Hall of History: Zum 50. Todestag von Gorgeous George

  • 26 Dezember, 2013
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Frohe Weihnachten euch allen! Ihr habt heute sicherlich Besseres zu tun, als auf Clothesline.eu Artikel zu lesen. Aber ich musste mich heute einfach noch kurz hinsetzen und einen kleinen Text tippen. Denn das heutige Jubiläum ist mir zu wichtig, um es einfach kommentarlos passieren zu lassen. Heute vor 50 Jahren, am 26. Dezember 1963, starb Gorgeous George. Was – ihr fragt, warum das so wichtig ist? Stellt euch in die Ecke und schämt euch! (Alternativ könnt ihr auch weiterlesen.) Denn Gorgeous George ist für die Wrestling-Geschichte mindestens genauso wichtig wie Hulk Hogan und Stone Cold Steve Austin.

„Los Angeles, 25. Aug. – Das Wrestling-Match zwischen Gorgeous George und Billy (the Black Panther) Mitchell ist gestern Abend in einem massiven Aufstand geendet. Ein Fan wurde erstochen und mindestens zwei andere wurden im Anschluss an die Entscheidung im Olympic Audatorium in einer Massenschlägerei verletzt. Die Polizei teilte mit, dass der Kampf begann, als der „Gorgeous One“ Mitchell aus dem Ring warf und als Sieger erklärt wurde. Wütende Fans sprangen in den Ring und der Kampf breitete sich vom Ring bis in die Zuschauerreihen und schließlich bis außerhalb der Halle aus. Unterstützt vom Überfallkommando, konnte die anwesende Polizei die Ordnung wiederherstellen und das Gebäude räumen.“

The guy people loved to hate

Diese Zeilen stammen im Original aus der Zeitung The Spokesman-Review vom 26. August 1949. Es war die Zeit, als George Raymond Wagner zur ganz großen Nummer im Wrestling-Ring wurde. Er verkörperte einen Fiesling mit blonden Locken und femininen Kleidern, so hochnäsig, dass es ihm beim nächsten Wolkenbruch ins Riechorgan hineinregnen würde. Zum Glück fand Wrestling in Hallen statt. Wrestling war auch damals schon gescriptet und sicherlich wussten das auch damals schon viele der Zuschauer, die vornehmlich aus der Arbeiterklasse stammten. Aber Gorgeous George verstand es, Regeln zu brechen und das Publikum derart gegen sich aufzubringen, dass es gelegentlich zu Aufständen kam.

Heute lesen wir auf Schildern im Publikum immer wieder „If Cena wins, we riot“ – damals war es wohl „If George wins, we riot“. Und ganz offensichtlich haben die Leute damals ernst gemacht. Heute heißt es immer, dass Gorgeous George ein Wrestler war, den die Leute zu hassen liebten. Das ist wohl sehr positiv formuliert.


Der erste bunte Wrestler

George Wagner, Jahrgang 1915, war seit den späten 1930er Jahren im Wrestling aktiv. Zusammen mit seiner ersten Frau Betty kreierte er in den 40ern den Gorgeous-George-Charakter. Sie erkannten, dass die Amerikaner in der Tat das Hassen liebten. Heute ist es Gang und Gebe, dass sich ein Wrestler einen Charakter erschaffen muss, um sich von anderen zu unterscheiden. Das alles basiert auf dem, was Gorgeous George geschaffen hat. Er war einer der ersten bunten Charaktere im Wrestling-Business. Mit pompösen Roben schritt er zum Ring, ließ denselben vorher mit Parfüm bestäuben, ließ sich vom Ringrichter nicht zur Kontrolle anfassen und talkte Trash. Seine gebleichten Locken, die ihm die Zuschauer am liebsten ausgerissen hätten, waren Vorbild für Legenden wie Buddy Rogers und Ric Flair. Gorgeous George war die „Sensation of the Nation“, der „Toast of the Coast”, und besonders schön, die „Human Orchid“, die menschliche Orchidee.

Entscheidenden Anteil an seinem Erfolg hatte auch das Fernsehen. Als die Bilder das Laufen lernten und es in den 50ern zum ersten großen Verkaufsboom der Flimmerkisten kam, war Wrestling eines der ersten Programme. Durch die Einheit von Ort, Zeit und Personen war es leicht zu übertragen. Durch die Installation von Kämpfen nach Drehbuch arteten die Matches auch nicht mehr in stundenlangen Schiebereien aus. Wrestling und Fernsehen schienen wie für einander gemacht – und Gorgeous George passte perfekt hinein. In den 50er Jahren war Wrestling auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit. George war der erste Wrestling-Superstar.


Inspiration für Dylan, Brown und Ali

Gorgeous George prägte aber nicht nur seine goldene Wrestling-Ära und unzählige Wrestler nach ihm. Er inspirierte auch etliche Künstler außerhalb des Business wie James Brown und Bob Dylan. Den wohl größten Einfluss hatte er aber auf einen jungen Boxer namens Cassius Clay, der später zum Sportler des Jahrhunderts ausgerufen wurde – Muhammad Ali. Clay war zwar schon die lautstarke „Louisville Lip“ und wäre wohl auch ohne George der vielleicht beste Boxer der Geschichte geworden. Doch besonders dank George entwickelte sich Ali zu einem Larger-than-Life-Character. Der junge Boxer war beeindruckt, wie viele Leute sich Tickets kauften, um zu sehen, wie George verdroschen wird. Also inszenierte sich Ali als Bad Boy, als Großmaul, rappte seine Statements, polarisierte. Er erlaubte es, dass Zuschauer sich eine Meinung bilden konnten, und zwang sie mit seinem Auftreten geradezu dazu, dass sie es auch taten.

Am 7. November 1962 trat Gorgeous George in seinem letzten Match an. Es war ein Hair vs. Mask Match gegen Dick „The Destroyer“ Beyer. George verlor nicht nur das Match – sondern auch seine blonde Mähne. Nur ein Jahr später starb George Wagner an Folge eines Herzinfarkts an Weihnachten. Starker Alkoholkonsum hatte ihn gesundheitlich längst lädiert. 2002 gehörte George zur ersten Class der Professional Wrestling Hall of Fame. 2010 nahm ihn Branchenführer WWE in ihre Ruhmeshalle auf. Die damals 97-jährige Betty Wagner nahm den Preis entgegen.h

Gorgeous George hat Professional Wrestling verändert wie kaum ein anderer Wrestler überhaupt. Leider ist er heute kaum noch bekannt. WWE nennt ihre Wrestler heutzutage allesamt Superstars – Gorgeous George war wirklich einer.

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Dezember 2018 20:34

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