Meine Top 10 Wrestling-Matches 2016

2016 war ein goldenes Wrestling-Jahr. Rein mit Blick auf die Dichte der Match-Qualität hat es vielleicht nie ein so gutes Jahr wie 2016 gegeben. Das behaupte ich einfach mal ganz kühn. Eine Top-10-Liste aufzustellen, ist da ein unfaires Unterfangen. Das eine oder andere Klasse-Match wird da leider hinten runter fallen müssen. Außerdem kann ich leider gar nicht alles gesehen haben, so viel gutes Wrestling, wie es mittlerweile überall auf der Welt gibt. Von daher mach ich das ganz subjektiv: Das sind nicht die ultimative Top-10-Liste der besten Matches des Jahres. Das sind, Stand heute, meine Lieblings-Matches 2016.

Einige Honorable Mentions muss man dem Ganzen aber voranschieben. An erster Stelle das unfassbar spektakuläre Dauerfeuer zwischen den Young Bucks und Adam Cole auf der einen Seite sowie Ricochet, Will Ospreay und Matt Sydal auf der anderen. Rating-Papst Dave Meltzer gab diesem Match von PWG Battle of Los Angeles (Night 2) volle fünf Sterne – und wenn man, so wie ich, nur einen Highlight-Zusammenschnitt gesehen hat, kann man das gut nachvollziehen. Hätte ich das Match ganz gesehen, würde es bestimmt unter den Top 10 landen.

Leider auch nur in Kürze gesehen habe ich das offenbar bärenstarke und höchst dramatische Halbfinale im G1 Climax zwischen Kenny Omega und Tetsuya Naito, das Omega bei NJPW endgültig auf den Weg nach ganz oben geschoben hat. Knapp die Liste verpasst, aber in diesem Jahr nicht ohne Erwähnung bleiben können die WWE-Frauen. Charlotte, Sasha Banks und Becky Lynch zeigen den Showstealer bei WrestleMania, Charlotte und Banks bestritten in diesem Jahr auch erstmals ein Women's Hell in a Cell Match – und ein gutes dazu. Ebenfalls knapp an der Liste vorbeigeschrammt sind Dolph Ziggler und The Miz mit ihrem extrem spannenden Storytelling-Glanzstück von WWE No Mercy.

10. Ricochet vs. Will Ospreay
NJPW Best of the Super Juniors – Tag 6

Ein Match, das viel wichtiger wurde, als es eigentlich war: Das Spotfest von Ricochet und Will Ospreay stieß eine Debatte an: Was darf Wrestling? Und: Ist das noch Wrestling?  Manche – allen voran WCW-Legende Vader – kritisierten das reine Aneinanderreihen von Flips, Drehungen und Sprüngen. Die Geschichte, die Psychologie habe gefehlt. Die meisten aber lobten die hochathletische Dauer-Action in Irrsinns-Tempo. Das, was funktioniert, ist richtig. Und je mehr Stile es gibt, umso besser. Wrestling-Journalist Dave Meltzer übrigens fühlte sich bei der Diskussion ins 1978 versetzt, als manche glaubten, die Matches von Ric Flair und Ricky Steamboat wären zu spotlastig. Für Ricochet und Ospreay vergab der Rating-Papst 4,75 Sterne – die fast perfekte Wertung. Und auch live vor Ort gab es das ultimative Lob: Das japanische Publikum chantete „This is awesome“ und „Holy Shit“ – das passiert eigentlich nie.

 

9. Sami Zayn vs. Kevin Owens
WWE Battleground 2016

Wie lange haben wir darauf gewartet? Endlich, endlich hatten Sami Zayn und Kevin Owens ihr großes WWE-PPV-Match – und was für eins! Nach ihrer langen Fehde, die schon bei NXT begann, haben sie diesen (vorläufigen) großen Abschluss mehr als verdient. Zayn und Owens lieferten sich das Grudge Match des Jahres, erzählten ihre emotionale Geschichte in einem intensiven Match weiter, feuerten sich ihre besten Aktionen um die Ohren, und erlösten die Fans nach einem spannenden Match mit dem Magic Moment: Sami Zayn hat endlich Kevin Owens geschlagen.

8. AJ Styles vs. Shinsuke Nakamura
NJPW Wrestle Kingdom 10

Zugebenermaßen, das Match war nicht ganz so gut wie Shinsuke Nakamura vs. Kota Ibushi von Wrestle Kingdom 9, dennoch war es ein ganz starkes Dream Match. Styles und Nakamura zeigten schlicht herausragendes Wrestling, einige Klasse-Konter und ein starkes Finish mit unglaublichen Boma-Ye-Kneestrikes. Einzig die Emotionen blieben ein wenig auf der Strecke – die beiden Wrestler hatten schließlich keine Vorgeschichte und es war auch eindeutig, wer gewinnen würde. Dennoch: Es ging ums reine Match – und das war bockstark.

7. Ladder War: The Young Bucks (Matt & Nick Jackson) vs. The Addiction (Christopher Daniels & Kazarian) vs. The Motor City Machine Guns (Alex Shelley & Chris Sabin)
ROH All Star Extravagenza 8

„Das Match muss in Betracht gezogen werden als eines der besten Ladder Matches der Geschichte”, schrieb das Fachmagazin F4W online. Und tatsächlich war es das wohl größte und genialste Ladder-Spotfest seit den Hardys, Dudleys, Edge und Christian vor 15 Jahren. Die Young Bucks, The Addiction und die MCMG machten keinen Halt vor den ganz großen Bumps. Besonders beachtenswert auch, wie ein Chris Daniels, der eigentlich aus dem Alter für solche Matches raus ist, seinen Körper ohne Rücksicht auf Verluste aufs Spiel setzte, um den Fans das bestmögliche Match zu liefern. Geiles Ding – angucken!

6. Cedric Alexander vs. Kota Ibushi
WWE Cruiserweight Classic – Runde zwei

Das vielleicht beste reine Match des sowieso tollen WWE Cruiserweight Classic. Wir befinden uns gerade Mal in der zweiten Runde und Kota Ibushi und Cedric Alexander zeigten ein Match, das dem Finale mehr als würdig gewesen wäre. Sie lieferten die volle Pulle Action, spannende Nearfalls und brachten sich beide so over, dass auch Cedric Alexander in der Niederlage derart stark aussah, dass die Fans ihn als Held feierten. Das Publikum goutierte die Wahnsinnsleistung mit „Please sign Cedric“-Gesängen. Triple H als NXT-Boss hatte die Fans gehört, kam nach dem Match in die Halle und holte den Unterlegenen höchstpersönlich ab. Ganz große Geste.

5. Shinsuke Nakamura vs. Sami Zayn
NXT Takeover: Dallas 2016

Vergesst WrestleMania! Hoch lebe NXT Takeover: Dallas! Was für ein WWE-Auftakt für Shinsuke Nakamura! Die Entrances, die Fans, die emotionale Bindung, das Match, das Finish, der Abgang – das war mehr als ein Traum-Match. Es war Realität. Von A bis Z klasse.

4. John Cena vs. AJ Styles
WWE SummerSlam 2016

Es war ein Traum-Match, das wir nie glaubten, jemals zu sehen. Das Gesicht der WWE gegen das ehemalige Gesicht von TNA. Über die Qualitäten von AJ Styles brauchen wir nicht zu diskutieren, und auch John Cena hat sich längst zu einem starken Big-Match-Wrestler entwickelt. Zusammen lieferten die beiden die dramatischste Konter- und Kickout-Party des Sommers, vielleicht auch des ganzen WWE-Jahres. Anders als in den meisten anderen Cena-Matches dieser Art… verlor Cena. Und noch wichtiger: Dieses Match hat AJ Styles in den WWE-Olymp katapultiert. Endlich nützte jemandem mal die Fehde gegen Cena.

3. Tommaso Ciampa vs. Johnny Gargano
WWE Cruiserweight Classic – Runde eins

Wow, was für ein Highlight zum Abschluss der ersten Runde des WWE Cruiserweight Classics. Tommaso Ciampa und Johnny Gargano schrieben praktisch aus dem Stand eine große Geschichte. Zwei Tag-Team-Partner wurden völlig ohne Matchaufbau gegeneinander gestellt, bewiesen in einem starken und hart geführten Match, wie gut sie sich kennen und was für eine sensationelle Chemie sie miteinander haben. Ganz hervorragend die Erzählung, wie sie im Bestreben, selbst im Turnier weiterzukommen, fast eine Grenze überschritten. In nur knapp zehn Minuten brachten sich Gargano und Ciampa selbst und das gesamte Turnier over. Dazu kam dann das ikonische Bild, als sich der geschlagene Ciampa neben Gargano setzte und still dessen Arm hoch reckte. Viel mehr kann man da gar nicht rausholen. Die positive Überraschung des Jahres. Ein Match, das einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht hat.

2. NXT Tag Team Championship
The Revival vs. #DIY
NXT Takeover: Toronto 2016

Vielleicht übertreibe ich, aber… war das das beste Tag Team Match aller Zeiten?! Meine Erwartungen waren sauhoch und wurden noch um das x-fache übertroffen. Die Story war gut, die Face/Heel-Verteilung war perfekt, die Individualisten großartig und ihre gemeinsame Arbeit fantastisch. Gerade die Ring-Präsenz und das das Timing von The Revival sind nicht zu übertreffen. Extrem spannendes Match mit vielen Referenzen zu ihren vorherigen Aufeinandertreffen und unzählbar vielen Nearfalls, die aber so viel spannender und so viel besser waren als das sonst in großen Matches übliche reihenweise Finisher-Ausgekicke. Das Finish mit der doppelten Submission, der Kampf von The Revival gegen die Schmerzen, wie sie sich aneinander festhielten und gegenseitig am Abklopfen hinderten, nur um schließlich doch aufzugeben, und der Magic Moment am Ende – einfach nur wow. Jetzt schon ein Klassiker und eines meiner All-time-favorite-Matches.

1. IWGP Heavyweight Championship
Kazuchika Okada vs. Hiroshi Tanahashi
NJPW Wrestle Kingdom 10

Die Intensität! Die Dichte! Die Bedeutung! Die Symbolik! Die Spannung! Die Emotionen! Es war das perfekte Finale der großen, Jahre währenden Saga zwischen Hiroshi Tanahashi und Kazuchika Okada und die endgültige Fackelübergabe vom alten Ace ans neue. Ein Match ganz vom Anfang des Jahres, nach dem schon klar war, dass es nicht mehr zu übertreffen sein würde. Ein Meisterwerk des Geschichtenerzählens. Es war in jeder Sekunde groß. Einfach alles hat hier gestimmt.

Letzte Änderung amMittwoch, 21 Dezember 2016 19:50
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