Hall of History: Bound for Glory 2008 - Samoa Joe vs. Sting

  • 10 Oktober, 2012
  • geschrieben von 
  • Gelesen 2257 mal
  • Artikel bewerten
    (0 Stimmen)

boundforglory2008Der Countdown läuft, noch vier Tage bis Bound for Glory. Zur Einstimmung wollen wir heute einen kleinen Blick in die Vergangenheit werfen, vier Jahre zurück. Hogan & Bischoff haben die IMPACT-Zone noch nicht belagert, die Beer-Money-Welt ist noch heile und Orlando steht unter der Kontrolle von Jim Cornette. Für den größten PPV des Jahres war TNA in Chicago, Illinois zu Gast.

 Auch wenn sich dieser kleine Text um den Main Event dreht, so sei dieser Event alleine aufgrund seines Abwechslungsreichtums jedem Fan ans Herz gelegt. Als Anheizer lieferte die X-Division ein spannendes Steel Asylum Match ab, es gab solides Damenwrestling, den Hardcorefans wurde ein Four Way Tag Team Monsters Ball Match mit Käsereiben, Reißzwecken & brennenden Tischen geboten, der Mainstream wurde mit einem Triple Threat zwischen Christian Cage, AJ Styles & Booker T bedient und für die Dramaqueens unter den Wrestlingfans lieferten sich Kurt Angle und Jeff Jarrett ein wahnsinnig spannendes Match im Co-Main-Event unter den Augen von Special Enforcer Mick Foley.


Es war also alles für einen epischen Main Event vorbereitet. Doch wie kam es überhaupt zu Joe vs. Sting um den Titel? Holen wir ein wenig aus:

Ein Teil der Geschichte begann bereits bei Final Resolution, dem letzten PPV 2007. Samoa Joe verlor zusammen mit Kevin Nash ein Match um die Tag Team Titles gegen die amtierenden Champs AJ Styles & Tomko, nachdem Nash die Halle verließ und damit Joe scheinbar hinterging. Beim darauffolgenden IMPACT machte sich die Samoan Submission Machine kampflustig auf die Suche nach seinem Partner. Dieser war jedoch weniger an einer Auseinandersetzung und viel mehr an einer Zusammenarbeit interessiert und bot sich als Mentor an.  Schlussendlich schaffte er es tatsächlich, Joe zu beruhigen und ihn zu überzeugen. Bei Slammiversary nahmen die beiden neben u.a. Booker T am King Of The Mountain Match teil. Als Booker kurz vor dem Sieg stand, musste er die Jackknife Powerbomb fressen, Joe gewann schließlich das Match und war somit der erste Champ, der seinen Titel in diesem Match verteidigen konnte. Nash mentorierte noch einige Monate, bevor er ein er Qualifying Match für ein No.1 Contender Match gegen Kurt Angle bei No Surrender verlor und daraufhin eine Auszeit nahm, sich jedoch im Guten von Joe verabschiedete.

Wo wir gerade bei Booker T waren: Dieser turnte kurz vor Slammiversary, bei Sacrifice, Heel, nachdem er im Deuces Wild Tag Team Tournament ausschied und daraufhin Christian und Rhino hinterrücks mit einem Stuhl attackierte. Infolge dessen forderte er ein Championship Match bei Victory Road, indem er Joe bei der Ehre packte und ihn fragte, ob er wirklich sagen könne, er habe Booker jemals Mann-gegen-Mann besiegt. Joe stimmte letztendlich dem Match zu. Der fünffache WCW-Champ kehrte in diesem Zeit wieder etwas mehr zu seinem King Booker Gimmick zurück, allerdings weniger überzogen und abgedreht, als bei WWE.


Im Laufe des Matches bei Victory Road drehte Joe durch und attackierte sowohl Referee als auch Kameramänner. Nachdem Booker bereits wehrlos war, attackierte er ihn weiter und versuchte dessen Karriere zu beenden. Dies rief Sting auf den Plan. Nachdem der Stinger erfolglos versuchte, Joe von seinem Pfad der Zerstörung abzulenken, setzte es einen Schlag mit dem Baseballschläger und das Match endete offiziell in einem No Contest.  Sharmell zählte nach dem offiziellen Ende jedoch den three-count und Booker verließ am Ende des Abends die Halle mit dem Belt. Doch anstatt beim anschließenden IMPACT Joe in einer Promo zu konfrontieren, widmete sich der Stinger in den kommenden Wochen wieder einem alten Hobby: Sich die Shows von Hallendecke aus ansehen. Joe und Booker steigerten sich unter den Augen Stings immer mehr in ihre Fehde. Während einem Face-Off der beiden hing schließlich ein Baseballschläger von der Hallendecke herab, welchen Booker zu seinem Vorteil nutzen konnte. King Book bedankte sich bei Sting, womit ein Heelturn Stings angedeutet werden sollte.

Nachdem sich der Stinger in den TV-Shows vornehm zurück hielt, griff er bei Hard Justice wieder aktiv ins Geschehen ein, indem er zuerst AJ Styles (der seinen Gegner, wie zuvor schon Samoa Joe, ausschalten wollte) und anschließend Samoa Joe in ihren Matches gegen Kurt Angle respektive Booker T attackierte. Beim anschließenden IMPACT kam Sting zum ersten Mal seit Monaten zu Wort und erklärte seine Aktionen damit, dass Leuten wie Joe und Styles der Respekt vor den Leuten fehle, die ihnen den Weg geebnet haben. Bei No Surrender kündigte Sting schließlich an, Joe zu einem Match bei Bound for Glory herauszufordern. In den letzten Wochen vor BfG stellte Joe dann die Frage, wo Sting die letzten Monate gewesen sei. Auch wenn er Leute wie AJ Styles, Christian oder Kurt Angle nicht mögen würde, so respektiere er, dass sie sich tagtäglich den Arsch für diese großartige Company aufreißen. Der Stinger antwortete darauf, dass er bereits 340 Tage im Jahr „on the road“ war, als Joe noch an seinem Daumen genuckelt habe. Er habe für 20$ in Turnhallen gewrestlet und von den besten wie Magnum TA oder Ric Flair gelernt. Er habe einfach zugehört und die Klappe gehalten. Das Ganze kulminierte dann in einer Vertragsunterzeichnung, die (wie sollte es auch anders sein) in einem Brawl endete, der mit einem Headbutt seitens Joe eingeläutet wurde, der sämtliche WWE-Brawls wie eine Sandkastenschlägerei aussehen lässt. Wahnsinnig intensive Promo, die heiß auf den Event machte.


Nach dem üblichen Highlight Video wurde zunächst Sting gezeigt, wie er sich vom Lockerroom aus auf den Weg in die Halle macht. Währenddessen wurde ein kurzes Video mit seiner Vorstellung eingespielt, anschließend das Gleiche mit Joe. Hat mit sehr gut gefallen, hatte etwas Atmosphärisches und ein Big-Time-Feeling vermittelt. Während den elendslangen over-the-top-introductions von Jeremy Borash ließen die beiden kein Auge voneinander, ließen sich auch nicht von den Fans feiern, sondern konzentrierten sich auf ihr Match.

Als die Ringglocke läutet, gehen die beiden sofort aufeinander los. Nachdem Sting fast die Oberhand gewinnen kann, befördert Joe ihn mit einem Back Body Drop übers oberste Seil nach draußen und folgt ihn mit einem Suicide Dive. Ohne Pause geht es weiter mit einigen Chops und schließlich über die Guardian Rail mitten ins Publikum. Joe zerrt den Stinger hinter sich her, schlägt dabei auf ihn ein und klatscht nebenher mit einigen Fans ab. Durch solch eine Unachtsamkeit findet Sting zurück, kann mit einigen Punches punkten und die Samoan Submission Machine über eine weitere Zwischenabsperrung werfen. Joe ändert seine Taktik und versucht nun zu fliehen, indem er die Treppen zwischen den Fans hinaufsteigt. Die beiden brawlen, begleitet von vereinzelten „TNA!“-Chants, die Treppe hinauf. Fast oben angekommen macht Stings Kopf Bekanntschaft mit dem Treppengeländer, was Joe Zeit verschafft, um sich auf eine Art Plattform oberhalb der Zuschauerränge zu begeben.

Der wohl stiffste Worker im TNA-Roster nimmt Anlauf, springt über eine Absperrung einen Dropkick und landet ungeschützt auf den Treppen. Eine Aktion, die sich hier nicht mal im Ansatz beschreiben lässt, eine Aktion die man gesehen haben muss und beim Kollegen Schwartz mit 99%iger Wahrscheinlichkeit den Holy-Shit-Award bekommen hätte. Sonst leide ich bei Joes Aktionen immer mit seinen Gegnern – diesmal habe ich mit ihm gelitten. Das tat schon beim Zusehen weh. Doch Joe steht sofort wieder auf und und will Sting in Richtung Ring zerren. Dieser kann ihn jedoch mit einigen Punches unterbrechen und einen Crossbody, immer noch mitten in der Menge, von einer Ringabsperrung zeigen, was die Fans erneut, diesmal mit deutlich hörbaren, „TNA!“-Chants belohnen. Der Stinger steigt auf die Zwischenabsperrung und will sich feiern lassen, doch Joe zieht ihm die Beine weg und setzt sofort mit dem Ole-Kick nach. Anschließend zerrt Joe ihn weiter Richtung Ring, hält noch ein paar Mal, um seinen Kopf gegen diverse Absperrungen zu hauen und rollt ihn schließlich zurück ins Steilgeviert.


Wieder im Ring angekommen, setzt es einige Schläge, gefolgt von einem Whip In und einem Backsplash in der Ringecke, garniert mit einem Kick. Joe setzt den Stinger nun auf die Ringecke und versucht sich an einem Muscle Buster. Sting kann jedoch kontern und zeigt einen wenig gelungenen Tornado DDT.  Er setzt sofort mit einem Splash nach, der aber nur zum two-count reicht. Joe kann sich wieder aufrichten und mit einem Mule Kick punkten, gefolgt von einer Powerbomb, die ebenfalls nur zum Nearfall führt. Anschließend Vintage Samoa Joe: Er lässt die Füße seines Gegners beim Kickout gar nicht erst los, sondern geht sofort in den STF über (nachdem er den Zuschauern kurz zugewunken hatte). Von da aus geht es direkt weiter in den Crossface, doch nach einiger Zeit schafft es Sting, sich ins Seil zu retten. Joe gönnt sich eine kurze Verschnaufpause, die Sting nutzt, ihn mit voller Energie anzugreifen, doch Joe kann dem heranstürmenden Ex-WCWler mit einem Snap Powerslam zu Boden bringen und den nächsten Nearfall einfahren.

Joe deutet das Ende an, whippt Sting in die Ecke, doch dieser kann kontern. Nun hängt Joe in der Ecke und es setzt einen Stinger Splash, gefolgt von... einem Muscle Buster (welcher allerdings ähnlich „erfolgreich“ ausgeführt war, wie der Tornado DDT zuvor)! Joe zeigt sich unbeeindruckt, schaltet in den No-Sell-Modus und kann mit einigen stiffen Chops, einer Clothesline und dem Scorpion Death Drop punkten. Während er sich feiern lassen will, steht Sting bereits im No-Sell-Modus hinter ihm. Er drängt Joe mit einigen Punches in die Ringecke, zeigt zwei Stiger Splashes, den Dritten kann Joe jedoch blocken und ihn zu Boden schleudern. In der Folge beschränkt sich Joe darauf, Sting anzählen zu lassen und ihn zu attackieren, sobald er sich wieder aufrafft. Schlussendlich legt sich Joe auch mit Earl Hebner an, als plötzlich Kevin Nash zum Ring marschiert. Joe ist immer noch mit Hebner beschäftigt, als sich Sting seinen Baseballschläger schnappt. Nash entreißt ihm diesen, der Stinger dreht sich um und läuft geradewegs in eine stiffe Clothesline. Das Cover von Joe, 1...2...2 ½... Kickout! Joe macht sofort weiter, läuft in die Seile, doch Nash schlägt ihn von hinten mit dem Schläger in die Kniekehle. Joe stolpert rückwärts in den Scorpion Death Drop und das Cover ist nur noch Formsache.


Im Großen und Ganzen kann man zusammenfassen: Ein wirklich gut aufgebauter Main Event, der zeigt, dass es keinen technischen Leckerbissen braucht, um ein wirklich gutes, unterhaltsames Match auf die Beine zu stellen. Zunächst mal waren die beiden von vorne herein wahnsinnig gut gepusht. Sting ging ohnehin mit seiner BfG-Siegesserie ins Match und auch Joe war nach seiner gebrochenen Siegesserie erneut zum extrem starken Champ aufgebaut worden. Zudem waren hier jede Menge anderer Fehden verstrickt, die davor und danach so richtig Fahrt aufnahmen (wie z.B. Angle vs. Jarrett oder der Beginn der Main Event Mafia). Auch Kevin Nash konnte hier als Mentor und später als Zünglein an der Waage durchweg in seinen Rollen glänzen. Das Finish hat mich ein wenig gestört. Im Grunde hat es super die in Story gepasst, aber das Match war einfach so hervorragend gebookt und die beiden haben so viel Spannung aufgebaut, dass ich mir hier ein cleanes Finish gewünscht hätte. Die beiden haben gezeigt, wie man mit einfachsten Mitteln (z.B. Aufspringen nach dem Finisher des jeweils Anderen) das Publikum fesseln kann. Ja, liebe WWE-Zuschauer, es gibt auch No-Sell-Modes die richtig unterhaltsam sein können, wenn sie ordentlich verkauft werden.

Auch Booker, der hier seinen dritten Frühling erlebt und geholfen hat, der Fehde zu einem ordentlichen Start zu verhelfen, hat mir sehr gut gefallen. Allgemein muss ich sagen, wenn ich Joe so als Champion sehe wird klar: Der Mann, ach was sag ich, die gesamte Company braucht dringend einen weiteren Titelrun des Samoaners. Jeder Worker kann Promos halten und sagen, wie wichtig ihm der Titel sei und dass es die größte Trophäe im Biz ist. Manchen glaubt es weniger, manchen nimmt es aufs Wort ab. Wenn Joe aber mit dem Titel im Ring steht, nimmt das noch einmal andere Dimensionen an. Der Belt bekommt gleich eine andere Ausstrahlung, man merkt eben, dass er das Ganze lebt. Abschließend gibt es also kleine Punktabzüge für das (nicht wirklich schlecht gebookte) Finish und Stings nicht immer ganz sauber ausgeführte Moves. Auf der Habenseite steht ein genialer Aufbau, ein kranker Bump, ein im Ring einfach unantastbarer Ex-Champ und ein sehr kurzweilig gebooktes Match. Macht für mich unterm Strich 8/10 Punkten.

Letzte Änderung am Donnerstag, 26 September 2013 13:49

Kalender

« Dezember 2021 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31