Der größte Schrott zum Fest: Top 15 bizarre Wrestling-Matches

Tja, wie hätte es wohl der große Oliver Kalkofe ausgedrückt: „Es gibt Wrestling-Matches, die sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Das nennt man dann Trash. Und es gibt Wrestling-Matches, die sind so schlecht, dass sie einfach nur grottenschlecht sind. Das nennt man dann gequirlte Sch****!“ Das heutige Kalendertürchen… ist daher den Pro-Wrestling-Kämpfen gewidmet, die in die eine oder andere Kategorie eingeordnet werden können - auf alle Fälle aber im gewisse Sinne Fanmassen und Meinungsbild polarisiert haben.

Und es ist geradezu faszinierend (und auch ein wenig erschreckend), wie viele derartige Darbietungen innerhalb der letzten Jahrzehnte uns von den Ligen so dargeboten wurden. Und diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Daher heute eine Art „Top of the Worst“, bei dem wir auch mal Gnade vor Recht ergehen lassen und somit derartige Matches außen vor, wo man noch halbwegs von etwas Wrestling sprechen kann. Dazu zählen beispielsweise die vielen „…Rules Matches“ oder die „… on a pole“-Kämpfe, wo man an der Mastspitze schon Schaumweinflaschen, Truthähne, Lederjacken, Münzsocken und Viagra-Packungen bewundern konnte. Die gute Judy Bagwell hätte die Traglast dereinst aber wohl überschritten, sodass man sie auf einen Gabelstapler verfrachtete. Nicht unerwähnt bleiben sollen in diesem Zusammenhang auch so historische Meilensteinchen wie „Hog Pen“, „Good House Keeping“, „Boxer vs. Wrestler“, „Brawl for all“, „Last Rites“, „Inferno“ oder „Gulf of Mexico“, um nur einige denkwürdige Kandidaten zu nennen.

Aber… es ging noch denkwürdiger:

15.) San Francisco 49er Match

WCW Heavyweight Championship
Jeff Jarrett © vs. Booker T
WCW Monday Nitro: 02.10.2000

Wer jetzt glaubt, dass man hier passend zur Football-Season ein entsprechendes Hardcore Match präsentiert bekam oder entsprechende Athleten ringside als Lumberjacks, der sah sich getäuscht. Mir persönlich entzieht es sich bis heute, was die damalige Heimmannschaft mit einem Gimmick-Fight zu tun hat, bei dem vier an Fäden hängende Geschenke von den Ecken baumeln: In einem befand sich der auf dem Spiel stehende Titelgürtel, in den restlichen drei unterschiedlich nützliche Gegenstände. In diesem Fall eine Gummipuppe, ein Kohlenarbeiter-Handschuh sowie ein gerahmtes Portrait von Scott Hall! Booker Ts Gesichtsausdruck, als er dies in Händen hielt, glich damals meinem - allerdings für das gesamte Machwerk. Schön war bloß, dass Huffman sich letztlich das Gold sichern konnte. Die deutsche ACW hat eine ähnliche Matchart - nur das dort die Pakete am Boden stehen und nicht bei der kleinsten Berührung schon von selbst herunterfallen. Von daher: mehr als mäßig. Und aus wessen Feder diese Idee bei der WCW kommt, muss ich glaube ich nicht erwähnen…

14.) Graveyard Match

Vampiro vs. KISS-Demon
WCW Bash at the Beach 2000

Der morbide Charme von Fehden, wenn sie auf die jeweilige Sterblichkeit abzielen, hat ihren gewissen salonfähigen Grusel. Das klappt ganz gut in der WWE, wenn der Undertaker als „Fachmann“ für das horizontale Lebensende involviert ist. Und bislang hat das auch beispielsweise in „Buried alive“- und Sarg-Matches ganz passabel funktioniert. Die WCW wollte im Millenniumjahr auf den Zug mit aufspringen - hatte sie doch mit Vampiro jemand in ihren Reihen, der ebenfalls ein Faible für die Ablebenden hatte. Was letztlich aber herauskam, da konnten auch seine Skills nichts mehr retten. Nachdem bereits Sting sein Opfer geworden war (dazu an anderer Stelle mehr), war nun der KISS-Demon an der Reihe. Auch eine Gimmick-Totgeburt, die ihren Schöpfer (Eric Bischoff) überlebt hatte und seitens Vince Russo nun verjobbt wurde. Negativer Höhepunkt des Ganzen war dann das besagte Soft-Brawl-Gerangel auf einem Friedhof, welches zudem eine Aufzeichnung war und wo schließlich auch der Glam-Rock-Fan sein Ende fand. Zum Glück, möchte man meinen, dauerte es nicht zu lange, denn schon zuvor war die Fehde (wie viele der WCW seinerzeit) eher ein Rohrkrepierer. Naja - zumindest Roger-Corman- und Ed-Wood-Fans dürften ihre Freude gehabt haben…

13.) Taipeh Deathmatch

Ian Rotten vs. Axl Rotten
ECW Hardcore Heaven 1995

Angesichts dessen, was man damals als geneigter Fan zu sehen bekam, muss die taiwanesische Hauptstadt ein gefährliches Pflaster sein. Wenn ich dann allerdings bedenke, dass laut Stipulation die getapeten Hände mit Glasscherben versetzt werden, erinnert einen das eher an Thailand und den Beginn des dritten „Rambo“-Films. Egal: gepasst hat es auf alle Fälle zur ECW wie die Faust aufs Auge und hätte auch eine richtig harte Schlacht sein können. Und ich glaube auch, dass die Rotten-Storyline-Brüder entsprechend Hass mit hineingelegt haben. Was letztlich aber herauskam, erinnerte eher entfernt an die UFC oder den „Fight Club“ mit zwei adipös-geneigten Akteuren, die sich ohne wirkliche Wrestling-Aktionen zu zeigen scheinbar beweisen wollten, wer mehr Blut im Körper hat… bzw. wem der größere Aderlass gelingt. Eine Schlachtplatte par excellence… und meines Erachtens eines der schlechtesten Matches, das mir je untergekommen ist. New Blood, please!

12.) Human Torch Match

Sting vs. Vampiro
WCW Great American Bash 2000

Und schon sind wir bei der angesprochenen Fehde zwischen Vampiro und dem Stinger. Die zwei hatten zwar auch ihre jeweiligen Lichtblicke (zum Beispiel ein weitaus besseres Friedhofsmatch als gegen den Demon und andere Gimmick-Fights) - das vorläufige Ende war dann aber ein Fall für geteilte Geschmäcker. Nachdem der Name Inferno Match wohl rechtliche Probleme mit Stamford gebracht hätte, wurde das nun „Human Torch“ genannte Spektakel für den Bash festgelegt mit dem Ziel - ja, richtig - den jeweiligen Gegner zum Sieg anzuzünden. Schon der Name ließ erahnen, in welchem Ausmaß die Flammen die Athleten erleuchten sollten. In einem mehr als mäßigen und zudem sehr kurzen Match trug Vampiro den letztlichen Sieg davon, als er Sting (oder besser dessen Stunt-Double) hoch oben auf dem WCW-Tron anzündete und flackernd in die Tiefe schmiss. Wat ein Abgang… die eigentlich interessantere Randnotiz war da Vampiros mysteriöser Fremder - und bei dem es sich um Chris Daniels handelte. Aber ob er diesen Angle oder die WCW gerettet hätte?! Zitat DDP: I don't think so…

11.) APA Invitational Bar Room Brawl

Bradshaw vs. Farooq vs. Brother Love vs. Shannon Moore vs. Doink the Clown vs. Nunzio vs. Matt Hardy vs. Danny Basham vs. Doug Basham vs. Easter Bunny vs. Sean O'Haire vs. John Hennigan vs. Orlando Jordan vs. Funaki vs. Conquistador Uni vs. Cosquistadore Dos vs. The Brooklyn Brawler vs. Johnny Stamboli vs. Chuck Palumbo vs. Matt Cappotelli vs. Spanky vs. Chris Kanyon
WWE Vengeance 2003

Was tun, wenn der Kader zu groß ist und man auf einer PPV-Card noch Platz hat? In den meisten Fällen lautet die WWE-Antwort „Battle Royal“ oder „Multimen Match“. Letztere Option zog man an diesem Abend - und da man gerade keinen Hardcore-Titel greifbar hatte, ließ man einfach die Acolytes Protection Agency alias APA eine offene Einladung zum lustigen Gerangel in einer stilisierten Saloon-Bar aussprechen. Und schon tummelte sich der Brand-Kader verstärkt um Brother Love, Doink und jemand im Hasenkostüm (der später als Damien Sandow seinen Weg gehen sollte) in der Pseudo-Barwirtschaft. Folglich kloppten, brawlten und schmissen sich die knapp über zwanzig Leutchen für gute fünf Minuten durch die Kulissen, ließen Hocker, Tischen und Einrichtung zu Bruch gehen und übten sich nebenher im einarmigen Reißen in der Halbliter-Klasse. Ein herrlich trashiges wie beklopptes Spektakel - aber es war unterhaltsam… und hatte so seinen Sinn erfüllt. Gewonnen hat übrigens Gastgeber Bradshaw, weil er „Last Man Standing“ war.

10.) Jailhouse Match

Big Bossman vs. The Mountie
WWE SummerSlam 1991

Die Idee war eigentlich nicht schlecht, zwei Ordnungshüter aus benachbarten (aber verfeindeten) Ländern gegeneinander zu stellen. Allerdings tat die Qualität des Matches und seiner Beteiligten sowie der Gesamteindruck einer recht dürftigen Sommerparty ihr Übriges dazu. Seinen gewissen Show-Wert hatte der Kampf - wenngleich eher hinterher, als verschiedene Clips den geschlagenen Mountie hinter Gittern und seinen dortigen Torturen mit erkennungsdienstlichen Maßnahmen und Zellengenossen zeigte. Der Fight selbst… naja, mittelmäßig allemal.

9.) King of the Road Match

Blacktop Bully vs. Dustin Rhodes
WCW Uncensored 1995

Der legendäre wie dürftige Fight, der Rhodes' WCW-Karriere einst für eine gewisse Zeit beendete. Und warum? Weil er und der frühere Repo Man beide einen Blade Job machten, was gegen die damaligen Regularien der Promotion aus Atlanta war. Da fragt man sich, ob man in dem Fall nicht mit zweierlei Maß gemessen hat: Schließlich hieß der PPV „Uncensored“ und sollte eben die etwas härteren Fehden in den Mittelpunkt stellen. Da war Blut nun mal hilfreich - aber andererseits hat auch das den K(r)ampf nicht wirklich besser gemacht. Zwei gestandene Fighter auf einem langsam dahintuckernden Sattelzug, die sich auf der Ladefläche in Käfig-Optik wie zwei Bewegungsverweigerer am Klettergerüst abmühen… und dann nicht mal live - das ist schon was für harte Nerven. Zum Glück hat sich später nicht mal ein Vince Russo wieder an diese Idee gewagt.

8.) Punjabi Prison Match

Undertaker vs. Big Show
WWE Great American Bash 2006

Jeder hat so sein Steckenpferd von Match: also der Kampf, der thematisch auf einen zugeschnitten ist. Legt man das zugrunde, dann müsste sowohl vom Namen her als auch hinsichtlich des Materials das aus zwei verschachtelten Bambus-Käfigen bestehende „Punjab-Gefängnis“ die Paradedisziplin des Great Khali sein. Allerdings stand er bei der Premiere Mitte 2006 nicht im Ring, sondern überließ dem Taker und Paul Wight das Feld. Richtige Entscheidung, nimmt man einmal die jeweils bekannten Skills als Basis. In dem Fall… passte das aber nicht. Die gut zwanzig Minuten zogen sich zwischen beiden Hünen wie zäher Kaugummi hin. Zudem glaubten nur die wenigsten daran, dass die auch nicht gerade leichten Kolosse beim Schließen der letzten Tür es kletternd über die mit angespitztem Bambus verzierten Käfigränder versuchen würden. Ein Fall für die Vorspultaste und - das sollte man auch erwähnen - Khali selbst nebst Batista machten es gut ein Jahr später (diesmal um den Titel) in der Neuauflage besser. Und das will etwas heißen!

7.) Junkyard Invitational Match

Fit Finlay vs. Ciclope vs. Jerry Flynn vs. Johnny Grunge vs. Hak vs. Horace Hogan vs. Brian Knobs vs. Hugh Morrus vs. La Parka vs. Lord Steven Regal vs. Rocco Rock vs. Silver King vs. Squire Dave Taylor vs. Mikey Whipwreck
WCW Bash at the Beach 1999

Gleiches Spiel wie bei der Bar-Rauferei zuvor - nur eine ganze Klasse schwächer, dunkler und unübersichtlicher. Zudem auch nachhaltiger, da sich etliche der 14 angetretenen B-Kaderer bei der Schrottplatz-Stuntrevue verletzt hatten - daher kann man das Match getrost als Schuss in den Ofen betrachten. Allerdings… gilt das für die WCW in der zweiten Jahreshälfte 1999 komplett, da sie sich insbesondere im Sommer auf einer Straße ins Nirvana befand und die Backstage-Scharmützel sich auf die Kampfqualitäten auswirkten. Was bleibt ist eine Prügelei mit Hinterhof-Charakter in einem „Mad Max“-Setting, bei dem Fit Finlay letztlich die Hardcore Trophy ergattern konnte. Man kann aber auch sagen: die goldene Ananas, denn der Preis hatte faktisch keinen wrestlerischen Wert.

6.) Chamber of Horrors Match

Sting, El Gigante & Steiner Bros. vs. Abdullah the Butcher, Cactus Jack, Big Van Vader & Diamond Stud
WCW Halloween Havoc 1991

Der Opener der damaligen Show: Tja, eigentlich war das Match nicht wirklich schlecht - aber auch reichlich bizarr. Den „Fall Brawl“ mit War Games gab es ja noch nicht - aber man hätte schon mal üben können hinsichtlich, dass einer nach dem anderen reinkommt. So war der Fight immer etwas unüberschaubar - und ganz am Anfang habe ich mich gefragt, ob einige den Sinn des Käfigs erkannt haben, wenn sie sich denn außerhalb die Rübe einschlugen. Dann ging es aber hinein - und einige befestigte Schlagutensilien wurden in die Zwistigkeiten mit eingebunden. Passend zu Halloween gab es sogar Särge mit lebenden Mumi… sorry, Masken-Wrestlern - für die Liebhaber von „Familie Munster“ vermutlich. Das eigentlich morbide an dem ganzen Spektakel: Zum Sieg musste man einen der Gegner auf einen elektrischen Stuhl schnallen und den Strom einschalten. Soviel zur gepflegten Familienunterhaltung… Am Ende bekam Abdullah die Ladung ab. Mahlzeit!

5.) Hollywood Backlot Brawl

Goldust vs. Roddy Piper
WWE WrestleMania XII

Kurz vor der größten Veranstaltung des Jahres stand die WWE vor einem Dilemma: Mit Razor „Scott Hall“ Ramon und Sean „123-Kid“ Waltman fielen zwei Athleten kurzfristig aus, die in der damaligen Mittelgewichtsszene wichtige Glieder waren. Also reaktivierte man, um Intercontinental Champion Goldust nicht allein dastehen zu lassen, kurzerhand den Hot Rod für einen Abend. An sich keine schlechte Idee - allerdings war die letztliche Umsetzung an Trash kaum zu unterbieten. Ein wirklicher Brawl kam zunächst nicht zustande, da sich beide wie weiland O.J. Simpson eine Helikamera-überwachte Jagd durch Los Angeles lieferten, ehe sie an der Halle ankamen und dann wild aufeinander einschlugen. Das Ganze über mehrere Segmente zerschnipselt und vorher aufgezeichnet. Die Krönung des Ganzen dann bei der Entscheidung im Ring, wo Piper zunächst beherzt Hand an Goldies Vergnügungszentrum anlegte und dann per rasanter Entkleidung offenbarte, welche Art weiblicher Unterwäsche Runnels wohl bevorzugt. Ein durch und durch maues und unterdurchschnittliches Match. Ein Glück, dass der IC-Belt nicht auf dem Spiel stand - der Makel hätte dem Gürtel noch lange angehaftet.

4.) Hardcore Evening Gown Match

Hardcore Championship
Pat Patterson © vs. Gerald Brisco
WWE King of the Ring 2000

Also grundsätzlich klingt so eine Begegnung erstmal nicht schlecht - wenn man dann aber liest, dass sie zwischen zwei alternden Herren abläuft, quellen einem nicht nur die Augen raus, sondern Galle und Mageninhalt gefühlt gleich mit. Aber das Match hat Symbolcharakter für den wohl schlechtesten PPV des damaligen WWE-Jahres… der anders gebookt sicher eine Augenweide gewesen wäre. Und dann diese Farce: Als ob die Hardcore-Division nicht schon eine Karikatur selbst wäre, wird diese Division mit dem Match nochmals durch den Kakao gezogen. Zwei gestandene Haudegen des Business müssen gegeneinander fehden und sich mit Glitzerkleiden, Strumpfhosen und Perücken derart auftakeln, dass „Ein Käfig voller Narren“ zum Kindergeburtstag verkommt. Dazu kommen gefühlte drei Minuten Rummelringen und Klopperei mit Teddybären, ehe Hardcore-Dauerständer Crash Holly ein Einsehen hat, beide ähnlich Goldust (siehe Nr. 5) demütigend entkleidet und sich per 24/7-Regelung seinen Gürtel wiederholt. Über so viel Trash-Trash kann man nur den Kopf schütteln.

3.) Doomsday Cagematch

The Mega Powers (Hulk Hogan & Randy Savage) vs. The Alliance to End Hulkamania (Ric Flair, Arn Anderson, Meng, The Barbarian, Lex Luger, The Taskmaster, Z-Gangster & The Ultimate Solution)
WCW Uncensored 1996

Und schon wieder die WCW - aber diesmal mit einem echten Klassiker schlechten Geschmacks: Die Grundidee hinter dem auch als „Tower of Doom“ bekannten, vierstöckigen Drahtkäfig war schlichtweg die Zerstörung der Mega Powers Hulk Hogan und Randy Savage, die sich zum Sieg durch alle Ebenen fighten und dabei Leute wie Ric Flair, Arn Anderson und Meng besiegen mussten. Allerdings waren auch Kaliber wie Hogan-Kumpel Brutus Beefcake und - nicht zu vergessen - Tony „Ze Gangster“ Lister sowie Final Solution dabei. Also… Endlösung - was man allerdings erst hinterher bemerkte und den Fehler nicht mehr korrigieren konnte. Doch das Match war ebenso katastrophal: Da der Boden der gleiche Draht wie an den Käfigwänden war, konnte sich kein klassischer Kampf entwickeln, sondern eher ein Brawl wie auf rohen Eiern. Und wenn man dann noch die Skills vom Hulkster und vom Macho Man dazurechnet… kann man sich ungefähr ausmalen, was die Zuschauer in der Halle und an den Fernsehschirmen schemenhaft durch den Maschendraht zu sehen bekamen für ihr Geld. Ein Hauptkampf zum Fremdschämen, bei dem die Baby-Babyfaces dann natürlich auch Cena-like triumphierten. Bezeichnend für den Kampf.

2.) Kennel from Hell Match

Hardcore Championship
Al Snow © vs. Big Bossman
WWE Unforgiven 1999

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo… ein Hundezwinger her. Und mit diesem höllischen Tiergehege toppte man anno 99 den Turm des Untergangs - in negativer Hinsicht. Die Story um Al Snows Schoßhündchen Pepper und den später wörtlich genommenen „Hotdog“ seitens des Bossman war an sich schon trashig genug. Die Rache sollte folgen - und da man für den „Hell in the Cell“-Käfig gerade keine Verwendung hatte, stülpte man ihn über einen normalen Steelcage alter Machart, drapierte angebliche zähnefletschenden Wachhunde dazwischen und nannte das Ganze „Kennel from Hell“. Die wahre Hölle erlebte aber der Zuschauer beim Anblick: Snow und der Bossman erwischten einen schwarzen Tag und zeigten außer ein wenig Brawlerei kaum etwas, was den Begriff Wrestling verdient hätte. Und die titelgebenden Hunde… beschränkten ihre Bedrohlichkeit sowohl auf (offensichtlich) angstbedingte Notdurft als auch darauf, ihren sexuellen Grundinstinkten nachzugehen. Zu viel des Guten für die Fans, die den Fight zurecht bis heute als Synonym für „grottig“ stigmatisierten. Kalk-Olli hätte von gequirlter Kacke gesprochen - und solche lag dann auch haufenweise um den Ring herum, sodass die Kameraleute schon den gefährlichsten Job im Match hatten: nicht auszurutschen.

1.) The Final Deletion

Jeff Hardy vs. Matt Hardy
TNA Impact Wrestling: 15.06.2016

Und damit… zum wohl zweischneidigsten Angle dieses Wrestling-Jahres - und für mich zur Topplatzierung in diesem Ranking. Einige werden jetzt vielleicht anderer Meinung sein, aber es geht hier um die bizarrsten Matches - und bizarr kann sowohl positiv als auch negativ sein. Dass das, was die Brüder da ablieferten, bizarr war, wird mit Sicherheit keiner bestreiten. Das zeigt auch das bisherige Meinungsbild diesbezüglich: Die Bandbreite geht von Meisterwerk bis hin zu audiovisueller Diarrhoe bzw. eher darum, ob man es überhaupt als Match bezeichnen möchte. Meine bescheidene Meinung: eher nicht. Einen gewissen hohen Unterhaltungswert hatte die mit dramatischen Kamerafahrten und -bildern unterlegte Horrorhatz beider auf alle Fälle und auf irgendeinem obskuren Independent-Filmfestival hätte es dafür sicher eine dramaturgische Auszeichnung gegeben (oder zumindest einen Themenabend bei arte). Aber vom Wrestling im eigentlichen Sinne war das Ganze so weit entfernt wie Alpha Centauri für einen Ameisenstaat. Zwischen einigen gut eingebauten Aktionen wie einer Swanton Bomb vom Baum war aber auch viel Kintopp mit anderen Bäumen, Feuer, Feuerwerk und einem falschen Gärtner dabei. Hier sage ich einfach: „Das… ist kein Wrestling, das war einfach… Trash!“ Der aber von einer beachtlich hohen Qualität. Und daher rechtfertigt das für mich auch den Platz 1.

Letzte Änderung amDonnerstag, 15 Dezember 2016 10:19
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