Hall of History - Zum 100. Geburtstag von Gert Fröbe. Aber wieso denn Gert Fröbe?

  • 26 Februar, 2013
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hohFreddy Blei hängt schon in den Seilen, doch sein Gegner hämmert weiter auf ihn ein. Erst mit Hilfe des Ringrichters kommt er wieder frei. Freddy taumelt in die Ringmitte und wird sofort mit einem Nerve Hold in beide Schultern empfangen. Freddy geht in die Knie. Er schreit. Sein Gegner legt noch einmal alle Kraft in seinen Griff. Er lässt los und Freddy sackt zu Boden. Der Ringrichter zählt ihn an: „Sieben, acht, neun – aus“. Die Glocke läutet. Auf einer Trage wird der korpulente, bärtige Freddy aus der Halle getragen. Die Zuschauer johlen, hatten sie doch Freddy nicht leiden können.

Freddys Nachbar Hermann Seidel geleitet ihn aus der Halle. Kaum draußen springt Freddy von der Trage. „So – Feierabend. Wir können gleich gehen“, ruft Freddy zufrieden. Seidel ist verwirrt. Schließlich hatte Freddy im Ring so viel einstecken müssen. Schließlich hatte Freddy verloren und musste auf einer Trage abtransportiert werden. „Ja, aber in Ihrem Zustand… Ihr Kopf!“, reagiert Seidel ganz besorgt. Freddy: „Ach so! Die Haare kämm ich mir noch.


"Der Pauker"

Wir schreiben das Jahr 1958. Konrad Adenauer ist immer noch Bundeskanzler, die NASA wird gegründet und Brasilien wird erstmals Fußball-Weltmeister. Das deutsche Fernsehen wird von Heimatfilmen dominiert. In Amerika ist das Wrestling-Business auf dem Vormarsch. Größen wie Lou Thesz und vor allem Gorgeous George revolutionieren den Schausport und sorgen für eine erste Massenwirkung durch die Verbreitung von Heimfernsehgeräten. Aber das beschränkte sich doch auf die USA, oder?

Nicht ganz, auch in Deutschland war das Wrestling, landläufig als Catchen bekannt, mehr oder weniger angekommen. Wenngleich sich deutsches Catchen auf Live-Events beschränkte und vielmehr britische als amerikanische Wurzeln hatte. Der Spielfilm „Der Pauker“ war da eine Ausnahme, wobei auch er die Kultur der Live-Veranstaltungen zeigt. In den Hauptrollen des Streifens spielten niemand geringeres als Heinz Rühmann und Gert Fröbe. Rühmann verkörpert einen konservativen Oberstudienrat mit dem Namen Dr. Hermann Seidel, der vom Land in eine Großstadt versetzt wird. Mit seinen veralteten Methoden provoziert er die Jugendlichen lediglich. Um sich gegen die aufmüpfigen Schüler wehren zu können, wendet er sich an seinen Nachbarn Freddy Blei. Freddy Blei ist Catcher und soll dem Pauker Unterricht in diesem ungewöhnlichen Metier geben.


Ein kleiner Dienst für Wrestling in Deutschland

Freddy Blei und Hermann Seidel sind Zimmernachbarn. Sie treffen sich erstmals, als Seidel schnaufende Geräusche von nebenan vernimmt. Dort stemmt Freddy gerade als Gewichte einen Tisch mit Sessel und Koffer obendrauf. Seidel und Blei – der sich als Ringkämpfer vorstellt – kommen ins Gespräch und beschließen, sich gegenseitig etwas beizubringen. Seidel soll Blei richtiges Deutsch lehren, Blei will Seidel im Gegenzug ein paar „Catchgriffe“ zeigen. „Wir beginnen mit reiner Kopfarbeit“, sagt Freddy und stößt die Tür mit einem Kopfstoß zu. Dann hämmert er mit dem Stirn dagegen. Seidel möchte diese Übung lieber nicht nachahmen. Als Seidel eines Abends von den Jungen auf Mopeds aufgelungert wird, entscheidet er sich, sich doch mit Freddy auf die Matte zu wagen. Als es eines Tages zum Kampf zwischen Seidel und dem Anführer der Jungengang kommt und er sich mit seinen neuen Techniken sogar ganz gut behaupten kann, gewinnt er so langsam den Respekt der Jungen.

Der Film „Der Pauker“ hat somit für das Wrestling in Deutschland einen kleinen Dienst erwiesen. Vermutlich ist es der erste Film und eine der ersten Erwähnungen im deutschen Fernsehen, der den Schausport aufgreift. Dabei wird gleich das Kayfabe gebrochen und gezeigt, dass es kein echter Sport ist. Fröbe alias Freddy springt nach seinem Match, wie eingangs beschrieben, von der Trage und deutet an, dass ihm nichts fehle. Damit wird das Wrestling sicherlich verharmlost, gerade wenn man an die Anstrengungen der Stars heute denkt. Aber natürlich war es auch damals kraftraubend. Schließlich war es noch sehr ans Ringen am Boden angelehnt. Ringen, gespickt mit Zuschauerinteraktionen und kleinen Schauspielereien. Wrestling war in Europa aber noch mehr als in Amerika auf den vermeintlichen Wettkampf und weniger auf das Schauspiel ausgerichtet. Catch-as-catch-can nannte sich der Stil. Daher auch der inzwischen veraltete Ausdruck „Catchen“. Der Film zeigt, dass Wrestling „nur“ Schau ist, dennoch kann sich Seidel mit den Griffen auch in einem echten Kampf gut zur Wehr setzen.


Goldfinger im Ring

Wenn man andere Rollen Fröbes kennt – wie zum Beispiel seinen berühmten Part als Goldfinger im gleichnamigen James-Bond-Abenteuer –, verwundert es nicht, dass Fröbe Heel war. Denn meistens war er in Filmen der Bösewicht. So zeigt auch Freddy Blei den Zuschauern den Vogel und streckt die Zunge raus. Diese Cheap-Heat-Methoden sind doch nicht so viel anders als heute, oder? Nur eben mit zeitgemäßen Aktionen. Stieg Freddy Blei nicht gerade in den Ring, war er allerdings ein netter Zeitgenosse.

Gestern, am 25. Februar 2013, wäre Gert Fröbe 100 Jahre alt geworden. Zu seinen bekanntesten Rollen gehörten nach „Goldfinger“ (1964) unter anderem die eines Kindermörders in „Es geschah am hellichten Tag“ (ebenfalls neben Heinz Rühmann, 1958), die als Räuber Hotzenplotz im gleichnamigen Film (1974) und der Part als Abel Bellamy im Edgar-Wallace-Krimi „Der grüne Bogenschütze“ (1961). Fröbe starb vor 25 Jahren, am 5. September 1988, in München. Außerdem wird der Film „Der Pauker“ dieses Jahr 55 Jahre alt. Nun wisst ihr, warum Fröbe hier ein kleiner Beitrag gewidmet wird.

Kennt jemand den Film? Wie nehmt ihr die Darstellung des Wrestlings dort wahr? Kennt ihr andere, ähnlich alte Erwähnungen des Wrestlings in Deutschland? Alles, was ihr habt und wisst – immer her damit! Postet ins Forum, schreibt uns bei Facebook oder mailt mir unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!!

Letzte Änderung am Donnerstag, 20 Juni 2013 16:23

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