Top 20 Wrestling-Promos (Plätze 5-1)

Ohne lange Vorrede, denn gleich verliere ich noch genug Worte für große Worte: Wir sind am Gipfel angekommen. Das sind meine fünf Lieblings-Wrestling-Promos. Wer sich nochmal durch die Plätze 20 bis 6 klicken will, bitte hier entlang: Plätze 20-16, Plätze 15-11, Plätze 10-6.

5. Mick Foley: „Cane Dewey“
ECW - 19. September 1995

„Cane Dewey“ ist die Anti-Hardcore-Promo schlechthin, ein absoluter Klassiker von Mick Foley. In der Wrestling-Welt der Brüllaffen schlug ausgerechnet Hardcore-Ikone Foley alias Cactus Jack bei ECW die sanften, geradezu weinerlichen Töne an – aber nicht ohne zwischendurch intensive Highlights zu setzen. Diese Art zu reden war revolutionär und ist bis heute wohl von niemandem wieder so umgesetzt worden wie damals von Foley. Auch für den WWE Hall of Famer selbst gehört diese Promo zum Besten, was er je gemacht hat.

Zum Hintergrund: Cactus Jack, selbst gebrochen von Hardcore, trat als Heel mit einer Anti-ECW-Einstellung auf und wollte Tommy Dreamer – der sich unbedingt Respekt in der Liga erarbeiten wollte – überzeugen, zu WCW zu gehen. Foley balancierte auf der Grenze zwischen Gut und Böse. Ihm war es wichtig, verriet er mal, dass der Heel überzeugt ist, er sei im Recht. Und dafür suchte er einen guten (und realen) Anlass.

Foley erinnerte sich an ein Schild, dass er Monate vorher im Publikum gesehen hatte und bei dem sich damals seiner Frau Colette der Magen umgedreht hatte. Auf dem Schild stand „Cane Dewey“: die Forderung eines Fans, dass Foley seinen dreijährigen Sohn Dewey mit einem Stock verdreschen solle. Bei Foley sprudelte die Kreativität geradezu.

4. Jon Moxley: „I’m just a sick guy“
IPW - 1. November 2008

Überraschung – eine weitgehend unbekannte Promo! Bevor es Dean Ambrose in der WWE gab, gab es Jon Moxley in den Indys. Schon vor Jahren, in der Ultra-Violent-Promotion IPW bewies er, dass er zu den Großen am Mikrofon gehören kann. Vor allem in dieser Promo: So ein junger Bursche mit so einer genialen Kamerapräsenz und einem Verständnis, den gesamten Raum komplett zu nutzen. Moxley präsentiert sich herrlich abgedreht und gefährlich, wie im Trauma oder Wahn nach einer harten Schlacht mit Drake Younger.

Erst die Apathie, wenn er in der Ecke hockt, das Gesicht der Wand zugewandt, die schief gesungenen Töne. Und dann der blinde Griff an die Kehle der Interviewerin. Er haut coole und durchgeknallte Sprüche raus und wirkt mit der Gabel in seiner Hand völlig unberechenbar. Jon Moxley – so müsste man Dean Ambrose mal als Heel in der WWE loslassen. Vielleicht hat man diese Chance verpasst. Und vielleicht geht das im PG-Zeitalter auch nicht. Gut aber, dass diese Promo existiert – sie ist ein Meisterwerk.

3. CM Punk und The Rock: „Your arms are just too short to box with God“
WWE RAW - 7. Januar 2013

Diese Promo könnte auch glatt auf Platz eins stehen. CM Punk zündet in der ersten Hälfte dieses fast halbstündigen Segments eine weitere seiner Pipebombs – und trifft auch als eigentlich astreiner Heel wieder ins Schwarze. Ungefähr anderthalb Jahre nach seinem ursprünglichen Worked Shoot trug Punk wieder so viel Ballast auf seinen Schultern, dass er fürs Live-Publikum sogar eine TV-Werbepause durchpredigt. Und dann kam danach noch ein großes Rededuell mit The Rock. Rocky ist eine absolute Legende am Mic, für Manche der Größte ever – und Punk stellt ihn in den Schatten, wie es das vielleicht noch nie gegeben hat.

Punk entlarvt The Rock als Sprücheklopfer und glänzt mit kritischem Content, leidenschaftlich und mitreißend vorgetragen. Rock, der beim Royal Rumble gegen Punk um die WWE Championship antreten soll, hat zwar auch den einen oder anderen guten Spruch auf Lager, zieht auch das Publikum auf seine Seite, aber Punk ist es, der die ganz großen Sätze rauskloppte wie: „Come Royal Rumble, understand, when you step in the ring, your arms are just too short to box with God.“ Stoff für Ohrwürmer. Das Segment zeigt viel Klasse von The Rock, noch mehr aber von Punk. Auch wenn’s lange dauert: Guckt euch jede Sekunde an.

2. Mick Foley und Edge: „I understand“
WWE SmackDown - 1. August 2008

Das war 2008 ein absoluter Überraschungs-Kracher. Vor dem Hell in a Cell Match zwischen Edge und dem Undertaker beim SummerSlam 2008 war Mick Foley unangekündigter Special Guest im Cutting Edge und hielt eine bockstarke Brandrede über die teuflische Stahlkonstruktion, die ihn zehn Jahre vorher zur Legende gemacht hatte. Der Aufbau der Rede, die Wortwahl, die Aussprache, die Sätze, die sich ins Gedächtnis einbrennen, und vor allem die sich steigernde Intensität – das ist die hohe Kunst von Mick Foley.

Wichtig war dieser großartige Monolog aber vor allem, um aus dem Feigling Edge vor dem Hell in a Cell wieder ein Raubtier zu machen. In den Wochen und Monaten zuvor hatte Edge mit SmackDown-General-Manager Vickie Guerrero geturtelt, geschaukelt und Schaumbäder genommen, statt im Ring voll anzugreifen. Nach der Trennung des (Alb-)Traum-Paars entfachte erst Foley wieder das Feuer in Edges Charakter – denn sonst, sagte Foley, würde der Undertaker ihn in Stücke reißen.

Foley fragte Edge am Ende, ob er verstanden habe – das hatte er. Und dann zerstörte Edge Foley nach allen Regeln der Kunst. Er legte ihn auf einen Tisch und sprang von einer Leiter mit einem Klappstuhl durch ihn durch. Edge hatte verstanden, Edge war wieder da, Edge war heiß. Und mit einem Mal war in einem Match ohne Spannung (der Taker würde sowieso seine Revanche für die Niederlage im TLC bei One Night Stand bekommen) plötzlich Spannung drin. Edge war wieder ernst zu nehmen. Beim SummerSlam lieferte er sich mit dem Deadman eines der feurigsten Hell in a Cell Matches aller Zeiten. Und diese Promo ist eine der besten Promos aller Zeiten.

1. CM Punk: „I hate this idea that you’re the best“
WWE RAW - 27. Juni 2011 und 11. Juli 2011

Ich weiß, ich weiß, es gibt nichts Dämlicheres als eine Top-Liste ohne eine klare Eins. Aber hier muss ich die beiden großen Teile von CM Punks Worked Shoot gemeinsam listen. Es gab schon einige Shoots in der Geschichte der WWE, aber CM Punk ist der Meister. Allein das macht den Second City Saint für mich zur größten Wrestling-Erscheinung der vergangenen zehn Jahre.

Während Stone Cold Steve Austin in seiner Prime Vince McMahon alles antat, was gerne auch jeder andere seinem Boss mal sagen und antun würde, sagte CM Punk alles, was enttäuschte Fans schon lange mal Vince McMahon sagen wollten. Mit so viel Kayfabe- und Tabubruch, so viel Wahrheit wie nie zuvor. Als Smark oder Smart fühlte man sich endlich mal wieder repräsentiert. Punks Promos waren große Unterhaltung, bestachen aber vor allem mit Inhalt.

Am 27. Juni 2011 saß CM Punk also im Stone-Cold-T-Shirt mit einem Mikrofon in der Hand auf der Rampe, und ließ die Zuschauer schnell merken, dass das hier keine gewöhnliche Promo ist. „I hate this idea that you’re the best“, sagte Punk eingangs zu WWE-Posterboy John Cena, der in dieser Grundsatz-Brandrede natürlich das Gegenstück zu Punk bilden musste.

Diese erste Worked-Shoot-Promo, die so überraschend kam und so wichtig wurde, war schon klasse. Die Vertrags-Verhandlung mit Vince McMahon über die Zukunft von CM Punk wenige Wochen später war dann vielleicht die noch bessere Promo. Es war so passend, dass der Boss nach Jahren der Missachtung nicht mal Punks Namen richtig aussprechen konnte. Vieles wurde danach extrem gut gemacht: Wie Vince McMahon den Blickkontakt vermied, wie Punk ihn schubste und zur Weißglut trieb, wie Punk sich so viele Zugeständnisse heraushandelte – nur um am Ende zu realisieren, warum er die WWE doch so viel lieber verlassen will.

Punk ging es nicht um Geld, sondern um Anerkennung und um die Sache. „You don’t give a damn and I care too much“, sagte er zu McMahon. Und Punk sagte noch so viele andere ikonische Sätze, die wir nie mehr vergessen werden und längst Eingang in die Verkehrssprache von Wrestling-Fans gefunden haben: „You don’t know what makes a superstar in 2011“, „I am the voice of the voiceless“ und zu John Cena „You are what you hate. You have become the New York Yankees“. Das war großes Kino. Und am Ende saß Punk dann wieder auf der Rampe wie bei seinem ersten Shoot – und zerriss seinen WWE-Kontrakt. Rundum das vermutlich beste Segment, das ich je gesehen habe. So intensiv und klug, dass man einfach nicht aufhören kann zu gucken und zu hören.

Letzte Änderung amSonntag, 18 Dezember 2016 00:32
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