Mega-Match im Main Event: NJPW Wrestle Kingdom 11 – Review

New Japan Pro Wrestling hat mit Wrestle Kingdom 11 wieder einmal alle Register gezogen. In der Mega-Show aus dem Land der aufgehenden Sonne gingen auch die Sterne von vielen der besten Wrestler der Welt noch weiter auf. Die Matches in der Bewertung.

New Japan Rumble

Das alljährliche Match in der Pre-Show war das mit Abstand schwächste an dem Tag. Ein Match mit vielen Altstars, die man als Laie nicht alle identifizieren konnte und die von den Kommentatoren leider selten benannt oder dem Zuschauer näher gebracht wurden. Leider konnte von ihnen im Wrestling-Ring kaum mehr einer was. Das Match blieb langsam und ohne Höhepunkte. Der Amerikaner Michael Elgin, der als fast einziger Teilnehmer noch voll im Saft steht, ist als Sieger die einzige richtige Wahl. Das Match war jedenfalls nix.
Wertung: * (von 5 Sternen)

Tiger Mask W vs. Tiger the Dark

Ein bisschen schräg, der Einstieg in die Hauptshow: Der helle und der dunkle Tiger bringen ihre Fehde aus einer Anime-Serie in echte Leben. Sie zeigten ein paar akrobatische Highflying-Aktionen, nach einer Tiger Bomb des hellen Helden war dann Schluss. Das Match war leider nichts, man gesehen haben muss. Ein Opener, der den Zuschauer noch nicht wirklich ins Event hineinzog.
Wertung: **

IWGP Junior Tag Team Championship
Roppongi Vice (Rocky Romero & Beretta) vs. The Young Bucks (Matt Jackson & Nick Jackson) (c)

Das wäre der bessere Opener gewesen! Die Young Bucks, beeindruckend mit Gold behängt, tragen nicht nur IWG-Junior-Titel, sondern auch PWG und ROH Tag Team Championships – und ihre eigens kreierten Superkick Party Championships. Überraschenderweise mussten sie einen Titel an Rocky Romero und Beretta abgeben: In einem innovativen, kurzweiligen Match mit einer Prise (sehr simpler) Komik gewann Roppongi Vice – gut gemacht.
Wertung: ***1/2

Never Openweight Six Men Tag Team Championship
Gauntlet Match
Bullet Club (Bad Luck Fale, Yujiro Takahashi & Hangman Page) vs. Chaos (Yoshi-Hashi, Will Ospreay & Jado) vs. Sanada, Evil & Bushi vs. Satoshi Kojima, Ricochet & David Finlay (c)

Die ganze Undercard versammelt, offenbar um noch einige Namen auf der Card unterzubringen. Da wirken die Teams um Will Ospreay und Ricochet (der als Champion ins Match ging) schon reichlich zusammengewürfelt. Das Match war nicht wirklich schlecht, hinten raus sogar ganz kurzweilig. Insgesamt aber nichts, was in Erinnerung bleiben wird.
Wertung: ***

Juice Robinson vs. Cody

Zwei Ex-WWEler unter sich: Cody Rhodes trifft bei seinem Tokyo-Dome-Debüt auf Juice Robinson, der mal als CJ Parker bei FCW und NXT auftrat. Folglich sahen wir hier das amerikanischste Match des Abends. Der Fight, kurz und knackig und mit dem erwarteten Sieger, hätte auch bei WWE in der Midcard stehen können.
Wertung: **1/2

ROH World Championship
Adam Cole vs. Kyle O'Reilly (c)

Hier gab es eine in meinen Augen faustdicke Überraschung: Nur wenige Wochen nach seinem ersten World-Title-Gewinn wurde Kyle O'Reilly schon wieder entthront. Adam Cole holte sich das Gold zum dritten Mal in seiner Karriere. Das kann man kritisch sehen, zumal das Match in gerade mal zehn Minuten in der tiefsten Midcard abgefrühstückt wurde. Man konnte sich das Duell aber trotzdem ganz gut angucken. Cole und O'Reilly stellten sich und ihre Charaktere gut vor, zeigten ihre Eigenheiten und ein paar gute Move-Folgen. Das Finish war etwas deutlich, geht aber in Ordnung.
Wertung: ***1/3

IWGP Heavyweight Tag Team Championship
Chaos (Toru Yano & Tomohiro Ishii) vs. Great Bash Heel (Togi Makabe & Tomoaki Homna) vs. Bullet Club/Guerrillas of Destiny (Tama Tonga & Tanga Roa) (c)

Fast immer, wenn ein Performer oder ein Team kurzfristig in ein bestehendes Match eingebaut wird, hat das einen Grund. Und der hieß auch hier: Titelwechsel. Toru Yano und Tomohiro Ishii sicherten sich das Gold. Es war das letzte Match auf der Card, das reine Durchschnittskost blieb.
Wertung: **1/2

IWGP Junior Heavyweight Championship
Hiromu Takahashi vs. KUSHIDA (c)

Mit diesem Match geht Wrestle Kingdom erst so richtig los! Hiromu Takahashi, früher unter den Namen Kamaitachi als Young Lion gestartet, tourte um die Welt, erfand sich neu und kehrte jetzt unter seinem bürgerlichen Namen zu NJPW zurück, um IWGP Junior Heavyweight Champion zu werden. Takahashi, der einen Großteil der Aufmerksamkeit bekam, machte einen spannenden Eindruck. Gemeinsam mit Kushida zeigte er ein sehr gutes Match mit einigen High-Risk-Sprüngen und klasse Kontern, etwa als Kushida seinen heranfliegenden Gegner außerhalb des Rings mit einem Cross Armbreaker abfing. Über weite Strecken des Matches musste Kushida viel einstecken, ehe er selbst zu einer sehr verbissenen Offensive ansetzte. Das Match mündete in eine spannende und offene Schlussphase, an deren Ende der nächste Titelwechsel stand.
Wertung: ****

Never Openweight Championship
Hirooki Goto vs. Katsuyori Shibata (c)

Jetzt bleibt es hochklassig! Großes Lob zunächst an die englischen Kommentatoren Kevin Kelly und Steve Corino, dafür, wie es ihnen gelang, dem Zuschauer die beiden höchst unterschiedlichen Charaktere und ihre Geschichten dem Publikum näher zu bringen. Im Match präsentierte sich Shibata wie gewohnt als absoluter Killer, vielleicht ein Ninja, blitzschnell, effizient, eiskalt, brutal. Aber endlich, nach vielen erfolglosen Anläufen in der Vergangenheit, gewann Goto mal wieder einen Singles Title. Und es war ein gutes Match, sehr verbissen, mit knüppelharter Schlussphase und toller Finish-Folge. Es ist der bereits sechste Titelwechsel bei Wrestle Kingdom 11.
Wertung: ****

IWGP Intercontinental Championship
Hiroshi Tanahashi vs. Tetsuya Naito (c)

Hier hat fast alles gestimmt. Naito und Tanahashi mit einem Klasse-Match. Die gegenseitige Beinbearbeitung zog sich wie ein roter Faden durch das Match, und zwar auf eine Weise, dass es nicht langweilig, sondern emotional wurde. Dass Naito gewann, ist aus meiner Sicht die einzig richtige Entscheidung. Tanahashi kann ich nicht wirklich leiden, ich kann gar nicht anders, als in ihm den japanischen Cena zu sehen. Naito ist zwar bisher auch nicht mein größter Favorit, aber er ist schon ein ziemlich cooler Hund – und ein toller Wrestler dazu. Jetzt dürfte er wohl in den japanischen Olymp vorstoßen. Anschauen!
Wertung: ****1/2

IWGP Heavyweight Chamionship
Kenny Omega vs. Kazuchika Okada (c)

Das war einfach umwerfend, phänomenal, episch. Okada und Omega sind einfach zwei der besten Wrestler, die es zurzeit überhaupt auf diesem Planeten gibt. In einem Match, das mehr als eine Dreiviertelstunde lang ging, boten die beiden alles, was ein Wrestling-Match nahe der Perfektion braucht. Starker Aufbau, konsequente Strukturen, und eine sich steigernde Intensität, die in eine ausgedehnte, heftige und zum Fingernägelkauen spannende Schlussphase gipelte. Schon jetzt ein heißer Kandidat auf das Match of the Year. Mega!
Wertung: *****

Letzte Änderung amSamstag, 07 Januar 2017 14:56
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