Schwartz, ungesüßt... #1 - Elimination Chamber Matches (Teil 1)

  • 12 Juli, 2012
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Unser erster Stopp führt uns zurück zum 17. November 2002 direkt in den legendären Madison Square Garden in New York. Es war der Tag der Survivor Series und eine Konstruktion sollte ihr Debüt feiern, die zumindest in ihrer Anfangszeit einen ganzen Haufen blutiger Schlachten beherbergte: die Elimination Chamber.

schwartzartikellogoIn einer Wrestling-Ära, in der Gimmick-Matches durch eine regelrechte Inflation keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken, sehnt sich der langjährige Fan in die Zeiten zurück, als die ganz spezielle Art des Kampfes auch wirklich noch etwas Besonderes war. Ich lade euch, liebe Leserinnen und Leser, in der Neuauflage von "Schwartz, ungesüßt..." ein, mit mir auf eine Reise zu gehen. Auf einen Trip zurück in die Jahre, in denen Gimmick-Matches noch nicht zeitlich auf einen x-beliebigen PPV fixiert waren  - als diese Fights nicht nur auf dem Papier etwas  Außergewöhnliches waren und man große Augen bekam, als sie angekündigt wurden.

Unser erster Stopp führt uns zurück zum 17. November 2002 direkt in den legendären Madison Square Garden in New York. Es war der Tag der Survivor Series und eine Konstruktion sollte ihr Debüt feiern, die zumindest in ihrer Anfangszeit einen ganzen Haufen blutiger Schlachten beherbergte: die Elimination Chamber.


Eine kurze Vorstellung:

Doch bevor wir uns auf Zeitreise begeben, noch eine kleine Vorstellung meinerseits. Der ein oder andere mag mich vielleicht noch kennen. Richtig, ich bin der Michael Schwartz, der jahrelang an anderer Stelle in seiner Kolumne aktuelle WWE-PPVs viel zu ausführlich auseinanderpflückte und sie auf Herz und Verstand prüfte. Irgendwann wurde das Produkt aber so schlecht, dass ich keine Lust mehr darauf hatte. Aber ihr werdet es selbst kennen – Wrestling ist eine Sucht, von der man schwer loskommt. Und früher war sowieso alles besser. Deshalb werde ich auf clothesline.eu künftig in unregelmäßigen Abständen frühere Kämpfe analysieren. Um genau zu sein, werde ich mich dabei auf Gimmick-Matches spezialisieren, wie die Einleitung zu dieser Ausgabe ja bereits verraten hat. Zunächst findet ihr dabei eine kommentierte Zusammenfassung der Geschichte hinter dem jeweiligen Kampf, dann gehe ich auf das Match selbst ein. Eine Bewertung auf einer Skala von 1 bis 10 wird es nicht geben. Als Ersatz vergebe ich am Ende jeder Kolumne aber zwei ganz spezielle Preise für bestimmte Szenen. Das ist einerseits der „Holy Shit“-Award für Sequenzen, bei denen einem als Zuschauer der Mund offen stehen bleibt, man unwillkürlich ein breites Grinsen im Gesicht hat und die man sich immer wieder anschauen könnte, weil sie so geil sind. Und das ist andererseits der „What the Fuck?!“-Award. Den gibt es für dämliches Booking, peinliche Moves, versaute Aktionen und ähnlichen Crap. Aber jetzt genug der einführenden Worte. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.


Die Geschichte:

Um den Aufbau dieses Matches zu beschreiben, muss man ein ganzes Stückchen zurückgehen. Die große WCW-Invasion-Storyline war Ende 2001 erschreckend plump in den Sand gesetzt worden und Mitte 2002 gab es nur noch einen Undisputed Champion. Durch die im Zuge der Brand Extension vorgenommene Rostertrennung entwickelte sich aber langsam eine neue große Rivalität: RAW vs. SmackDown. Als nach dem SummerSlam 2002 Brock Lesnar, der sich den Undisputed Title soeben von The Rock gesichert hatte, exklusiv zu SmackDown wechselte, musste RAW General Manager Eric Bischoff handeln.

Er tat dies, indem er am 2. September den World Heavyweight Championship reaktivierte und den alten WCW-Gürtel an Triple H überreichte. Hunter hatte nämlich in der Woche zuvor ein No.1 Contender Match gegen den Undertaker gewonnen und war somit für Bischoff der rechtmäßige Champion der Montagsshow. Klingt logisch, auch wenn seine Wrestler-Kollegen im TV (und wohl ebenso hinter den Kulissen) nicht begeistert waren. Noch in der selben Show verteidigte The Game das Gold erstmalig gegen Ric Flair. Direkt nach dem Match griff Chris Jericho den Nature Boy an, der wiederum von Intercontinental Champion Rob van Dam gerettet wurde. Es folgte prompt ein Tag Team Match, in dem zumindest schon mal drei der sechs Teilnehmer an der ersten Elimination Chamber involviert waren. RVD und Flair besiegten hierbei Triple H und Y2J.

Eine Woche später wurde in einem Fatal Four Way Elimination Match der neue Herausforderer Nr. 1 für Triple H ermittelt und Rob van Dam setzte sich gegen Chris Jericho, Jeff Hardy (damals schon genauso bekifft) sowie The Big Show (damals noch nicht ganz so fett) durch.

Somit hatte er die Aufmerksamkeit des World Heavyweight Champions und musste dies eine Woche später bitter bereuen. Hunter Hearst Helmsley griff in das IC Title Match zwischen van Dam und Jericho ein und kostete RVD somit das Gold. Der Entthronte revanchierte sich, indem er später noch HHH den Five Star Frogsplash verpasste.

Bei Unforgiven kam es also zum Showdown, doch als van Dam schon wie der sichere Sieger aussah, griff plötzlich Ric Flair ein und schlug sich mit dem Sledgehammer auf die Seite von Triple H, der damit abermals den World Heavyweight Title behalten konnte.



Das wiederum führte zu einem Tag Team Match bei RAW am 23. September, das Triple H und sein neuer Partner Ric Flair gegen RVD und Bubba Ray Dudley gewannen. Triumphiert hat am Ende aber doch van Dam, der Hunter per Legdrop durch einen Tisch krachen ließ.

In der folgenden Show hatte Eric Bischoff mal wieder eine ganz tolle Idee, um als RAW General Manager die Konkurrenz von SmackDown zu übertreffen. In einem Winner takes all Match bei No Mercy sollte der World Heavyweight Championship mit dem Intercontinental Championship vereint werden. Wenn man heute so auf die Geschichte der einzelnen Belts zurückblickt, war das gerade in diesem Zeitraum ein ganz übles Hin und Her. Also Triple H gegen Chris Jericho? Nicht ganz, denn Y2J musste den IC Title zuvor noch einmal verteidigen – gegen Kane. Ric Flair war dabei auch am Ring und versuchte alles, damit Jericho siegreich aus dem Kampf hervorgeht. Klar, denn sein Kumpel Triple H, der später auch noch eingriff, wollte nicht unbedingt gegen das Big Red Monster antreten. Aber dummerweise konnte Flair damals schon nur noch Chops verteilen und die klatschen zwar, sind aber nicht so wirkungsvoll. Alles half nix und so wurde Kane neuer IC Champ.

Gleichzeitig hielt die Big Red Machine auch noch den Tag Team Title mit The Hurricane. Eine gute Gelegenheit also für Chris Jericho, sich zu rächen. In der Folgewoche war ein Fatal Four Way TLC Match um das Tag-Team-Gold angesetzt und Chris Jericho attackierte mit seinem neuen Partner Christian den armen Hurricane, der somit nicht an dem Titelkampf teilnehmen konnte. Kane störte das nicht und er verteidigte die Gürtel ganz alleine, übrigens im bis dato miesesten TLC Match, aber sowas gehört auch nicht in eine Weekly. Sowieso war Y2J in dieser Show ungefähr so angepisst wie der Papst auf dem mittlerweile zensierten Cover der aktuellen „Titanic“. So griff er – also Jericho, nicht der heilige Vater – auch noch Booker T an, weil der ihn sieben Tage davor als „Sucker“ beschimpft hatte. Ja, die Gründe für erbitterte Fehden waren damals schon unheimlich ausgereift. Fünf Mann aus der Elimination Chamber waren somit bereits über mehrere Ecken miteinander verbunden.

Das muntere Titel-wechsel-dich-Spielchen ging auch am 14. Oktober weiter. Im Opener von RAW gewannen Chris Jericho und Christian die Tag Team Titles von Kane und The Hurricane. Davor und danach prügelten sich Y2J und Booker T, weshalb Booker und sein Partner Goldust als erste Herausforderer der neuen Champions bestimmt wurden. Unterdessen entwickelte sich zwischen Kane und Triple H eine der dämlichsten Fehden des neuen Jahrtausends, bei der angedeutet wurde, Kane könnte Sex mit der Leiche einer Frau gehabt haben, die er bei einem Autounfall unter Alkoholeinfluss aus Versehen getötet hatte. Der Writer dieser Story war vermutlich auch in den hier aufgegriffenen Crash involviert, sein Gehirn ist zur Windschutzscheibe rausgeflogen und ward nie mehr gesehen. Fans, die damals schon dabei waren, werden sich mit Grausen an den Namen Katie Vick erinnern, denn das war die Dame, die Kane angeblich in den Sarg und sonstwo rein genagelt hatte. HHH hatte auch einen Kampf an diesem Abend zu bestreiten. Das Lumberjack Strap Match gegen Rob van Dam gewann er, musste danach aber vor einem extrem wütenden Kane flüchten.

Im ersten Fight von No Mercy behielten Chris Jericho und Christian dann ihren Tag Team Championship gegen Booker T und Goldust. Rob van Dam rächte sich in einem One on One Match endlich an Ric Flair für unzählige unfaire Attacken in den vergangenen Wochen. Und Triple H behielt gegen den Kane die Oberhand.  Necromania war also schneller tot (tot! – get it?) als Hulkamania nach dem nWo-Beitritt von Hogan.



Tags darauf bei RAW gab es einige weitere geschmacklose Ideen rund um Katie Vick. Unter anderem ließ Triple H ein Video einspielen, auf dem er als Kane verkleidet bei einer Beerdigung in den Sarg zu einer toten Frau steigt und diese pfählt, obwohl keine Gefahr bestand, dass sie als Vampir wieder aufersteht. Im Match Rob van Dam & Kane vs. Triple H & Ric Flair holte RVD den Sieg mit einem Frogsplash gegen den Nature Boy, während The Big Red Machine und The Game sich schon hasserfüllt durch den Backstage-Bereich kloppten. Chris Jericho triumphierte in der Zwischenzeit ein weiteres Mal über Booker T, indem er an der Seite von Christian und Victoria gegen seinen neuen Erzfeind, Goldust und Trish Stratus gewann. Wer aufmerksam mitgezählt hat, wird feststellen, dass für die Elimination Chamber noch einer fehlt: Shawn Michaels. Dieser hatte eigentlich schon beim SummerSlam sein Comeback nach vierjähriger Pause gegeben. Der Heartbreak Kid gewann beim großen Sommer-PPV auch in einer blutigen Schlacht gegen Triple H, wurde danach aber von seinem ehemals besten Freund mit dem Sledgehammer laut Storyline wieder in den Rollstuhl verfrachtet. Bei diesem RAW kündigte er jedoch an, wieder laufen zu können, und sich auf die Jagd nach The Game begeben zu wollen. Apropos große Ankündigungen: auch Eric Bischoff hatte mal wieder eine. Weil er den SmackDown-Main-Event von No Mercy – ein Hell in a Cell zwischen Brock Lesnar und dem Undetaker – unbedingt übertreffen wollte, hatte er sich die Elimination Chamber ausgedacht. Der Begriff fiel in der WWE an diesem 21. Oktober 2002 zum ersten Mal, allerdings ließ der General Manager die Zuschauer noch im Dunklen, was so eine Elimination Chamber denn sein soll.

Auf die Auflösung musste das Publikum sieben Tage lang warten. Eric Bischoff verriet, dass so eine Art Match Elemente aus Royal Rumble Matches, Survivor Series Elimination Matches und War Games miteinander kombinieren würde. Also ein Kampf, in dem alle paar Minuten ein neuer Wrestler dazukommt und nach und nach die Teilnehmer eliminiert werden, was in einem großen Käfig stattfindet. Wie das Ganze genau aussieht, das wollte er weiterhin noch nicht offenbaren. Dafür verriet er, dass sechs Topstars daran teilnehmen und dass es um den World Heavyweight Title geht. Triple H muss seinen goldenen Gürtel gegen Booker T, Rob van Dam, Chris Jericho, Kane und Shawn Michaels verteidigen. Dem Heartbreak Kid ließ der General Manager jedoch noch eine Woche Zeit, um sich zu entscheiden, ob er sich dieser gefährlichen Schlacht überhaupt aussetzen will. Vor allem, weil er ja gerade erst dem Rollstuhl entkommen war. Die Fans sahen HBK aber schon in dieser Woche wieder, denn im Main Event der Show, einem Casket Match Triple H vs. Kane, griff er entscheidend ein und sorgte per Superkick dafür, dass der Cerebral Assassin verlor. Der Katie-Vick-Schrott war damit glücklicherweise beendet.



Die Sechser-Fehde der Elimination-Chamber-Teilnehmer war somit durch einen langen Vorlauf, bei dem die Kontrahenten nahezu perfekt in Stellung gebracht wurden, auf den Weg gebracht. Am 4. November führte eine längere Promo zu einem Tag Team Match. Some things just never change! Booker T und Kane besiegten hierbei Chris Jericho und Triple H, als Shawn Michaels erneut per Sweet Chin Music gegen Hunter für die Entscheidung sorgte. Der Rückkehrer nahm daraufhin auch Bischoffs Einladung an, bei der ersten Elimination Chamber dabei zu sein.

Die allerletzte RAW-Show vor dem gigantisch gehypten Elimination Chamber Match begann mit einer Tag-Team-Titel-Verteidigung von Chris Jericho und Christian gegen Kane und Rob van Dam. Die Champions wurden zwar nach einem Stuhlschlag von Y2J gegen das große rote Monster disqualifiziert, behielten damit aber natürlich ihre Championships. Anschließend betrat Shawn Michaels für eine Promo den Ring und gab als einziges Ziel für die Survivor Series aus, dass Triple H den PPV nicht als Champion verlässt. Hunter Hearst Helmsley stapfte danach selbst zum Ring, ließ einige Worte folgen, und fertigte HBK mit dem Pedigree ab. Dass er ihn erneut mit dem Sledgehammer außer Gefecht setzt wie drei Monate zuvor beim SummerSlam, das konnten einige Offizielle gerade noch rechtzeitig verhindern. Sechs Tage vor der Großveranstaltung lüftete Eric Bischoff auch endlich den Vorhang über der riesigen Konstruktion, die er Elimination Chamber getauft hatte. Er ließ ein paar Daten zu dem Stahlungetüm vom Stapel, erklärte die Regeln und klopfte sich ob dieser exzellenten Idee selbst auf die Schulter. Und wie es für ein Massen-Match üblich ist, musste es kurz davor noch einen wilden Brawl aller Teilnehmer geben. In diesem Fall geschah dies, nachdem Triple H nach einem Low Blow gegen Booker T gewonnen hatte. Chris Jericho war hierbei derjenige, der mit Hilfe eines Stuhls triumphieren konnte und vorerst das letzte Lachen auf seiner Seite hatte.

Selbst, wenn man die Geschichte von damals nicht in all ihrer Pracht miterlebt, sondern sie hier vielleicht das erste Mal gelesen hat, werden die meisten schon so eine Ahnung haben. Obwohl in der ersten Elimination Chamber fünf ehemalige und aktuelle  World Champions standen – nur Rob van Dam hatte dieses Kunststück noch nicht in einer der großen zwei Ligen vollbracht – konnte der Showdown eigentlich nur auf zwei Protagonisten hinauslaufen. Ob das Booking schon vor knapp zehn Jahren so vorhersehbar war wie heute? Neun von zehn Leser dieser Kolumne werden es wohl schon wissen, die anderen erfahren es in den nächsten Zeilen.


Das Match:

World Heavyweight Championship
Elimination Chamber Match
Chris Jericho vs. Kane vs. Booker T vs. Shawn Michaels vs. Rob van Dam vs. Triple H (c)

Nach langem Vorlauf war man also endlich bei der Survivor Series 2002 angelangt und die fand wie gesagt im Madison Square Garden statt. Wer schon mal eine Show von dort gesehen hat, weiß, dass es keine bessere Crowd für das Debüt der Elimination Chamber hätte geben können. Anfangs war die Spannung förmlich spürbar, beim Ende der Schlacht explodierte die Halle beinahe. Aber soweit sind wir ja noch nicht, erst einmal kam Eric Bischoff in die Halle und demonstrierte mit einem Eisenrohr, dass das Material der Konstruktion echter Stahl ist und die Scheiben der einzelnen Kammern aus kugelsicherem Glas bestehen. Dann wurden die sechs Kontrahenten sehr ausgiebig vorgestellt und damit die Erwartungshaltung noch nach oben getrieben. Chris Jericho lief zu dieser Zeit noch mit langen Haaren und einem geflochtenen Ziegenbart rum. Er war zwar schon ein Wahnsinns-Wrestler, aber wenn ich zurückblicke konnte man ihn erst so richtig ernst nehmen, als er eine seriöse Frisur hatte. Kanes Monsterstatus war damals schon abgeschwächt, aber demaskiert war er noch nicht, womit er nochmal um ein Vielfaches bedrohlicher wirkte. Shawn Michaels‘ Haare gingen dem Heartbreak Kid nicht mal bis zur Schulter, waren dafür aber etwas voller, was aus heutiger Sicht ungewohnt ist.  Naja, immerhin war die Nase von Triple H genauso groß wie sonst.



Triple H begann das Match auch gegen RVD und schon nach zwei Minuten lief die rote Brühe aus seiner Stirn. Klar, man muss ja demonstrieren, wie gefährlich diese Umgebung für die Wrestler ist, also ritzen die sich kurz mal in den Kopf. Die beiden Starter zeigten, was man in so einer Elimination Chamber alles anstellen kann, warfen sich auf den Stahlboden und gegen die Kettenwand. Van Dam betätigte sich als Spider-Man und präsentierte kurz darauf auch seinen Rolling Thunder über die Seile auf das harte Metall. Stark! Sowieso durfte Rob erstaunlich dominieren, was auf ein schnelles Ausscheiden hindeutete.

Erst als der neu hinzugekommene Chris Jericho und Triple H gemeinsam vorgingen, war The Whole F’n Show zu bändigen. Als Vierter durfte Booker T die Szenerie betreten. Nachdem er erst einmal kräftig aufgeräumt hatte, gab es den Spinarooni zu bestaunen.

RVD war inzwischen wieder auf den Beinen und knöpfte sich Triple H vor, allerdings gingen beide dabei wie Amateure vor. Der Reihe nach: Van Dam drapierte Hunter vor der Ringecke, um mit einem Five Star Frogsplash von der Kammer auf ihn drauf zu krachen. Dass dies nix werden konnte, hätten die zwei mit ihrer Erfahrung gleich merken müssen, aber keiner von beiden erkannte anscheinend, dass Triple H viel zu nah an der Kammer lag. Selbst ein Blinder mit Krückstock, der sich zum ersten Mal Wrestling anhört, muss geahnt haben, dass es böse endet. RVD sprang trotzdem ab und landete mit seinem hingewürgten Finisher auf The Game. Das sah nicht nur unheimlich scheiße aus, sondern Helmsley verletzte sich dabei ernsthaft. Mr. Monday Night war nämlich mit dem Knie auf HHHs Hals gelandet und sorgte somit für eine (echte) Kehlkopfquetschung bei seinem Gegner. Wer genau hinschaut, wird merken, dass sich Triple H nach dieser Aktion auffallend zurückhält und Ringrichter Earl Hebner ihn immer wieder fragt, ob er weitermachen kann. Obwohl er unter Atemnot litt, hielt der Cerebral Assassin bis zum Finale durch. In der Nacht nach dem PPV blieb er zur Beobachtung im Krankenhaus, denn wenn sein Hals noch weiter zugeschwollen wäre, hätte er ganz schnell ersticken können. Man kann von dem Backstage-Politiker Triple H halten, was man will, aber dass er nach sowas noch fast eine halbe Stunde im Ring steht und sich nix anmerken lässt, muss man ihm hoch anrechnen. Rob van Dam verkaufte nach dem verkackten Five Star ebenfalls eine Verletzung, nur dass die eben nicht echt war. Dennoch führte sie zu seinem Ausscheiden, denn während RVD sein schmerzendes Knie ablenkte, haute ihn Booker T mit dem Missile Dropkick um und coverte ihn nach 13:46 Minuten Match-Zeit. Schade eigentlich, denn Rob war als Aktivposten eine echte Bereicherung in der Premieren-Elimination-Chamber.



Referee Earl Hebner war dank der Atemnot von Triple H so mitgenommen, dass er ab und zu etwas unkonzentriert wirkte. Unter anderem stolperte er nach einem Spinebuster von Booker T über das Opfer des Moves, Chris Jericho. Sah ziemlich witzig aus.

Apropos Witz: Nachdem Kane die Konstruktion betreten durfte warf er Y2J erst einmal durch das kugelsichere Glas seiner Kammer, das sofort zerbrach. Das KUGELSICHERE Glas… Hoffen wir einfach für alle Katholiken, dass die Sichtscheiben am Papamobil nicht vom selben Hersteller sind. Zumindest war das Material scharf wie eine Rasierklinge, denn Jericho blutete nun auch. Dennoch konnte er noch ein Weilchen weitermachen – im Gegensatz zu Booker T. Für den waren Chokeslam und Lionsault zu viel und so war er nach 17:51 Minuten Match-Zeit eliminiert.

Um das große rote Monster rauszuhauen, bedurfte es sogar eines Finishing Moves mehr. Nach Sweet Chin Music, Pedigree und einem perfekten Lionsault war nach 23:01 Minuten Schluss für den maskierten Mann, der zuvor noch munter Chokeslams austeilen durfte.

Blieben noch zwei Heels und ein Face übrig, und wie das so ist, verbündeten sich die Bösewichte gegen den Publikumsliebling. Nachdem die Kettenwand als Stirnreibe verwendet wurde, blutete auch Shawn Michaels – und wie! Gilette hat an diesem Abend jedenfalls einiges an WWE verdient. Mach 3 und so, für einen sanften Bladejob. Auch  einige Schnapshersteller könnten sich eine goldene Nase an dem hier besprochenen Match verdienen. Wenn ihr mal ein Wrestling-Trinkspiel sucht, dann kippt euch jedes Mal einen hinter die Binde, wenn Chris Jericho in diesem Match einen Gegner als „Son of a Bitch“ beschimpft. Ich garantiere einen feuchtfröhlichen Abend.

Kurz darauf kam es, wie es kommen musste und die Zweckallianz von Hunter und Y2J zerbrach. Sie stritten sich, wer denn jetzt HBK eliminieren darf. Eigentlich vollkommen Banane, aber bei Wrestling-Matches durfte man sich noch nie über fehlende Logik wundern. Jericho nahm also Triple H in die Walls of Jericho und der war weit davon entfernt, sich zu befreien. Doch auch der Heartbreak Kid konnte nicht mitansehen, wie ein Rivale geschwächt wird, sondern wollte das selbst erledigen. So kickte er Chris mit der Sweet Chin Music die Zähne in den Rachen und sorgte für sein Ende nach 30:52 Minuten.



Was dann folgte, war ein Finale, das bei einer Elimination Chamber bis heute unübertroffen ist. Ganz großes Kino, das uns die beiden alten Haudegen hier boten. Erst lieferten sie sich blutend mehrere Schlagabtäusche auf Spaghetti Legs, dann gingen sie außerhalb des Rings auf dem Stahlboden zu Werke. Dabei setzte Triple H zum Catapult an und ließ in einer genialen Sequenz Shawn Michaels durch eine weitere kugelsichere Scheibe krachen. Eine KUGELSICHERE Scheibe… Pfusch am Bau ist heute weit verbreitet, kein Verlass mehr auf Handwerker. Egal, der Move sah brachial genial aus.

Als er sich halbwegs erholt hatte, ließ der Showstopper den absoluten Höhepunkt folgen. Mit seinem patentierten Flying Elbow Drop wuchtete er sich von der Kammer aus auf Hunter. Ein fantastischer Move. Nur um es nochmal zu betonen: Das war zu diesem Zeitpunkt erst das zweite Match von Shawn Michaels, nachdem er zuvor vier Jahre mit einer schweren Rückenverletzung aussetzen musste, und Triple H ließ das mit sich machen, obwohl er schon einige Minuten zuvor eine Kehlkopfquetschung erlitten hatte. Respekt an beide Veteranen!

Michaels ging dazu über, sich mit seinem patentierten Stampfen auf den finalen Superkick vorzubereiten. 2002 klatschte das Publikum mit, statt zu zählen. Welcher Depp ist eigentlich auf die Idee gekommen, vor der Sweet Chin Music die Stampfer zu zählen? Was bringt das? Irgendwann stampft HBK eh so schnell, dass die Zuschauer nicht mehr mitkommen und sowieso tritt er nie bei der selben Zahl zu. Warum zur Hölle also mitzählen?! Falls jemand weiß, wann und in welcher Stadt der Ursprung dieser Unsitte liegt, möge er mir bitte mir eine Email schreiben. Triple H fing den Kick allerdings ab und wandelte ihn in den Pedigree um. Da er nicht direkt das Cover ansetzte, weil er zu schwach war, konnte sich Shawn aber daraus befreien. Nochmal der Ansatz zum Pedigree, doch dieses Mal lief der Konter andersrum und HBK wandelte den Move nach einem Backdrop in seinen eigenen Finisher um. Die SCM saß punktgenau und ich glaube ich habe in meiner langjährigen Zeit als Wrestling-Fan noch nie ein Publikum so laut beim Cover mitzählen hören. Der Pop nach dem Sieg von Shawn Michaels nach 39:22 Minuten war ohrenbetäubend und bewies, dass auch ein großartiges Publikum dazugehört, um aus einem tollen Fight einen herausragenden zu machen. Dass auch Jim Ross bei dieser Szene fast durchdrehte, muss ich wohl nicht erwähnen. HBK hatte sein Happy End und das Konfetti regnete in den Ring, wobei es fast unterging, dass Earl Hebner das berühmte X mit den Armen formte und Triple H sofort medizinisch versorgt wurde.

Wie das mit nostalgischer Verklärung so ist, gilt die erste Elimination Chamber für viele heute noch allgemein als die beste. Schließlich bekommt man alles geboten, was das Herz eines Wrestling-Zuschauers begehrt: die nötige Härte, spektakuläre Aktionen, spannende Sequenzen, ein geniales Finale, großartige In-Ring-Könner und ein Hammer-Publikum. Für mich persönlich hatten alle Kämpfe dieser Art ihren Reiz, ich bin einfach ein großer Fan dieser Match-Art. Deshalb fällt es mir auch schwer zu entscheiden, welche Elimination Chamber mir denn jetzt am meisten gefallen hat. Zu der von der Survivor Series 2002 kann ich aber - wie eigentlich zu fast allen anderen ECs auch - eine ganz dicke Empfehlung aussprechen. Wer sie noch nicht gesehen hat, muss das unbedingt nachholen. Wer sie schon kennt, wird auch ein zweites, drittes oder x-tes Mal Gefallen an ihr finden. Ein moderner Klassiker eben.


And the Winner is...


„Holy Shit“-Award:

  • Kane schmettert Chris Jericho durch eine Plexiglasscheibe. / Triple H bugsiert Shawn Michaels per Catapult durch eine Plexiglasscheibe.
  • Shawn Michaels springt mit einem Flying Elbow Drop von einer der Kammern punktgenau auf Triple H.

 

„What the Fuck?!“-Award:

  • Rob van Dam versaut den Five Star Frogsplash von einer der Kammern, weil Triple H viel zu nahe dran liegt, und verletzt seinen Gegner dabei.
  • Kugelsicheres Glas, das man ganz ohne Probleme mit einem menschlichen Körper zerbrechen kann.

 

Das war sie also, die erste Ausgabe nach dem Reboot von "Schwartz, ungesüßt...". Ich hoffe, das Lesen hat euch ein bisschen Spaß bereitet und ich bin noch nicht zu sehr eingerostet. Über Feedback an meine Email-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder in unserem wunderbaren Forum würde ich mich sehr freuen. Wir sehen uns dann bei "Elimination Chamber Matches (Teil 2)".

Letzte Änderung am Freitag, 16 August 2013 14:18

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