Viva la Raza! Die zehn besten Matches von Eddie Guerrero Empfehlung

  • 09 Oktober, 2017
  • geschrieben von 
  • Gelesen 119 mal
  • Artikel bewerten
    (0 Stimmen)

Am heutigen Montag, dem 9. Oktober 2017, hätte der gute wie legendäre Eduardo Gory Guerrero Llanes, den meisten besser bekannt als Eddie Guerrero, das halbe Jahrhundert vollgemacht und wäre 50 Jahre alt geworden. „Hoch die Tassen!“ kann man da nur sagen, wenn… ja, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…

… denn leider war ihm diese Ehre in seinem illustren wie turbulenten Leben nicht vergönnt gewesen: nur einen knappen Monat nach seinem 38. Geburtstag verstarb der mexikanische Ausnahmeathlet und ging wie viele seine Kollegen viel zu früh von dieser Welt. Was bleibt ist die Erinnerung: die Erinnerung an eine Personalunion aus versiertem Techniker und fesselndem Entertainer, der oft den Unterschied bei einer Houseshow oder einem PPV ausmachte. Die Erinnerung an jemanden, der trotz Ecken, Kanten und diverser Schatten eine Klasse für sich war. Die Erinnerung beispielsweise an den Moment des gemeinsamen Glücks mit Kollege und Kumpel Chris Benoit (ebenfalls schon über zehn Jahre nicht mehr unter uns), als sie der 20. WrestleMania ihren Stempel aufdrückten… und sie lebt weiter. Und sei es nur, wenn beispielsweise seine Witwe „Excuse me!“ brüllt, sein Neffe einen Golfer mimt oder das Töchterchen früher oder später wie Daddy in einer großen Liga eine Duftmarke setzen wird.

Und selbstverständlich lebt der Geist von Latino Heat auch in den vielen großartigen Matches seiner Karriere fort - die grundsätzlich alle vor einer derartigen Leistung strotzen, dass sie hier in Gänze aufzulisten den Rahmen sprengen würde. Clothesline.eu schaut daher auf eine selbstgewählte Top 10 seiner besten Kämpfe - anhand des Meinungsbildes von Fans, Kritikern… und auch ein wenig eigenem Gusto. So sei es denn verziehen, dass einerseits die entsprechenden Gegner hier manchmal doppelt auftreten und andererseits möglicherweise erwartete Gegenüber wie Rob van Dam, Sean Waltman, JBL oder John Cena ebenso wenig in der Reihung auftreten wie Chris Jericho, Shawn Michaels, Triple H und andere Weggefährten. Und: Manchmal fanden die wahren Sternstunden weniger bei den PPVs, sondern eher in den Wochenshows statt.

Dann mal in medias res ….

Platz 10:

Eddie Guerrero vs. Shinjiro Otani
„Worldcup of Wrestling“ - Match
WCW StarrCade 1995, 27.12.1995

Als die Promotion aus Atlanta sich gerade im Nirwana des Selbstfindungsprozesses zwischen Rummelringen und moderner nWo-Ausrichtung befand, kam den Verantwortlichen die neckische Idee eines überozeanischen Vergleichs mit der japanischen NJPW um den (im Grunde wertlosen) „Worldcup of Wrestling“. In sieben mehr oder weniger gelungenen Matches maßen sich dabei beide Ligen… und eine Perle war zum Glück dabei und rettete den Abend: Eddie Guerrero, der gegen den heute zu Hause legendären Shinjiro Otani antrat. Innerhalb einer knappen Viertelstunde zelebrierten beide zwar keinen Klassiker, aber auf alle Fälle ein spannendes Spektakel und das Match of the Night. Dies war zwar nicht weiter verwunderlich - aber dann doch überraschend, wenn man bedenkt, dass eine der anderen Paarungen Chris Benoit vs. Jushin Liger lautete…

Platz 9:

Eddie Guerrero vs. Kurt Angle
#1 Contender - Turniermatch
WWE SmackDown!, 14.04.2005

Beim „King of You suck“ hätten die meisten sicher auf ihr Match bei WrestleMania XX getippt, aber erstens blieb das ein wenig unter den Erwartungen und stand zweitens klar im Schatten des großen Triumphs seines Buddies Benoit. Was passiert, wenn man ihnen genügend Zeit gibt und die Handbremse löst, bewiesen sie gut ein Jahr später in der Donnerstagsshow. Spannung, Nearfalls, Technik, Drama - alles dabei. Kleiner Wermutstopfen dürfte das Ende mit der Involvierung von Rey Mysterio sein - aber es passte zumindest.

Platz 8:

Eddie Guerrero vs. Dean Malenko
ECW World Television Title Match
ECW Hostile City Showdown, 15.04.1995

Man merkt, dass, immer wenn Freunde und langjährige Weggefährten Eddies in der Nähe waren, hiernach wrestlerische Sternstunden in der Luft lagen. Benoit und Mysterio hatten wir ja schon erwähnt - nun maß sich Radicalz-Kumpel Dean Malenko mit ihm. Ein paar Monate bevor er und Guerrero dann zur WCW wechselten (gemeinsam mit Benoit, wer hätt’s gedacht…), zeigten sie in ihrer alten Heimat wo der Hammer hängt… und sorgten bei Hostile City Showdown für eines der rückblickend wohl besten Matches der Promotion mit dem berühmten Ballsaal. Um den begehrten TV-Belt rangen, brawlten und fighteten beide eine gute halbe Stunden bis zum gefühlten Umfallen - und zu einem salomonischen Draw. Die „Five more Minutes“-Skandierungen sind bezeichnend für die Qualität damals - und machen damit kleine Schwächen im Storytelling schnell vergessen.

Platz 7:

Eddie Guerrero vs. Chris Benoit
US Championship - Turnierfinale
WWE Vengeance 2003, 27.07.2003

Und da haben wir ihn: den großen, kleinen Kanadier mit der Vollstrecker-Aura und den Fertigkeiten, die zeitlebens ihresgleichen gesucht haben. Mit ihm verband Eddie nicht nur eine große Freundschaft, sondern auch die ganz spezielle Chemie, wie man einen Kampf mit dem Quäntchen Besonderheit aufzieht. Wie oft beide im Laufe ihrer Karriere aufeinandergetroffen sind lässt sich heute nur noch schwer abzählen. Aber wann immer in Amerika oder Japan sie sich im Ring begegneten: Es gab Action vom Feinsten. So auch im Match of the Night des Sommer-PPVs, das wir hier stellvertretend für all die hochkarätigen Begegnungen beider herausgesucht haben. Der eine oder andere wird es gemerkt haben: Noch im Adventskalender rangierte dieser Fight hinter dem von Armageddon 2002… ein nochmaliger Vergleich sah dann aber diesen hier vorn. Sei’s drum: Die zwei Matches sind mehr als sehenswert. Umso trauriger, dass Eddie und Chris heute nicht mehr unter uns weilen - und es wird noch immer gemunkelt, dass Guerreros Tod maßgeblichen Anteil am Suizid seines Kumpels gut zwei Jahre später hatte.

Platz 6:

Eddie Guerrero vs. Edge
No Disqualification Match
WWE SmackDown!, 26.09.2002

Ein weiterer Kanadier darf in dieser illustren Runde nicht fehlen: Edge. Einer der Meister und Innovatoren des modernen Tag-Team-Wrestlings - und mit ihm bzw. gegen ihn entstanden etliche Duo-Matches. Wirklich in Erinnerung geblieben ist aber ihre Single-Fehde aus dem Sommer 2002. Hatten sie mit einem tollen Match ihren Beitrag zum SummerSlam beigetragen, legten sie einige Wochen später noch einmal eine Schippe drauf. Und was für eine: Die wenigsten, welche diese SmackDown!-Ausgabe gesehen haben, werden vergessen haben, mit welcher Inbrunst sich beide da ohne störende Regelbande gegenseitig bekriegten. Wie für Copeland fast schon obligatorisch durften da auch seine geliebten Leitern nicht fehlen. Allerdings wurden die diesmal nicht wie üblich eingesetzt - aber gerade das machte den besonderen Reiz dieses Fightes aus. Gerne hätte man davon mehr gesehen - aber dann hätte wieder das Alleinstellungsmerkmal gefehlt.

Platz 5:

Chris Benoit vs. Eddie Guerrero vs. Edge vs. Kurt Angle
# 1 Contender Fatal 4 Way Match
WWE SmackDown!, 05.12.2002

Und da haben wir alle zuvor angesprochenen Weggefährten von „Lie, Cheat and Steal“ in einem Ring: eine Ansetzung, die jeden PPV zum Glänzen und den geneigten Fan zum Zungeschnalzen gebracht hätte. Und das Ganze in einer Weekly-Show! Wäre schön, wenn die Sendungen heutzutage wieder mit mehr derartigen Sahnestücken veredelt werden würden. Hier aber brannte das Quartett einen den Vorschusslorbeeren entsprechenden Burner ab und ließ die Emotionen der Fans hochkochen. Klasse, was hier abgerufen wurde… einziger Wermutstropfen für diese Eddie-Nomenklatur: Er war nur kurz daran beteiligt und nach nicht mal sechs Minuten schon wieder draußen. Aber wie heißt so schön olympisch: Dabei sein ist alles! Zumindest war der Crippler, der für Guerreros Ausscheiden sorgte, auch wenig später draußen, so dass beide ihre ganze Klasse dann später bei Armageddon ausspielen konnten. Aber das Match hatten wir ja schon angesprochen.

Platz 4:

Black Tiger (= Eddie Guerrero) & The Great Sasuke vs. Shinjiro Otani & Wild Pegasus (= Chris Benoit)
Super Grade Jr. Heavyweight Tag League Final Match
NJPW Super Grade Tag League IV - Tag 9, 18.10.1994

Die Geister, die ich rief, werd‘ ich nimmer los… Was für andere negativ klingen mag, soll im Falle Eddies eigentlich Gutes bedeuten. Und das zu einer Zeit, als daran noch gar nicht zu denken war… und an einem Ort außerhalb des US-Mainstream-Wrestlings: Denn auch das Land der aufgehenden Sonne blickt auf eine lange und erfolgreiche Tradition dessen zurück, was gerne als Puroresu bezeichnet wird. Gern werden dazu auch Masken getragen - weshalb Guerrero und sein späterer Best Buddy Chris Benoit sich unter ebensolchen wiederfanden. An ihren Ringqualitäten änderte das indes nichts - im Gegenteil. Bei der Junioren-Veranstaltung teamte Benoit mit Otani, den Eddie etwas über ein Jahr später in den Staaten wiedersehen sollte (siehe Platz 10), während er selbst mit dem Great Sasuke eine Legende an die Seite bekam (die im Übrigen damals ebenfalls bei StarrCade mitmischte). Wenn man bedenkt, was da an Fertigkeiten im Ring verteilt war und sich an das spätere Match zwischen Guerrero und den jetzigen Pro-Zero-Präsidenten erinnert… der weiß, was in den kommenden zwanzig Minuten im Ring abging. Wer kann, sollte es sich ansehen…

Platz 3:

Eddie Guerrero vs. Rey Mysterio jr.
WCW Cruiserweight Championship - Title vs. Mask
WCW Halloween Havoc 1997, 26.10.1997

Und damit hinein in die Top 3 - und ich bin ehrlich: ich habe mich wahnsinnig schwer mit der späteren Entscheidung getan. Kritiken sind das eine - Zeitkollorid und persönlicher Geschmack aber auch. Und letztlich… geht die Bronzemedaille an Eduardo und seinen Freund wie Landsmann Oscar: dem Phänomen der Maskenvielfalt mit Ringbiest als Appendix. Kommt schon nicht von ungefähr, dass richtiges Wrestling im Lucha-Libre-Style halt nur zwei waschechte Lateinamerikaner hinzaubern können. Und das haben sie mehrfach in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, wie man u.a. der Fehde von 2005 ablesen konnte. Ihr vielleicht bestes Match lieferten beide allerdings beim 97er Halloween Havoc ab, weshalb es hier stellvertretend für alle ihre Begegnungen stehen soll. Mit Dynamik und Drama sicherten sie sich einen Platz in den Annalen - und den WCW-Fans die Rettung des Abends. Faktisch als positiver Kontrast zu dem, was Team Bischof/Hogan für Wrestling hielten. Fans und Kritiker waren sich einig - und wir sind es uns auch.

Platz 2:

Eddie Guerrero & Love Machine vs. El Hijo del Santo & Octagon
Masks vs. Hairs - Best Two Out Of Three Falls Tag Team Match
AAA When Worlds Collide, 06.11.1994

Den zweiten Platz kann man mit Fug und Recht als Legende bezeichnen. Nicht nur, weil es mit eine der besten Veranstaltungen der 1990er-Jahre war (und das trotz Namensgleichheit zum recht mauen ECW-Event). Nicht nur, weil es der erste PPV war, den eine Lucha-Libre-Organisation in Los Angeles und damit erstmals außerhalb von Mexiko veranstaltete. Nein - es war wegen DEM MATCH! Einem Fight, der seinesgleichen sucht und dem Dave Meltzer zu recht damals die Traumnote von ***** gab. Und der Meinung schließe ich mich an: Hier waren Tempo und schnelle Wendungen ebenso drin wie Hass und Härte, wenn man sieht, wie Octagon letztlich die Halle verlassen musste. Eddie und Love Machine dagegen als American-Made-Verschnitte gegen die AAA-Urgesteine, um die Polarisierungen möglichst deutlich zu kanalisieren. Nach mehr als ausgeglichenem Fight frisierten sich dann beide gegenseitig zur Niederlage - und Eddie war seinen damaligen DDP-Gedächtnis-Vokuhila wieder los. Der Schlusspunkt eines Fights, den man sich unbedingt anschauen sollte. Leider kam auch hier eine gewisse Tragik zustande: denn Love Machine alias Art Barr durfte die in ihn gesetzten Talenthoffnungen leider nicht mehr erfüllen - und starb nur siebzehn Tage nach dieser Veranstaltung mit 28. Ihm zu Ehren übernahm Guerrero dessen Finisher: den Frog Splash… der dann zu seinem Markenzeichen wurde.

Platz 1:

Brock Lesnar vs. Eddie Guerrero
WWE Championship Match
WWE No Way Out 2004, 15.02.2004

Damit haben wir einen Sieger… und in Gänze betrachtet geht der sowohl in Ordnung als auch vermutlich bei den meisten, welche sich an diesen Abend erinnern, mit Sicherheit durch. Anfangs wurde ja bereits der historische Moment von Benoit und Eddie bei WrestleMania XX angerissen - dies hier war, was Guerrero angeht, die Ouvertüre dazu… und ganz allein sein Moment, auf den er lose hingearbeitet hatte. Es würde ein gutes Match werden - das war den meisten im Vorfeld klargewesen. Dass es sich dann aber zu einem derartig atemberaubenden Showstealer entwickeln würde, überraschte dann aber doch die meisten. Eddie… war an diesem Abend kurz gesagt on fire und kam nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser mit seiner David-Rolle gegen Goliath Brock Lesnar zurecht. Im Übrigen: Angesichts der Tatsache, wen der Vanilla Gorilla in den letzten Jahren alles omnipotent an die Wand geklatscht hat, zaubert dieser Feel-Good-Moment zumindest mir noch ein etwas breiteres Grinsen ins Gesicht (und eine Träne ins Knopfloch). Ungeachtet jedweder möglichen Bewertungen von Experten, bestimmten Overbookings und nüchterner Betrachtungsweisen: Wenn es einen Eddie-Moment gibt, dann diesen nach einer runden halben Stunde kräftezehrender Matchzeit. Also - genießt die folgenden Minuten nochmals.

In diesem Sinne: Viva la Raza, Mamacita!

Letzte Änderung am Sonntag, 08 Oktober 2017 21:06

Meistgelesene Artikel (alltime)

Kalender

« Oktober 2017 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31