Alex Wright wird WCW Cruiserweight Champion – Gold fürs German Wunderkind Empfehlung

  • 29 Juli, 2017
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Gut, dass Wrestling-Manöver neben einer technischen Bezeichnung oft noch eine Art Spitznamen haben. Ein Belly-to-back waist lock suplex etwa soll doch eigentlich eher den Nacken der Gegner wehtun als den Zungen der Kommentatoren oder Fans. German Suplex klingt doch eh viel runder. Und selten hat dieser einprägsamere Name besser gepasst als am 28. Juli 1997. Denn mit dem German Suplex feierte ein 22-jähriger Bayer den ersten Erfolg eines Deutschen in einer großen amerikanischen Wrestling-Promotion: Heute vor 20 Jahren gewann Alex Wright die WCW World Cruiserweight Championship.

In der Geschichte der oft hochgelobten Cruiserweight Division der WCW war das Match zwischen Alex Wright und Chris Jericho eigentlich keines, an das man sich erinnern müsste. Handgestoppte sechs Minuten und 26 Sekunden bekamen der Deutsche und sein kanadischer Gegner bei der Flaggschiff-Show WCW Monday Nitro für ihr Titel-Match. Für viel mehr als die Andeutung ihrer Fähigkeiten hatten die beiden also gar keine Zeit.

So kam das Ende des Matches auch etwas überraschend. Alex Wright befreite sich aus einem Small Package Jerichos (ein Move, für den es gar keine technische Bezeichnung gibt, die wäre viel zu kompliziert), verpasste seinem Gegner einen kurzen Stoß mit dem Ellenbogen, packte ihn dann von hinten um die Hüften, hob ihn in hohem Bogen aus, stürzte sich rückwärts und landete sehenswert in eine Brücke – German Suplex. Eigentlich ganz simpel, heute ein absoluter Standard-Move, den vor Ewigkeiten ein in Hamburg aufgewachsener Belgier erfunden hatte – trotzdem History in the making. Denn Jerichos Schultern lagen auf der Matte, der Referee zählte den Pin: eins, zwei, drei. Das German Wunderkind hatte das Gold. Als erster und einziger Deutscher in der Geschichte.

1993 war Alexander Wright, Sohn der britischen Catch-Legende Steve Wright, fast zufällig in der WCW gelandet. Als 18-jähriger hatte er einen Auftritt in der Talk-Show „Schreinemakers“ neben den WCW-Stars Sting und Johnny B. Badd (ja, echt jetzt) und wurde zur Deutschland-Tour der damaligen Top-Promotion eingeladen. Weil dort ein Wrestler verletzt ausfiel und Wright auf Anraten des Papas mehr oder weniger zufällig sein Wrestling-Gear dabei hatte, durfte der blutjunge Deutsche einspringen – und überzeugte. Erst tourte er in den kommenden Tagen mit den Stars durch Deutschland, dann kamen Eric Bischoff und Ric Flair, Boss und Booker, auf ihn zu und legten ihm einen Profivertrag vor. Wright war drin.

Schlag auf Schlag: Cruiserweight und TV Title

Vier Jahre, eine Auszeichnung als WCW Rookie of the Year und einen bronzenen „Bravo“-Otto später kam der 28. Juli 1997 und damit der erste große Erfolg. Mit Fönwelle und in orangefarbenen Trunks stand Alex Wright im WCW-Ring und legte bei Monday Nitro als frisch geturnter Heel ein Sieges-Tänzchen vor dem Gürtel des WCW Cruiserweight Champions auf die Matte. Lange sollte Wrights Titel-Regentschaft aber nicht dauern. Das Gold verlor er schon nach 15 Tagen wieder an Jericho – nur um wiederum fünf Tage später zum WCW World Television Champion gekrönt zu werden. Am 21. August 1997, bei der 35. und letzten WCW-Ausgabe des Clash of the Champions, holte er sich den Titel von Ultimo Dragon.

Rund einen Monat blieb er TV Champion, danach war erst mal Schluss mit dem Glanz. 1999 scheiterte sein Run unter dem neuen Gimmick Berlyn grandios. WCW zog die Reißleine, machte aus dem Nazi-Schläger wieder einen Tänzer. Seinen dritten und letzten Titel in der WCW holte sich Wright am 16. November 2000 als Teil der Boogie Knights bei einer Show in Oberhausen. Den Titel hielt er zwar nur für jämmerliche vier Tage, der nächste Eintrag in den Geschichtsbüchern war Wright aber sicher.

Wright-Zögling Fabian Aichner in der WWE

Mit der ganz großen Karriere sollte es allerdings nicht mehr klappen. Mit dem Ende der WCW im Frühjahr 2001 ging auch die Profi-Laufbahn von Alex Wright ein – mit damals gerade mal 25 Jahren. Die WWE übernahm WCW, legte Wright später auch Job-Angebote vor, doch der junge Wrestler war ausgebrannt, lehnte ab. 2003 bestritt er in Deutschland sein letztes Match. Es dauerte eine Weile, dann erfüllte er sich einen anderen Traum: eine eigene Wrestling-Schule. „The Wright Stuff“ öffnete in Wrights Heimatstadt Nürnberg Anfang 2007 die Tore. Rund zwei Jahre später feierte auch seine eigene Promotion Premiere: New European Champion Wrestling (NEW).

Die Fönwelle ist längst Geschichte, der mittlerweile 42-Jährige trägt die Haare, sagen wir, offen. Auch den German Suplex überlässt er jetzt anderen. Zum Beispiel Adrian Severe aka Fabian Aichner. Sein Schützling, mehrfach NEW Champion und Wright frisurentechnisch nicht ganz unähnlich, ist inzwischen selbst in der WWE angekommen. Beim Cruiserweight Classic im Sommer 2016 war er zwar nicht so erfolgreich wie sein Förderer knappe 20 Jahre vorher in der WCW, aber das kann ja noch kommen: Der deutschsprachige Südtiroler hat einen festen Vertrag beim Entertainment-Riesen unterschrieben. Klar ist: Ob Italiener oder nicht – German Suplex bleibt German Suplex. Oder eben Belly-to-back waist lock suplex. Aber bisher beendet Aichner seine Matches sowieso lieber mit anderen Attacken.

Letzte Änderung am Mittwoch, 13 September 2017 23:27

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