Exklusiv-Interview mit wXw Champion Karsten Beck: „Die WWE-Offiziellen waren von mir begeistert“ (Teil 3)

  • 20 März, 2015
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Er ist der Würger aus Wesel, der Maestro des Ringkampfes – und ein Heel, wie er im Buche steht. Jetzt ist Karsten Beck ganz oben angekommen: Er ist wXw Unified World Wrestling Champion. Im exklusiven Interview spricht er über seinen Titelgewinn, über die Philosophie eines Heel-Charakters, inwieweit er in den kreativen Prozess eingebunden ist und wann er es bereut, Wrestler zu sein. Teil 3.

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2.

Du hattest mal ein WWE-Tryout. Wann war das und wie lief das ab?
Das war vorletztes Jahr, 2013 in München. Das lief konform damit, dass in München das WWE-Office eröffnet wurde. Da wurden dann halt einige von uns eingeladen und wir durften unser Können da mal zeigen.

Hat sich daraus irgendwas für irgendwen entwickelt?
Hmm, ja. Adrian Severe ist damals in das Performance Center eingeladen worden. Von mir waren sie eigentlich relativ begeistert. Ich leider Gottes davor längere Zeit grippal erkrankt und hatte die Einladung per Mail dazu eine Woche vorher bekommen und war dann körperlich absolut nicht in der Verfassung, in der man eigentlich da hingehen sollte.

Was haben sie denn bei dir gut gefunden – oder auch nicht so gut?
Sie waren von meinem Charakter und der Art, wie ich mich im Ring gegeben habe, völlig begeistert. Es war halt einfach nur der körperliche Status, der so war, wie er war.

Wie läuft so ein Tryout ab, was musst du machen?
Es gibt völlig verschiedene Tryout-Formen. Es gibt eintägige Tryouts, es gibt mehrtägige Tryouts, die mit Fitnesstests und allem drum und dran zusammenhängen. Das ist ganz unterschiedlich. Ich weiß von einigen Leuten, die waren zwei Tage da, da wurde Cardio-Training bis zum Umfallen gemacht. Es gibt auch Tryouts, wo man einfach nur ein Match bestreitet.

Fitness, Match und Promo – das WWE-Tryout

Wie war’s bei dir?
Ich hatte die Möglichkeit, ein Match zu bestreiten, und musste vorher noch einen kleinen Fitnesstest machen, um meine allgemeine Fitness unter Beweis zu stellen. Und danach noch eine Promo halten.

Und dann tritt man da quasi vor fünf Leuten an oder wie muss man sich das vorstellen?
Vor dreien.

Wie will man denn da interagieren und seinen Charakter rüberbringen?
Man muss sich halt in dem Moment einfach darauf einlassen. Man hat ja immer noch die drei Leute, mit denen man was machen kann, und man hat immer noch den Ringrichter, mit dem man arbeiten kann. Und die anderen Leute, die auch ein Tryout hatten, standen auch noch drum rum. Das geht schon. Man arbeitet natürlich anders als vor einer normalen Zuschaueranzahl.

Was macht man genau anders? Wie geht das?
Das kann ich nicht mal beschreiben. Das ist ein gewisser Automatismus bei mir. Also, man merkt, wenn Leute auf etwas reagieren, und verhält sich dann dementsprechend.

Dadurch, dass du ja sagtest, dass die eigentlich ganz angetan von dir waren, glaubst du, du bist noch unter Beobachtung von WWE-Leuten?
Das kann ich nicht sagen. Ich weiß, dass die wXw da drüben ein Begriff ist, und dass auch teilweise bekannt ist, was da passiert. Ich denke, gerade, wenn jetzt der World-Title-Gewinn passiert ist, wirft das ja auch nochmal ein anderes Licht auf mich. Aber, wie ich vorhin gesagt habe, ich bin kein Mensch, der darauf hinarbeitet, sondern einer, der auf den Moment hinarbeitet. Wenn ich nochmal die Chance zu einem Tryout habe, dann werde ich mir dafür auch den Arsch aufreißen – und die Zeit vorher hoffentlich nicht krank gewesen sein. Dann mal schauen, was passiert.

Auch als Jobber zur WWE

Aber WWE müsste ja für dich als Experte für Charakterschliff und fürs Reaktionen-Ziehen nochmal ein Ziel sein, oder?
Wenn die WWE sagen würde „Komm rüber“, wäre ich der Letzte, der Nein sagen würde, absolut. Also, das ist schon irgendwo natürlich ein Traum. Ich möchte nicht sagen, dass das mein Ziel ist, aber es ist definitiv ein Traum.

Würdest du dich auch darauf einlassen, wenn die dir einen Vertrag geben würden, aber du da der letzte Jobber wärst?
(pustet durch) Klar, warum nicht. Das ist eine wahnsinnige Lernerfahrung, die man da hat. Im Normalfall läuft es ja auch nicht so ab, dass jemand sagt „Komm her hier, du bist jetzt der letzte Jobber“.

Das Blöde ist, das weiß man vorher nicht.
Richtig. Man wird ja nicht eingestellt und dann heißt es, wir haben jetzt den und den Plan für dich. Man wird eingestellt und dann lange Zeit darauf vorbereitet im Performance Center. Dann versuchen die Leute, mit dir Geld zu verdienen.

Wir hatten mal Joe E Legend im Interview. Der war als Just Joe in der WWE. Ihm wurde dort zuerst der rote Teppich ausgerollt. Am Ende musste er aber sogar den Brooklyn Brawler verlieren. Sind das Schreckensszenarien, die einem durch den Kopf schwirren?
Nein. Trotz allem war ich dann ja in der WWE angestellt, konnte mich präsentieren und habe in der Zeit eine wahnsinnige Menge gelernt. Also, wXw ist ja jetzt keine kleine Liga mehr, aber was da drüben abgeht mit den ganzen Angestellten, das ist ja alleine eine wahnsinnig große Erfahrung.

Jetzt noch einmal zurück zu deinem wXw-Engagement. Du bist jetzt wXw Champion. Wie geht es jetzt für dich weiter?
Jetzt geht es für mich darum, meinen wXw-Champion-Titel zu behalten, ihn zu verteidigen – oder am besten auch nicht zu verteidigen.

Ist das jetzt das Ende der Story von der besseren wXw?
Nein, noch lange nicht.

Aber jetzt mit dir als Champion ist doch sicherlich ein großer Schritt in diese Richtung gemacht.
Natürlich ist es, mich als wXw Champion zu etablieren, ein großer Schritt auf dem Weg zur besseren wXw gewesen.

 

 

 

Kurz für die, die nicht wissen, was es mit dieser „Besseren wXw“-Story auf sich hat: Kannst du die Geschichte einmal kurz umreißen?
Karsten Beck hat irgendwann angefangen, eine Kampagne für eine bessere wXw zu starten, und gegen verschiedene Dinge, die falsch liefen, Leute, die in meinen Augen nicht das gemacht haben, was sie machen sollten, vorzugehen. Und einfach eine bessere wXw zu machen, eine wXw, die mir gefällt.

Manche Ideen entscheiden sich erst eine Stunde vor der Show

Kannst du ein wenig was dazu verraten, wo der Weg noch hingehen könnte?
Da kann ich nicht viel zu sagen. Das ist wirklich eine Sache, die sich die Leute anschauen sollen. Es wird ja jede Woche in wXw-Shotgun ein bisschen was veröffentlicht. Es sind ja quasi wöchentlich Shows. Das 16 Carat kommt auch bald wieder. Vince Russo ist in Frankfurt wieder dabei. Das Schönste ist da einfach, die Augen aufzuhalten und zu gucken, was passiert.

Aber du weißt zumindest schon ungefähr, was passieren wird?
Ich weiß natürlich, wie es erst mal weitergeht. Es ist ja nicht so, dass mir alles aufgetischt wird und gesagt wird „Du machst jetzt das und das“. Das ist einfach ein gemeinsamer Prozess.

Wie weit im Voraus ist man da meistens so?
Puh. Das ist völlig unterschiedlich. Das kann man so nicht sagen. Manche Sachen werden eine Stunde, bevor sie passieren, erst überlegt. Manche Sachen stehen ein paar Monate vorher fest. Man hat da einige Ideen, man muss nur sehen, wie man sie am besten umsetzt und wie sie am besten funktionieren. Ich denke, gerade die Sache mit Vince Russo im Januar hat perfekt funktioniert, da hat man den perfekten Zeitpunkt erwischt.

Inwiefern bist du da selber in den kreativen Prozess eingebunden?
Ich werde natürlich auch nach Ideen gefragt und wie ich bestimmte Dinge halte. Niemand, der sich Sachen dafür ausdenkt, ist ein Allwissender, sondern da stecken sehr, sehr viele Schritte hinter. Da wird gerne geschaut, ob nicht irgendwer noch irgendwas hat, was die Sache aufdrehen kann.

Vince Russo hattest du angesprochen. Er ist ja in der Story verantwortlich gewesen für deinen Titelgewinn. Was bringt Russo mit für die Company, für die Story, für dich?
Naja, Vince Russo ist vor allen Dingen ein sehr großer und kontroverser Name und Vince Russo hat natürlich einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz.

Was kannst du von ihm lernen?
Jede Menge. Der Mann hat doch quasi die komplette Attitude Era mitgeprägt. Ich kann natürlich auch Wrestlerisch und vom Verhalten was von ihm lernen, weil er einen Erfahrungsschatz in jeglichem Teil, was Wrestling angeht, hat. Da gibt’s quasi nichts, was man nicht irgendwie lernen kann.

 

 

 

Du siehst also auch klar seine positiven Seiten und nicht das, was ihm alles Negatives vorgeworfen wird, etwa zu Ende der WCW.
Es ist ja völlig offensichtlich, dass das nicht sein alleiniger Gang war. Es ist relativ einfach zu sagen „Hey, das ist Vince Russo, der hat WCW und TNA kaputt gemacht und alles, was in der WWF damals schlecht gewesen ist, war auch Vince Russo“. Niemand weiß, was genau von wem kam. Vince Russo ist ja auch nicht der Chef gewesen. Da stehen ja auch irgendwo auch noch genug Instanzen zwischen. Es ist immer relativ einfach, jemandem die Schuld an irgendwas zu geben, ohne davon überhaupt irgendwas zu wissen.

Was bedeutet für dich, dass Vince Russo, eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der jüngeren Wrestling-Geschichte, bei deinem Titelgewinn entscheidend dabei war?
Das ist fantastisch gewesen. Das war der Wahnsinn und auch die Dinge, die mir Vince danach gesagt hat. Es war ein toller Moment, jemand mit dem Erfahrungsspektrum dabei zu haben, und am Ende darüber nochmal reden zu können und da einen Erfahrungsaustausch machen zu können. Ich hätte es mir kaum besser vorstellen können, als es war.

Was hat er dir denn gesagt?
Das ist nichts, was ich unbedingt im Interview sagen muss. Es war auf jeden Fall für mich durchweg positiv.

Die Fragen stellte Maik Hanke am Telefon.

Bild-Hinweis: Copyright 2015 by wXw Europe GmbH

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