Top 20 Wrestling-Promos (Plätze 10-6)

Wir sind in den Top 10! Hier geht es zu den Plätzen 20 bis 16 und 15 bis 11 meiner 20 Lieblings-Promos.

10. The Rock: Hell in a Cell Opponents
WWE RAW - 4. Dezember 2000

Machen wir es kurz und knackig: The Rock ist einfach der König der Comedy-Promos. Vor dem großen Six Men Hell in a Cell bei Armageddon 2000 äffte Rocky seine Kontrahenten nach und traf mit seinen kurzen Parodien genau ins Schwarze. Diesen Kern so zu treffen, das macht gute Comedy aus. Dass The Rock dabei kein Blatt vor den Mund nahm, ließ die Zuschauer in der Halle johlen. The Rocks zweites Kunststück in dieser Promo war es, dabei ernst zu bleiben und sich nicht selbst vor Lachen wegzuschmeißen.

9. Daniel Bryan und John Cena: „You are a parody of wrestling“
RAW - 12. August 2013

John Cena und Daniel Bryan, das ist immer ein Clash zweier völlig unterschiedlicher Philosophien. Das gilt im Ring, am Mikrofon, in ihren Charakteren und bei dem, was sie repräsentieren. John Cena, der früh Aushängeschild und Megastar der WWE wurde, der x-fache World Champion, der Familienstar, der neue Hulk Hogan, auch der, der im Ring immer etwas limitiert war. Und dann ist da der deutlich kleinere Daniel Bryan, der Indy-Star, der Edeltechniker, der, der etliche Fünf-Sterne-Matches ablieferte, aber trotzdem noch kämpfen musste, überhaupt mal eine Chance in der WWE zu bekommen, geschweige denn auch nur einmal WWE Champion zu werden.

Beim SummerSlam 2013 sollten die beiden in einem Match um die WWE Championship aufeinandertreffen. Bei RAW standen sie sich vorher noch am Mikrofon gegenüber. Daniel Bryan wollte von Cena ernstgenommen, mit Respekt und als Großer behandelt werden. Als Cena – wie Bryan Babyface – ihm das nicht einräumte, drehte Bryan den Spieß um. Cena sei nur die Parodie eines Wrestlers, er verdiene es nicht, überhaupt Wrestler genannt zu werden. Als Bryan seinem Gegenüber die Ohrfeige – das Ritual aus Japan vor großen Matches, das er erwähnte – verweigerte, war der kleine Herausforderer endgültig der moralische Sieger.

Cena und Bryan waren am Mikrofon in dieser Promo beide auf dem Höhepunkt ihres Könnens. Gerade Daniel Bryan offenbarte total viel Leidenschaft, total viel Meta-Ebene. Für einen alteingesessenen Fan, dessen Sympathie seit jeher eher bei Bryan als bei Cena liegt, ein großes Fest. Ruiniert wurde die Stimmung am Ende nur durch die unsinnig kurzen Auftritte von Triple H und Randy Orton, die Bryan im Moment der Überlegenheit im wahrsten Sinne des Wortes das Rampenlicht stahlen.

8. Paul Heyman: „You made wrestling a dirty word“
WWE SmackDown - 15. November 2001

Ich bin ein Fan von Shoots. Weil sie einen ehrlichen Kern haben und weil die, die die Promos gestalten, eine wachsende Gruppe an Fans repräsentieren, die sich so sehr danach sehnen, (endlich) repräsentiert zu werden. Paul Heyman, Ex-ECW-Boss und 2001 Sprachrohr der Alliance (dem WWE-Ausläufer von WCW und ECW), feuerte in diesem Fall gegen Vince McMahon und die WWE. Es ist Wahnsinn, wenn man sich die Promo anguckt, wie sehr Heyman schon damals vieles an der WWE, ihrem Programm und ihrer Führung kritisierte, was heutige Fans und Beobachter noch immer bemängeln.

Und Heyman hörte dort nicht auf: Live im TV führte er McMahon vor, den Mann, der quasi mit dem Blut anderer Promoter an seinen Händen seine WWE zum Global Player machte – und auch die ECW unter sich begrub. Super-Talker Heyman mit seiner unvergleichlichen Leidenschaft war in dieser Promo (eigentlich) der Heel, er musste vor dem großen finalen Showdown zwischen der WWE und der Alliance bei der Survivor Series McMahon runterputzen. Dass er es auf Shoot-Art machte, ist Gold. Dass die Fans in der Halle auf McMahons Seite standen, zeigte nur, dass es noch andere Zeiten waren. Heute würden sie Heyman dafür noch in der Halle ein Denkmal bauen.

7. Paul Heyman: „Brock Lesnar lives by the motto: eat, sleep, suplex, repeat”
WWE RAW - 18. August 2014

Eine Promo wie ein Poem! Heyman, Mitte 2014 vielleicht auf seinem Karrierezenit, ist ein wahrer Dichter unter den Talkern und beweist das in dieser Promo. Immer wieder kramt er intelligente Satzspielereien und sprachliche Stilmittel wie parallele Satzstrukturen aus („I am the one behind the one who conquered the one who thought he was the one to beat the one in 21:1“ oder „John Cena would be here if John Cena could be here but John Cena can’t be here…“).

Heymans Promo wirkt wie eine politische Rede, vielleicht tatsächlich wie ein Gedicht und ganz sicher sogar wie ein Rap (passend: guckt euch auch seine geniale Rap-Promo von vor dem SummerSlam 2014 an). Kein Wunder, dass er hier am Ende die „Basic Brockanomics“ auspackt: Eat, Sleep, Suplex, Repeat. Das sagt er 16-mal – für alle 16 Suplexes, die sein Klient Brock Lesnar John Cena beim SummerSlam verpasst hat.

Sprachlich ist Heymans Promo vom Allerfeinsten. Dass der Heel mit der markanten Aussprache sich auch immer wieder zu intensiven Höhepunkten hinreißen lässt, macht die Promo auch emotional greifbar. Sein „Brooooock Leesssnaarrrr“ ist längst ikonisch.

6. Mankind: Interview von Jim Ross
WWE RAW - 19. Mai bis 9. Juni 1997

Man sagt, die besten Charaktere sind die, die die wahre Persönlichkeit des Akteurs widerspiegeln. Selten verschmolzen Wrestler und Charakter, Wahrheit und Fiktion so sehr wie bei diesem Interview von Jim Ross mit Mankind. Mit wahren Geschichten aus dem Leben Mick Foleys erlebte der Zuschauer in vier Teilen die Metamorphose von einem schüchternen Jungen in eine Hardcore-Ikone und hin zum verdrehten Mankind.

In Foleys Fall schreibt das Leben tatsächlich die besten Geschichten. Das sah auch WWE-Boss Vince McMahon so und ließ seinen Wrestler machen. Foley, ein Gegner gescripteter Promos, hatte eine Grundidee im Kopf, was er sagen wollte – und ließ dann dem Ganzen freien Lauf. Das konnte  er wie kaum ein Zweiter. Besonders in diesem Segment war die Umsetzung große Kunst, vielleicht die beste aller Promos im klassischen Interview-Format.

Ganz stark auch das Darstellerische, wie Mankind zunächst verklemmt und verschüchtert mit den nervös verknoteten Händen auf dem Sessel gegenüber von Jim Ross saß, leicht wippte und seine Narben streichelte. Dabei erzählte Foley in seiner unnachahmlichen Anti-Hardcore-Art seine mal mehr, mal weniger tragikomischen Geschichten. Der Zuschauer baut unweigerlich Sympathie auf mit dem vermeintlich so gestörten Bösewicht – ehe Mankind am Ende wieder alles über den Haufen warf, durchdrehte und JR attackierte. Schließlich war er immer noch Heel.

 

Letzte Änderung amSamstag, 10 Dezember 2016 09:19
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