Top 10 verpasste WWE-Chancen

Für manche Chancen gibt es nur ein kleines Zeitfenster. Wenn das verstreicht, ist die Chance für immer dahin. Das gilt auch - oder besonders - im Wrestling. Das hier sind zehn der ärgerlichsten verpassten WWE-Chancen. Bei einigen möchte man sich noch Jahre später die Haare raufen, wie man diese riesigen Potentiale so mit Karacho gegen die Wand fahren konnte. Bei anderen waren es einfach unglückliche Verstrickungen von Zufällen, Verletzungen oder individuellen Dusseligkeiten. Bitte nehmt das Ranking nicht todernst. Es geht mehr um Richtwerte als feste Platzierungen - und vergessen werden wir auch einiges haben aus der langen Geschichte des Wrestlings.

10. William Regal

William Regal gehört sicherlich auf die Liste der besten Wrestler, die nie einen World Title gewannen. Er ist aber auch einer von denen, die nie ernsthaft eine Chance bekamen. 2008, als es für den alternden Regal eigentlich schon zu spät war für eine Karriere-Verjüngung, hatte er noch eine Chance, sich ins Rampenlicht zu spielen. Er gewann das King of the Ring Tournament und fing an, als unberechenbarer und explosiver General Manager von RAW zu überzeugen.

Im Gedächtnis bleibt der Moment, als Regal während eines Titelmatches zwischen Triple H und Randy Orton die TV-Übertragung abbrechen ließ. Regal zeitgleich als Wrestler und GM, das hatte Potential, und hätte ihn auch vielleicht zu World-Title-Matches tragen können. Doch wegen einer Wellness-Policy-Suspendierung war mit einem Mal alles dahin.

9. Sting in der WWE

Es hätte irgendwie etwas gehabt, wenn Sting auf ewig als der letzte große Rebell gegolten hätte, der nie in der WWE war. Doch auf seine alten Tage wollte Sting unbedingt noch ins McMahon-Land, hatte nach einem verheißungsvollen Start aber nur ein paar mäßige Matches und musste verletzungsbedingt wenig später seine aktive Karriere beenden.

Zu allem Überfluss wurde Sting in seinem einzigen großen WWE-Match bei WrestleMania 31 von Triple H nach Strich und Faden vorgeführt, als ob die WWE nochmal beweisen wollte, dass sie ja schon immer so viel besser als die WCW gewesen sei. Immerhin, kann man sagen, hatte Sting noch seine großen Auftritte. Manchen Fans dürfte aber das Wie so sehr wehtun, dass sie vielleicht wünschten, er wäre doch nie zur WWE gegangen.

8. Hulk Hogan vs. Ric Flair

Hulk Hogan und Ric Flair – für viele Fans gehören die beiden in den Mount Rushmore der größten Wrestling-Stars aller Zeiten. Die beiden vereinen unzählige Titel, legendäre Matches und Momente. In den 80er- und 90er-Jahren gehörten sie zu den Aushängeschildern von WWE und NWA beziehungsweise später WCW. Dass die beiden zeitgleich aktiv waren, aber nie ein ernsthaftes Programm miteinander hatten, ist eine Schande.

Ja, die beiden haben Matches gegeneinander bestritten, etwa beim WCW Bash at the Beach 1994. Groß in Erinnerung bleibt aber keines davon. In der WWE soll es zu WrestleMania 8 große Pläne für ein Duell der beiden gegeben haben. Doch es sollte nie dazu kommen. Stattdessen bekamen wir bei WrestleMania Hogan gegen Sid Justice und Flair gegen Macho Man Randy Savage. So bleibt der Gedanke an Hogan vs. Flair Fantasy Warfare – obwohl beide praktisch zeitgleich auf dem Karrierezenit waren.

7. Edge und Chris Jericho als Tag Team

Edge und Chris Jericho, das sind zwei der phänomenalsten Einzelperformer des bisherigen Jahrtausends. Im Sommer 2009 bei SmackDown aber hingen sie ein wenig in der Luft. So bildeten sie ein vielversprechendes Duo und wurden wie aus dem Nichts WWE Tag Team Champions. Edge und Jericho hätten ein großartiges Duo bilden können, beide waren als Heels unweit ihres Karrierezenits. Die beiden entwickelten sogar einen coolen Team-Finisher. Den sah aber kaum einer, so kurzlebig war das Team. Denn Edge riss sich die Achillessehne und fiel monatelang aus.

Die WWE hoffte gar nicht mehr auf ein Comeback des Teams, sondern splittete es umgehend, setzte mit Big Show einen Ersatzmann ein und baute mit gehässigen Jericho-Kommentaren früh eine Fehde mit Edge auf. Beim Royal Rumble 2010 kehrte Edge zurück und startete mit Jericho eine WrestleMania-Fehde – die übrigens auch nicht ihr volles Potential ausschöpfte. Eine Chance für ein Tag-Team-Comeback gab es danach nie wieder, Edge beendete im Frühjahr 2011 seine Karriere. Es ist schade, dass das Tag Team nie richtig loslegen konnte, es ist schade um einige unterhaltsame Monate in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit Edge und Chris Jericho, Seite an Seite.

6. Der Nexus

Eigentlich könnte man hier unzählige Fehden mit John Cena aus den vergangenen zehn Jahren aufzählen, vor allem die, in denen frische, junge, heiße Talente, die in den Himmel zu schießen drohten, dem Erdboden gleichgemacht wurden. Bray Wyatt kann zum Beispiel ein Liedchen davon singen. Besonders drastisch war es 2010, als Cena darauf bestand, gleich eine ganze Generation neuer Talente auf einen Schlag fertigzumachen: Es geht um Wade Barrett und seinen Nexus. Die NXT-Absolventen waren „over“ wie sonst was, als sie im Sommer 2010 über die WWE herfielen.

Beim SummerSlam kam es zu einem großen Sieben-gegen-sieben-Match zwischen dem Nexus und einem Team WWE. Während sich angeblich etwa Edge und Chris Jericho für einen Sieg der Neulinge stark machten, setzte Top-Dog Cena bei den Verantwortlichen seinen großen Triumphzug durch. Der Nexus lebte danach noch weiter, das große Feuer war aber weg. Anschließend gab es auch noch Möglichkeiten, Nexus-Leader Wade Barrett zum World Champion zu krönen. Aber auch diese Chance ließ die WWE verstreichen. Barrett verlor danach völlig den Anschluss an die Spitze. Von den anderen Nexus-Mitgliedern brauchen wir gar nicht anzufangen.

5. Angle mit Dean Ambrose und Mick Foley

Fast hätte Dean Ambrose einen ganz anderen Start in der WWE gehabt. Nicht als Shield-Mitglied, aber ähnlich vielversprechend in einem Angle mit Mick Foley. Ambrose, selbst Wrestler mit Ultra-Violent-Vergangenheit, sollte ausgerechnet als Gegner des harten Stils auftreten und Hardcore-Ikone Mick Foley anklagen. Foley habe eine ganze Generation junger Wrestler dazu verleitet, sich selbst zu verletzen. Dafür wollte Ambrose, schon damals ein starker Talker, ihn zur Rechenschaft ziehen.

Es gab sogar schon die ersten Aufeinandertreffen: Im Rahmen des WrestleMania-Weekends 2012 stellte Ambrose Foley bei Fantreffen zur Rede, Fans filmten mit ihren Handys und stellten das Material ins Netz. Niemand kannte Ambrose, er war einfach nur irgendein ein Typ, der Foley konfrontierte. Es war ein extrem realitätsnaher Ansatz einer Story. Für Mick Foley wurde es allerdings etwas zu real: Als Ambrose auf Twitter Foley und dessen Familie beleidigte, wollte der Altstar nicht mehr mitmachen. „Vielleicht hätte ich 1995 eine Riesen-Promo rausgehauen“, erklärte Foley später mal. 2012 wollte er damit einfach nichts mehr zu tun haben.

Die Story entflammte nie. Auch deswegen weil Foley eh keine Ring-Freigabe bekommen hätte. Jetzt ist die Chance verpasst und einen manischen, durchgeknallten Heel-Ambrose werden wir in dieser Form wohl nie mehr sehen. Zumal man eben nur einmal in der WWE starten kann.

4. Späte Traum-Matches um die Streak

Ob es ein Fehler war, die die WrestleMania-Streak des Undertaker zu brechen, diskutieren Wrestling-Fans auch zweieinhalb Jahre nach dessen Ende noch. Über den damaligen Zeitpunkt kann man streiten, über Brock Lesnar als Streak-Killer sowieso. Klar ist aber: Das Potential für zwei, drei ganz dicke Money-Matches wäre noch da gewesen.

An allererster Stelle stünde da natürlich ein Match gegen Sting, das WCW-Äquivalent des Deadmans, das so gern im Karrierewinter noch mit dem Undertaker gearbeitet hätte. Jetzt ist die Streak Geschichte, Sting ist gesundheitsbedingt in Rente. Das WrestleMania-Match, das alle am liebsten schon vor vielen Jahren gesehen hätten, gab es nie.

Spannend hätte auch ein Angle mit Ted DiBiase Jr. sein können. Dessen Vater, der Million Dollar Man, hatte den Taker einst in die WWE gebracht. Jahre später hätte der Sohnemann versuchen können, die Karriere des Takers zu beenden. Zugegebenermaßen, auch ohne Streak-Ende wäre die Story kaum mehr umzusetzen – DiBiase hat die WWE schon vor Jahren verlassen. Der Gedanke ist trotzdem spannend.

Und dann ist da noch John Cena. Wie unfassbar spannend wäre es gewesen, wenn Cena gegen die Streak angetreten wäre? Es hätte nicht nur Geld, sondern auch Riesen-Reaktionen gezogen. Alleine schon, weil Cena als das große Feindbild vieler Fans der Letzte hätte sein dürfen, der die Streak beendet. Der Allerletzte. Natürlich hätte Cena die Streak nicht beenden sollen, aber der Hype vor dem Match und die Stimmung während des Matches wären krass gewesen. Ich bin gespannt, ob WWE dieses Match trotzdem noch bringt – ob mit Streak oder ohne.

3. Summer of Punk

CM Punk leitete 2011 einen Trend ein, der eine Zeitenwende hätte sein können, das, was Leute glaubten, könnte eine Art „Reality Era“ sein. Mit seinen Worked Shoots hat Punk die größten Wrestling-Tabus gebrochen, er war damit das heißeste Eisen im Wrestling-Feuer seit Stone Cold Steve Austin. Als Punk die WWE Championship bei Money in the Bank in seiner Heimatstadt Chicago gewann und vermeintlich die WWE verließ, gab es so viele Möglichkeiten.

Man hätte perfekt eine WWE-Titel-Auszeit ausnutzen können. Punk hätte den Titel überall auf der Welt in anderen Promotions verteidigen können, er hätte in Talkshows auftreten können, oder es wäre eine Weile einfach still gewesen. Alleine dadurch wären er und sein späteres Comeback relevant geworden. Stattdessen kam Punk sofort zurück, verlor den Titel schnell wieder und musste zu allem Überfluss noch danach etwa gegen Triple H verlieren. Die WWE hat es eben nicht gern, wenn sie öffentlich kritisiert wird…

2. Die Invasion

2001 war doch eigentlich ein goldenes WWE-Jahr. Ein Jahr der ganz großen Wrestler, ein Jahr der ganz großen Matches, und das Jahr mit der wohl besten WrestleMania aller Zeiten. Beim Gedanken an die größte Story des Jahres werden sich langjährige Fans aber noch heute an den Kopf packen und fragen: Verdammte Axt, wie konnte man das nur verhauen? Es geht natürlich um die Invasion.

Als die WWE nach den Monday Night Wars seinen großen Konkurrenten WCW und auch die ECW aufkaufte und einen Großteil der Wrestler übernahm, gab es die große Invasion-Story, die Bedrohung, dass die Neuankömmlinge – die Alliance – die WWE übernehmen könnten. Die WWE verdiente damit zwar gut, hätte aber sicher ein Vielfaches erzielen können. Denn so richtig Spannung wollte nie aufkommen.

Der Zuschauer merkte im Prinzip die ganze Zeit, dass das einzige Ziel dieser Story es war, die Alliance vorzuführen und als WWE gut da zu stehen. Die Botschaft: Selbst die Besten der Besten aus WCW und ECW sind noch lange nicht so gut wie die aus der WWE. In your face, WCW. Dabei waren viele der Besten aus der WCW wie Goldberg, Sting oder Kevin Nash überhaupt nicht dabei. Viele der erhofften Dream-Matches zwischen WWE und WCW fanden also nie statt.

1. Mr. Kennedy

Was für eine kolossale Aneinanderreihung von Ärgernissen und Fehleinschätzungen. Mr. Kennedy, der Ende 2006 durch seine Fehde mit dem Undertaker zum Aufsteiger des Jahres avancierte, gewann bei WrestleMania 23 Money in the Bank. Mr. Kennedy als künftiger World Champion – das war geradezu ein Versprechen. Doch der grandiose Talker verlor den Koffer und die sichere Titelchance – wegen einer Verletzung, von der man dachte, dass sie ihn monatelang außer Gefecht setzen würde, sich aber später als relativ harmlos herausstellte.

Die WWE hatte mit Kennedy aber weiter große Pläne: Er sollte angeblich in einer groß angelegten Geschichte den uneheliche Sohn von Boss Vince McMahon geben. Start der Story war der „Tod“ von McMahon in einer explodierenden Limousine – doch diese Story musste wegen der Tragödie um Chris Benoit urplötzlich abgebrochen werden. Die WWE entwickelte alternativ einen Comedy-Angle mit Hornswoggle als unehelichem Sohn.

Als Mr. Kennedy dann auch noch wegen eines Verstoßes gegen die Wellness Policy suspendiert wurde, war sein Schwung dahin. Mr. Kennedy kam in der WWE nie mehr aus den Startlöchern, fehlte auch verletzungsbedingt. Sein Name wurde gleichbedeutend mit Stress. Als Topstars wie Randy Orton und John Cena sich dann auch noch beschwerten, Mr. Kennedy sei ein gefährlicher Worker im Ring, setzte die WWE Kennedy vor die Tür. Als Mr. Anderson ging der Wrestler zu TNA, gewann dort auch mal die TNA World Championship. Mit der großen Karriere war es aber vorbei.

Letzte Änderung amDonnerstag, 15 Dezember 2016 23:59
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