Weimers Standpunkt: Don't try this at home... or at school... or kindergarden

  • 19 November, 2013
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weimers-standpunktMan kann der WWE ja vieles vorwerfen, vor allem in Sachen Heuchelei. Kinder dazu ermutigen, das im Fernsehen Gesehene nachzuahmen gehört aber nicht dazu. Das übernimmt nun die Schwester-Sportart, die sich Mitte der 90er ihre eigene Nische geschaffen hat: Mixed Martial Arts.

Von vielen Wrestlern aus den Staaten hört man, dass sie es gar nicht abwarten konnten, bis sie 16 waren, um sich endlich bei einer Wrestlingschule einschreiben zu können. Die ersten Schritte können sie nun schon wesentlich früher, in MMA-Seminaren für Kinder, lernen. Ich glaube, es war der kürzlich entlassene Chris Hero, der mal sagte: „To me, what the UFC does is wrong. Putting two guys in a cage. MMA to me is more of a peaceful Hippie-thing.“ Macht es das besser? Nein. Denn die Kinder lernen nicht nur die Kunst der Mixed Martial Arts, sie werden wie in den großen Ligen in einen Käfig gesteckt.

Vorab: Wir wollen hier nicht die UFC (die derlei Aktivitäten, zumindest meines Wissens nach, nicht unterstützt) an den Pranger stellen, sondern auf die neue Sportart hinweisen, die derzeit in den Staaten eine immer größer werdende Fangemeinde um sich scharrt: Kinder-MMA-Fights. Rund drei Millionen Kinder im Alter von fünf aufwärts soll es geben, die sich Woche für Woche Kämpfe im Käfig liefern.

Ich denke, jedem halbwegs vernünftig denkenden Menschen fallen auf Anhieb 1004 gute Gründe ein, warum diese Idee nicht sooo knorke ist. Daher überspringen wir diesen Part mal und fragen: Was sagen denn die Befürworter? Was können die Kinder aus dieser Sportart für sich ziehen?


Einer der Befürworter, die sich in den letzten Monaten genauer mit der neuen Trendsportart beschäftigt haben, ist Sebastian Montalvo, ein Fotograf aus New York (auf dessen Bildern alleine schon zu sehen ist, wie die Kids von den Eltern optisch auf „Gefahr“ getrimmt werden. Irokesenschnitt, seltsame Muster ins Haar rasiert und erzählt mir, was ihr wollt, aber ein Siebenjähriger mit Sixpack - das sieht einfach nicht gesund aus).

Laut Meinung des Fotografen fördere MMA eine „Kultur des fairen Verlierens“. Die Kinder seien nach jedem Kampf dazu aufgefordert, sich die Hände zu geben. Bei Verweigerung droht schon mal ein Einlauf der Eltern. Eine Kultur des fairen Verlierens? Ich denke, das bekommt man mit „Mensch ärgere dich nicht“ auch ganz gut hin. Oder in der heutigen Zeit vielleicht mit der Wii...

Nicht nur ein Befürworter, sondern jemand, der sein Geld damit verdient, ist Chris Conolley. Eine MMA Lehrer aus Alabama, der auch Kinder unterrichtet. Laut ihm werden die Kleinen jedoch ganz anders trainiert, als die Großen. Anstatt gegeneinander zu kämpfen stehe bei ihm an erster Stelle, den Kindern beizubringen, in Form zu kommen und Spaß zu haben. Fettleibigkeit bei Kindern sei momentan ein großes Problem. MMA sei großartig um sich sportlich zu betätigen.

Auch hier würde ich Alternativen wie Radfahren, Schwimmen, Sportvereine im Allgemeinen und so ziemlich jeder andere Sportart, bei der meinem Kind nicht die Fresse poliert wird, empfehlen.


Der Schlüssel zum Erfolg im Kinder-MMA sei laut Montalvo die „elterliche Ermutigung“. Die Eltern seien wahnsinnig ehrgeizig, lieben ihre Kinder über alles und wollen nur, dass sie gewinnen. An der Stelle hätte ich gerne Bret Hart nach dem Screwjob gespielt und dem Kerl Eine verpasst. Wie kann man so einen Satz, vor allem in den Staaten, im Jahre 2013, nach Britney Spears, Michael Jackson und wie sie alle heißen noch loslassen? Im Gegensatz zum Popstar-Dasein drohen den Kindern bei der Aufpolierung des elterlichen Egos hier nur nicht dauerhafte psychische Schäden, sondern auch Physische.

Ich glaube fest daran, dass ein erfülltes Leben auch ohne Bilderbuch-Kindheit möglich ist – im Gegenteil. Letztendlich lässt sich doch auf die ein oder andere Narbe zurückblicken (ob nun physisch oder psychisch) und man realisiert, dass da doch einige positive Dinge draus entstanden sind. Das hier geht (wie jeder Versuch von Eltern, durch ihre Kinder bestimmte Träume auszuleben) mehr als einen Schritt zu weit.

Wer mag, kann sich die Fotos von Sebastian Montalovo hier anschauen.

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Letzte Änderung am Dienstag, 19 November 2013 12:03

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