung dessen, was noch kommen würde, denn er selbst brannte während des Matches auch ein solches ab. Mit der Startnummer fünf: Edge. 2005 ganz nahe am Main Event, aber eben noch nie World Champion und besessen davon, sich seinen Traum zu erfüllen. Zu guter letzt noch Kane, dessen Pyro dafür sorgte, dass die Leitern im Entrance-Bereich allesamt Feuer fingen. Ein beeindruckendes Bild, vor dem auch sogleich ein Massen-Brawl entbrannte.

Das erste Highlight ließ nicht lange auf sich warten. Chris Jericho sprang mit einem Plancha über das oberste Seil auf Edge. Christian tat es ihm gleich und landete mit seinem Move auf dem Rated R Superstar, Y2J und Chris Benoit. Die Flugstunde ging wenige Sekunden später weiter. Mit viel Anlauf und enormer Sprungkraft hüpfte Shelton Benjamin übers Top Rope ohne jenes zu berühren. Draußen waren gleich fünf Mann – inklusive Tomko – zur Stelle, um die Landung zu erleichtern. Und dann erklomm noch Kane den Turnbuckle und tauchte ohne Rücksicht auf Verluste in die auf dem Beton stehenden Gegner. Wow, eine fantastische Sequenz und schon war das Publikum auf den Beinen.


Dann kamen auch die Leitern als Waffen ins Spiel. Während die Big Red Machine so eine in den Händen hielt, fraß er einen herrlichen Missile Dropkick von Chris Jericho. Christian und Edge ließen gute alte Con-chair-to-Zeiten wieder aufleben und quetschten Kane wuchtig zwischen zwei der Kletterhilfen ein.

Das große rote Monster war damit erst einmal gezähmt und die restlichen fünf Athleten durften wieder eine spektakuläre Szene präsentierten. Alle erklommen sie gleichzeitig drei Leitern. Captain Charisma packte sich den Rabid Wolverine und riss ihn mit einem Arm Breaker in die Tiefe. Es war aber erneut Shelton, der allem die Krone aufsetzte. Sein T-Bone Suplex gegen Edge aus dieser Höhe sah genial aus. Holy Shit!

Als ob das nicht schon genug gewesen wäre, nutzte er kurz darauf eine Leiter, die an ihresgleichen angelehnt war. So entstand eine Rampe, auf der der IC Champ nach oben rannte, um Y2J mit einer Running Clothesline nach unten zu kloppen. Holy Shit zum Zweiten! Interessante Beobachtung am Rande: Auf der Matte tat Christian gerade so, als ob er sich an der Rampenleiter hochziehen wollte. In Wirklichkeit hielt er diese aber fest, damit sie nicht aus den Sprossen der stehenden Leiter rutscht. Man sieht also, dass hier Profis am Werk waren, die jeden Höhepunkt zuvor minutiös durchgeplant hatten.

Benjamin sorgte allerdings auch für einen kleinen Botch. Kane wollte ihn aus dem Ring chokeslamen, doch das Bein seines Opfers verhedderte sich zwischen zweitem und dritten Seil, so dass er wie ein nasser Sack von dort runterhing.


Eine weitere Selbstreferenz war dann Christian zu verdanken. Der wurde von Tomko auf die Schultern genommen, um gemeinsam Richtung Koffer zu klettern. Erst 2001 hatten E&C so bei TLC II den Tag Team Title gewonnen, nur damals mit Rhyno als Unterstützung. Dieses Mal klappte das Manöver allerdings nicht. Kane entsorgte Tyson und brachte die Leiter so zum Kippen, dass Captain Charisma von ganz oben aus dem Ring auf seinen Bodyguard segelte. Ein ekstatischer Jim Ross sprach an dieser Stelle zurecht von „human carnage“.

Zeit zum Durchschnaufen blieb nicht, denn auch Benoit wollte nochmal zeigen, wie extrem er ist. Erst plättete er Kane, nur um dann mit einem Swandive Headbutt von einer Leiter aus der Ecke auf ihn hinterher zu segeln. Holy Shit again! Dabei öffnete sich logischerweise eine Platzwunde beim Canadian Crippler, denn er war erst Tage zuvor mit 25 Stichen an der Stirn genäht worden.

Der blutende Schädel störte Benoit wenige Momente später nicht, den ebenfalls erholten Kane mit Kopfstößen (!) von den Sprossen zu befördern. Alles sah danach aus, wie wenn Chris sich den Vertrag abhängen konnte, aber keiner rechnete mehr mit diesem einen Opportunisten. Edge hatte sich einen Stuhl geschnappt und hämmerte den brachial auf den Arm des anderen Kanadiers. Vor Schmerzen schrie dieser laut auf und purzelte gen Matte. Der Weg war frei, damit der Rated R Superstar zu lauten Buh-Rufen der erste Mr. Money in the Bank werden konnte.


Als Fazit würde ich behaupten, dass man eine gute Viertelstunde nicht besser mit Action füllen kann. Klar, 15 Minuten sind für ein gutes Ladder Match eigentlich zu wenig, vor allem mit sechs Teilnehmern. Das sollte sich normalerweise langsamer entfalten und nicht in diesem Tempo fünf Figuren aus dem Spiel nehmen müssen. Aber die Superstars machten das Beste aus ihrer Zeit und fabrizierten gleich mehrere Momente, die sich sofort  in die Netzhaut einbrennen und bei denen man immer wieder Repeat drücken möchte.

Noch dazu darf man nicht verkennen, dass wir es hier mit einem wirklichen Klassiker zu tun bekamen. Die Money-in-the-Bank-Idee wurde seither zu einer festen Institution bei WWE. Ganz einfach, weil der jederzeit einlösbare Vertrag, die perfekte Möglichkeit ist, einen Uppercarder auf die nächste Stufe zu heben. Aber auch nicht zuletzt, weil Edge, Christian, Shelton Benjamin, Kane, Chris Jericho und Chris Benoit im Jahr 2005 eindeutig die Show gestohlen haben und alle von den Sitzen rissen. Meiner Ansicht nach hatten es alle danach folgenden Kämpfe dieser Art schwer, den hier gesetzten Standard in irgendeiner Form zu toppen.


 And the winner is...


"Holy Shit"-Award:

  • Shelton Benjamin verpasst Edge einen T-Bone Suplex von der Leiter.
  • Mit einer Leiter als Rampe, die an einer anderen Leiter angelehnt ist, holt Shelton Benjamin mit einer Running Clothesline Chris Jericho von der obersten Sprosse.
  • Chris Benoit verpasst Kane einen Swandive Headbutt von der Spitze einer Leiter.


"What the Fuck"-Award

  • Die Beine von Shelton Benjamin verfangen sich bei einem Chokeslam zwischen zweitem und drittem Seil und er hängt da, wie ein Sack Kartoffeln.


Natürlich kann ich euch gerade bei so einem Spotfest lediglich einen Abriss dessen geben, was eigentlich passiert ist. Es waren noch ein ganzer Haufen Aktionen mehr dabei, die unheimlich riskant, aber vielleicht gerade deshalb auch herrlich spektakulär waren. Aber was rede ich, schaut es euch doch einfach selbst in der folgenden 3-Minuten-Zusammenfassung an. Erlaubt mir nur noch kurz, mich zu verabschieden und euch schon auf die nächste Ausgabe neugierig zu machen. Die befasst sich dann mit dem zweiten Money in the Bank Ladder Match.

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Letzte Änderung am Sonntag, 07 Juli 2013 18:57

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