Interview mit Alpha Female: „Japan war mir wichtiger als TNA“ – Teil 2

  • 23 Mai, 2015
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Deutschlands bekannteste Wrestlerin Alpha Female spricht im zweiten Teil unseres Exklusiv-Interviews über ihre Zeit bei TNA, ihre Zukunft und ihre Charity-Projekte.

Hier geht es zu Teil 1 des Interviews: „Catfights beleidigen mich“

Viele Fans in Deutschland kennen dich von deinem Engagement bei TNA, wo du ja vor ungefähr einem Jahr gestartet bist. Zunächst die Frage: Ist das schon wieder vorbei oder kommt da noch was?
Wer weiß.

Wer weiß?
Man weiß nicht. Bei mir ist es so: Ich sage Leuten von meinen Plänen nichts, bis es dann passiert ist. Ich kann dir jetzt sagen: Ich gehe jetzt und werd‘ voll der Riesen-Star bei TNA, und dann krieg ich ‘nen Anruf: „Hey, wird doch nix.“ Wer sieht dann doof aus? Ich natürlich. Also, ich warte, bis ich wirklich da bin, und dann erzähle ich das auch, und dann habe ich auch Freude, darüber zu reden.

Kannst du was dazu sagen, warum das bisher nur so ein Kurzzeit-Engagement bei TNA war?
Weil ich viel beschäftigt war in Japan. Ich habe meine Karriere in Japan wichtiger empfunden als die Karriere in Amerika. Ich wollte auch loyal sein. Aber jetzt nach zwei Jahren Japan habe ich gesehen, ich habe alles erreicht, was ich da drüben erreichen konnte, ich habe mir alle Titel geholt, und da war für mich persönlich jetzt nicht mehr zu holen. Da habe ich mir gedacht: Geh mal wieder zurück nach Europa, und dann halt nach Amerika.

Was konntest du bei TNA lernen?
Oh, einiges! Die Leute, die dort arbeiten, sind die absoluten Profis mit dem Fernsehen, wo ich noch nicht so viel Erfahrung habe, weil ich ja bisher eher im Indy-Wrestling kämpfe. Vieles kann man da lernen, den ganzen Style, den die haben, die Schauspielerei, die Backstage-Politik.

Inwiefern unterscheidet sich so eine Promotion vom Indy-Bereich, was etwa Planung und Kommunikation angehen?
Die haben zum Beispiel einen Road Agent, der für dich die beste Rolle aussucht, der die Moves aussucht. Er schaut dich an, hat die Erfahrung, und sagt: Der Move würde für dich am besten passen. Während wir im Indy-Bereich alles selber machen. Also, ich denke mir, die Powerbomb würde bei mir am besten aussehen, also mache ich die Powerbomb. Das ist der größte Unterschied eigentlich.

„Wenn du dir wirklich was vornimmst: Scheiß drauf, was die Leute sagen“

Wie geht es für Alpha Female in den nächsten Monaten weiter?
Ich habe jetzt eine Tour in England geplant. Ich werde bei der Comic-Con dabei sein in Birmingham, weil einer meiner Pläne ist, die Alpha Female als Comic herauszubringen. So wie Superman oder Batman. Ich denke, dass Alpha Female – also nicht ich, sondern mein Brand, den ich entwickelt habe – ein gutes Role Model ist. Ich hatte nie Geld, ich konnte mir nie die größten und coolsten Trainer besorgen, ich konnte nicht sagen: „Hey, ich flieg jetzt dahin und dahin.“ Ich musste mir alles erarbeiten. Ich habe auch viele Leute gehabt, die mir im Weg gestanden sind, die gesagt haben, „Alpha Female, du wirst nie was. Du bist viel zu hässlich, du bist viel zu schlecht im Ring“. Aber ich hab es trotzdem geschafft, ich war in ganz Europa, in Amerika, in Japan. Und ich will einfach die Leute motivieren. Nicht nur im Wrestling, sondern generell im ganzen Leben: Wenn du dir wirklich was vornimmst, dann scheiß drauf, was die Leute sagen, mach’s einfach, zieh’s durch.

Du bist jetzt auch Teil einer Charity-Aktion. Erzähl mal kurz, um was geht es da?
So ein verrückter Mann aus England hat mich angeschrieben und meinte, er möchte selbstmörderisch in den Ring gegen mich steigen – und das für den guten Zweck, für Frauen, die zu Hause geschlagen werden. Ich muss ehrlich sagen, natürlich steh ich total hinter dem Projekt und ich will dafür was machen, aber ob Wrestling und eine Frau, die den Mann verprügelt, jetzt die beste Art und Weise ist, das Projekt rüberzubringen, weiß ich noch nicht. Das wird erst im September stattfinden, und wie die Show aufgebaut wird, muss noch überlegt werden. Ich finde es keine gute Idee, dass er in den Ring steigt und ich ihn verprügele – das verfehlt den Sinn.

Verfehlt das den Sinn der Aktion oder auch den Sinn von Wrestling?
Wrestling ist ja Show, Wrestling ist Spaß, Wrestling ist Unterhaltung. Dementsprechend würde es perfekt passen. Aber dass man bei einer Charity-Aktion gegen Gewalt Gewalt zeigt? Weiß ich nicht…

„Man braucht kein Geld, um etwas Gutes zu tun“

Du hast ja noch eine andere Aktion am Start. Eine T-Shirt-Aktion…
Genau, meine Pick-it-up-Aktion. Mein Motto ist ja Be Alpha: Sei selbstbewusst, trau dir was zu, sei nett – viele Sachen, um Alpha zu sein. Und Pick it up heißt „Heb’s auf“, sozusagen. Also, nimm deinen Körper und schick ihn ins Gym. Heb deinen Körper hoch. Oder nimm Müll von der Straße – pick it up. Einfach damit du was machst, um der Umwelt zu helfen, um dir zu helfen. Wenn es dir gut geht, kann es den Menschen um dich herum gut gehen. Und wenn es denen gut geht, geht es allen gut. Jeder sollte etwas „aufheben“, damit es der Gesamtheit besser geht.

Für dieses Projekt verkaufst du auch T-Shirts und spendest die Einnahmen. Wie geht es mit diesem Projekt jetzt weiter?
Perfekt wäre es, wenn die Leute mir Bilder schicken, wie sie ihre kleine eigene Welt verbessern. Man braucht nicht unbedingt Geld. Du kannst einfach auf die Straße gehen und den Müll in deiner Nachbarschaft aufräumen. Das kostet dich keinen Cent, und deine Nachbarn werden happy sein. Oder wenn du ins Gym gehst: Dein Partner wird sich freuen, wenn du schlanker bist, du vitaler bist. Das ist ein kleiner Kreislauf. Man braucht kein Geld, um etwas Gutes zu tun in der Welt. Die Message möchte ich verbreiten mit meiner Webseite alpha-female.de. Damit die Leute einfach ein bisschen Positivität ausstrahlen. So viel Krieg, wie wir haben, und Geldnot, da muss einfach was Positives kommen.

Letzte Änderung am Freitag, 08 September 2017 22:27

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