Bret Hart wird 60: Mein Treffen damals mit dem Hitman

Bret Hart wird heute 60 Jahre alt. Bei anderen mögen es die Fußballer sein, bei denen man merkt, wie sehr man altert, bei mir sind es die Wrestler. Mit größtem Erstaunen habe ich neulich festgestellt, dass Tyler Bate (20) und Pete Dunne (23), die bei NXT TakeOver: Chicago ein grandioses Match auf die Beine gestellt haben, beide eine ganze Ecke jünger sind als ich (meines Zeichens Jahrgang 90).

Vor einigen Jahren durfte ich das Geburtstagskind tatsächlich mal persönlich treffen – und man, bin ich seitdem gealtert, ganz im Gegensatz zum Hitman. Und man mag mir an dieser Stelle reichlich pathetischen Kitsch unterstellen: Mein Treffen mit Bret Hart war das eindrücklichste, was ich je mit einem Wrestler hatte. Getroffen habe ich während meiner Nerd-Zeit so einige (bevor die Vorwürfe kommen: das ist kein Angeben – Geld für Meet and Greets ausgeben kann wirklich jeder): Ich hatte einen kurzen Schnack auf Deutsch mit Mick Foley, habe Bubba Ray Dudley einen Drink ausgegeben und durfte für die Vorgängerseite ein ausgiebiges Interview mit Rob Van Dam führen, aber an den Hitman kommt da nix ran.

Im Herbst 2009 leistete ich meinen Zivildienst (ich werde wirklich alt...) und war auf dem Höhepunkt meines gelebten Nerdtums angekommen. Wer sich noch an die WrestleMania-Countdowns erinnern sollte (zwei, drei von euch haben die vielleicht tatsächlich gelesen): Das war 2009. Gut einen Monat vor meinem Treffen mit dem Hitman war ich in Los Angeles bei TNA Bound for Glory, auch 2009. Am Tag der deutschen Einheit diesen Jahres fand der erste Event von Alex Wrights Promotion New European Championship Wrestling statt – ich war auch da. Ein für mich nie wieder erreichter Peak an Nerdigkeit. Ich schwebte im siebten Himmel.

Und dann tourte im November eine Wrestlingpromotion namens „American Wrestling Rampage“ durch Europa, u. a. mit vier Shows in Deutschland. Die Rahmenbedingungen waren eher so semi-professionell: eine der Shows, die in Mannheim anberaumt gewesen war, wurde kurzfristig ersatzlos gestrichen, die andere, die für die Essener Grugahalle gebucht war, verschob sich nicht mal eine Woche vorher in die weitaus kleinere Turbinenhalle nach Oberhausen. Naja. Dabei war das Lineup gar nicht mal so schlecht: Unter anderem warben durchaus bekannte Gesichter wie Rob Van Dam, Sid Vicious und Sabu, auch mittelprächtig bekannte Gesichter und/oder abgehalfterte Altstars wie Scotty 2 Hotty, Raven oder René Dupree waren dabei und schließlich gab es da auch noch diejenigen, die in Insiderkreisen bereits als DER Shit gehandelt wurden und in der Tat sollten es PAC alias Neville und El Generico alias Sami Zayn noch einmal sehr weit bringen.



Bret Hart war schließlich auch für ein paar Autogrammstunden und Interviews mit ein paar Pressefritzen dabei. Und jetzt ratet mal, wer bei den Pressefritzen dabei war – genau, der alten Frau Schier ihr sein Sohn. Endlich durfte ich mich mal wirklich wichtig fühlen. Dabei waren wir gar nicht für ein Interview mit dem Hitman vorgesehen: Ich hatte mich auf das angesprochene Interview mit Rob Van Dam eingeschossen. Ich war auch für mein erstes Interview damals doch recht gut vorbereitet. Wir quatschten dann auch wirklich nett über RVDs Einsatz für Marihuanalegalisierung, darüber, dass er deutsche Hotels sehr schätzt, weil sie länger Frühstück anbieten als anderswo, über seinen Comicshop, den er vor ein paar Jahren mal hatte und das für mich sehr überraschende Statement, dass Wrestling für ihn zu diesem Zeitpunkt einfach nur noch ein Job sei, den er machen müsse, damit der Kühlschrank voll wird. Noch wirklich Bock drauf? Ähäh. Fehlanzeige.

Während des Interviews geschah aber etwas Seltsames: Bret Hart betrat den Raum. Und jetzt sind wir beim erwähnten pathetischen Kitsch: Bret Hart ist der einzige Mensch, dem ich bis jetzt begegnet bin, der tatsächlich eine Aura hat. Seine Präsenz im Raum ist spürbar – und dabei sah er unheimlich kaputt aus. Gehirnerschütterung und Schlaganfall forderten ihren Tribut, er stand so wenig im Training wie ich und so, wie Hart angezogen war und sich bewegte, wirkte er eher wie ein deutscher Rentner als wie der Top-Star von einst, aber er zog alle Augen auf sich.

Dann kam Bret Hart tatsächlich nochmal zu mir, nachdem ich mit dem RVD-Interview fertig war. Das traf mich unvorbereitet. Während mein Englisch bei Rob Van Dam noch ganz gut war, stammelte ich bei Hart ziemlich zusammenhangslosen Mumpitz zurecht. Dabei war ich nie ein ausgesprochen großer Fan von ihm: Klar hatte er seine tollen Matches, aber dieses ewige rumkritteln am aktuellen Produkt und diese ewige Verbitterung wegen des Screwjobs (das war damals auch noch kurz vor seiner öffentlichen Aussöhnung mit Shawn Michaels) hatten ihn für mich eher unsympathisch gemacht. Aber trotzdem: Bret Hart ist definitiv die beeindruckendste Person, die ich bisher getroffen habe.

Heute wird Bret Hart 60 Jahre alt. Alles Gute, Bret. Ich hoffe, du erinnerst dich nicht mehr an mich, es wäre mir peinlich.

Letzte Änderung amMontag, 03 Juli 2017 13:34
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