Schwartz, ungesüßt... #11 - Elimination Chamber Matches (Teil 5)

  • 07 März, 2013
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schwartzartikellogoNachdem ich die letzten zwei Ausgaben von „Schwartz, ungesüßt…“ in der Gegenwart verbracht habe, will ich mich heute mal wieder mit der Vergangenheit beschäftigen. Dieses Mal reisen wir gemeinsam ans Ende des Jahres 2006. Genauer gesagt an den 3.12. zum December to Dismember nach Augusta, GA. Ein WWECW-Großereignis, dessen Name Programm war. Denn nach der Ausstrahlung rollten tatsächlich Köpfe, so schlecht war dieser PPV.

Das fing schon damit an, dass nur zwei Matches überhaupt angekündigt wurden. Genauer gesagt jenes, um das es heute gehen soll und ein Tag Team Match zwischen den Hardy Boyz und MnM (übrigens das einzig Gute bei der gesamten Veranstaltung).  Zudem wurde das zahlende Publikum mit spontanen Kämpfen wie Mike Knox & Kelly Kelly vs. Kevin Thorn & Ariel oder Balls Mahoney vs. Matt Striker gequält. Bei einem PPV wohlgemerkt. Alle Hoffnungen ruhten nach fast durchweg grauenhaften Stunden auf dem Main Event, der ersten – und letzten – Extreme Elimination Chamber der Geschichte. „Extreme“ sollte diese deshalb sein, weil auch ein paar Waffen in den Käfig gepackt wurden, die die Teilnehmer nach Herzenslust benutzen durften.


Die Geschichte

2006 war das Jahr, in dem die ECW ein dauerhafter Teil des wöchentlichen WWE-Programms wurde. Nach dem Erfolg von One Night Stand 2005 sollte die extreme Liga ein eigener Brand neben SmackDown und RAW werden. Um die neue Show zu pushen ließ man Rob van Dam beim ONS im Juni 2006 sogar den WWE Title von John Cena gewinnen. RVD verbrachte seine Zeit aber lieber mit seinen Kumpels Sabu und Mary Jo Anna, if you smell, what the Black is smoking. Also wurde der kleine Kiffer suspendiert und musste seinen WWE Championship relativ schnell wieder an Edge abgeben. Den ECW Title, den er parallel hielt, durfte er an Big Show verlieren. Hiermit leitete man auch den Heel Turn von General Manager Paul Heyman ein, der per Screwjob für die Entscheidung sorgte und sich so auf die Seite des World’s largest Athlete schlug. Nach ein paar kleineren Fehden von Big Show war auch schon Rob van Dam von seiner Suspendierung zurück und musste sich von Heyman schikanieren lassen, während er sich langsam wieder nach oben kämpfte.

In einem Ladder Match ergatterte RVD einen Titleshot. Er kündigte an, diesen beim December to Dismember einlösen zu wollen. Wieder hatte allerdings Paul Heyman den letzten Lacher auf seiner Seite. Zwangsweise sicherte er van Dam die Titelchance zu, machte das Match aber gleichzeitig zur ersten Extreme Elimination Chamber der Geschichte. The Whole F’n Show würde damit nicht nur gegen einen, sondern gegen fünf Gegner antreten müssen, um wieder Champion zu werden.


Die restlichen Herausforderer wurden – wie sollte es anders sein – in Qualifikationsmatches ermittelt. Sabu besiegte Kevin Thorne, CM Punk behielt gegen Mike Knox die Oberhand und Test triumphierte über Tommy Dreamer. Den letzten Platz wollte Paul Heyman als Wild Card offen lassen, für jeden Wrestler, der sich traut – egal ob ECW, RAW oder SmackDown.

Als Rob van Dam eine Woche später an der Seite von Hardcore Holly gegen The Big Show und paul Heyman antrat, wurde er von seinem eigentlichen Partner hintergangen. Holly verpasste ihm den Alabama Slam auf einen Stuhl und stand anschließend gemeinsam mit den Heels triumphierend über einem gefallenen van Dam. Als Belohnung dafür sollte er den finalen Spot in der Extreme Elimination Chamber erhalten. Die Bösewichte hatten ihre Rechnung aber ohne Bobby Lashley gemacht, denn der wollte auch in das Match. Also räumte er kurzerhand Hardcore Holly aus dem Weg, plättete Big Show mit einem Spear und unterzeichnete selbst den Vertrag.

Dafür steckte Heyman ihn in ein One on One mit Holly. Lashley gewann durch Disqualifikation, weil Big Show ihn attackierte. Auch die anderen EEC-Teilnehmer stürmten den Ring und der unvermeidliche Massenbrawl brach aus. An dessen Ende standen nur noch Bobby und Robbie auf den Beinen und praktizierten den typischen Staredown.


Natürlich wurde der PPV Main Event auch mit Promos ein bisschen gehypet. CM Punk beispielsweise verglich das Szenario und seine Rolle darin mit einem Kind im Süßigkeitenladen. Er liebe Herausforderungen und freue sich, gegen die fünf besten ECWler anzutreten. Wobei die Bewertung seiner Gegner subjektiv war. Ich persönlich fand damals, dass der Möchtegernvampir Kevin Thorn eindeutig der Top Dog des Brands war. Aber schalten wir die Ironie lieber wieder aus. Auch Big Show sprach über die Extreme Elimination Chamber, die er als das barbarischste Match aller Zeiten betrachtete. Und das, obwohl er einige Zeit zuvor noch als Ersatz für The Great Khali in einem markerschütternden Punjabi Prison Match gegen den Undertaker gestanden war. Ups, jetzt bin ich schon wieder in den Sarkasmus-Modus verfallen, tut mir leid.

Weil Rob van Dam immer noch ein Dorn im Auge von Paul Heyman war, legte dieser kurzerhand fest, dass RVD seinen Spot in der Chamber gegen Hardcore Holly aufs Spiel setzen muss. Mr. Monday Night triumphierte und durfte seinen Platz in der Kammer des Schreckens behalten. Nebenbei prügelten sich in der selben Woche auch Bobby Lashley und Big Show ein weiteres Mal. Die drei Hauptdarsteller standen somit fest, die restlichen Teilnehmer mussten sich vermutlich mit den Nebenrollen begnügen.


Dafür standen sie in der letzten Show vor dem December to Dismember noch einmal im Mittelpunkt. Denn Heyman verordnete Einzelmatches als Therapie für die ganz Ungeduldigen. Rob van Dam besiegte seinen Kifferkumpel Sabu, bei Test und CM Punk kam es nach einer wüsten Prügelei zu einem Double Count Out. Der Kampf zwischen Bobby Lashley und The Big Show endete im No Contest, weil eine ganze Horde von Heels den Face ganz böse malträtierte.
Der Tisch war damit endgültig gedeckt – sollte man zumindest meinen. Beim PPV selbst passierte aber nochmal eine entscheidende Veränderung. Sabu lag nämlich plötzlich bewusstlos im Backstage-Bereich und wurde in einem Krankenwagen abtransportiert. Paul Heyman bestimmte daraufhin Hardcore Holly als Ersatz. Das Publikum quittierte das mit „Bullshit“-Chants. Es sollten bei weitem nicht die letzten an diesem Abend bleiben. Aber lest selbst.


Das Match

ECW Championship
Extreme Elimination Chamber Match
Rob van Dam vs. Hardcore Holly vs. CM Punk vs. Test vs. Bobby Lashley vs. The Big Show (c)

Bevor es losgeht kommt Paul Heyman in die Halle. Zur Sicherheit hat er zwei Security-Kräfte dabei, die ihre Gesichter unter Stahlhelmen verstecken. Quasi der Hansi-Flick-Gedächtnis-Fettnäpfchen-Dresscode. Der General Manager sagt, dass Hulkamania mit Hogan sterben werde, die Whooos würden verschwinden, wenn Ric Flair tot ist, aber ECW würde ewig weiterleben. Ich würde behaupten, sowas nennt man einen massiven Irrtum. Wo wir schon bei den Epic Fails sind: Heyman ergänzt, dass die Originals zum alten Eisen gehören und Big Show die ECW als Champion ins neue Jahrtausend führen könne. Außerdem seien in der Extreme Elimination Chamber sechs der besten ECWler aller Zeiten vertreten. Ich nehme an, er meint vor allem Hardcore Holly. Paul hypet noch die tollen Waffen in dem Käfig und freut sich, dass er sich selbst übertroffen hat. All diejenigen, die den schlechtesten PPV der 2000er Jahre gesehen haben, werden wissen, dass er das eigentlich nur zutiefst zynisch gemeint haben kann.

Zeit für die Einzüge der Wrestler. Ein frisch aufstrebender CM Punk trug zu dieser Zeit lange Haare auf dem Schädel, während der größte Unterschied bei Test von damals zu heute war, dass er 2006 noch atmete. Bobby Lashley ist für mich einer der am meisten overpushten Wrestler der letzten zehn Jahre. Der Kerl hatte einfach gar nix außer Muskeln. Kein Charisma, keine Selling-Skills, kein Micwork und nur ein Gesichtsausdruck. Bei Big Show war das die Zeit, als er total außer Form war, einen unheimlichen Kessel vor sich her schleppte und nach nur einer Aktion schon schnaufte wie eine rostige alte Lok. Und dann waren da noch Rob van Dam und Hardcore Holly, die im Ring beginnen durften.


RVD sprang im Spiderman-Style an den Käfig, verpasste sich beim Absprung aber selbst einen Slingshot, weil Holly auswich. Letzterer hatte keine Eile, irgendwelche Aktionen zu zeigen, packte dann aber doch einen Slam auf den Stahl aus. Van Dam hingegen ist ja für sein hohes Tempo bekannt und das bewies er auch bei einem Rolling Thunder aus dem Ring auf den harten Untergrund. Nach vier Minuten lieferten sich die zwei Athleten schon einen Schlagabtausch auf den Knien, der wirkte, wie wenn sie schon zehnmal so lang kämpfen müssten. Sehr agil dafür anschließend der Dropkick von Hardcore Holly, den ich nach wie vor als einen der besten Moves dieser Art im Business betrachte. Sehr saubere und hohe Ausführung.

CM Punk enterte als nächster den Ring und mit im Gepäck hatte er einen Stuhl. Den nutzte er auch gleich für einen Legdrop gegen Rob van Dam, der daraufhin ordentlich blutete. Verstärkt wurde das, als RVD mit dem Kopf voran gegen die Sitzmöblierung musste, die zuvor zwischen die Turnbuckles gesteckt wurde. Holly punktete weiterhin mit seiner langsamen aber effektiven Vorgehensweise. Der Superplex gegen Punk war klasse.

Nun wurde Test aus seiner Kammer entlassen und mit ihm betrat ein Brecheisen die Szenerie. Mit dem Werkzeug ritzte der Steroidbomber zunächst der Whole F’in Show in die Stirn, bevor er CM Punk würgte. Nach einem Stuhlschlag lag Test allerdings erst mal flach. An dieser Stelle waren die Waffen eigentlich eine sehr nette Ergänzung zum normalerweise sowieso nicht zimperlichen Geschehen in der Elimination Chamber.


Allerdings ging es ab jetzt schon steil bergab mit dem Match. RVD verpasste CM Punk mit Hilfe des Stuhls einen Van Daminator und setzte mit einem perfekten Five Star Frogsplash nach. 1… 2… 3, das Ende für den damaligen Rookie. Auch Hardcore Holly wurde wenige Sekunden später von Test eliminiert, allerdings war hier ein gewaltiger Botch des Referees im Spiel. Test knockte Hardcore Holly mit einem Big Boot aus und coverte. Der Ringrichter hörte deutlich sichtbar bei Zwei einfach mit dem Zählen auf, entschied aber nach einer kurzen Phase der Verwirrung, dass es Drei war. Im Nachhinein machte das den Kohl auch nicht mehr fett, denn das ganze Booking wurde nur noch schlimmer.

Rob kickte Test aus den Latschen und wollte mit einer High Flying Aktion nachsetzen. Aber welche Kammer suchte er sich aus, um von dort runter zu springen? Natürlich genau die von seinem Erzfeind Big Show. Klar, dass der Mr. Monday Night an den Füßen festhielt, bis Test wieder fit war und van Dam von dort brachial runterwerfen konnte. Test drapierte noch den Stuhl über RVDs Gesicht und stieg nun selbst auf die Kammer. Von dort landete der Zwei-Meter-Mann mit einem krachenden Flying Elbow punktgenau auf dem Stuhl und damit der Fresse von Rob van Dam. Holy Shit! Bis heute eine der genialsten Aktionen, die je in einer Elimination Chamber gezeigt wurden. Klar, dass dies das Ende des Publikumslieblings bedeutete.

Die Uhr zeigte noch über eine Minute an und Test stand in dieser Zeit ganz alleine im Ring. Die Fans starteten angesichts des katastrophalen Timings und der drei viel zu schnell hintereinander folgenden Eliminierungen die ersten „Bullshit“-Chants. Verständlich, denn was sie sich bei diesem Booking gedacht haben, werden die Match-Schreiber heute wohl selbst nicht mehr wissen.


Dass als nächstes Bobby Lashley aus seiner Kammer entlassen wird, war angesichts der Heel-Face-Konstellation klar. Die Security von Paul Heyman wollte ihn aber nicht rauslassen. Aber selbst ist der Muskelprotz. Lashley schnappte sich den in seiner Kammer befindlichen Tisch, zerstörte damit die Ketten oben und kletterte einfach raus. Stahlketten mit einer Pressholzplatte zu zerstören ist fast noch besser, wie wenn kugelsicheres Glas durch einen menschlichen Körper zu Bruch geht.

Test sah kein Land gegen Bobby und wurde regelrecht auseinander genommen. Zweimal schmetterte Lashley ihn gegen eine der Kammern, zog ihm dann das Brecheisen über und pulverisierte ihn mit dem Spear. Somit war auch Test raus und wieder stand noch mehr als eine Minute auf der Uhr, bis der nächste Teilnehmer in den Ring durfte. Während der uncharismatische Klops den Stuhl gegen das Plexiglas warf, brüllte das Publikum zurecht „This is Bullshit!“ Ich nehme schwer an, dass diese Vorgehensweise beim Booking an den konditionellen Defiziten des Champions lag. Anders lässt es sich nicht erklären, dass man den letzten Mann erst in den Ring lässt, wenn vier Wrestler schon längst ausgeschieden sind.

Es lief also auf den Showdown der Rivalen Big Show und Bobby Lashley hinaus. Der eine bewaffnet mit einem Barbed Wire Baseballbat, der andere mit einem Stuhl. Lashley verwendete den Stuhl als Schutzschild, bis Big Show einmal daneben schlug und sich seine Waffe im Maschendrahtzaun verfing. Das Publikum rief an dieser Stelle deutlich hörbar „TNA! TNA!“ Die Höchststrafe.

Bobby warf Biggie gegen den Maschendrahtzaun. Der World’s largest Athlete fing daraufhin an zu bluten und vor allem deftig zu sabbern. Als nächstes knallte Big Show zweimal voll durch das Plexiglas. Er hatte aber noch Kraft übrig, um den Chokeslam anzusetzen, allerdings wandelte Lashley die Aktion in einen DDT um. Nach ein paar weiteren Sekunden erledigte der Herausforderer den Champion in einem ganz mies getimten Konterfinish mit dem Spear und sicherte sich so den Titel. Auf der Rampe feierte Bobby Lashley mit dem selben Gesichtsausdruck wie immer seinen Sieg und WWECW verballerte ein imposantes Feuerwerk, um die schlechteste Eliminiation Chamber aller Zeiten zu feiern.


 And the Winner is...

"Holy Shit"-Award:

  • Test landet mit einem Flying Elbow Drop von einer der Kammern punktgenau auf einem Stuhl, der über dem Gesicht von Rob van Dam liegt.

 

"What the Fuck?!"-Award:

  • Der Ringrichter zählt ein Cover nur bis Zwei, behauptet dann aber, es sei bis Drei gegangen. Hardcore Holly beschwert sich nicht und scheidet damit aus.
  • Zweimal steht ein Wrestler über eine Minute lang ganz alleine im Ring, bis der nächste aus der Kammer entlassen wird.
  • Bobby Lashley zerschmettert die Stahlketten über seiner Kammer mit einem Pressholztisch.

 

Der December to Dismember fiel in eine Zeit, in der das ECW-Produkt echt schlecht war. Nein, ich fand WWECW nicht immer schlecht, denn zwischendrin war es sogar mein Lieblings-Brand, bei dem stets richtig starke Wrestling-Unterhaltung geboten wurde. Das kam aber deutlich später, denn dieser PPV war erst mal ein Tiefpunkt für das dritte Roster. Und wie schon gesagt, rollten danach Köpfe. Paul Heyman war das Hauptopfer. Nach dem December to Dismember wurde er von all seinen Aufgaben entbunden – sowohl off air als auch on air.

So etwas nennt man im Volksmund gerne mal "Sündenbock". Paul Heyman hat in späteren Interviews immer darauf hingewiesen, dass er Bobby Lashley nicht gewinnen lassen wollte. Dies sei Vince McMahons Idee gewesen und er habe immer wieder versucht, ihn davon abzubringen. Stattdessen wollte Heyman eigentlich CM Punk anfangen lassen. Dieser sollte Big Show nach kurzer Zeit zur Aufgabe bringen. Vince gefiel diese Idee weniger, wie man am fertigen Produkt sehen konnte.

Das war also eine von zwei Elimination Chambers, bei denen es vollkommen ausreicht, wenn man sie einmal angeschaut hat (über die andere habe ich in Schwartz, ungesüßt... #2 gelästert). Hoffen wir, dass ich euch nächstes Mal von ein bisschen mehr Qualität erzählen kann. Über Feedback an meine Email-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder in unserem wunderbaren Forum würde ich mich sehr freuen. Bis zum nächsten Mal.

Letzte Änderung am Donnerstag, 20 Juni 2013 09:13

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